Warum enthält ein Informatikstudium soviel Mathe?



  • Sogar an der FH gibts ne ganze Menge Mathe Vorlesungen, aber wozu? Wer hat Informatik studiert und braucht jetzt das ganze Zeugs wie Ableiten und Integrieren? Die meisten Algorithmen, wie z.B. Quicksort, bekommt man ohne große Mathematik hin. Es gibt vielleicht ein paar Bereiche wo man etwas Mathe braucht, z.B Graphikprogrammierung, aber eigentlich reicht meistens einfaches Rechnen aus. Die Informatiker die nach ihrem Studium wissenschaftlich irgendwelche Komprimierungserfahren usw. erforschen und wirklich Mathematik brauchen, dürfen ein geringer Prozentsatz sein. Die meisten arbeiten in Firmen und entwickeln dort Software. Warum beschäftigt man sich im Studium nicht mehr mit Softwaredesign?

    Und ja, es gibt Fachinformatiker, aber die meisten Stellenausschreibungen für Softwareentwickler beziehen sich auf studierte Informatiker, also können wir die Fachinformatiker-Diskussion sein lassen und uns auf die Mathe Frage konzentrieren.



  • Je nachdem, was man genau studiert, sind diese Mathekurse zwingende Voraussetzung für das, wa sspäter im Studium vermittelt wird.

    Bei uns wird zum Beispiel ein Augenmerk auf verschiedene Optimierungsprobleme gesetzt. Der Großteil dieser Probleme und der Algorithmen die sie lösen kann man ohne das Wissen einer Ableitung gar nicht verstehen.

    Anwendungsbeispiel ist zum Beispiel die Sicherheitstechnik mit Gesichtserkennung, Objektverfolgung usw.



  • Um z.B. einen Korrektheitsbeweis für eine Schleife zu führen, sollte man wissen, was eine Invariante ist, und wie man einen Induktionsbeweis führt. Da können Grundkenntnisse in Mathe kaum schaden.

    Außerdem schult Mathematik den Blick für gutes Design (Herauspräparieren von Prinzipien durch Abstraktionsfähigkeit usw...) - für einen Mathematiker ist eine Theorie dann "schön", wenn die Anzahl an unbeweisbaren Prinzipien (Axiome) minimiert ist und die Beweise weitgehend vereinfacht sind.



  • Ist ja lustig. Ich finde, im Informatikstudium ist viel zu wenig Mathe. 😋 Aber ich bin davon überzeugt, dass der Matheanteil in diesem Studium in Zukunft eher zunehmen wird.

    6+3*56 schrieb:

    Und ja, es gibt Fachinformatiker, aber die meisten Stellenausschreibungen für Softwareentwickler beziehen sich auf studierte Informatiker, also können wir die Fachinformatiker-Diskussion sein lassen und uns auf die Mathe Frage konzentrieren.

    Naja, die Leute, die von der Hochschule kommen, zeichnen sich in erster Linie durch theoretisches Wissen aus und haben die Kompetenzen, die man sich durch dieses Wissen aneignet. Offensichtlich ist das gefragt.

    Aus meiner Sicht sind die Soft-Skills, die man sich im Studium aneignet, der entscheidende Punkt. Zum Beispiel die Fähigkeit, sich neue Konzepte und Ideen schnell aneignen zu können. Dazu musst Du geistig in eine Position gebracht werden, in der Du all diesen Konzepten und Ideen überlegen bist. Und das schafft in erster Linie die Theorie, in deren Zentrum die Mathematik steht.

    Ich glaube nicht, dass studierte Informatiker in erster Linie wegen ihrem Wissen über C++, Java, UML oder dem V-Modell gesucht werden. So etwas sind ja auch Dinge, die im Studium, wenn überhaupt, nur sehr oberflächlich und am Rande behandelt werden. Studierte Informatiker werden eher wegen ihrer Lernkurve und ihrem weiten Horizont gesucht.

