Neues Studium mit 32 beginnen -> Jobchancen



  • Hallo zusammen

    Mit interessiert eure Einschätzung.

    Kurz meine Ausgangslage:
    - Alter 32
    - Promoviert in computergestützter Chemie
    - Mittlerweile 2 Jahre Berufserfahrung in Chemie/Life-Science Unternehmen mit > 20'000 Mitarbeitern
    - Gute Kenntnisse in Programmieren (hauptsächlich Python / R)

    Soweit so gut, ich beklage mich auch überhaupt nicht über meine jetzige Situation. Der Arbeitsmarkt in der Chemie/Life-Science Branche wird aber immer anstrengender und ich überlege mir ein Mathe-Studium zu beginnen (damit ich die Grundlagen in LA / Analysis auffrischen kann). Mit 60 KP möchte ich dann in ein Master-Studium Versicherungsmathematik wechseln (Zulassung mit 60 KP aus Mathe-Vorlesungen).

    Dh. wenn alles so läuft wie ich es mir vorstellen würde, hätte ich mit ca. 35 einen neuen Master Abschluss in einer quantitativen Disziplin.

    Wie würde ich mit so einem Lebenslauf auf dem Jobmarkt eingeschätzt werden? Wie würdet ihr so einen Kandidaten einschätzen?

    Das Ganze kommt davon, dass ich mich einfach etwas in einer Sackgasse fühle und mich weiterbilden möchte.
    Danke für euer Feedback.



  • Wo willst Du beruflich denn hin? Versicherungsmathematik hört sich so an, als ob Du ein entsprechendes Berufsziel in der Versicherungsbranche anstrebst. Du hast aber durchaus auch jetzt schon Kenntnisse in R, die Dir auch ohne weiteres Studium die Tür öffnen könnten. Die Frage ist doch, ob man Dir mit dem Zusatzstudium eine Qualifikation zubilligt, die man Dir jetzt nicht zubilligt. Ich würde davon ausgehen, dass man Dir mit Deiner Promotion auch jetzt schon zutraut, Dich in mathematische Gebiete einzuarbeiten.

    Ich will Dir die Idee des Zusatzstudiums nicht ausreden, weil ich das selbst nicht einschätzen kann. Aber vielleicht ist für Dich auch ein Quereinstieg in die Branche möglich.



  • mzhKU schrieb:

    Wie würde ich mit so einem Lebenslauf auf dem Jobmarkt eingeschätzt werden? Wie würdet ihr so einen Kandidaten einschätzen?

    Die einen werden Dich als unstetig einschätzen, jemand, der nicht weiß, was er will, die anderen als mutig genug, neue Wege einzuschlagen.
    Wie Du Dich jeweils präsentierst, ist Dir in den Bewerbungsgesprächen selbst überlassen.

    mzhKU schrieb:

    Das Ganze kommt davon, dass ich mich einfach etwas in einer Sackgasse fühle und mich weiterbilden möchte.

    Okay, Du bist mit der derzeitigen Situation unzufrieden und hast einen Wunsch nach Weiterbildung.

    Ob Du Dich als Versicherungsmathematiker weniger in einer Sackgasse fühlst, kann ich nicht beurteilen. Das kannst Du besser einschätzen. Wenn Du davon überzeugt bist, hast Du Dein Problem erkannt und eine zielführende Lösung.

    Einen Job zu finden als Hochqualifizierter wird also nicht Dein Problem sein. Eher, dass Du vielleicht nicht entsprechend Deiner Ausbildung (bzw. des doppelten Aufwands dafür) bezahlt werden wirst. Aber dafür bis zur Rente in einer Sackgasse zu sitzen?



  • mzhKU schrieb:

    ...Alter 32...Mittlerweile 2 Jahre Berufserfahrung in...

    Und wieviele Jahre Berufserfahrung insgesamt? Ein Wechsel als solches ist nicht unbedingt kritisch (Jeder kann mal in die Phase kommen wo man feststellt das der gegangene Weg nicht ganz passt - wobei es empfehlenswert wäre wenn der Wechsel keine 180° Wendung wäre, sondern zumindest sinnvolle Überschneidungsmenge hätte), aber wenn das dazu führt das man effektiv noch nichts wirklich gemacht hat schon (Noch nichts gemacht im Sinne: Sie sind 35 und haben nur x Jahre gearbeitet?). Da kommen dann Zweifel ob der Mensch für den Arbeitsmarkt überhaupt geeignet ist.

