Leben vorbestimmt



  • Manche religiösen Vorgaben aber auch biologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass das Leben, also die Entscheidungen, die man trifft, vielleicht auch die Ereignisse und Aufgabe, die einen Menschen persönlich berühren/zufallen, nicht zufällig, sondern (vor)bestimmt erfolgen.

    Wie ist eure Erfahrung - nicht eure Meinung, denn die ist nicht interessant - diesbezüglich? Einen wissenschaftlichen Beweis wird wohl niemand für das eine oder andere vorlegen können. :xmas1:



  • Hallo,

    meine Erfahrung ist natürlich die eines freien Willens. Alles andere zu behaupten, wäre für einen Menschen auch unglaubhaft.

    Aber wieso ist die Meinung uninteressant? Ich bin durchaus der Meinung, dass die Welt und damit der Mensch im physikalischen Sinne determiniert ist. Nur wäre es völlig falsch, hieraus Implikation für einzelne Menschen zu ziehen, die Verantwortung oder Schuld negieren.

    Im weiteren Sinne glaube ich allerdings, dass der Weg eines Menschen durch seine Einstellung zu gewissen Dingen, seine Intelligenz, Tüchtigkeit und seine Kreativität sehr grob vorgezeichnet ist- aber das ist, glaube ich, nicht das, was du meintest.

    Viele Grüße
    Christian



  • Erhard, mir ist gar nicht klar, wie so eine Erfahrung aussehen soll, nach der du hier fragst. Ich habe jedenfalls noch keine Entscheidung als vorherbestimmt erlebt. Aber auch keine als frei. Sowas entzieht sich der Wahrnehmung.



  • ..



  • Gott sei Dank müssen wir nicht sämtliche Entscheidungen in jedem Detail bewusst erleben. Das stelle ich mir jedenfalls ziemlich stressig vor. Unser Gehirn filtert doch sowieso ziemlich viel bis wir mal was bewusst wahrnehmen. Deshalb zu folgern, dass das Leben vorherbestimmt ist finde ich komisch.



  • Nach der heutigen Erkenntniss aus der Quantenmechanik besteht der Microkosmus nur aus Wahrscheinlichkeiten. Wenn die Basis aller Materie sich aus Wahrscheinlichkeiten zusammenrechnet, kann ich mir schwer vorstellen dass das Leben deterministisch ist.

    Oder von der mathematischen Sichtweise, man hat bewiesen dass manche Probleme sich nicht in der Mathematik berechnen lassen koennen, nennt sich Gödelscher Unvollständigkeitssatz. In der Technik sind wir alle damit vertraut unter dem Namen Halteproblem. Nun stellt sich die Frage ob das Halteproblem auch auf Menschen zutrifft. Wenn das so waere, dann waere das Leben determinisitisch wie ein Uhrwerk.

    Allerdings trifft das Halteproblem auf Computer deshalb zu, weil alles erdenkliche unternommen wird um diese Fluktuationen der Wahrscheinlichkeiten aus der Quantenmechanik so weit wie moeglich zu unterdruecken. Denn was nuetzt einem ein Computer der andere Ergebnise liefert, je nach dem ob er beobachtet wird oder nicht. Auf Menschen trifft das nicht zu, der Mikrokosmus kann machen was er will.

    Interessant sind auch die neuesten Forschungen, in denen versucht wird Quatenmechanik und Neurobilogie zu verbinden.

    Unser Gehirn - ein Quantencomputer?
    http://www.nzz.ch/2007/01/24/ft/articleEUHUP.html



  • Wie ist das eigentlich im Fussball beim 11 Meter Schießen: Schiedsrichter pfeift, der Fussballer steht erst mal da und etwa 7 (?) Sekunden später oder länger kommt der Schuß - oder täuscht mich das? Also wenn ich so zurückdenke, ich habe noch nie ein Spiel gesehen, wo jemand im 11 Meter Schießen sofort, also in den ersten Sekunden, nach dem Schiedsrichter-Pfiff reagiert hätte... oder?



