Wenn etwas als objektiv bezeichnet, wird dann ausgeschlossen dass es subjektiv ist?



  • Oder umgekehrt, kann etwas das als subjektiv deklariert wird objektiv sein?

    Kurz: Sind Objektivität und Subjektivität mutually exclusive (sich gegenseitig auschliessend)?

    Anders gefragt: Ist es einfach eine rethorische "Technik", etwas als subjektiv zu bezeichnen, damit es nicht als objektiv gesehen werden kann?

    Ich habe starke Zweifel, dass dem (zumindest immer) so ist, kann es im Moment aber nicht nachvollziehbar machen.



  • subjektiv:

    von persönlichen Gefühlen, Interessen, von Vorurteilen bestimmt; voreingenommen, befangen, unsachlich

    objektiv:

    nicht von Gefühlen, Vorurteilen bestimmt; sachlich, unvoreingenommen, unparteiisch

    Quelle: Duden

    Hört sich für mich erstmal gegenseitig ausschließend an. Aber es hängt vermutlich auch davon ab wie man genau denkt, dass Objektivität zu Stande kommt. Handelt es sich bei Objektivität nicht um eine Subjektive Wahrheit, die von einer Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert wird? 😛

    Echte Objektivität ist schwer zu erreichen. Hatte dazu mal eine Diskussion über eine spezifische Tagesschau Sendung bei der jemand wörtlich zitiert wurde / Ausschnitte gezeigt wurden. Viel neutraler kann es ja eig. kaum mehr werden. Aber wenn man will kann man natürlich trotzdem fragen:

    • Warum wurde grade dieser Ausschnitt gezeigt? Über dieses Thema berichtet?
    • Wie kommen das Bild und die Überschrift zum Einläuten des Thema zu Stande?
    • War das zitieren neutral? Man kann ja auch durch seine Stimmlage eine entsprechende Wirkung erzielen

    Daher stellt sich mir auch immer die Frage, wann / ob man eig. objektiv überhaupt sein kann. "Das ist subjektiv" ist immer quasi ein Totschlagargument.
    Ist irgendwie so wie "Es gibt keine gelb blau gestreiften Vögel". Einfach zu widerlegen (wenn falsch), schwierig zu beweisen (wenn wahr) 😉



  • Es schließt sich nicht gegenseitig aus in dem Sinne, dass ein subjektiver Eindruck auch den objektiven Fakten entspechen kann.



  • Also nehmen wir ein konkretes Beispiel: Also Objekt die Temperatur, als Subjekt ein Therometer und ein weiteres Subjekt die menschliche Bioimplementierung des Therometer, das Temperaturgefühl.

    Was ist dann?



  • Das Thermometer ist ebenfalls ein Objekt. Und wenn es Dir um die Grundlagen der Modellbildung geht: Karl Popper, Logik der Forschung ist dann ein sinnvolle Leseempfehlung.



  • Temperatur ist objektiv.
    Eine Temperaturmessung kann man vermutlich als subjektiv bezeichnen weil Messfehler und so.
    Temperaturempfinden ist auf jeden Fall subjektiv.
    Deswegen ist es aber mMn. nicht korrekt zu sagen Temperatur kann subjektiv sein. Das "funktioniert" nur, wenn man es mit der Sprache nicht sehr genau nimmt.

    Das Reflexionsspektrum eines Objekts ist objektiv.
    Wahrnehmung von Farbe ist dagegen subjektiv.
    Den Begriff Farbe alleine kann man nicht so eindeutig festlegen. Es gibt ja z.B. die RAL Tabellen. Die sind relativ gut identisch - da kann man mMn. schon sinnvoll von objektiv sprechen. Im Sprachgebrauch werden aber meist nur Begriffe wie "orange" oder "violett" für Farben verwendet. Diese sind wieder subjektiv. Was für den einen noch "violett" ist, ist für den anderen vielleicht schon "pink". Und für jemanden mit Rot-Grün Sehschwäche vielleicht irgend ein Blauton.

    Also ja, für mich sind die Begriffe schon gegenseitig ausschließend. Wenn nicht, dann hat man es irgendwo mit der Sprache nicht so genau genommen.



  • Noch kurz als Ergänzung: siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektives_Recht, dabei geht es aber anscheinend nicht z.B. um Rechtsempfinden, das nicht dem wirklichen Recht entspricht oder Recht, von dem irrtümlicherweise ausgegangen wurde.

    Habe auch sonst in Erinnerung, dass die Begriffe schon anders verwendet wurden.



  • Da gabs zu DDR-Zeiten mal den Funktionärskalauer: "Frage: Kann etwas zugleich objektiv und richtig sein? Antwort: Ja wenn es das objektiv richtige ist."


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