    ...und wenn Du innerhalb der Informatik etwas machen möchtest, für das Mathe benötigt wird, dann lernst Du dafür im Studium eh viel zu wenig Mathematik. Ein paar Beispiele für solche Anwendungsgebiete wurden ja schon gegeben. Hier sind noch mehr: Mustererkennung, Künstliche Intelligenz, Bildverarbeitung, Sprachverarbeitung, generell Signalverarbeitung, Robotik. Für all diese Dinge lernst Du im Informatikstudium wesentlich zu wenig Mathematik.



  • Naja, aber wer macht den sowas noch nach dem Studium? Die meisten werden ne fertige Gesichtserkennungs/Bildverarbeitungs...-Bibliothek nehmen, wenn sie sowas überhaupt brauchen. Wer sich wirklich für die Erforschung neuer Algorithmen interessiert, der kann ja vorher die Mathevorlesungen besuchen. Die meisten Informatikstudenten arbeiten später doch in Firmen, die irgendwelche Kundenspezifischen (Web)anwenugnen oder Hardwarenahe Sachen entwickeln. Wozu braucht man da soviel Mathe? Da wäre doch mehr Wissen über Softwarearchitekturen viel interessanter. Die wenigsten können nach ihrem Studium ein größeres Softwareprojekt so designen, dass es auch noch in ein paar Jahren wart- und erweiterbar ist. Dazu braucht man meistens die "Seniorentwickler" die das bei ihrer Arbeit und nicht während des Studiums gelernt haben.



  • 6+3*56 schrieb:

    Sogar an der FH gibts ne ganze Menge Mathe Vorlesungen, aber wozu? ...

    Wieviel Mathe wäre denn ok? Wenn man so argumentiert, dann brauchen wir sowieso keine Mathe und das kleine Einmaleins erlernen wäre Zeitverschwendung - weil es gibt ja Taschenrechner, Laptops und PCs... 🙄



  • 6+3*56 schrieb:

    Naja, aber wer macht den sowas noch nach dem Studium? Die meisten werden ne fertige Gesichtserkennungs/Bildverarbeitungs...-Bibliothek nehmen, wenn sie sowas überhaupt brauchen.

    Die Annahme, man bräuchte für eine Nutzung einer Bildverarbeitungsbibliothek kein Wissen über Bildverarbeitung, inklusive der damit verbundenen Mathematik, ist falsch. Wenn Du so etwas nutzt, dann ist Deine Aufgabenstellung ja nicht "rufe nacheinander Methoden "SKLHBJ, HGFH und AFHJ" auf. Stattdessen bietet die Bibliothek bestimmte Methoden an und Du musst selbst wissen, wie Du die kombinierst, um Dein Ziel zu erreichen. Das heißt, dass Du wissen musst, was in diesem Methoden drinsteckt. Wenn Dir da eine Methode eine Fouriertransformation des Bildes macht, dann musst Du selbst wissen, was das ist und was man damit machen kann. Softwarebibliotheken haben keine Methode "solveMyTask".

    6+3*56 schrieb:

    Die meisten Informatikstudenten arbeiten später doch in Firmen, die irgendwelche Kundenspezifischen (Web)anwenugnen oder Hardwarenahe Sachen entwickeln. Wozu braucht man da soviel Mathe? Da wäre doch mehr Wissen über Softwarearchitekturen viel interessanter. Die wenigsten können nach ihrem Studium ein größeres Softwareprojekt so designen, dass es auch noch in ein paar Jahren wart- und erweiterbar ist. Dazu braucht man meistens die "Seniorentwickler" die das bei ihrer Arbeit und nicht während des Studiums gelernt haben.

    1. Was die meisten studierten Informatiker im Beruf machen, bleibt glaube ich für alle Zeiten eine Unbekannte. Ich denke, dass man dort auf sehr vielfältiges stößt. Deine Annahme "Die entwickeln alle kundenspezifische (Web-)Anwendungen" ist eine Modeerscheinung und es ist nicht gesagt, dass die auch nur ansatzweise zutrifft. Man hört aus diesem Bereich momentan jede Menge, weil man dort noch mit sehr geringem Aufwand die Welt verändern kann. In 10 Jahren wird es aber einen anderen Schauplatz geben.