  • DEvent schrieb:

    Nach der heutigen Erkenntniss aus der Quantenmechanik besteht der Microkosmus nur aus Wahrscheinlichkeiten.

    Und Morgen wissen wir das es doch wieder nicht ganz gestimmt hat. So geht es jetzt doch schon tausende Jahre und die Frage ist schon genauso alt und wird noch in tausend Jahren nicht beantwortet werden können.

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  • Administrator

    @Erhard,
    Und was beweisen die Artikel? Das unser Körper die Entscheidung fällt, bevor wir sie bewusst wahrnehmen? Ist das erstaunlich? Nein. Entscheidungen sind chemische Reaktionen und die finden nicht nur in dem Bereich des Gehirns satt, wo sich unser bewusstes Denken befindet.

    Ich halte das Leben nicht für vorbestimmt, da wäre mir auch noch nie etwas dazu aufgefallen. Allerdings könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es auch nichts weiteres ist, als Actio = Reactio. Also jede Entscheidung, jede Handlung ist einfach nur eine chemische/physikalische Reaktion, welche also berechenbar wäre. Unter dieser Annahme, könnte man also theoretisch das Leben eines Menschen voraus berechnen. Ich möchte das "theoretisch" besonders hervorheben, denn es spielen da so verdammt viele Einflüsse mit, man müsste wohl die aktuelle Bewegung von jedem Atom im Universum wissen, dass man eine Vorhersage machen könnte.

    Aber naja, das ist meine Meinung, und die ist ja uninteressant 🙂

    Grüssli



  • Wieder mal eine interessante Frage von Erhard.

    Eine wirlich freie Entscheidung- also eine Entscheidung, die völlig frei von jeglicher emotionalen, äußeren, inneren oder sonstwie gearteten Beeinflussung ist- also eine Entscheidung, die auf völliger Gleich-gülitigkeit beruht- ist für das Individuum völlig irrelevant, eben gleichgültig. Um sinnvolle Entscheidungen treffen zu können, braucht man also Einflüsse und Zusammenhänge.

    Vielleicht ist eine "Bewußte Entscheidung" nur einfach nicht das, was wir uns darunter vorstellen- oder vielleicht funktioniert das Bewußtsein anders, als wir es bisher begreifen können.

    Ich halte diesen Rot-grün-Knopf-Test auch nicht für wirklich aussagekräftig. Denn wer garantiert, daß eine Testperson nicht schon bei der Auswahl der Farbe eine Vorliebe hat, und ob da nicht noch andere Faktoren eine Rolle spielen. Immerhin ist Rot eine Warnfarbe, und alle Farben haben einen emotionalen Bezug? Damit hängt die Entscheidung "Rot/Grün" zum guten Teil auch von der Stimmungslage des Probanden ab.
    Ich denke, das Leben ist nicht vorherbestimmt. Aber wir sind uns der Faktoren, die eine Entscheidung auf unbewußter Ebene beeinflussen, häufig nicht bewußt.



  • ..



  • Life is a bitch, and then you die or marry one :p


  • Administrator

    Erhard Henkes schrieb:

    Ja, Meinungen sind in Fällen von Wissenschaft an der Grenze zu neuen Erkenntnissen uninteressant, weil diese zu mindestens 99% destruktiv sind.

    Kannst du das etwas näher erläutern?
    Mag sein, dass der Papst in 99% der neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen destruktiv reagiert und daher auch seine Anhänger, aber ein Wissenschaftler sollte nicht unbedingt destruktiv reagieren 😉

    Grüssli



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  • meine meinung dazu: klingt völlig logisch. wenn ich euch ein ergebnis von 1245818284812838581723759906 vorgebe, scheint es zufällig zu sein wie man darauf gekommen sein kann. wenn aber jeder schritt durch irgendwelche regeln vordefiniert ist (bei uns: physik), dann wird ersichtlich das bei einer bestimmten startlage auch ein bestimmtes ergebnis folgen muss.



