Zum Thema Globalisierung | Outsourcing | Arbeitsplätzeverlagerung



  • Marc++us schrieb:

    [...]
    Ich will nur unterschwellig fordern, daß wir endlich mal den Kampf aufnehmen und zeigen, daß wir technisch und wirtschaftlich auch in Zukunft überlegen sind - durch Geschwindigkeit, Innovation, Ausbildung, Effizienz.

    Aber genau das ist doch unrealistisch. Wozu einen Innovationskampf führen der nur noch zu minimalen Verbesserungen der Lebensbedingungen führt. Bzw. wer soll diese innovativen Produkte kaufen? Da ist doch kein Markt mehr da.

    Marc++us schrieb:

    Ich will, daß wir uns eben auf die technische Führungsrolle besinnen, die wir hatten.

    Auch das seh ich als nicht realistisch an.
    Die technische Führungsrolle hatten wir eben *im Vergleich* zu weniger entwickelten Staaten. Bei zunehmender Entwicklung dieser Straaten wird es überpropertional kostenaufwendiger diese Rolle zu halten, und dabei springt immer weniger Mehrnutzen für uns raus. Warum können wir uns nicht damit zufriedengeben auf *gleichem*, d.h. höchstentwickeltstem Stand mit anderen zu sein?


  • Mod

    scrontch schrieb:

    Die technische Führungsrolle hatten wir eben *im Vergleich* zu weniger entwickelten Staaten. Bei zunehmender Entwicklung dieser Straaten wird es überpropertional kostenaufwendiger diese Rolle zu halten, und dabei springt immer weniger Mehrnutzen für uns raus. Warum können wir uns nicht damit zufriedengeben auf *gleichem*, d.h. höchstentwickeltstem Stand mit anderen zu sein?

    Weil es nicht möglich ist, auf gleichem Stand zu stehen. Die anderen Länder entwickeln ja nicht bei 0 und hören dort auf wo wir heute stehen. Sondern sie sind jetzt vielleicht einige Stufen zurück, aber werden sich nun 20-30 Jahre nach Vorne bewegen - und uns damit massiv überholen, wenn wir uns mit dem jetzigen Stand zufrieden geben. Das führt dazu, daß wir technisch irgendwann zum Entwicklungsland mutieren. Oder wir müssen eine hohe Mauer um uns herum bauen.

    D.h. trotz immer höheren Aufwands besteht unser Los darin, eben weiter voran zu rennen. Oder stehen zu bleiben (bzw. langsamer zu werden), und damit überholt zu werden.

    Problem an der Sache ist ja, daß viele andere Länder nicht auf gleiche Position wie wir kommen wollen - sie wollen uns überholen, besser sein. Ist ja auch logisch, wenn ich jemandem nachrenne, dann will ich doch bei all der Mühe und dem Aufwand nicht neben dem stehen, sondern gleich den ganzen Schritt machen und vorbei kommen.



  • Marc++us schrieb:

    Problem an der Sache ist ja, daß viele andere Länder nicht auf gleiche Position wie wir kommen wollen - sie wollen uns überholen, besser sein. Ist ja auch logisch, wenn ich jemandem nachrenne, dann will ich doch bei all der Mühe und dem Aufwand nicht neben dem stehen, sondern gleich den ganzen Schritt machen und vorbei kommen.

    Hmm, also das seh ich immer noch nicht ein.

    klar wollen die das. Aber von ihrer heutigen Position aus gesehen!
    Lass die mal auf unserem Niveau sein um zu sehen wie schnell sich ihre Motivation da verflüchtigt.