    2. Wenn man die Vielfalt an Bereichen sieht, in denen Informatiker arbeiten, dann kann man die im Studium nicht alle vertiefen. Man muss also etwas lehren, das möglichst in vielen Bereichen angewendet werden kann oder von dem viele Bereiche profitieren. Und das ist Theorie. Wie schon gesagt: Du darfst bei der Theorie den Softskill-Aspekt nicht vergessen.

    3. Dein Senior-Entwickler hat 2 Dinge. Zum einen hat er jede Menge Wissen, das er sich auf Basis seiner guten Lernkurve angeeignet hat. Zum anderen hat er jede Menge Erfahrung. Erfahrung kann Dir ein Studium natürlich nicht vermitteln. Die Lernkurve wird Dir aber vermittelt. ...und zwar vor allem durch die Theorie.

    4. Wenn Du Dir anguckst, was im Rahmen des Softwaredesigns im Studium gelehrt wird, dann sind das sehr konkrete Werkzeuge. Zum Beispiel Modellierungssprachen oder auch Entwurfsmuster. Dir sollte aber klar sein, dass es sich hierbei um Wissen mit einer sehr kurzen Halbwertszeit handelt. Innerhalb weniger Jahre hat man andere Modellierungssprachen. Oder Du lernst vielleicht eXtreme Programming. Auch dabei handelt es sich um Wissen mit einer sehr kurzen Halbwertszeit. Zudem kommt, dass derartiges Wissen oft problematisch einzusetzen ist. Versuch mal ein Team, bei dem jeder einen anderen Hintergrund hat, dazu zu bringen, XP einzusetzen. Da gehört nicht nur das Wissen zu, sondern auch die Erfahrung, wie man so etwas einbringen kann. Bei der Erfahrung brauchst Du aber sowieso wieder den Senior-Entwickler.



  • Gregor schrieb:

    2. Wenn man die Vielfalt an Bereichen sieht, in denen Informatiker arbeiten, dann kann man die im Studium nicht alle vertiefen. Man muss also etwas lehren, das möglichst in vielen Bereichen angewendet werden kann oder von dem viele Bereiche profitieren. Und das ist Theorie. Wie schon gesagt: Du darfst bei der Theorie den Softskill-Aspekt nicht vergessen.
    ...
    4. Wenn Du Dir anguckst, was im Rahmen des Softwaredesigns im Studium gelehrt wird, dann sind das sehr konkrete Werkzeuge. Zum Beispiel Modellierungssprachen oder auch Entwurfsmuster. Dir sollte aber klar sein, dass es sich hierbei um Wissen mit einer sehr kurzen Halbwertszeit handelt. Innerhalb weniger Jahre hat man andere Modellierungssprachen. Oder Du lernst vielleicht eXtreme Programming. Auch dabei handelt es sich um Wissen mit einer sehr kurzen Halbwertszeit. Zudem kommt, dass derartiges Wissen oft problematisch einzusetzen ist. Versuch mal ein Team, bei dem jeder einen anderen Hintergrund hat, dazu zu bringen, XP einzusetzen. Da gehört nicht nur das Wissen zu, sondern auch die Erfahrung, wie man so etwas einbringen kann. Bei der Erfahrung brauchst Du aber sowieso wieder den Senior-Entwickler.

    Ja, der Gedanke kam mir auch schon, dass es beim Softwaredesign wenig Theorie im Hintergrund gibt. Vielleicht ist dieser Bereich im Gegensatz zur Mathematik, die schon ewig erforscht wird, einfach noch zu jung um Studenten dazu ein breites Grundwissen zu vermitteln, das unabhängig von aktuellen Design-Methoden ist.



  • Mathe schult auch das 'Analytische Denken' und ist damit eine gute Grundlage für vieles. Schüler kämen ohne Mathe auch zurecht, da sie später ja einen Taschenrechner benutzen können.