  • Erhard Henkes schrieb:

    Meinungen blockieren neues Denken in der Regel. In manchen wichtigen Diskussionen gibt es die Regel, dass nur konstruktive Beiträge zugelassen sind. Gerade die neueren Forschungen im Bereich Gehirn, Bewusstsein, Seele, ... öffnen sich zum Glück neuen Ideen. Freud und Vester haben eben nicht gereicht.

    Du widersprichst Dir hier selbst: Freud hatte über die Psyche eine Theorie, die er mangels diagnostischer Mittel nicht ausreichend belegen konnte- trotzdem seine Betrachtungsweise bahnbrechend, und Freud als Wissenschaftler anerkannt.

    Meinungen blockieren nicht das Denken, sondern die Unfähigkeit, seine Meinung zu revidieren. Dann hat nämlich nicht mehr der Mensch eine Meinung, sondern die Meinung hat den Menschen.

    Erfahrungen, sie Du sie hier forderst, sind in die Vergangenheit gerichtet. Meinungen sind dagegen in die Zukunft gerichtet. Man kann neue wissenschaftliche Ideen nicht darauf gründen, daß man nur in die Vergangenheit schaut. Das würde nur ein ständiges Reproduzieren bereits vorhandener Erfahrungen bedeuten.



  • Meinungen blockieren nicht das Denken, sondern die Unfähigkeit, seine Meinung zu revidieren. Dann hat nämlich nicht mehr der Mensch eine Meinung, sondern die Meinung hat den Menschen.

    Akzeptiert.

    @TravisG: Dass Du ausgerechnet die Physik als streng deterministisches Beispiel anführst? Für die "klassische Physik" (bis 1900) mag das gelten. An der Nahtstelle des Makro- und Mikrokosmos klaffen aber noch Lücken (z.B. Schwarzes Loch, dunkle Masse & Energie, ...), und die Grundlage der Teilchentheorie (Strings, Higgs-Teilchen, ...) sowie die Entstehung des Weltalls (Urknall ja oder nein?) ist noch völlig offen. Die Verschränkung ist z.Z. das interessanteste Beispiel, weil es eine wichtige Grenze (Lichtgeschwindigkeit) der neueren Physik hinterfragt.



  • Ich denke, wenn man das restlos Unterbewusstsein erforschen könnte, kann man viele Entscheidungen eines Menschen vorhersehen.
    Der Mensch speichert Erfahrungen auf die das Unterbewusstsein bei Entscheidungen zurückgreift.



  • Die Grenze zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein nachhaltig zu durchbrechen wäre wirklich interessant.

    ..



  • Erhard Henkes schrieb:

    Meinungen blockieren nicht das Denken, sondern die Unfähigkeit, seine Meinung zu revidieren. Dann hat nämlich nicht mehr der Mensch eine Meinung, sondern die Meinung hat den Menschen.

    Akzeptiert.

    @TravisG: Dass Du ausgerechnet die Physik als streng deterministisches Beispiel anführst? Für die "klassische Physik" (bis 1900) mag das gelten. An der Nahtstelle des Makro- und Mikrokosmos klaffen aber noch Lücken (z.B. Schwarzes Loch, dunkle Masse & Energie, ...), und die Grundlage der Teilchentheorie (Strings, Higgs-Teilchen, ...) sowie die Entstehung des Weltalls (Urknall ja oder nein?) ist noch völlig offen. Die Verschränkung ist z.Z. das interessanteste Beispiel, weil es eine wichtige Grenze (Lichtgeschwindigkeit) der neueren Physik hinterfragt.

    natürlich klaffen da lücken, das ändert aber nichts an der tatsache, dass unsere physik nach irgendwelchen regeln funktioniert, ob wir sie kennen oder nicht spielt da überhaupt keine rolle.



  • Die Frage ist hier allerdings, ob die Regeln streng deterministisch sind oder auch Weichenstellungen/Zufälle zulassen, vielleicht sogar "absichtlich" verwenden. Vielleicht ist zwischen Chaos und Ordnung auch gar kein strenger Unterschied? 😃
    Denn, wenn die Unordnung groß genug ist, ist sie ja wieder in gewissem Sinne ordentlich. 😉


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