    Ich versuch es dir an deinem eigenen Bild mit den Läufern zu verdeutlichen was ich meine:
    Wir laufen eben nicht in der Ebene, sondern einen *exponentiell* ansteigenden Hang hinauf.
    Wir sind schon ein ganzen Stück weit oben und kommen aufgrund der starken Steigung nur noch schleppend voran, bzw. bleiben erschöpft ganz stehen.
    Jetzt sehen wir da weit hinter und unter uns einen frischen ehrgeizigen Sportler, der garedezu spurtet. In der Tat will der uns überholen. Bloß wenn denn der mal bei uns ist, hängt dem genauso die Zunge raus wie uns und jeder weitere Meter tut ihm genauso weh.



  • scrontch schrieb:

    Wozu einen Innovationskampf führen der nur noch zu minimalen Verbesserungen der Lebensbedingungen führt. Bzw. wer soll diese innovativen Produkte kaufen? Da ist doch kein Markt mehr da.

    Kannst du mir mal sagen, warum du denkst, dass es durch Innovation nur noch zu minimalen Verbesserungen der Lebensbedingungen kommt? Ich habe eher das Gefühl, dass sich die Gesellschaft momentan schneller denn je durch den technischen Fortschritt verändert. ...und IMHO sind damit auch im Großen und Ganzen viele Verbesserungen verbunden.



  • @scrontch aber beachte eins, wir leben schon heute über unsern nivo (emöglich durch schulden), wenn wir irgend wann die schulden zurück zahlen wollen dann müssen wir entweder mehr leisten oder kürtzer tretten.
    wenn wir aber zu sehr kürtzer tretten dann können wir schnell in einen teufelskreislauf, die leute die biher uns so hoch gehalten haben springen ab und wir rutschen den berg runter

    außerdem wie sind wir den so hoch gekommen? in den wir teilweise die andern länder ausbeuten, wenn diese länder mal die position weckseln werden sie wahrcheinlich keine rücksicht auf uns nähmen

    @Gregor wo sind sie den? kann ich besser essen als vor 10 jahren, sind heuser viel erschwinglicher geworden usw.



  • @Gregor wo sind sie den? kann ich besser essen als vor 10 jahren, sind heuser viel erschwinglicher geworden usw.

    Stimmt schon: billiger ist der ganze Quatsch, den eigentlich keiner braucht und teurer geworden ist das alltägliche Leben. Ich finde es eher interessant zu sehen, wie der Markt auf sowas immer reagiert. Bestes Beispiel derzeit in Elektromärkten ala "es lebe billig" - Soviel wirklich minderwertigen Schrott (nach neuestem technischen Standards versteht sich) habe ich früher IMHO nicht gesehen.

    @scrontch:

    Das Beispiel mit dem Berg ist cool, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob größere und global arbeitende Konzerne da nicht ab und zu bewußt die Steigung anpassen, um immer schön den wettlauf auf trab zu halten.



  • @TheBigW:
    ..., aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob größere und global arbeitende Konzerne da nicht ab und zu bewußt die Steigung anpassen, um immer schön den wettlauf auf trab zu halten.

    Das ist auch die Antwort auf die Frage von @Marc++us, ob "wir" nicht mal endlich aufwachen und wieder richtig innovativ werden wollen (mal ganz frei zitiert 😉 )

    Nicht die Staaten/Erdteile (Westeuropa/Asien) mit ihren Bevölkerungen entscheiden heute den technischen Fortschritt - es sind die global operierenden Konzerne, die auf dem einen oder anderen Gebiet das Monopol haben oder "Marktführer" (via Masse oder Klasse) sind. Letzten Endes sind das auch nur ein paar Manager mit ihren Planungsstäben - egal, wo die geboren wurden oder zur Zeit leben.

    Der einzelne Entwickler oder auch ganze mittelständische Firmen können da so gut wie nichts ausrichten.

    Um genau diese Machtkonzentrationen (und -de-Konzentration) zu begrenzen, sind ja die meisten nationalen Regularien entstanden (Wirtschaftsförderung, Subventionen, Entwicklungs-/Forschungsprogramme ...).
    Nur leider wird dieses Instrument von unseren "modernen" Politikern genau ins Gegenteil verkehrt - der Staat subventioniert nur seine Staatsbetriebe oder zieht sich zurück aus allen Förderungen.