    Eine Variante (wenn es den in dem Bereich angeboten wird) ist das man parallel zur Arbeit studiert. Dann kommt es zumindest nicht zu der Frage nach der Arbeitsmarkteignung, nur zu der Frage nach den Gründen für den Wechsel.



  • asc schrieb:

    Und wieviele Jahre Berufserfahrung insgesamt? Ein Wechsel als solches ist nicht unbedingt kritisch (Jeder kann mal in die Phase kommen wo man feststellt das der gegangene Weg nicht ganz passt - wobei es empfehlenswert wäre wenn der Wechsel keine 180° Wendung wäre, sondern zumindest sinnvolle Überschneidungsmenge hätte), aber wenn das dazu führt das man effektiv noch nichts wirklich gemacht hat schon (Noch nichts gemacht im Sinne: Sie sind 35 und haben nur x Jahre gearbeitet?). Da kommen dann Zweifel ob der Mensch für den Arbeitsmarkt überhaupt geeignet ist.

    Er wird seine Promotion nicht mitgerechnet haben. Mit ~30 zu promovieren ist im Wesentlichen im Plan, wenn man geradlinig vorangeht.



  • Gregor schrieb:

    Er wird seine Promotion nicht mitgerechnet haben. Mit ~30 zu promovieren ist im Wesentlichen im Plan, wenn man geradlinig vorangeht.

    Insgesamt 2 Jahre Industrieerfahrung (davor 3.5 Jahre mit Promotion beschäftigt).

    Wäre ansonsten interessant zu hören ob jemand ein Zweit-Studium gemacht hat, nachdem er/sie bereits in der Industrie war. Also bewusst auf ein Einkommen verzichtet hat, um sich weiterbilden zu können. Mir scheint einfach, dass heutzutage eine Arbeitsstelle mit soviel Status verbunden ist, dass kaum jemand freiwillig darauf verzichtet, auch wenn es bedeutet darauf zu verzichten sich selbst zu verwirklichen.



  • mzhKU schrieb:

    Wäre ansonsten interessant zu hören ob jemand ein Zweit-Studium gemacht hat, nachdem er/sie bereits in der Industrie war. Also bewusst auf ein Einkommen verzichtet hat...

    Ich bin zwar nicht genau in deiner Situation (mein erstes Studium hatte ich abgebrochen und bin bisher ca. 17 Jahre voll berufstätig), aber ich studiere wieder. Wobei ich nicht auf Einkommen, wohl aber auf viel Freizeit verzichte (Studiere neben dem Beruch).

    In spätestens einem halben Jahr werde ich meinen Bachelor in der Hand haben (mit 40), und in der zweiten Jahreshälfte dann mit dem Master beginnen (den ich voraussichtlich gegen Ende 42 haben werde, wenn nichts dazwischen kommt). Und wenn mein Master gut ist, werde ich wohl überlegen noch zu promovieren (auch neben dem Beruf).



  • asc schrieb:

    Und wenn mein Master gut ist, werde ich wohl überlegen noch zu promovieren (auch neben dem Beruf).

    Und dann gehst du ruhigen Gewissens in Rente?



  • mzhKU schrieb:

    Wie würde ich mit so einem Lebenslauf auf dem Jobmarkt eingeschätzt werden? Wie würdet ihr so einen Kandidaten einschätzen?

    Na, sehr gut (für x,y,z)

    Normalerweise heißt es aber 1 erfolgreicher Abschluss reicht - auch übergreifend, nicht zwei oder drei.

    Was bietet sich noch an? Was (mit längerem Atem) an der Uni finden, oder halbtags arbeiten und nebenbei oder zunehmend hauptberuflich Vermögensberatung machen?
    Noch besser über alternative Ausrichtungen auf dem Arbeitsmarkt/im Leben informieren?

    Was würde dir Spaß machen, was ist wichtig?
    Du könntest Schulungen anbieten oder in den Softwareentwicklungsmarkt einsteigen.
    Allerdings:

    (damit ich die Grundlagen in LA / Analysis auffrischen kann)

    Wie bitte??



  • Mechanics schrieb:

    asc schrieb:

    Und wenn mein Master gut ist, werde ich wohl überlegen noch zu promovieren (auch neben dem Beruf).