    Vielleicht besuchst du mal eine Vorlesung in Mittelhochdeutsch und fragst dich dann, was kann ich damit anfangen? 😮



  • Gregor schrieb:

    ...und wenn Du innerhalb der Informatik etwas machen möchtest, für das Mathe benötigt wird, dann lernst Du dafür im Studium eh viel zu wenig Mathematik. Ein paar Beispiele für solche Anwendungsgebiete wurden ja schon gegeben. Hier sind noch mehr: Mustererkennung, Künstliche Intelligenz, Bildverarbeitung, Sprachverarbeitung, generell Signalverarbeitung, Robotik. Für all diese Dinge lernst Du im Informatikstudium wesentlich zu wenig Mathematik.

    Man sollte dazu sagen, dass man als Informatiker auch Mathe als Nebenfach nehmen kann (was sehr viele Studenten machen). Dann ersetzen (bei unser PO) die Mathematik Vorlesungen die Mathe-Info Vorlesungen und man muss dementsprechend recht viele davon machen. So musste man (nach meiner alten PO) als Nebenfächler z.B. Lineare Algebra I+II, Analysis I+II, Numerik, Stochastik, Algebra, Funktionentheorie, ein Seminar belegen (und alles mit Note Prüfen (im Gegensatz zu den Mathematikern); Wahlpflichtvorlesungen durch Beispiele ersetzt).

    Ich denke das reicht dann auch für die von dir genannten Anwendungsbeispiel. Zumindest sollte es einen in die Lage versetzen sich ggf. fehlende Mathe Kenntnisse schnell anzueignen.



  • 6+3*56 schrieb:

    Sogar an der FH gibts ne ganze Menge Mathe Vorlesungen, aber wozu?

    Um die Pflaumen rauszuprüfen.

    6+3*56 schrieb:

    Wer hat Informatik studiert und braucht jetzt das ganze Zeugs wie Ableiten und Integrieren?

    Ohne den Kram wäre keine Verständigung mit Ingenieuren möglich. Außerdem muß auch der Informatiker gelegentlich die Mathe-Keule benutzen. Oder schlechte Software schreiben.

    6+3*56 schrieb:

    Und ja, es gibt Fachinformatiker, aber die meisten Stellenausschreibungen für Softwareentwickler beziehen sich auf studierte Informatiker, also können wir die Fachinformatiker-Diskussion sein lassen

    Weil ich als Arbeitgeber mich einigermaßenm darauf verlassen kann, daß die Pflaumen rausgeprüft wurden.


  • Administrator

    Also Integrieren und Ableitung sind sicher zwingend notwendig, auch in der Informatik. Schon genügend oft verwenden müssen. Sowas gehört zu den Mathegrundlagen. Wie zum Beispiel auch Matrizen und Vektor Rechnung, usw usf.

    Allerdings bin ich der Meinung, dass man es auf diese Grundlagen beschränken sollte. Zum Teil geht es weit über die Grundlagen raus. Irgendwelche seltsamen Reihenentwicklungen und dazugehörige Beweisführung über 15 Tafeln hinweg im 20 dimensionalen Raum, wo man am Ende die Grundlagen der Mathematik der Quantenmechanik gelernt hat, bzw. gelernt haben soll, wenn man es denn verstanden hat, ist einfach nur krank und gehört nicht in ein Informatikstudium rein. Ein Informatiker ist kein Physiker oder Mathematiker und sollte daher eine abgeschwächte Version von Mathematik bekommen.

    So wie es an meiner FH aktuell gemacht wird, finde ich es gar nicht so schlecht. Ein Semester Pflichtmathe, wo alle wichtigen Grundlagen erlernt werden. Danach gibt es noch ein freiwilliges Semester Zusatzmathe, dass sich durchaus lohnen kann. Später wird dann die Mathe mit entsprechendem Anwendungsgebiet erlernt. Das ist meiner Meinung nach auch sehr wichtig, für das Erlernen von Mathematik. Man braucht praktische Beispiele. Nur Theorie und zugehörigem Beweisen, noch mehr Theorie und noch mehr Beweisführung, gibt einem keine Erfahrung dafür, wie man Mathematik in der Anwendung verwendet. Und das ist es schliesslich auch, was der Informatiker tun muss. Er muss Mathematik anwenden und nicht irgendwelche Sätze beweisen.

