Verletzung von Schnittstellen-Anforderungen: Wie behandeln?



  • Du hast ja bereits einige Gründe genannt (modernes standardkonformes C++, Verwendung der Standardbibliothek), aber wenn dein Vorgesetzter derart stur ist, kann man wohl nicht viel machen.

    Du kannst versuchen, ihm weiszumachen, wie veraltet VC 6 ist, was für Bugs die IDE besitzt, und welche Errungenschaften von schönem C++ einem dabei entgehen. Aber wie gesagt, keine Ahnung, obs hilft... 😉



  • Nexus schrieb:

    Du kannst versuchen, ihm weiszumachen, wie veraltet VC 6 ist, was für Bugs die IDE besitzt, und welche Errungenschaften von schönem C++ einem dabei entgehen. Aber wie gesagt, keine Ahnung, obs hilft... 😉

    Die Kompatibilität zu seinem alten VC6.0-Code ist ihm wichtiger als die Standard-Konformität, da er wie gesagt eh nicht die Standardbibliothek nutzt. Er nutzt lieber MFC/ATL und findet diese "einfacher"...

    Es wäre gut eine Quelle zu haben, wo mal einige Bugs und Verbesserungen aufgezählt werden. Ich weiß ja auch nichts genaues, außer dass VC6.0 nicht Standard-Konform ist.

    Er sieht halt nur das Geld und sieht für sich keinen Vorteil. Ganz im Gegenteil: Für ihn bedeutet es, dass sein Code entweder portiert werden muss oder dass wir zwei IDEs (6.0 + 9.0) parallel haben müssen. Beides ist mit Zeit und Kosten verbunden.

    Was soll ich zu den Argument sagen: "Dann benutze halt MFC, wenn es Probleme mit der Standardbibliothek gibt!" Wie soll ich mit Standard-C++ gegen MFC anstinken, wenn Portabilität keine Bedeutung bei uns hat.

    Wenn ich sage, dass MFC ebenfalls einen ordentlichen Versionssprung gemacht hat, sagt er wieder: "Ach, die blähen das mit unnötigen Ballast auf, um nur was neues verkaufen zu können!"

    Wenn ich sage, dass ab Feb. 2003 keine PSDK von MS VC6.0 mehr unterstützt und alle neuen WinAPI-Funktionen damit nicht nutzbar sind für uns, entgegnet er, dass man alles auch mit der alten SDK (die mitgelieferte bei VC6.0!) und den alten WinAPI-Funktionen machen kann, da die i.d.R. weiterhin unterstützt werden.

    Er kommt halt aus der Assembler und C-Welt und ich finde einfach noch nichts, wo ich sagen kann: Für den Aufwand und das Geld bekommen wir die und die Vorteile.



  • Bei so uneinsichtigen Menschen würde ich mit schon überlegen ob ich dort arbeiten möchte.



  • Sowas nennt man beratungsresistent. Fuer gewoehnlich werden solche Organismen verbrannt. Fire him! Dieser Artikel ist vielleicht recht interessant: http://www.paulgraham.com/icad.html . Im Abschnitt "The Cost of Being Average" wird dargelegt, was es ausmachen kann, sich gegen neue Tools, Sprachen oder Technologien zu straeuben. Auch kann man gerade im Bereich Software nicht stillstehen. In http://www.paulgraham.com/avg.html werden Programmiersprachen verglichen, aber es kann auch allgemeiner fuer Technologien verstanden werden. Ist alles recht Lisplastig, aber ich hoffe das stoert nicht.



  • Wäre interessant herauszufinden ob die alte WinAPI in Vista und dem Kommenden Win7 noch komplett unterstützt wird. Denn spätestens wenn seine 90er-Jahre Programme schlichtweg nichtmehr laufen ist es für ihn an der Zeit sich umzustellen (oder sich auf den Altenteil zurückzuziehen, weil er mit dem Alter scheinbar recht unflexibel geworden ist).



  • Roger Wilco schrieb:

    ...entgegnet er, dass man alles auch mit der alten SDK (die mitgelieferte bei VC6.0!) und den alten WinAPI-Funktionen machen kann, da die i.d.R. weiterhin unterstützt werden.