    Und wie soll ein Entwickler/Forscher/Erfinder/Genie ... Leistungen zum Fortschritt der technischen Entwicklung vollbringen, wenn er eine nicht unbeträchtlich große Zeit/Aufwand/Intelligenz nur für die Sicherung des eigenen Lebens/Weiterlebens aufwenden muß?
    Die (Brutto-)Löhne sind in Deutschland nur deshalb so hoch, weil der Staat sich ungeniert per Gesetz davon einen hohen Anteil holt. Und leider nicht nur dort. Wer mehr leistet, der muß auch mehr löhnen - das kanns ja nun nicht sein.

    In China, Hongkong, Taiwan ... ist es nicht so (nicht so wie in D.). Da ist eben der Anreiz stärker, damit auch die Motivation. Und auch die Erfolge.
    Nur kann man von der derzeitigen steilen Einwicklung dort nicht einfach 10 oder mehr Jahre weiter "interpolieren".
    Also so dramatisch ist es nicht, wie der Artikel es suggeriert.

    Blackbird
    PS: Ist nur meine Meinung - hervorgegangen aus den Erfahrungen, die ich im Leben schon machen mußte.



  • Finde schon das sich einiges in den letzten 10 Jahren getan hat.
    Als Schlagworte vielleicht:

    - Internet
    - Digitalisierung
    - Mobilität

    da sah es noch '94 ziemlich mau aus.
    Wüsste nicht in welchen 10-Jahresabschnitt es mehr technische Fortschritte gegeben haben soll als in den letzten.



  • und welchen grossen beitrag hat DE (bzw. AT in meinem fall) dazu geleistet?

    fortschritt gibt es immer - die frage ist wo er herkommt



  • gomberl schrieb:

    und welchen grossen beitrag hat DE (bzw. AT in meinem fall) dazu geleistet?

    ähmm...na...hmmm...Dosenpfand?

    😃 😃



  • gomberl schrieb:

    und welchen grossen beitrag hat DE (bzw. AT in meinem fall) dazu geleistet?

    fortschritt gibt es immer - die frage ist wo er herkommt

    Nein, das ist nicht die Frage. Die Frage ist/war, ob sich das Leben noch so stark durch den technischen Fortschritt verändern kann, dass es sich lohnt, in diesen zu Investieren. IMHO hat O'Dog allein durch die paar Schlagworte schon gezeigt, dass das der Fall ist.

    ...und Fortschritt gibt es nicht immer und automatisch. Wenn es zu viele motivationslose und innovationsfeindliche Leute gibt, wie sie sich hier zu Wort gemeldet haben, dann gibt es garnichts. Im Gegenteil: Dann wird Deutschland seinen Wohlstand nicht halten können. Denn worum ging es eigentlich in diesem Thread? Richtig, um Outsourcing und Globalisierung. Wenn Deutschland seine Standortvorteile gegenüber anderen Ländern verliert, dann wandern Arbeitsplätze und Unternehmen ab. Zu was das führt, weiß wohl jeder.

    Ok, man mag argumentieren, dass in anderen Ländern auch die Standortvorteile geringer werden, wenn sie sich entwickeln. Deutschland wäre dann insgesamt nicht mehr im Nachteil und auf Dauer würden Arbeitsplätze und Unternehmen zurückkommen, weil halt eine Angleichung stattgefunden hat (Deutschland hat sich dann sicherlich auch ein ganzes Stück zurückentwickelt). Aber wann wär denn das? Sicherlich nicht in den nächsten 50 Jahren. Naja, ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber mich interessiert in erster Linie mein Leben. Wenn Deutschland während meines Lebens einen starken Abschwung durchmacht, dann hat das direkte Auswirkungen auf mein Leben, die ich nicht haben möchte.


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