    Grüssli



  • Dravere schrieb:

    So wie es an meiner FH aktuell gemacht wird, finde ich es gar nicht so schlecht. Ein Semester Pflichtmathe, wo alle wichtigen Grundlagen erlernt werden. Danach gibt es noch ein freiwilliges Semester Zusatzmathe

    Bald wird auch keiner mehr Informatiker von der FH einstellen.


  • Administrator

    volkard schrieb:

    Dravere schrieb:

    So wie es an meiner FH aktuell gemacht wird, finde ich es gar nicht so schlecht. Ein Semester Pflichtmathe, wo alle wichtigen Grundlagen erlernt werden. Danach gibt es noch ein freiwilliges Semester Zusatzmathe

    Bald wird auch keiner mehr Informatiker von der FH einstellen.

    Werden wir ja dann sehen. Die FH hat einen sehr guten Ruf, bringt sehr gute Informatiker raus. Wie gesagt, Mathematik wird in verschiedenen zusätzlichen Vorlesungen direkt an der Anwendung weitergelernt. Aber halt nicht als irgendwelchen Trockenhafer, den man kaum schlucken kann.

    Grüssli



  • Dravere schrieb:

    Ein Informatiker ist kein Physiker oder Mathematiker und sollte daher eine abgeschwächte Version von Mathematik bekommen.

    Ein Physiker ist auch kein Mathematiker. Bekommt aber keine abgeschwächte Mathematik, sondern eine andere Mathematik, das heißt, eine Konzentration auf andere Teilgebiete der Mathematik als ein Mathematikstudent typischerweise kennenlernt. Genauso sollte es bei Informatikern sein: Eine andere Mathematik. Informatiker müssen sich IMHO nicht so gut mit Analysis auskennen, dafür aber beispielsweise exzellent mit Logik.

    Das gilt jetzt für wissenschaftliche Informatiker, wer ein wissenschaftliches Studium macht, um dann Programmierer zu werden, der muss da einfach durch, so wie das in jedem anderen Studium auch ist: Wirtschafts-Wissenschaftler werden ja am Ende auch Buchhalter oder sowas.



  • Dravere schrieb:

    Werden wir ja dann sehen. Die FH hat einen sehr guten Ruf, bringt sehr gute Informatiker raus. Wie gesagt, Mathematik wird in verschiedenen zusätzlichen Vorlesungen direkt an der Anwendung weitergelernt. Aber halt nicht als irgendwelchen Trockenhafer, den man kaum schlucken kann.

    Ja, aber Du versteht nicht, worum es geht. Was Du im Studium konkret lernst, ist eher irrelevant. Zwar praktisch, aber nicht so notwendig wie die anderen Funktionen des Studiums. Deswegen die vielen Stellenanzeigen, die ein abgeschlossenes Studium fordern, aber gar nicht einen Studiengang wünschen.
    Du weist damit nach, daß Du lernen kannst. Unter anderem, daß Du Dir langweiliges Zeug in den Kopf klopen kannst, und danach noch eine schwierige Klausur darüber bestehst. Wer das kann, kann sich über's Wochenende auch ein Java-Buch zur Brust nehmen und danach produktiv mitspielen.
    Wenn dann einer kommt, der keinen Trockenhafer schlucken kann, was glaubst Du, wie schnell der Stuhl wieder frei ist?


  • Administrator

    Bashar schrieb:

    Ein Physiker ist auch kein Mathematiker. Bekommt aber keine abgeschwächte Mathematik, sondern eine andere Mathematik, das heißt, eine Konzentration auf andere Teilgebiete der Mathematik als ein Mathematikstudent typischerweise kennenlernt. Genauso sollte es bei Informatikern sein: Eine andere Mathematik. Informatiker müssen sich IMHO nicht so gut mit Analysis auskennen, dafür aber beispielsweise exzellent mit Logik.

