Fragen zu einer kleinen Firma



  • Zwei Leute? Da ist schon einer zuviel!

    Insbesondere sollte dann jeder von euch ein Gewerbe anmelden
    und nicht nur einer von euch (sofern nicht einer von euch
    als Angestellter geführt wird).

    Eine Alternative ist die Limited. Minimale Kosten zur Gründung
    und praktisch Haftungsbegrenzung wie bei einer GmbH. Nur eben
    in the good old english way.

    Marc++us schrieb:

    Für eine 4/3-Rechnung braucht man keinen Steuerberater... sowas sollte man vielleicht lieber selbst machen, dann hat man auch einen Überblick über seine Einnahmen und Ausgaben.

    Großes Übel ist, wenn die Leute einfach einmal im Monat alle Rechnungen und Quittungen zum Steuerberater fahren und sich dann eines Tages wundern, warum der Vollzieher anklopft.

    Ich habe leider nicht wenige Leute gesehen, die ihre Fibu selbst gemacht
    haben und dabei neben kleineren "Vergehen" wie nicht ausgefüllte Bewirtungsbelege
    auch noch so wichtige Dinge vergessen haben, wie eine vernünftige Kasse
    zu führen, bzw. die Kasse negativ geführt haben 😃 😃

    Wer aber natürlich über entsprechendes Wissen auch wirklich verfügt
    (ordnungsgemäße Buchhaltung), der kann sicher Geld sparen.

    ABER, wenn man dann den Abschluß nicht selbst erstellen kann, muss der
    Steuerberater ohnehin die Fibudaten wieder in Simba/Datev einlesen.
    Leider klappt das nicht immer so wie man sich das wünscht. Es führt beim
    Berater zu Frust->Zeitaufwand und bei euch zu einer höheren Rechnung.

    Spätestens beim Rechtsbehelf und eventuellen Stundungs bzw. AdV-Maßnahmen,
    die über das übliche Beantragen hinausgehen, sollte man einsehen, dass der
    Steuerberater nicht umsonst studiert hat und ihm die Steuerberaterkammer
    ganz genau auf die Finger schaut.

    Womit ich nicht in Abrede stellen will, dass es durchaus Menschen gibt,
    die alles selbst erledigen können. Die nächste BP kommt bestimmt 🤡


  • Mod

    Ok, das stimmt natürlich. Ich wollte eigentlich eher darauf raus, daß es nicht schadet sich am Anfang damit zu befassen, damit einem einige der Dinge vertraut werden... ich kenne einfach zu viele Gewerbetreibende, die immer noch nicht kapiert haben wie Mehrwert-/Umsatz-/Vorsteuer funktioniert... und warum der Steuerberater ihnen sagt, daß sie 2000 EUR an das FA überweisen sollen. Meine Friseurin lamentiert jedes Mal, daß sie schon wieder 1000 EUR an das FA für USt zahlen muß... sollte sie doch eigentlich froh sein. Schlimmer wäre es, wenn sie 1000 EUR vom FA bekäme, aber _da_ würde sie sich wahrscheinlich freuen. 🙄

    Ich finde es einfach wichtig, daß man zumindest die Grundlagen einer Einnahme-/Überschußrechnung selbst behandeln kann, es erzieht zu einer gewissen Finanzdisziplin und Kontrolle.

    Wahrscheinlich liegt das Optimum in der Mitte...



  • Ja, da hast du recht. Viele Unternehmer haben das
    System der Umsatzsteuer nicht verstanden.
    Das was du da beschreibst hör ich mir fast jeden Tag an.
    Und die Leute sagen dann sogar noch sie würden sich freuen
    wenn sie Geld zurück bekommen.
    Wenn man die USt nicht zahlen kann und doch eher auf die Vorsteuer
    hofft, muss man sich fragen lassen, wo man das Geld gelassen hat.
    Und, ob man als Unternehmer geeignet ist.
    Das beste was man heute machen kann ist, sich nicht selbständig
    zu machen (imho).