    Und dann gehst du ruhigen Gewissens in Rente?

    Ich schätze selbst wenn ich die Promotion noch durchziehe, habe ich noch mindestens 20 Jahre Berufsleben vor mir... Das ist eine Zeit die sogar noch ein Wechsel des Berufes erlauben würde.



  • nachtfeuer schrieb:

    (damit ich die Grundlagen in LA / Analysis auffrischen kann)

    Wie bitte??[/quote]

    Für den Master den ich anstrebe werden eine Mindestpunktzahl in LA / Analysis vorausgesetzt, die ich nicht erfülle.



  • asc schrieb:

    Ich bin zwar nicht genau in deiner Situation (mein erstes Studium hatte ich abgebrochen und bin bisher ca. 17 Jahre voll berufstätig), aber ich studiere wieder. Wobei ich nicht auf Einkommen, wohl aber auf viel Freizeit verzichte (Studiere neben dem Beruch).

    Das wäre auch was ich am allerbesten fände, ein kleiner Nebenjob damit ich weiter Geld verdienen kann aber dennoch genug Zeit zum lernen habe.
    Wenn ich in mich gehe spüre ich, dass diese Karrieregeilheit einfach nicht mein Ding ist.



  • mzhKU schrieb:

    Das wäre auch was ich am allerbesten fände, ein kleiner Nebenjob damit ich weiter Geld verdienen kann aber dennoch genug Zeit zum lernen habe.

    Neben den Beruf heißt meist: Vollzeitstelle + Studium (wie in meinen Fall). "Nebenjob" kenne ich eigentlich nur vom regulären Studium.

    mzhKU schrieb:

    Wenn ich in mich gehe spüre ich, dass diese Karrieregeilheit einfach nicht mein Ding ist.

    Ich studiere zwar auch etwas mit Hinblick auf Geld, aber nicht unbedingt um eine steile Karriere zu machen (auch wenn ich definitiv im Anschluß nicht mehr da sein will wo ich jetzt bin). Mein Hauptgrund für das Studium sind aber 2 Faktoren: Erstens das Gefühl das ich nicht weiß ob ich unbedingt für mein restliches Leben als einfacher Softwareentwickler tätig sein will, als auch um mich geistig fit zu halten (Wissen schadet nie).



  • mzhKU schrieb:

    nachtfeuer schrieb:

    mzhKU schrieb:

    (damit ich die Grundlagen in LA / Analysis auffrischen kann)

    Wie bitte??

    Für den Master den ich anstrebe werden eine Mindestpunktzahl in LA / Analysis vorausgesetzt, die ich nicht erfülle.

    Du hast gesagt, dass Du in computergestützter Chemie promoviert hast. Vielleicht assoziiere ich das falsch, weil ich da an computergestützte Quantenchemie denke. Das ist ein Bereich, der es eigentlich erfordert, dass man mathematisch halbwegs fit ist. Wenn Du LA und Analysis nennst, dann sind das mathematische Themengebiete, die in Studiengängen mit einem gewissen Mathematikbezug im ersten Semester gemacht werden. Chemie würde ich ganz naiv eigentlich dazu zählen. Analysis könnte allerdings in bestimmten Studiengängen noch wesentlich präsenter sein. In Physik zum Beispiel. Ich würde Versicherungsmathematik nicht unbedingt als das höchste der Gefühle ansehen, was die Anforderungen an diese Themen betrifft. Ich glaube nicht, dass Du da viel neues lernst. In einem Studium zu Versicherungsmathematik würde ich eher Schwerpunkte in Stochastik und Optimierung vermuten.



  • asc schrieb:

    Und wenn mein Master gut ist, werde ich wohl überlegen noch zu promovieren (auch neben dem Beruf).

    Welches Fach? Eine Promotion neben dem Beruf ist nicht in jedem Fach denkbar. Eigentlich nur in den Gebieten, in denen die Promotion eigentlich ausschließlich gemacht wird, damit man da so'n Kürzel vor dem Namen hat, ohne dass da irgendetwas hinter steckt. In anderen Gebieten heißt Promotion 3++ Jahre Arbeit in einer wissenschaftlichen Forschergruppe mit der ungewissen Hoffnung, dass da auch etwas bei raus kommt.



