Wie kann Schule wirklich besser werden?
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estartu schrieb:
nur weil es was Neues ist und nix mit Kultur zu tun hat (sowas wäre gefördert worde, hab ich selber gehört).
Ich habe jetzt große Teile nicht mitgelesen, aber ich wollte schon die ganze Zeit etwas dazu sagen, dass hier und wahrscheinlich auch von vielen anderen Leuten die Mathematik und die Naturwissenschaften der Kultur gegenübergestellt werden. Das ist IMHO eine völlig pervertierte Sichtweise von Kultur. Wissenschaftliche Disziplinen wie die Mathematik sind aus meiner Sicht zentrale Bestandteile der Kultur. Diese Wissenschaften prägen zu erheblichen Teilen unser Weltbild und eine Beherrschung von Arbeitsmethoden dieser Bereiche ist für das alltägliche Leben äußerst wichtig.
Ich möchte mal auf folgenden Link verweisen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/aktuelles/bildungsvergleich.pdf
Guckt mal, was man dort unter "Basalen Kulturwerkzeugen" versteht:
[...]
Basale KulturwerkzeugeDer Zugang zu den symbolischen Gegenständen der Kultur ist nicht voraussetzungslos.
Je nach Bereich in unterschiedlichem Ausmaß bedarf es der Beherrschung kultureller
Basiskompetenzen. Dies sind:
• Beherrschung der Verkehrssprache
• mathematische Modellierungsfähigkeit
• zunehmend fremdsprachliche Kompetenz
• IT-Kompetenz
• Selbstregulation des Wissenserwerbs.
Diese Basiskompetenzen sind nicht die einzigen, aber wichtige Voraussetzungen für die
- wie Heinz-Elmar Tenorth es einmal ausgedrückt hat - Generalisierung universeller
Prämissen für die Teilhabe an Kommunikation und damit auch für Lernfähigkeit.
[...]Mathematische Modellierung oder auch IT-Kompetenz werden also als kulturelle Basiskompetenz angesehen.
BTW: Was zum Schmunzeln: Guckt mal, was Google zum Stichwort "Kulturwerkzeug" als Verbesserungsvorschlag bringt:

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Hm. Warum sollte eine Uniform verletzen und bestrafen? ich finde sie macht den Umgang der Kinderchen untereinander einfacher, weil eben erstmal keine sichbaren "Klassenunterschiede" da sind.
Mittlerweile bin ich mir bei der Notwendigkeit einer Schuluniform nicht mehr so sicher. In der Diskussion hier und auch mit Freunden hat sich doch gezeigt, das man das Prinzip durch Schmuck, Körpermaße usw. aushebeln kann. Will heißen, irgendwie findet der mensch immer einen Weg "gleicher" zu sein, als die anderen.
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F98 schrieb:
Hm. Warum sollte eine Uniform verletzen und bestrafen? ich finde sie macht den Umgang der Kinderchen untereinander einfacher, weil eben erstmal keine sichbaren "Klassenunterschiede" da sind.
Klassenunterschiede äußern sich, entgegen der Behauptung vieler, nicht proprietär durch Kleidung, und inwiefern es den Umgang erleichtern sollte, alle Schüler in die gleiche, ungewollte Kleidung zu verfrachten, ist mir schleierhaft. Auch wenn immer wieder von Mobbing durch Markenkleidung/Nichtmarkenkleidung die Rede ist: Man sollte aufhören, irgendwelche Ausnahmefälle oder völlig normale Gegebenheiten (Mobbing kann nähmlich durch und auf Grund von so ziemlich allem erfolgen) in das Zentrum des Blickwinkels zu schieben, und durch deren Unterdrückung (nicht Bekämpfung!) bestenfalls Protzaktionen und Missgunst in den Reihen der Schüler auszulösen, und sich stattdessen schlichtweg mal Gedanken um den Ursprung der Probleme machen -> Und der liegt bestimmt nicht darin, dass der eine mit Sachen von "New Yorker" und der andere mit solchen vom Ladenschlussverkauf aus der Speicherstadt zur Schule kommt.
