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Jansen schrieb:
Drehen wir uns hier nicht im Kreis? Dass ich die These, dass "liberale" Staaten reicher sind, weil ihre Bürger dank der liberalen Innenpolitik mehr erwirtschaften, für falsch halte, hatte ich doch schon zum Ausdruck gebracht.
Naja, Du darfst sie ja gerne für falsch halten, aber es wäre ganz interessant zu wissen, warum Du das so siehst. Wenn man sich die statistischen Erhebungen zB der Heritage Foundation ansieht (Index of Economic Freedom: http://www.heritage.org/research/features/index/), dann wird meine These sehr gut gestützt.
Natürlich zeigt das nur eine Korrelation, aber es ist ja nicht so, daß es keine Theorie gäbe, die dieses Faktum nicht erklären könnte ...
[...] das Problem liegt aber nicht im Kapitalismus, sondern im Staatensystem, insbesondere darin, daß der Staat die Kriegskosten auf seine Bürger umlegen kann.
Was hindert einen vermeintlich weniger liberalen Staat oder einen Diktator daran, Kriegskosten auf die Bürger umzulegen?
Er tut es auch, er hat nur weniger Ressourcen zur Verfügung. Geld und Kapital ist endlich; Gesellschaften werden auch nicht dadurch reicher, daß man mehr Geld druckt, o.ä. Jeder Cent, der ausgegeben wird, muß erwirtschaftet werden.
Reiche Gesellschaften können sich eher leisten, aggressive Aussenpolitik zu machen. Reiche Gesellschaften sind in den meisten Fällen innenpolitisch liberaler (siehe oben). D'accord?
Zumindest in der Theorie, praktisch sieht es ja eher so aus, dass die, die am stärksten profitieren, am wenigsten beitragen.
Na, Du willst wohl darauf hinaus, daß die Reichen zu wenig Steuern zahlen. Darüber kann man ja streiten, aber wieso profitieren die Reichen am meisten? Profitieren tun die, denen man die Steuergelder letztenendes gibt und das sind in den meisten Fällen nicht die reichesten Teile der Gesellschaft, sondern die ärmsten.
Mal abgesehen davon, daß die These, daß die Reichesten zu wenig zahlen, vielleicht in Deutschland wegen unübersichtlicher, bürokratischer Regelungen zutreffen mag (ausserdem habe ich, ausser einem Interview mit Rührup gerade keine Zahlen dazu da :)), in den meisten Ländern ist das nicht so. Beispiel USA, da bestreiten die reichsten 1% der Bevölkerung etwa 25% des direkten Steueraufkommens (und erbringen rund 15% des Volkseinkommens). Ist das immer noch zu wenig? Oder ist der Anteil des Volkseinkommens zu hoch, weil der Kapitalismus bekanntermassen die Armen ärmer und die Reichen reicher macht? Das triffts übrigens auch nicht, wenn man sich mal ansieht, wie groß der Anteil des Volkseinkommens der oberen 1% von 100 Jahren mal war ...
Besser wäre es, wenn die Rohstofflieferanten angemessen bezahlt werden würden, dito für die billigen Arbeitskräfte im "Rest der Welt".
Ist es fair, daß die multinationalen Konzerne, so sie denn investieren, die Arbeiter oft besser bezahlen, als heimische Konzerne (weswegen man ihnen ja auch die Türen einrennt)?
Ausserdem, was sind denn angemessene Preise? Preise über dem Marktpreis?
Wenn ich Produkte über Marktpreis kaufe, dann bin ich (1) doof und (2) führt das zu einer Verkappung, weil nicht jeder über Marktpreis bezahlen kann (zum Beispiel die Entwicklungsländer selbst). Außerdem: wenn ich Holz in Südamerika über Marktpreis einkaufe, dann bleibt weniger Geld für den Kaffee. So ungefähr funktioniert ja "Fair Trade".
Ein Kauf ist übrigens immer ein Win-Win-Geschäft, sonst würde der Verkäufer nicht ver- und der Einkäufer nicht einkaufen.
Mit den so erzielten Einnahmen könnten die Länder in die Verbesserung der Ausbildung, Infrastruktur etc. investieren, um selbst hochwertige Güter und Dienstleistungen zu produzieren.
Normalerweise wäre es für diese Länder kein grosses Problem, andere Dinge als Nahrung oder Textilien herzustellen (an dieser Stelle sei nochmal das Beispiel Südostasien erwähnt: vor 30 Jahren ging es den Ländern dort genau so, wie heute den meisten afrikanischen Ländern; die haben sich dann aber häufig, zB Taiwan, auf Technologie spezialisiert und den Rest einfach importiert. In Afrika ist man den anderen Weg gegangen, man versuchte den Staat selbst zu versorgen und die überschüssigen Produkte auf dem Weltmarkt loszuwerden.). Ansonsten gebe ich dir voll und ganz recht, das könnte man alles mit Geld machen und es passiert ja auch, wenn auch ganz, ganz langsam, aber zB der Automobilisierungsgrad in Afrika nimmt zu. Das kann man nicht nur dadurch erklären, daß Despoten noch mehr Benze kaufen.
Freihandel? EU: Mit Zöllen gegen Entwicklungsländer
Richtig. Da sieht man mal wieder, wie Freihandel beiden Seiten nützen würde, uns Europäern und den Entwicklungsländern: Wären die Zölle weg, dann könnten wir den billigeren Weizen aus Afrika usw. kaufen und hätten mehr Geld in der Tasche, den wir dann beim deutschen Handwerker sonstwo hinein investieren oder konsumieren könnten. Stattdessen hält die EU die Preise künstlich hoch, um den europäischen Bauern ihre Pfründe zu sichern. Das ist wieder eine Subvention zu Lasten des Verbrauchers _und_ der Entwicklungsländer.
Trotzdem betreiben viele afrikanische Ländern zu wenig Handel (siehe oben, vgl. Asien) und benutzen das "die bösen Europäer und ihre fiesen Zölle" als Ausrede. Wir tun ja alles, aber die sind so fies zu uns. Stimmt so nicht.