Bummelstudent Guttenberg auch noch Plagiator?



  • Erhard Henkes schrieb:

    Der wissenschaftliche Wert einer Arbeit beruht auf den Inhalten dessen, was nicht abgeschrieben/übernommen (OK: als "fremd" zitiert; nicht OK: nicht zitiert und damit als eigene Idee dargestellt) wurde, also auf der eigenen Arbeit. Zum einen geht es also um das Verhältnis eigen/fremd und zum zweiten um den Inhalt des eigenen Beitrages.

    In dem Zusammenhang finde ich es ganz interessant, wie diese "Strichcodes" an Plagiatsfunden innerhalb von Arbeiten auf Vroniplag aussehen. Guck mal da:

    http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Sh

    In der Arbeit wurden Plagiate ausschließlich im forderen Bereich gefunden. Typischerweise würde man in diesem Bereich vor allem Einleitung und Einordnung der Arbeit in den wissenschaftlichen Kontext erwarten. Also generell eben nicht das was den wissenschaftlichen Wert der Arbeit ausmacht. Trotzdem wurde der Doktorgrad in diesem Fall aberkannt. In anderen Fällen, bei denen Plagiate an jeder Stelle zu finde waren, gab es hingegen keine Aberkennung des Doktorgrades.

    Mich wundert das etwas und es erscheint mir so, als ob es abhängig von der jeweiligen Fakultät sehr unterschiedliche Maßstäbe gibt. Das muss vereinheitlicht werden. ...und wenn man dann ein objektives Kriterium einführen möchte, bleibt einem nichts anderes übrig, als den Doktorgrad bei jeder Arbeit mit nennenswerten Plagiaten abzuerkennen. Die Plagiatfreiheit einer wissenschaftlichen Arbeit macht natürlich nicht die wissenschaftliche Leistung aus, aber sie ist eine Grundvoraussetzung, die einfach erfüllt sein muss.



  • Genau! Wichtig ist, dass man Prominenten den akademischen Titel mit möglichst viel Getöse aberkennt, wenn sie gegen die Grundregeln verstoßen. Nur dadurch erhält man die Abschreckung aufrecht. Hoffentlich entscheidet die Kommission gegen Schavan.



  • Gregor schrieb:

    In der Arbeit wurden Plagiate ausschließlich im forderen Bereich gefunden. Typischerweise würde man in diesem Bereich vor allem Einleitung und Einordnung der Arbeit in den wissenschaftlichen Kontext erwarten. Also generell eben nicht das was den wissenschaftlichen Wert der Arbeit ausmacht. Trotzdem wurde der Doktorgrad in diesem Fall aberkannt. In anderen Fällen, bei denen Plagiate an jeder Stelle zu finde waren, gab es hingegen keine Aberkennung des Doktorgrades.

    Ich weiß ja nicht was bei euch so üblich ist, aber mir kommen 160 seiten einleitung und einordnung in den kontext ein bißchen viel vor.



  • Man muss das übrigens nicht anhand des Strichcodes versuchen zu beurteilen, man kann das auch nachlesen.



  • Erhard Henkes schrieb:

    Genau! Wichtig ist, dass man Prominenten den akademischen Titel mit möglichst viel Getöse aberkennt, wenn sie gegen die Grundregeln verstoßen. Nur dadurch erhält man die Abschreckung aufrecht. Hoffentlich entscheidet die Kommission gegen Schavan.

    Ja, das ist wohl richtig. Allerdings sollte man generell auch bei Nicht-Prominenten besser prüfen. Mir wäre aber noch viel lieber, wenn man demnächst mal eingehend prüft, wen man auf Ministerposten setzt. Was kommt sonst noch? Betrunkene Geisterfahrer als Verkehrsminister?



  • Jester schrieb:

    Gregor schrieb:

    In der Arbeit wurden Plagiate ausschließlich im forderen Bereich gefunden. Typischerweise würde man in diesem Bereich vor allem Einleitung und Einordnung der Arbeit in den wissenschaftlichen Kontext erwarten. Also generell eben nicht das was den wissenschaftlichen Wert der Arbeit ausmacht. Trotzdem wurde der Doktorgrad in diesem Fall aberkannt. In anderen Fällen, bei denen Plagiate an jeder Stelle zu finde waren, gab es hingegen keine Aberkennung des Doktorgrades.