Genau so war das damals mit dem Amoklauf: Ein Geisteskranker rennt durch seine Schule und schießt mit einer Waffe wild um sich, und plötzlich ist die gesamte Jugend eine respektlose Meute, die von morgens bis abends zuhause vor dem Computer mit irgendwelchen Ego-Shootern ihre Aggressionen aufbauen und, in ihrer völlig verkümmerten Weltsicht, nicht mehr zwischen Bits und Leben unterscheiden können! Und natürlich kommen plötzlich 85% der Jugendlichen an Waffen ran, viel zu viele nehmen Drogen, die Jugend allgemein ist Respektlos, rotzfrech und hat weder Anstand noch benehmen ... Wobei man es ihr, selbst wenn es so währe, wie es oftmals falsch propagiert wird, gar nicht mal übel nehmen könnte, wenn man mal betrachtet, wie sie von der Gesellschaft behandelt wird.Meine Meinung: Verallgemeinerung ist kein ausschlaggebendes Argument. Etwaige Beschlüsse wie die Uniformen bauen einzig und alleine auf Verallgemeinerung auf. Nur weil manche Leute (eine Minderheit, die durch ihre Penetranz/Präsenz aber besonders auffällt oder auffallend gemacht wird) aus der Menge oder dem schönen Weltbild hervorsticht, kann man ihr Verhalten nicht als Regel betrachten und versuchen, etwas zu unterdrücken (bzw. diese Unterdrückung erzwingen), was alle betrifft (und dann auch noch gar erwarten, dass irgendwas besser wird).
F98 schrieb:
ich finde sie macht den Umgang der Kinderchen untereinander einfacher, weil eben erstmal keine sichbaren "Klassenunterschiede" da sind.
Hast du mal daran gedacht, dass diese "Kinderchen" selbstständige Lebewesen sind, die, wie du (ob du es glaubst oder nicht), sowohl über einen eigenen Willen als auch eine eigene Wahrnehmung verfügen? Wie würde es dir gefallen, wenn dich jemand einfach in eine Schublade mit anderen Leuten stecken würde, und sich dann so herrscherisch und diskriminierend über "euch" (alle, dich einschl.) äußern würde? Wenn man dann über "euch" reden würdet, als währt "ihr" irgendein Problemfall der Gesellschaft, der durch Unterdrückung, pseudo-didaktische Regeln und irgendwelche dahergeholten, statistik- oder durchschnittsbasierten Bekehrmaßnahmen kontrollier werden müsse? Denk mal darüber nach, wer diese Schüler eigentlich sind (und nicht was!), über die du hier wie über gläserne Objekte argumentierst.
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Hallo
Hast du mal daran gedacht, dass diese "Kinderchen" selbstständige Lebewesen sind, die, wie du (ob du es glaubst oder nicht), sowohl über einen eigenen Willen als auch eine eigene Wahrnehmung verfügen
Einzeln -> ja
in der Masse -> ganz klar NEINBei "Uniformen" bin ich zwiegespalten
Aber das sich solche "Gruppen" durch "besondere" Kleidung hervotrtun (versuchen)
erleben meine Kinder (10/12) eben so richtig schoen
(genauso wie du das eben bestritten hast - New Yorker usw)
Zum Glueck machen sich meine Kinder da nicht viel daraus, aber in den Klassen herscht "Krieg" - anders kann man das nicht ausdrueckenMfg
Klaus
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F98 schrieb:
Hm. Warum sollte eine Uniform verletzen und bestrafen? ich finde sie macht den Umgang der Kinderchen untereinander einfacher, weil eben erstmal keine sichbaren "Klassenunterschiede" da sind.
nun, deine meinung relativierst du, um es zurückhaltend zu formulieren, durch:
F98 schrieb:
Mittlerweile bin ich mir bei der Notwendigkeit einer Schuluniform nicht mehr so sicher. In der Diskussion hier und auch mit Freunden hat sich doch gezeigt, das man das Prinzip durch Schmuck, Körpermaße usw. aushebeln kann. Will heißen, irgendwie findet der mensch immer einen Weg "gleicher" zu sein, als die anderen.
also: kinder finden sowieso irgendwas, um gewisse leute auszugrenzen. zu dick, pickel, körperliche oder geistige behinderung, egal was.
warum bestrafung, warum verletzung? mit der vorschrift einer einheitlichen kleidung nimmst du den kindern rechte weg. zwar auch denen, die sie mißbrauchen, aber gerechterweise mußt du sie auch denen wegnehmen, die sie nicht mißbrauchen und sich benehmen. wie willst das denen gegenüber rechtfertigen?
@KlausB: und wer müßte sich denn jetzt ändern, um die gegenwärtigen zustände, wie du sie beschreibst, zu ändern? doch wohl am ehesten die, die sie verursachen, nämlich diese deppen bzw. deren eltern! denen muß klargemacht werden, daß sie bzw. ihre kinder das gesamte schulleben und damit natürlich insbesondere den unterricht stören und sie demzufolge etwas zu ändern haben!
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Hallo
sehr schlau und gut gesagt
Aber WIE
Mfg
Klaus
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Nochmal: Indem alle an einem Strag ziehen: Eltern, Kinder, Lehrer, Staat. Ist ein langwieriger Prozeß und nicht heute lösbar.