  • Gregor schrieb:

    Eine Promotion neben dem Beruf ist nicht in jedem Fach denkbar. Eigentlich nur in den Gebieten, in denen die Promotion eigentlich ausschließlich gemacht wird, damit man da so'n Kürzel vor dem Namen hat, ohne dass da irgendetwas hinter steckt.

    In Chemie ist das wohl so, ein Freund von mir, der Chemie studiert hat, meinte mal ohne Dr. kommst du in Chemie nicht weit. Das ist zwar schon länger her und es gab auch eine "Reform", aber wer weiß.
    Ein anderer Freund arbeitet als Mathematiker (erfolgreich) im Versicherungsgeschäft, der hat nicht promoviert und selbst das Diplom denkbar schlecht bestanden (gerade noch ausreichend).
    (aber sein Abitur war sehr gut, das hatte ihm sicher auch geholfen, den Job zu bekommen, außerdem kann er gut reden.)
    (und in Fortran programmieren auch noch)



  • Gregor schrieb:

    asc schrieb:

    Und wenn mein Master gut ist, werde ich wohl überlegen noch zu promovieren (auch neben dem Beruf).

    Welches Fach? Eine Promotion neben dem Beruf ist nicht in jedem Fach denkbar.

    Wirtschaftsinformatik / IT-Management.

    Gregor schrieb:

    Eigentlich nur in den Gebieten, in denen die Promotion eigentlich ausschließlich gemacht wird, damit man da so'n Kürzel vor dem Namen hat, ohne dass da irgendetwas hinter steckt. In anderen Gebieten heißt Promotion 3++ Jahre Arbeit in einer wissenschaftlichen Forschergruppe mit der ungewissen Hoffnung, dass da auch etwas bei raus kommt.

    Deine Aussage ist so nicht ganz richtig, es gibt durchaus auch wissenschaftliche Kooperationen die eine Promotion auch in "schwierigeren" Fächern (aber sicherlich nicht allen) neben den Beruf bzw. Berufsbegleitend ermöglichen. Nur dauert dann eine Promotion auch länger [man geht realistisch wohl von etwa dem doppelten, sprich mind. 5-6 Jahren aus] und von Freizeit kann man nur noch träumen (wobei dieses Phänomen auch durchaus schon im berufsbegleitenden nicht unbekannt ist).



  • Gregor schrieb:

    Du hast gesagt, dass Du in computergestützter Chemie promoviert hast. Vielleicht assoziiere ich das falsch, weil ich da an computergestützte Quantenchemie denke. Das ist ein Bereich, der es eigentlich erfordert, dass man mathematisch halbwegs fit ist. Wenn Du LA und Analysis nennst, dann sind das mathematische Themengebiete, die in Studiengängen mit einem gewissen Mathematikbezug im ersten Semester gemacht werden.

    Die Themen wurden meist einfach adhoc eingeführt, und ohnehin ist das ganze eine Weile her. Aus dem Stand auf 100 würde ich das im Moment nicht schaffen, von da her wäre ein Aufwärmejahr gar nicht schlecht. Ich nenne LA/Analysis einfach deshalb, weil explizit in beiden Fächern 24 Kreditpunkte vorausgesetzt werden und ich aus dem Studium insgesamt in allen mathematischen Fächern ca. 15 habe.



  • Hallo,

    ich hatte mal ein Projekt mit zwei promovierten Physikern und einer promovierten Chemikerin. Alle waren froh mit Software-Entwicklung noch was spannendes und anspruchsvolles gefunden zu haben. Niemand von denen hat noch was mit Informatik dazustudiert. Ich habe Informatik studiert und was wirklich vom Studium im Beruf wichtig war, war Multi-Threading und konkurrente Programmierung. Aber auch das hätte ich auch so im Beruf während der Arbeit gelernt. Du kannst jetzt schon völlig problemlos als Software-Entwickler arbeiten gehen als Junior Entwickler wie jeder Neu-Einsteiger und dann deinen Weg machen.

    Du hast in computer-gestützter Chemie promoviert und Ahnung von Python. Python ist ziemnlich gesucht, v.a. im naturwissenschaftlichem Bereich aus dem du ja herkommst. Auch R ist aufstrebend. Passt doch alles. Man muss nicht genau das studiert haben, was man dann macht. Ich habe in der Software-Entwicklung schon mit mehreren Physikern, Elektrotechnikern, Chemikern gearbeitet und sogar einem Musiker und einem früheren 5-Sterne-Koch (ehrlich wahr). Mit einem Doktor in einem harten naturwissenschaftlichem Fach stehst du prima da. Mit 32 hast du noch den Bonus der jungen Leute, denen man eine Chance gibt, weil sie noch nicht so viel kosten und viel lernen und arbeiten wollen.

