Wahlrecht für Kinder: War das ein Aprilscherz?
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PCMan schrieb:
Tja, Probleme dieser Art hätten wir alle nicht, wenn wir uns auf die Wiedervereinigung richtig vorbereitet hätten und nicht mit der Tür ins Haus gefallen wären.
*jetzt hab ich was entfacht, oder?*

Hast Du den Satz aus irgendeiner Talkshow oder kannst Du es auch noch begründen?
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PCMan schrieb:
Probleme dieser Art
Welcher Art?
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personenkult schrieb:
Ich finde man sollte das sein lassen, das Kinder wählen dürfen. 50% wird das nachlabern, was die Eltern sagen. Und mal ehrlich gesagt, wieso sollte man jemanden das Wahlrecht geben, der keine Ahnung hat was "Demokratie" bedeutet und politisch absolut keine Ahnung hat..
Willst Du damit sagen, dass heutzutage alle Wahlberechtigten viel Ahnung von Politik bzw. Demokratie haben?
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Irgendwie wundere ich mich...
Defakto ist das Wahlrecht für Kinder eine Umgewichtung der Stimmen, da in den meisten Diskussionen die Rede davon ist, die Stimme den Eltern zu übertragen.
Also sind Stimmen dann ungleich gewichtet, eine Person mit mehr Kindern hat mehr Stimmen.
Sowas gab's schon mal im 19. Jhdt, nannte sich "Klassenwahlrecht". Viel Blut wurde vergossen, um dies abzuschaffen.
Heute gilt es als sozial gerecht, eine solche demokratische Errungenschaft wieder abzuschaffen.
Das sagt viel über die Moral der heutigen Politik aus.
Warum sollte man nicht z.B. auch Stimmen nach Steuerhöhe (wie bei einer Aktiengesellschaft - wer mehr hat, bestimmt mehr) oder nach Alter (auch dafür lässt sich eine Begründung finden) wichten? Wäre doch auch irgendwie gerecht?
Inzwischen ist verfassungswidrige Politik aber salonfähig, insofern passt dieser verfassungswidrige Vorschlag gut in die Reihe... Lafontaine will ja auch Leute ausbürgern, wenn sie Steuern im Ausland zahlen - ebenfalls ein Verstoß gegen das Grundgesetz. Oder die verfassungswidrige Besteuerung der Gewinne aus Aktiengeschäften - wer keinen Einspruch eingelegt hatte bekommt das Geld nicht zurück, obwohl das Gesetz nun als verfassungswidrig eingestuft wurde.
Aber nur weiter, solange es wie hier zu sehen ist Leute gibt, die solchen Vorschlägen zujubeln, wird es auch weiterhin Verstösse dagegen geben. Viele Leute glauben ein Gesetz darf ruhig verfassungswidrig sein, wenn es ihnen nur nützt. Wenn das mal kein Irrglaube ist...
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Ist das Ganze vielleicht doch nicht mehr als ein letzter "Notruf" um an
Waehlerstimmen zu kommen, die ihnen die heutige Jugend nicht mehr gibt?Immer mehr Jugendliche (oder sollte ich doch besser sagen: junge Erwachsene)
gehen nicht mehr waehlen. Ich muss gestehen, dass ich mich dazuzaehlen muss,
da mich die Politik nicht sehr interessiert.Warum soll ich fuer viele viele Diskussionen (diskutieren ist ja im Moment
ein sehr sehr grosser Trend) und wenig Entscheidungen waehlen gehn? Da aendert
es auch nichts, dass wenn Leute wie ich doch waehlen gehen wuerden, ich das
mit meiner Stimme aendern koennte, denn schliesslich macht das jede Partei,
egal welchen ehrenvollen Namen sie traegt. Irgendwie muss man diese Waehler-
stimmen ja her bekommen, die so wegfallen.Naja, nur so Gedanken, vielleicht sind sie ja auch falsch

mfg
v R
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Marc++us schrieb:
Defakto ist das Wahlrecht für Kinder eine Umgewichtung der Stimmen, da in den meisten Diskussionen die Rede davon ist, die Stimme den Eltern zu übertragen.
Ganz recht. Um Wahlrecht für Jugendliche geht's dabei wirklich nicht.
Marc++us schrieb:
Inzwischen ist verfassungswidrige Politik aber salonfähig
Inzwischen???

Marc++us schrieb:
...solange es ... Leute gibt, die solchen Vorschlägen zujubeln
Oh ja, ich juble jedem Vorschlag zu, der Familienpolitik ein bißchen in den Mittelpunkt rückt.