    Tja, hauptsache der Lebensstandard steigt. Wie die Mittelverwendung
    nun schlussendlich war ist doch toootal egal. Hauptsache gelebt 😉



  • Marc++us schrieb:

    Ok, das stimmt natürlich. Ich wollte eigentlich eher darauf raus, daß es nicht schadet sich am Anfang damit zu befassen, damit einem einige der Dinge vertraut werden... ich kenne einfach zu viele Gewerbetreibende, die immer noch nicht kapiert haben wie Mehrwert-/Umsatz-/Vorsteuer funktioniert... und warum der Steuerberater ihnen sagt, daß sie 2000 EUR an das FA überweisen sollen.

    Ich finde es einfach wichtig, daß man zumindest die Grundlagen einer Einnahme-/Überschußrechnung selbst behandeln kann, es erzieht zu einer gewissen Finanzdisziplin und Kontrolle.

    Wahrscheinlich liegt das Optimum in der Mitte...

    Ja, ich kann mich an einen Tag erinnern, als mich ein Client abends anrief (GF/Inhaber einer GmbH seit 10 Jahren) und mich fragte, ob er bei seiner UmSt.- Voranmeldung seine Büromiete als Vorabzug geltend machen kann. Er konnte den Steuerberater nicht bezahlen und hatte es nie selbst gemacht. BWA nur einmal im Jahr erstellt (obwohl Du als GmbH eigentlich sowieso Bilanzieren musst) und die Firma ging so langsam den Bach runter, ohne das er es richtig gemerkt hat. 🤡

    Nein, auch bei einer Einnahmen-/Überschussrechnung kann ich nur dringend raten, die abschließende Einkommenssteuererklärung vom Steuerberater prüfen zu lassen. Insb. mit der Umsatz- und Gewerbesteuer gibt es fiese Fussangeln, die kaum ein Laie kennt.

    EProm schrieb:

    Eine Alternative ist die Limited. Minimale Kosten zur Gründung
    und praktisch Haftungsbegrenzung wie bei einer GmbH. Nur eben
    in the good old english way.

    Nee, nicht wirklich! Wenn ich Kundenanfrage einer Ltd. erhalte, ist meine erste Frage, wie hoch Ihre Haftungsgrenze ist. Danach höre ich nie wieder von denen - keine Antwort. Und wenn ich als Einzelunternehmer so denke, wie denken erst Mittelständler?!
    Als Ltd. hast Du es schwer zahlungskräftige Auftraggeger zu bekommen und Banken machen Dir bei einen Kreditantrag eine lange Nase. :xmas2:



  • Marc++us schrieb:

    Wahrscheinlich liegt das Optimum in der Mitte...

    ich möcht grad nicht auf die wertvollen tips meines steuerberaters verzichten müssen, auch wenn ich es im grunde selber erledigen könnte, weiß er doch immens viel "insides", dir mir ob meiner eigentlichen arbeit entgehen würden (und mein interesse liegt nun auch überhaupt nicht in der beoachtung von neuen gesetzen oder sonstigen klassischen steuerberateraufgaben). irgendwelche ansparrücklagen, wann auflösen, welche versicherung wie absetzen.. ladida..

    das mittelding: ich ordne und überblicke, er 'gibttip' dazu, und hält kontakt mit dem finanzamt (die versteh ich immer nicht, rein ob des "deutsches", das dort gesprochen wird *g*)

    ich teile die meinung: lieber nicht selbständig machen (mist, zu spät 😉 )



  • Ich habe meinen Meisterbrief gemacht, die Buchhaltung gehört zur Ausbildung. Meine Steuererklärungen habe ich eine Zeitlang selber gemacht. Seit dem es ein Steuerberater macht, habe ich weniger Ärger mit dem Finazamt 🙂 Ich habe das Gefühl das die einen besseren Draht zum FA haben.