    Gut, war vielleicht etwas falsch ausgedrückt, bzw. kommt von dem, dass an meiner vorherigen Uni die Physiker, Informatiker und Mathematiker gemeinsam die gleichen Mathematikgrundlagen hatten. Infinitesimalrechnung I + II, Algebra I + II, Statistik, Numerik, usw.
    Die Vorlesungen wurden vom mathematischen Departement durchgeführt und war somit für Mathematiker ausgerichtet. Da gehst du einfach nur drauf, wenn du nicht ganz so gut bist in der theoretischen Mathematik. Ich habe an der schriftlichen Matura-Mathe-Prüfung (Matura gleich schweizer Abitur) eine 5,5 (Deutschland: 1,5) gemacht und war an der Uni völlig überfordert. In den Informatikvorlesungen war ich gut und hatte nur Noten über 5 (unter 2 in Deutschland), aber in der Mathematik konnte ich mich kaum über Wasser halten. War mir einfach alles viel zu theoretisch und ohne praktischen Bezug oder Nutzen.

    @volkard,
    Das ist meistens die völlig verkehrte Vorstellung. Als wenn nur jemand mit Studium lernen können soll. Völliger Schwachsinn. Ich kenne viele Studenten, welche ohne Händchen halten kein bisschen lernen können.
    Bei theoretischer Mathematik geht es meistens nicht mehr ums lernen, sondern nur noch ums sehen. Das ist nämlich, was man von allen Mathe-Professoren und Assistenen immer zu hören bekommt: "Man muss die Lösung einfach sehen! Das sieht man doch!"
    Mathe muss einem liegen, damit man gut darin ist, zumindest ab einem gewissen Niveau. Ich würde sagen, dass ich sehr lernfähig bin. Ich habe mir bisher fast alles selber beigebracht und war somit meistens in den Vorlesungen meinen Mitstudenten voraus. Nur weil ich nicht gut in theoretischer Mathematik bin, soll ich nun nicht lernfähig sein? Was ist das denn für eine seltsame Schlussfolgerung? Ich habe mich zum Teil ganze Tage an diese verdammten Matheaufgaben dran gesetzt, aber das Zeug ging einfach nicht mehr in meinem Kopf rein. Viel zu abstrakt, viel zu theoretisch, grauenhaft ...

    Grüssli



  • Dravere schrieb:

    In den Informatikvorlesungen war ich gut und hatte nur Noten über 5 (unter 2 in Deutschland), aber in der Mathematik konnte ich mich kaum über Wasser halten. War mir einfach alles viel zu theoretisch und ohne praktischen Bezug oder Nutzen.

    Ich glaub der letzte Satz ist eine Rationalisierung. Mathe ist halt schwer, und interessanterweise sind tendenziell die konkreten angewandten Themen schwerer als die abstrakten Themen.

    Ich kenne viele Studenten, welche ohne Händchen halten kein bisschen lernen können.

    Deine FH-Kommilitonen? *SCNR* Nichts für ungut, aber als Student scheitert man früher oder später, wenn man nicht selbständig lernen kann.

    Bei theoretischer Mathematik geht es meistens nicht mehr ums lernen, sondern nur noch ums sehen. Das ist nämlich, was man von allen Mathe-Professoren und Assistenen immer zu hören bekommt: "Man muss die Lösung einfach sehen! Das sieht man doch!"

    Richtig, Mathematikstudium ist kein Anhäufen von Wissen, sondern von Fertigkeiten. Man kann sich das nicht anlesen, man muss immer aktiv damit arbeiten. Deshalb auch die ständigen Beweise.


  • Administrator

    Bashar schrieb:

    Ich glaub der letzte Satz ist eine Rationalisierung. Mathe ist halt schwer, und interessanterweise sind tendenziell die konkreten angewandten Themen schwerer als die abstrakten Themen.

    Also mit den konkreten und angewandten Themen hatte ich bisher keine grossen Probleme. Es waren nur die abstrakten, welche mir Probleme bereitet haben.