    Wie würde ich mit so einem Lebenslauf auf dem Jobmarkt eingeschätzt werden? Wie würdet ihr so einen Kandidaten einschätzen?

    Ich möchte nicht als super-schlau rüberkommen, aber die Firmen denken nicht so. So denkt jemand, der nicht weiß wie die Firmen denken und versucht sich in sie rein zu versetzen und sich dabei nur in seinem eigenem Spiegelbild betrachtet. Ich arbeite jetzt seit über 20 Jahren, habe schon viele Bewerbungsgespräche bei ganz verschiedenen Firmen gehabt. Ich weiß ein bisschen wie die ticken: Die Firmen brauchen jemand, der die Arbeit machen kann. Danach suchen sie. Ist doch denen egal, ob der Typ Physik oder Informatik studiert hat. Er kann Python und im Studium hat er gezeigt, dass er nicht gerade dumm ist. Also passt es und der Typ wird genommen. Weißt du, dass David Cutler, der bei Microsoft Windows NT entwickelt hat, Mathematiker war und gar nicht Informatik studiert hat? Viele Größen in der Informatik/Silicon Valley sind Mathematiker, Physiker oder Elektrotechniker.

    Mit 60 KP möchte ich dann in ein Master-Studium Versicherungsmathematik wechseln (Zulassung mit 60 KP aus Mathe-Vorlesungen).

    Von den promovierten Physikern, mit denen ich gearbeitet habe, haben 2 erzählt sie hätten ein Angebot von einer Bank gehabt Wahrscheinlichkeiten für Aktienkurse zu berechnen. Das hätten sie abgelehnt, weil sie das als langweilig angesehen haben. Mit der höheren Mathematik aus ihrem Physik-Studium war ihnen das zu doof. Du kannst mit Versicherungsmathematik vielleicht auch so anfangen. Wenn nicht, versuche es mal bei einer Bank mit irgendwelchen mathemmatischen Modellen für Kurs-Berechnungen.

    Wenn du mit einem weiteren Studium dann mit 35 oder 36 Jahren anfängst zu arbeiten, wird schon ein Wettlauf beginnen deine Rente zusammen zu bekommen. Andere haben da schon seit 10 Jahren in die Rentenkasse einbezahlt. Mit 35 musst du dann schon zusätzlich in die private Rentenversorgung einbezahlen sonst sieht es auch für gut verdienende Leute im Alter ziemlich traurig aus. Deine Generation wird noch viel härter vom Pillenknick getroffen werden als meine. Wie sieht es aus mit den Frauen? Mit 35 bist du dann für viele Frauen auch nicht mehr erste Wahl und auch schon eher älter. Frauen gucken auch aufs Alter. Das ist manchen Männern nicht so bewusst. Wenn du jetzt nochmal studieren willst, suchen die Frauen einen anderen. Sie können nicht ewig warten. 35 ist für Frauen selbst der allerletzte Dampfer. Jetzt ist für dich die wichtigste Zeit und ich würde jetzt da draußen mein Glück versuchen. Ein promovierter Chemiker, der sich ohne weiteres Studium nicht als fit ansieht? Du wirst bei vielen Bewerbungsgesprächen gefragt werden, warum du nochmal studiert hast. Das wird dir eher als Malus angerechnet. Ich habe nach Diplom noch einen Master gemacht und wurde lange gefragt bei Bewerbungsgesprächen warum ich das gemacht habe.

    Also aus meiner Sicht würde ich das kurz zusammengefasst so sagen, dass du mit einem weiteren Studium zu viel Zeit verlierst und es auch an sich nicht brauchst. Wenn ich einen Doktor in Chemie hätte würde ich strotzen vor Selbstvertrauen und mir keine Gedanken machen wie man mich ohne ein weiteres Studium sehen würde. Mein Rat ist es erst einmal mit Software-Entwicklung zu versuchen. In der Richtung hast du dich ja schon bewegt. Ziemlich wahrscheinlich wirst du sehen, dass es gut läuft, Gehaltserhöhungen kommen und du vielleicht ein Quereinstieg in Java oder C# bekommst und bald ein gemachter Mann bist.