Allerdings glaube ich gleichzeitig nicht, daß dieser Idee irgendein Erfolg beschieden sein wird. Aus den gleichen Gründen (Verfassung, unterschiedliches Wahlverhalten der Eltern, Problematik alte unmündige Bürger etc), die hier von Dir und anderen schon genannt wurden. Vielleicht gibt es aber wenigstens ein Nachdenken darüber, auf welchem Boden solche Vorschläge entstehen...
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Hallo
@Marc++us
Warum sollte man nicht z.B. auch Stimmen nach Steuerhöhe (wie bei einer Aktiengesellschaft - wer mehr hat, bestimmt mehr) oder nach Alter (auch dafür lässt sich eine Begründung finden) wichten? Wäre doch auch irgendwie gerecht?
das ist doch ca. das was im 19. Jhdt abgeschafft wurde
was du da beschreibstWas sollte bitte daran ein "verfassungswidrige Vorschlag" sein
Du solltest moeglicherweise mal beim Verfassungsgericht nachschauen
(letzte Urteile) -> Kinder (Familien) mehr zu foerdern
Das sagt doch wohl alles -> genau dies macht dieser Vorschlag doch oder
Ob das "Kinderwahlrecht" gut ist oder nicht kann ich so nicht beurteilen, aber
es klingt einerseits doch nicht schlecht (ausser fuer Kinderlose)Es wird nach Anzahl der Personen gewertet (ohne Altersbegrenzungen)
Man koennte sagen ENDLICH geht einer auf Familien zu (glaube ich blos nicht)
und macht etwasMfG
Klaus
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Es gab viele Meinungen die vor einer Verfassungsänderung "verfassungswidrig" waren. Ich seh da nicht prinzipiell schlechtes an "Verfassungswidrigkeit" an sich.
Als Tierschützer gefordert haben den Tierschutz in die Verfassung aufzunehmen waren sie auch "verfassungswidrig" - inzwischen nicht mehr.Ich denke man sollte Verfassungswidrige und anti-freiheitlich, anti-demokratische Ideen etc. auseinander halten.

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illuminator schrieb:
Als Tierschützer gefordert haben den Tierschutz in die Verfassung aufzunehmen waren sie auch "verfassungswidrig" - inzwischen nicht mehr.
Die gesetzlichen Grundlagen für den Kaugummiimport sind auch nicht im Grundgesetz verankert (das Wort Kaugummi kommt nicht mal vor!) und trotzdem ist der Import von Kaugummi weder verfassungswidrig noch "verfassungswidrig".
Nur weil etwas nicht drin steht, ist es nicht 'widrig'.
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illuminator schrieb:
Ich denke man sollte Verfassungswidrige und anti-freiheitlich, anti-demokratische Ideen etc. auseinander halten.

Ein bißchen Verfassungskunde sollte Dir zeigen, wie gefährlich diese Denkweise ist.
Nehmen wir z.B. den lieben Herrn Lafontaine. Er fordert ganz offen, daß im Ausland Steuer zahlende Deutsche ausgebürgert werden.
Eine kurze Analyse bringt interessante Dinge zu Tage:
- keinem Deutschen darf seine Staatsbürgerschaft aberkannt werden (GG)
- dieser Artikel steht in dem vor Änderungen geschützten Bereich des GG
- versucht jemand das GG in diesen Teilen zu ändern, steht jedem Bürger ein notfalls auch bewaffnetes Widerstandsrecht zuD.h. die Väter (und Mütter) des GG hatten vor Augen, daß die Staatsbürgerschaft ähnlich wie andere Rechte einen solchen schützenswerten Stellenwert hatten, daß ein Eingriff in diese Dinge einem Staatsstreich von oben entsprächen - und damit den Bürger aufforderten, eine solche Regierung zu bekämpfen. Gedacht war dies natürlich vor dem Hintergrund der Ausbürgerungen der deutschen intellektuellen Elite ab 1933 durch die Naziidioten, aber es wirkt auch heute noch fort gegen Umstürze durch linke 68er Idioten.
Lafontaine stellt sich also in Zeitungsinterviews hin und kündigt an, daß unter seiner Regierung ein Staatsstreich von Oben durchgeführt werden würde, und bekommt dafür noch zugejubelt. Klar, nach der Abschaffung der Demokratie und Einführung (wieder Mal) der Volksdiktatur [in der DDR gab's die Ausbürgerung ja auch im Gesetzeskatalog) wäre das alles nicht mehr verfassungswidrig. Dieser Mann steht daher genauso auf antidemokratischem Pflaster wie Leute von der DVU oder NPD. Links ist nicht gut, und rechts böse. Antidemokraten sind nicht automatisch rechts.
Vielleicht wäre es zu erwarten, daß ein mündiger Bürger ein klein wenig mehr Respekt vor den wichtigsten 30-40 Artikeln des GG hätte, sowie etwas mehr von ihrer Geschichte wüßte, statt zu sagen "müssen wir bloß ändern, dann ist's weg".