    Bashar schrieb:

    Ich kenne viele Studenten, welche ohne Händchen halten kein bisschen lernen können.

    Deine FH-Kommilitonen? *SCNR* Nichts für ungut, aber als Student scheitert man früher oder später, wenn man nicht selbständig lernen kann.

    Nein, eindeutig die Uni-Mitstudenten. Bei den FH-Mitstudenten habe ich ehrlich gesagt eher das Gefühl, dass die meisten ohne Probleme selber lernen können. Bedingung für ein FH-Studium in der Schweiz ist schliesslich Praxiserfahrung. Die meisten haben eine Lehre abgeschlossen und waren sicher schon ca. 2 Jahre in der beruflichen Praxis.

    Bashar schrieb:

    Richtig, Mathematikstudium ist kein Anhäufen von Wissen, sondern von Fertigkeiten. Man kann sich das nicht anlesen, man muss immer aktiv damit arbeiten. Deshalb auch die ständigen Beweise.

    Nur ist das zum Teil auch eine Frage von Veranlagungen. Das ist wie mit zum Beispiel Zeichnen. Es gibt Leute die kommen auf die Welt und die können schon früh recht gut zeichnen. Mit ein wenig Übung und Ausbildung werden sie gut bis sehr gut. Das sind aber noch keine Naturtalente! Es gibt aber andere Leute, die kommen auf die Welt und können nicht zeichnen. Die kannst du noch so üben lassen, dass wird kaum besser werden. Das sind einfach genetische Veranlagungen.

    Und das ist keine Entschuldigung von mir, weil ich weiss Gott wie viel geübt habe und geübt habe. Hey mir gefällt Mathe eigentlich noch ganz gut! Ich finde es ein interessantes Fach. Nicht ohne Grund habe ich eine Mathe-Matura gemacht! Aber ab einem gewissen Punkt war bei mir einfach schluss. Ich habe es nicht mehr verstanden und mich zu Tode darüber geärgert, weil es doch eigentlich nur etwas ganz logisches ist. Aber es ging einfach nicht mehr rein, noch so viele Übungen haben mir einfach nicht mehr weitergeholfen.

    Übrigens: Ich könnte mir noch ein Problem bei dieser Diskussion vorstellen. Jeder Uni und FH haben andere Vorlesungen und Professoren. Jede hat hier ganze eigene Erfahrungen gemacht und geht nun womöglich von anderen Rahmenbedingungen aus. Vor allem auch Länderübergreifen könnte es da Missverständnisse geben. Wenn ich nur daran denke, dass in der Schweiz in erster Linie FH Ing. gesucht werden und keine Informatik Uni-Studenten, dann dürfte die FH Ausbildung bei uns womöglich etwas anders aussehen als in Deutschland? 🙂

    Grüssli



  • Dravere schrieb:

    In den Informatikvorlesungen war ich gut und hatte nur Noten über 5 (unter 2 in Deutschland), aber in der Mathematik konnte ich mich kaum über Wasser halten. War mir einfach alles viel zu theoretisch und ohne praktischen Bezug oder Nutzen.

    In dem Fall waren die Informatikvorlesungen jenseits der Mathematik wohl zu leicht. Im Studium soll man an seinen Aufgaben wachsen. Du kannst Dich aber nicht weiterentwickeln, wenn Du nur Zeug machst, das eh völlig trivial ist und bei dem man sich die tolle Note einfach nur abholen muss. Ich bin sicher, dass Dich jenseits von den guten Noten, die Mathematik enorm weiter gebracht hat. Zum Beispiel bezüglich Deiner Frustschwelle, wenn Du Dir neue Dinge aneignen willst. Dort hat die Mathematik Deine Messlatte nach oben geschoben. Das war nicht die Softwaretechnik. Wenn Du jetzt die Ausdauer zeigst, Dir schwierige Zusammenhänge und Konzepte anzueignen, dann hat Dir die Mathematik diese Ausdauer gebracht und nicht die 5. Vorlesung, bei der es nur darum ging, 1000 Folien auswendig zu lernen, um eine tolle Note zu kriegen.


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