  • Saxo schrieb:

    Niemand von denen hat noch was mit Informatik dazustudiert. Ich habe Informatik studiert und was wirklich vom Studium im Beruf wichtig war, war Multi-Threading und konkurrente Programmierung...

    Geh lieber in Deckung, es gibt hier ein paar die alle Studiengänge jenseits von Informatik abwertend betrachten und meinen das man nur mit diesen alles notwendige kann. Mist, jetzt habe ich auch Jehova gesagt...

    Saxo schrieb:

    Ich möchte nicht als super-schlau rüberkommen, aber die Firmen denken nicht so. So denkt jemand, der nicht weiß wie die Firmen denken und versucht sich in sie rein zu versetzen und sich dabei nur in seinem eigenem Spiegelbild betrachtet. Ich arbeite jetzt seit über 20 Jahren, habe schon viele Bewerbungsgespräche bei ganz verschiedenen Firmen gehabt. Ich weiß ein bisschen wie die ticken: Die Firmen brauchen jemand, der die Arbeit machen kann. Danach suchen sie. Ist doch denen egal, ob der Typ Physik oder Informatik studiert hat.

    Und ich kann dir aus eigener Erfahrung und von Bekannten mit unterschiedlichen Abschlüssen (oder auch dem fehlen selbiger), sowohl in der Position als Bewerber als auch Beisitzender einer Bewerbung: Firmen, Vorgesetzte und Entscheider ticken sehr unterschiedlich. Dem einen ist wichtig das man studiert hat, manchmal ist das Fach oder der grobe Bereich noch wichtig, andere würden auch jemanden mit Nicht-Mint-Fächern gleich behandeln. Für Andere ist die reine Erfahrung (mit oder ohne Studium) entscheidend und dann gibt es noch die Kategorie die ausschließlich auf das Äußere achten und für die Fähigkeiten egal welcher Art nebensächlich sind.

    Er fragt aber nicht nach einer Stelle sondern ein neuem Studium. Und auch wenn es inzwischen eigentlich Tabu ist jemanden aufgrund des Alters abzulehen, kann ich dir sagen das hinter den Kulissen durchaus Alter und Lebenslauf eine entscheidende Rolle spielen können. Es gibt Firmen die lehnen Dauerstudenten ab, selbst wenn sie Studierte bevorzugen. Es gibt Firmen da werden Männer bis 35 und Frauen ab 35 (mit Begründung hinter vorgehaltener Hand, das da die Wahrscheinlichkeit noch Kinder in die Welt zu setzen halt recht niedrig ist) bevorzugt. In anderen Firmen geht es ausschließlich darum wie günstig man jemanden bekommt, die würden auch eine Putzkraft einstellen, wenn die als Hobby Programmierung auf den Niveau eines Hello Worlds nachweisen kann (Wir müssen sparen, koste es was es wolle).

    Wenn ich einen Doktor in Chemie hätte würde ich strotzen vor Selbstvertrauen... Mein Rat ist es erst einmal mit Software-Entwicklung zu versuchen... Ziemlich wahrscheinlich wirst du sehen, dass es gut läuft, Gehaltserhöhungen kommen ... bald ein gemachter Mann bist.

    Wobei jeder der auf Gehalt setzt in der Regel mehrere Stellenwechsel im Leben einplanen sollte. Meist bekommt man in der ersten Firma trotz Gehaltserhöhungen niemals so viel, wie wenn man noch das ein oder andere mal wechselt*. Ich kenne leider nur sehr wenige Firmen bei denen man die Gehaltsleiter ungeachtet seines Einstiegsgehaltes aufsteigen kann - und auch wenn ich selbst vorwiegend bei kleineren Firmen war, wurde mir dies auch für große Firmen bestätigt. Das heißt nicht, das es keine Ausnahmen geben kann.

    * Ich hatte schon mehrere Angebote wo ich auf einen Schlag mind. 500-1000€ mehr pro Monat hätte bekommen können. Wenn ich nicht gerade im berufsbegleitenden Studium wäre, wäre das ein Argument für ein Wechsel gewesen - zumal einige der Angebote noch Luft nach oben hatten.


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