  • Die Leitung der Firma ist auch wichtig, denn wenn es zu Streitigkeiten zwischen euch kommt, was man nie ausschließen kann, dann kann es ohne gute Regelungen heiß her gehen !

    Also zum Anwalt und beraten lassen, damit ihr auch keinen Fehler macht. Informiert euch mal, wegen der Haftung, weil die Gbr ist net so toll.
    Meine Favoriten für eine Firma sind derzeit:

    - Europäische GmbH
    - Limited (aus England)



  • - Europäische GmbH
    - Limited (aus England)

    Äh, was ist denn eine Europäische GmbH? Oder hab ich da was verpasst? Ich kenne nur die "Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung". Aber die kann man mit den normalen Rechtsformen nicht vergleichen. Und dies ist die einzige Rechtsform auf europäischer Ebene (Stand Sept. 2003).

    Und was bringt dir eine Englische Rechtsform in Deutschland?

    Achso, natürlich haften beide bei einer GbR voll und es sind automatisch beide Geschäftsführer (kann man natürlich per Vertrag ändern). Volle Haftung ist aber nicht nur negativ zu sehen, sondern hat auch etwas positives. Natürlich hat man ein höheres persönliches Risiko, aber zum anderen haben dadurch Gläubiger von vorneherin auch ein anderes Vertrauen.

    Ein GbR hat keine Firma!


  • Mod

    Loggy schrieb:

    Volle Haftung ist aber nicht nur negativ zu sehen, sondern hat auch etwas positives. Natürlich hat man ein höheres persönliches Risiko, aber zum anderen haben dadurch Gläubiger von vorneherin auch ein anderes Vertrauen.

    Irrelevant.

    In einer GbR haut einer ab, hebt das Geld ab, und der andere haftet.

    Daraus folgt: GbR ist wegen dieser Konstruktion ein echtes Existenzrisiko.

    Es ist nämlich die eine Sache, mit einer Unternehmung pleite zu gehen, weil man es nicht schafft oder weil man das Geschäft in den Sand setzt. Das geht auf eigene Verantwortung. Aber zum Sozialamt zu gehen, weil der Partner das Konto geräumt hat, muß man im Vorfeld verhindern.



  • Marc++us schrieb:

    In einer GbR haut einer ab, hebt das Geld ab, und der andere haftet.
    Daraus folgt: GbR ist wegen dieser Konstruktion ein echtes Existenzrisiko.

    Hierbei muss differenziert werden zwischen externer Haftung, in dem die Gesellschafter gemeinsam haften, unabhängig des Finanzstatus des Einzelnen und die Haftung gegeneinander, die i.d.R. durch einen Gesellschaftervertrag festgelegt werden. So gesehen hat eine GbR sehr viel von einer Ehe..."Drum prüfe wer sich ewig bindet, ..." 🤡

    Marc++us schrieb:

    Aber zum Sozialamt zu gehen, weil der Partner das Konto geräumt hat, muß man im Vorfeld verhindern.

    Es ist als Selbstständiger leider nicht so einfach möglich zum Sozi zu gehen:

    1. Solange Du eine Gewerbeanmeldung hast, hast Du kein Anspruch auf Sozialhilfe. Ist wie bei Studenten.
    2. Wenn Du dein Gewerbe abmeldest und Sozi beantragen willst, wollen die erst eine vom FA abgesegnete Bilanz sehen, bevor das Sozi irgendwas bewilligt. Das bringt dann folgende Problem:
      a) Du kannst den Steuerberater nicht mehr bezahlen und musst es selber machen => später Stress mit dem FA.
      b) Die Bearbeitung der Steuerklärungen dauert 8-10 Wochen.
      c) Finden sich in deinen Vermögenswerten/ Konkursmasse noch Passiva, wird dir der Antrag trotz Bedürftigkeit abgelehnt. Die Passiva müssen erst verkauft werden.
    3. Das Sozi kommt natürlich nicht für deine Altlasten auf:
      Kontoüberziehung, Mietrückstand oder sonstige Verbindlichkeiten.
    4. Das Sozi übernimmt auch nicht deine noch laufenden Geschäftskosten, wie Telefonanschlüsse, Internet oder betriebliche Versicherungen.