    Ich weiß ja nicht was bei euch so üblich ist, aber mir kommen 160 seiten einleitung und einordnung in den kontext ein bißchen viel vor.

    Bei uns sind Doktorarbeiten keine 380 Seiten lang, sondern insgesamt vielleicht 150-250 Seiten. Die Einordnung in den wissenschaftlichen Kontext kann hierbei durchaus etwa das erste Drittel der Arbeit ausmachen. Damit meine ich bei uns die Darlegung der allgemein bekannten Theorie, die der Arbeit als Fundament dient. Ehrlich gesagt weiss ich aber nicht, wie Doktorarbeiten in anderen Wissenschaften aussehen.

    In vielen Wissenschaften ist mir leider nichtmal die wissenschaftliche Methodik klar. Ich frage mich zum Beispiel, was in den Rechtswissenschaften ueberhaupt einen Erkenntnisgewinn ausmacht. Wie sieht ein wissenschaftlicher Fortschritt in so einem Bereich aus? Was ist der Kern einer Doktorarbeit in so einem Bereich?

    Bashar schrieb:

    Man muss das übrigens nicht anhand des Strichcodes versuchen zu beurteilen, man kann das auch nachlesen.

    380 Seiten? "tl;dr" ist da glaube ich die momentan gebraeuchliche Antwort. 😉 Mein Interesse an diesen Arbeiten geht nicht so weit, dass ich sie lesen wuerde. Oder gibt es irgendwo eine Kurzzusammenfassung, bezueglich welcher Aspekte dieser Arbeiten Plagiate gefunden wurden?



  • Gregor schrieb:

    Jester schrieb:

    Gregor schrieb:

    In der Arbeit wurden Plagiate ausschließlich im forderen Bereich gefunden. Typischerweise würde man in diesem Bereich vor allem Einleitung und Einordnung der Arbeit in den wissenschaftlichen Kontext erwarten. Also generell eben nicht das was den wissenschaftlichen Wert der Arbeit ausmacht. Trotzdem wurde der Doktorgrad in diesem Fall aberkannt. In anderen Fällen, bei denen Plagiate an jeder Stelle zu finde waren, gab es hingegen keine Aberkennung des Doktorgrades.

    Ich weiß ja nicht was bei euch so üblich ist, aber mir kommen 160 seiten einleitung und einordnung in den kontext ein bißchen viel vor.

    Bei uns sind Doktorarbeiten keine 380 Seiten lang, sondern insgesamt vielleicht 150-250 Seiten. Die Einordnung in den wissenschaftlichen Kontext kann hierbei durchaus etwa das erste Drittel der Arbeit ausmachen. Damit meine ich bei uns die Darlegung der allgemein bekannten Theorie, die der Arbeit als Fundament dient. Ehrlich gesagt weiss ich aber nicht, wie Doktorarbeiten in anderen Wissenschaften aussehen.

    In vielen Wissenschaften ist mir leider nichtmal die wissenschaftliche Methodik klar. Ich frage mich zum Beispiel, was in den Rechtswissenschaften ueberhaupt einen Erkenntnisgewinn ausmacht. Wie sieht ein wissenschaftlicher Fortschritt in so einem Bereich aus? Was ist der Kern einer Doktorarbeit in so einem Bereich?

    Bashar schrieb:

    Man muss das übrigens nicht anhand des Strichcodes versuchen zu beurteilen, man kann das auch nachlesen.

    380 Seiten? "tl;dr" ist da glaube ich die momentan gebraeuchliche Antwort. 😉 Mein Interesse an diesen Arbeiten geht nicht so weit, dass ich sie lesen wuerde. Oder gibt es irgendwo eine Kurzzusammenfassung, bezueglich welcher Aspekte dieser Arbeiten Plagiate gefunden wurden?

    In der Rechtswissenschaft wird einmal die (Historische) Entwicklung untersucht wie es zu der aktuellen Auslegung der Gesetze gekommen ist und dann "untersucht" wie es sich bei aktuellen und zukünftigen Entwicklungen (z.B. technisch, gesellschaftlich) weiterentwickeln könnte. Außerdem werden die dadurch enstehenden Auswirkungen und im besten Fall Rückkoppelungen untersucht.