    Und damit liegt er extrem verkehrt. Er hat wohl nur noch nicht Kunden mit neuen Windowsversionen oder benötigt bestimmte API-Funktionen nicht. Ich kenne solche Probleme, auch wenn mein damaliger Programmierchef dann mit einigen dreckigen Hacks an den Problemen vorbei gearbeitet hat. Interessanterweise sind da wahre Stresssituationen entstanden (Ich hatte den Support recht früh gebeten Vista mit zu testen, doch erst als ein Kunde Probleme hatte wurde dies tatsächlich gemacht).

    Viel Spaß wenn dann "urplötzlich" und "unerwartet" bestimmte - teilweise schon im VC6 als deprecated markierte - API-Funktionen nicht mehr das tun, was sie sollen.



  • pumuckl schrieb:

    Wäre interessant herauszufinden ob die alte WinAPI in Vista und dem Kommenden Win7 noch komplett unterstützt wird.

    Wird sie nicht. Bereits mit Vista (und ich glaube auch XP) gibt es einige API-Befehle die nicht mehr unbedingt laufen (frag mich aber nicht nach den konkreten, ist schon etwas her).



  • Tja, danke für Euren Beistand. Leicht ist es wirklich nicht, aber andererseits: Wie würdet Ihr reagieren, wenn Ihr mit 20 Jahren Programmiererfahrung (und bis jetzt habt Ihr alles mit Euren Mitteln auch wunderbar hinbekommen), dann ein Frischling kommt und nach einem halben Jahr plötzlich alles anders machen möchte?

    Erstmal muss man sich beweisen und aufzeigen, dass die neue Programmiertechnik auch effektiven Code erzeugt. So ein Beweis bleib ich ihm noch schuldig.

    Bis dahin stört er sich an meine C++-Konstrukte und möchte mich zum C-Stil bewegen. "Warum so kompliziert? Mach es doch ganz einfach mit #definies. Das versteht dann auch jeder...! Und nicht so viele '::', da muss man ja mit dem Debugger durch, um das zu verstehen...!"

    Log::CLogFile logFile(fileName, Log::CLogFile::FileSize::MB(5)); // Logfile mit max. 5MB Größe
    
    #define LOG_FILE_NAME _T("Test.log")
    #define LOG_FILE_SIZE 5000000 //ca. 5MB
    //...
    CLogFile logFile(LOG_FILE_NAME, LOG_FILE_SIZE);
    


  • Roger Wilco schrieb:

    Tja, danke für Euren Beistand. Leicht ist es wirklich nicht, aber andererseits: Wie würdet Ihr reagieren, wenn Ihr mit 20 Jahren Programmiererfahrung (und bis jetzt habt Ihr alles mit Euren Mitteln auch wunderbar hinbekommen), dann ein Frischling kommt und nach einem halben Jahr plötzlich alles anders machen möchte?

    Ich würde anfangen mich zu fragen, ob ich mich in den letzten 20 Jahren vielleicht zu sehr auf meinen Lorbeeren ausgeruht habe. Mein ehemaliger Chef war, bevor er letzten Monat mit 61 in den Ruhestand ging, nicht so drauf wie Dein Vorgesetzter 🙂

    Erstmal muss man sich beweisen und aufzeigen, dass die neue Programmiertechnik auch effektiven Code erzeugt. So ein Beweis bleib ich ihm noch schuldig.

    Das wüsste er, wenn er den Anschluß behalten hätte. Wenigstens im Bereich derjenigen Sprachen, die er selbst nutzt.

    Log::CLogFile logFile(fileName, Log::CLogFile::FileSize::MB(5)); // Logfile mit max. 5MB Größe
    

    Dann komm ihm bloß nicht mit sowas: FileSize::MegaByte<5>::value 😃



  • Roger Wilco schrieb:

    ...aber andererseits: Wie würdet Ihr reagieren, wenn Ihr mit 20 Jahren Programmiererfahrung..., dann ein Frischling kommt und nach einem halben Jahr plötzlich alles anders machen möchte?

    Wie wäre es mit folgenden Möglichkeiten:
    a) Feststellen das man etwas aufzuarbeiten hat (Damit hatte aber bereits mein etwa 45jähriger Vorgesetzte Probleme, der hat das lernen imho mit 25 weitgehend aufgegeben).
    b) Als Neuling: Vielleicht nach einer besseren Stelle umsehen.

    cu André


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