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DerWissende schrieb:
Auslöser von mind. 80% aller Kriege auf der Welt sind / waren unterschiedliche Religionen. Wenn man daher alle Religion "abschaffen" würde, wäre man dann einen weiten Schritt näher am Weltfrieden?
Nach dem Lesen des Threads und des Starterthemas erscheint mir die Aussage immer noch reichlich naiv. Falsch auch.
Es wäre wohl richtig zu sagen, daß 80% der Kriege durch "Glauben" verursacht werden.
Und ein wichtiger Glaubensstifter ist natürlich die Religion.
Aber das wesentliche Moment zur Anstiftung war es doch letztlich immer, die Masse mit dem Glauben an ein Ziel in Bewegung zu setzen - dem Glauben an den Kaiser, an den Führer, an eine Ideologie, oder eine Religion. Ich denke sogar, daß die wirklich großen Kriege zuletzt eben nicht aus religiösen Motiven geführt wurden. Sondern hier wurde der Glaube an eine Ideologie als treibende Kraft benutzt.
Das Problem mit der Religion ist, daß die Menschen auch ohne sie immer noch glauben. Halt nur was anderes. An die Physik. An ein Betriebssystem. Es ist doch offensichtlich, daß mancher Flamewar zu einem OS leicht in eine Schlägerei ausarten würde, würde man die Leute in einen Raum stecken und bewaffnen. Aber ich kann mir genauso gut vorstellen, daß es einen Krieg zwischen einem pur atheistischen und einem gottesgläubigen Staat gibt, weil die Atheisten endlich die andere Seite von ihrem falschen Glauben abbringen will.
Noch zwei Anmerkungen zur Religion und Glauben:
In Deutschland nimmt die Zahl bekennender Christen bekanntlich ab. Allerdings kann man seit einigen Jahren in Umfragen beobachten, daß die Zahl der Leute, die an Horoskope, Übersinnliches, etc, glaubt massiv zunimmt. Letztlich wird nur die Grundlage des Glaubens getauscht, am Mindset ändert sich deswegen noch lange nichts. Früher hätten einen die Leute umgebracht, weil man die Jungfrauengeburt anzweifelt, heute bringen sie einen um, weil man bezweifelt, daß es PSI gibt.
Nur monotheistische Religionen bergen das Problem in sich, daß sie keine andere Religion neben sich dulden können, daß sie einen Alleinstellungsanspruch haben. Und daß die andere Seite an den "falschen Gott" glaubt. Befasst man sich ein wenig mit Geschichte, mit dem Schwerpunkt des alten Ägyptens, stellt man rasch fest, daß die ersten Religionskriege aufkamen, als man den Sonnengott zum einzigen Gott erheben wollte. Seit der Zeit ist das ein Thema. Polytheistische Religionen haben das Problem mit fremden Göttern immer dadurch gelöst, daß sie die anderen Götter adaptierten, oder umbenannten. Es fällt jemandem mit 200 Göttern viel leichter, noch mal 50 hinzu zu nehmen. Hauptfehler ist also eher, daß Judentum, Christentum und der Islam sich gegenseitig ihre Rechte auf Gott absprechen wollen.