    Als Freiberufler kommt da noch erschwerend hinzu:

    1. Wenn Du nicht Web-Designer bist (künstlerische/redaktionelle Tätigket), bist Du von deinen Gewerbeschein abhängig, um deine(n) Beruf(ung) ausüben zu können.D.h. effektiv erteilt Dir das Sozialamt also Berufsverbot.
    2. Wenn Du mehrere Monate oder gar ein Jahr in deinen CV keine Projekte mehr vorweisen kannst, wirst Du als Freiberufler nicht mehr gebucht. Du fliegst regelrecht aus dem Geschäft.
    3. Wenn Du Einträge in SchuFa, Credit-Reform oder im Schuldnerregister hast, deine Krankenversicherungsbeiträge vom Sozi bezahlt bezahlt wurde, bekommst Du die Aufträge nicht mehr, sobald Dich der Einkauf einer Firma überprüft.

    Deshalb die goldenen Abseilregeln:

    **I. Ist die Kapitaldecke soweit geschmolzen, dass Du in drei Monate nicht mehr über die Runden kommst. Beginne mit deinen Verkleinerungsplanungen.
    II. Frage deine Bank nach einen DisPo bevor die letzten Umsätze zu weit her sind und das Konto gegen Null geht.
    III. Sehe zu, dass vor dem Show-Down Deine Bücher stimmen . Nicht selten ist eine gestreckte Ordnung wichtig, die auf den ersten Eindruck sekundär erscheint , weil sonst, wenn die es kritisch wird, alles gleichzeitig auf dich einschlägt. Interessanterweise initieren solche Aktionen einen heftigen "Aufräumruck" 😉 .
    IV. Achte darauf Dich nicht durch kleinere nicht bezahlter Rechnungen desensiblisieren zu lassen. Kleine Anzahlungen/Abschläge erkaufen Zeit.
    Auch ein persönlicher Brief kann Zeit schaffen. Nicht reagieren ist der Tod.
    V. Halte deine Kontakte aufrecht. Seltsamerweise scheinen immer dann Aufträge aufzuschlagen, wenn schon alles vorbei zu sein scheint.
    VI. Wichtig für GmbH: Nicht den Zeitpunkt versäumen einen Konkursantrag zu stellen. Vier Wochen nachdem die Bilanz null unterschreitet, muss er gestellt werden oder man macht sich des Konkursbetruges straftbar. Außerdem kann man den Konkurs noch so abwickeln, das man mit wenig Schulden noch einen Neu´start beginnen kann ohen für 7 Jahre als Selbstständiger "gespeert" zu sein. Einige halten Ihren Laden dann künstlich/illegal am Leben, um die Sache zu vertuschen und versauen sich so Ihr ganzes Leben.
    VII. Soziale Netze erneuern, um durch kleine Gefälligkeiten Luft und Zeit zu schaffen.
    VIII. Situationsanalyse:
    Ist-Zustand
    Soll-Zustand
    Was ist schief gegangen?
    Schadensminimierung
    Ist die Situatuion noch zu retten?
    Will ich die Situation retten?
    Gegenüber wenn tragen ich Verantwortungen, die auch im GAU berücksichtig werden müssen?
    Welche Gegebenheiten haben in fünf jahren noch eine Bedeutung?
    **

    Das ist der Nachteil, wenn man sich z.B. direkt nach dem Studium selbstständig macht und kein Arbeitslosengeld erhält. Wie das Mit ALG II läuft, weiß ich leider nicht.


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