    Ein weiterer Teil ist die Untersuchung der Auslegung auf bisher noch nicht vorgekommene Fälle. Schließlich sollten so Lücken oder Schlupflöcher von Gesetzestexten erkannt und Vorschläge für Änderungen für zukünftige Entwickelungen gemacht werden.

    So hat es mein Kommilitone beschrieben der Rechtswissenschaften studiert.
    Aus der Informatikersicht mit der Einsicht dass sich diese ganzen Prognosen eh fast nie bewahrheiten (und wenn dann nicht da wo man es erwartet) kann man das alles einfach als "Bla Bla Bla" mit "Glaskugel gucken" zusammenfassen 😉



  • "Ein Titel muss her, um zu zeigen das Eure Kunst viel Künste übersteigt ..." (Mephisto zum Schüler)
    http://www.youtube.com/watch?v=A_QhIQkt01s&feature=related
    Mephisto!!!



  • Gregor schrieb:

    Bashar schrieb:

    Man muss das übrigens nicht anhand des Strichcodes versuchen zu beurteilen, man kann das auch nachlesen.

    380 Seiten?

    Wenn du 380 Seiten lesen musst, um zu beurteilen, ob es auf Seite 160 noch um die Einordnung in den Kontext geht, dann musst du das halt tun. Manchen reichen vielleicht auch weniger.



  • Walli schrieb:

    Was kommt sonst noch? Betrunkene Geisterfahrer als Verkehrsminister?

    Hatten wir doch schon. Otto Wiesheu hat im Vollsuff einen Rentner so von der Autobahn geputzt, daß der verstorben ist.
    Seine weitere Karriere: Bayerischer Verkehrsminister. 😃

    In der Politik kennen Korruption, Schäbigkeit und Verlogenheit einfach keine Grenzen.



  • Bashar schrieb:

    Gregor schrieb:

    Bashar schrieb:

    Man muss das übrigens nicht anhand des Strichcodes versuchen zu beurteilen, man kann das auch nachlesen.

    380 Seiten?

    Wenn du 380 Seiten lesen musst, um zu beurteilen, ob es auf Seite 160 noch um die Einordnung in den Kontext geht, dann musst du das halt tun. Manchen reichen vielleicht auch weniger.

    Im Allgemeinen wuerde ich sogar davon ausgehen, dass man Fachwissen benoetigt, um das wirklich entscheiden zu koennen. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis reicht dazu IMHO nicht aus.

    Ich habe jetzt mal ein paar der Plagiatsfunde des oben angegebenen Beispiels angeguckt. Bei den ersten Plagiaten ist die Quelle angegeben. Er schreibt, dass der Text in Auszuegen eben dieser Quelle folgt. Und dann steht der Text da und folgt in Auszuegen eben dieser Quelle. Es wird dann angeprangert, dass woertliche Uebernahmen des Textes genau so gekennzeichnet werden muessten.

    Dann habe ich nochmal hinten geguckt und dort werden Stellen angeprangert, wo auf eine Quelle kein Bezug genommen wird. Es wird allerdings auch dazu gesagt, dass der Autor der Dissertation moeglicherweise auch der Autor der anderen Quelle ist.

    Ehrlich gesagt kann ich jetzt nichtmal mehr entscheiden, ob in diesem Zusammenhang eine Taeuschungsabsicht vorlag oder einfach nur eine Unkenntnis bestimmter Zitierregeln. Ok, aber ich stimme Dir zu: Wenn er sich selbst plagiiert, geht es in dem Zusammenhang vermutlich schon um den Kern der Arbeit.



  • Schavan hat sich hoch erhoben, als sie sich für den Guttenberg "fremd schämte". Solchen Pharisäern kann man gar nicht lang genug auf dem Zahn herum bohren, möglichst ohne Betäubung. Sie wird kämpfen, da sie sogar Vorlesungen hält in Berlin für ihre Honorar-Professur.



  • Hier mal die Zusammenfassung der Plagiatsstellen: Link



  • Hier mal die Zusammenfassung der Plagiatsstellen: Link

    Titel des Doktorarbeit:
    Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung

    Oh Mann der Titel schießt wirklich den Bock ab. 😃






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