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scrub schrieb:
F98 schrieb:
Hm. Warum sollte eine Uniform verletzen und bestrafen? ich finde sie macht den Umgang der Kinderchen untereinander einfacher, weil eben erstmal keine sichbaren "Klassenunterschiede" da sind.
nun, deine meinung relativierst du, um es zurückhaltend zu formulieren, durch:
F98 schrieb:
Mittlerweile bin ich mir bei der Notwendigkeit einer Schuluniform nicht mehr so sicher. In der Diskussion hier und auch mit Freunden hat sich doch gezeigt, das man das Prinzip durch Schmuck, Körpermaße usw. aushebeln kann. Will heißen, irgendwie findet der mensch immer einen Weg "gleicher" zu sein, als die anderen.
also: kinder finden sowieso irgendwas, um gewisse leute auszugrenzen. zu dick, pickel, körperliche oder geistige behinderung, egal was.
Ja. Deswegen sollte man ihnen nicht auch noch weitere Gruende leifern. Warum werden Mitschueler ausgegrenzt? Weil SIE anders sind, oder weil an ihnen ETWAS anders ist?
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Apollon schrieb:
Warum werden Mitschueler ausgegrenzt? Weil SIE anders sind, oder weil an ihnen ETWAS anders ist?
Gegenfrage: Warum werden solche Leute (Behinderte) nicht von allen ausgegrenzt?

Und warum kommt man mit dem einen Behinderten aus und mit anderen nicht?Beispiele (is ewig her):
Neben dem Spielplatz wohnte ein Mädel, die geistig zurückgeblieben war. Sie war wohl so 15, lernte aber Mathe für die erste Klasse. (Hab ihr mal bei den Hausaufgaben geholfen.)
Mit der haben wir jeden Nachmittag gespielt, die ganze Truppe und niemand hat sie irgendwie anders behandelt.
Jahre später im Schulbus war ein Mädchen, die war total aufdringlich und wollte ständig von einem beschäftigt werden.
Auch wegsetzen oder abwimmeln klappte nicht. Die kam immer wieder an, tippte einem (so dass es weg tat) auf die Schulter und nervte. Mit sowas habe ich dann ein Problem.
Aber ich glaube, da was die Behinderung egal - da war es das Verhalten.
Da ist imho die Behinderung nur eine schlechte Ausrede der anderen, wieso sie mit jemandem nicht klar kommen.
Es gibt genauso "Normalos" mit denen man auskommt - oder eben nicht.
Bei körperlichen Behinderungen tippe ich eher auf Unsicherheit seitens der "Normalos".
Ich habe mal im ÖPNV einen Blinden kennen gelernt. Der war mir immer unheimlich, obwohl offensichtlich war, was bei ihm anders ist.
Ich habe mich immer weit weg von ihm gestellt und mich überhaupt bemüht, "nicht da" zu sein.
Durch Zufall kamen wir ins Gespräch und er merkte mein Unwohlsein.
Wir einigten uns dann, dass ich immer frage, wenn was ist und er mir Anleitung gibt, was ich machen muss.
So kam es, dass wir uns gut verstehen und ich öfters mal mit ihm im Schlepptau (seine Hand auf meiner Schulter) zwischen den Bussen unterwegs bin.
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Sooo... Nochmal was zum Schulsystem. Dieses ist, so meine ich, in einigen Fächern immernoch zu stark auf das Auswendiglernen von Fakten beschränkt. Nicht unbedingt sollen Zahlenkolonnen auswendig gelernt werden. Wohl aber ist das Schulsystem, eigentlich schon immer, zu sehr auf den Typus jenes Schülers zugeschnitten, der "auf die nächste Arbeit lernt". Für eine Biologiearbeit lernt man ein paar Skizzen und Beschreibungen auswendig, für Physik ein paar Formeln, oft ohne den Inhalt verstanden zu haben, im eigentlichen Sinne.
Auswendiglernerei fällt bei mir nicht unter Lernen, es findet kein Erkenntnisprozess statt und es wird nicht abstrahiert, vielmehr kommt es dem "abschreiben" gleich. Auch ist die Individuelle Meinung nicht immer wirklich gefragt, sondern in wiefern der einzelne Schüler dem Erwartungshorizont des Lehrers gerecht wird.
Was noch? Ah, Probleme bei der Benotung. Es gibt keine Objektivität, daher ist auch keine objektive Bewertung möglich

Patrick Heron schrieb:
Eine eigentlich 'objektive' Erscheinung der Dinge gibt es nicht - höchstens als Datenmenge, die in ihrer Komplexität und Differenziertheit unendlich ist. Was nachweisbar auf die Retina eintrifft, ist ein amorphes Chaos visueller Stimuli, in welches das menschliche Auge aufgrund seiner Erfahrung eine aus bestimmten Gründen bevorzugte Ordnung injiziert.
Wenn ich auch kein Freund von Stereotypen bin, finde ich die Arbeit von David Keirsey recht interessant (hab mich aber nur flüchtig damit beschäftigt), der ja mit den Temperamentstypen aufzeigt, dass das schulische System nicht allen Typen gerecht werden.