Wie kann Schule wirklich besser werden?



  • das stärkste wäre es, die schwächsten zu fördern.

    ich gebe jetzt seit 10 monaten mathe-nachhilfe. und es war noch *kein dummes* kind dabei.

    sehr oft (>=50%) geraten schüler an lehrer, die sie nicht verstehen. in diesen fällen reicht es oft, wenn ich frage, was der lehrer gesagt hat, mich dann eine weile doof stelle und bei jeder unklarheit eine augenbraue herunterziehe und die ander hebe (ähnlich wie spok (ich senke die rechte)) und meistens vergesse, um was es ging (unterdrückte schüler stammeln gerne (bauen unfertige sätze), um unangreifbar zu sein), wenn es lange dauert. wenn der schüler mir dann in wenigen sätzen am stück erzählt, was er hätte lernen sollen, kann er auf einmal auch die hausaufgaben lösen (und dann frage ich mich, warum *ich* da sitzen mußte, warum kein mitschüler, warum keine eltern, warum kein lehrer) (und ich wäge ab, ob ich nur beide augenbrauen freudig hochziehen muss oder einen elton-mäßigen sitztanz aufführen muss (je nach alter, jüngeren schülern ist ein sitztanz des dozenten oder ein warengeschenk (vierfarbkuli) dicht an der glückseeligkeit; abiturientinnen würden sich dabei verarscht vorkommen.)). es gibt wohl auch lehrer mit einer besonderen begabung, solche schüler zu haben. wir haben bei schätzungsweise zehn lehrern davon einen (codename X), der uns circa 50% der kunden erzeugt. die gutgemeinten landesweiten vergleichsklausuren hebelt er aus, indem er die lösungen an die tafel schreibt. hier wäre ohne mehrkosten für die schulen eine stärkere verkursung leicht möglich. wer in einem kurs eine 4 oder 5 hat, wechselt zu dem nächsten, in der hoffnung, daß es nur ein kommunikationsproblem war. immerhin gibt es viele schüler, die mit X glücklich sind, X hat halt kein gespür für die, die langsamer sind, und läßt sie fallen, tief fallen.

    neulich hörte ich, wie ein elter eines 4.-klässlers sagte "in deutsch mit den fällen und so ist es nicht gut, da sollten wir stützen. in mathe ist alles ok soweit, bis auf die textaufgaben." im einvernehmen mit dem nachhilfelehrer wurde vereinbart, im nächsten halben jahr das deusch zu perfektionieren, und mir irgendwann einen 7-klässler in mathe zu übergeben, der triviale dinge kann, die ein taschenrechner besser kann, der aber nirgends einen zusammenhang zwischen zahlen und der welt kennt, aua.

    meine schüler haben alle im schulzeugnis zuvor bewiesen, daß sie stütze brauchen könnten. 4 oder 5. keine 6. keine 3. oft wäre es leicht gewesen, eine 3 in einem halben jahr nachhilfe auf eine stabile 2 oder 1 zu heben. wenn man frühzeitig eingegriffen hätte. auch 4 oder 5 auf 3 geht in einem halben jahr. aber die 6? wir kriegen sie nicht. wir haben fast keine ausländer. und sicher keine arbeitslosen, denn nachhilfe kostet viel geld. es geht uns als volk total viel kompetenz und arbeitskraft durch die lappen.

    mein vorschlag wäre, daß in deutsch und mathe die schlechtesten 20% staatliche nachhilfe in kleingruppen bis 5 schüler mit anwesenheitspflicht bekommen.

    wie gesagt, ich habe noch keine dummen schüler erlebt. die bisher lernbefreiten kanallien sollte man lösen können. und dann hat man auch deutlicher weniger das problem, daß diese kanallien den schnitt runterziehen. soannt man die stärkeren schüler ein, den schwächeren den kram beizubringen, dann raffen die stärkeren währenddessen noch sachen, die bisher unerkannt waren.



  • Erhard Henkes schrieb:

    Am Anfang kommen die Schüler, weil sie wollen, zum Schluss nur, weil sie kommen müssen.

    du hast damit ein schlimmes problem auf den kern gebracht. ich illustiere es zudem mit einem schrecklichum.

    ich kann 15-jährige damen meiner schülerschaft fragen "ein pulli kostete 50Eu. weil jetzt winterschlussverkauf ist, gibt es 20% rabatt. wieviel kostet er jetzt?" und *alle* sagen 40Eu.
    aber die rechnung bringen sie nur (sogar die meisten ohne taschenrechner), wenn die aufgabe mündlich vorgetragen wird. schreibe ich die aufgabe auf, ist es auf einmal eine schulaufgabe und prozentrechnungsformeln werden gesucht und zum teil gefunden und weniger als die hälfte der damen schafft es noch.



  • scrub schrieb:

    nein nein, akut ist da gar nix, unsere berliner spitzenexperten und ihre regionalfürstenkollegen müssen da erst den großen masterplan entwickeln- ob unsere kinder das noch erleben? ich glaubs nicht...

    Immer schön auf die Regierung warten, die wird das schon für uns lösen.

    scrub schrieb:

    warum unterstützt du seine fehlauffassung vom freiheitsbegriff mit so einer altklugen omaphrase? natürlich meint niemand mit "freiheit des menschen" die absolute totale und überhaupt freiheit, aber F98 paßts gerade in seinen historienfeldzug.

    WIE JETZT?

    Wo habe ich geschrieben, dass man die Freiheit des Einzelnen beschneiden soll? Ich habe lediglich geschrieben, dass viele nicht mit ihr zurecht kommen und es ihnen deshalb "neu" vorgelebt werden muß, wie man damit umgeht.

    Die Menschen in D. müssen lernen, wie man mit Freiheit umgeht.

    Dieses "Vorleben" muß in allen Bereichen erfolgen: Eltern, Schule, zwischen den Kindern.

    Jester schrieb:

    Solange diese Abholmentalität vorliegt wird sich da nicht viel ändern. Und meines erachtens ist ein wichtiger Faktor dafür das Elternhaus.

    allg. Vorschläge:

    Bestehende, "fehlgeleitete" Eltern kann man nur durch äußere scharfe Zwänge zu mehr Verantwortung zwingen, nachdenken und bewußt gegensteuern tun die sowieso nicht mehr.

    Potentielle neue Eltern, nämlich die jetzigen Kinder, muss man von Seiten der Schule her wieder auf die gerade Bahn bringen und die jüngeren schon von klein auf vorzeigen, dass geordnete Bahnen im Leben mehr bringen, trotz Gleichgültigkeit, Mitnahmemetalität, Resignation.

    Lehrer müssen mehr Vorbildcharakter haben und stärkeren soz. Einfluß/Verantwortung auf die Kinder + Eltern.

    Meine Maßnahmen wären:

    - deutschlandweit einheitl. Lehrplan (von wegen "Lulli-Abitur in Brandenburg" und so!)
    - nur noch 10-Klassenabschluß und Gym
    - Schuluniform
    - Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls und Übertragung von Verantwortung an die Schüler (Gruppennachmittage, Wandzeitungsbeauftragter, Altstoffsammeln, Wandern ...)
    - Sportunterricht als Pflichtfach
    - Hausbesuche vom Lehrer
    - Verbot von Handys, Zigaretten, Alk
    - Kopfnoten für die Kinder

    Sehr wichtig beim Lernprozess ist auch, dass man mit unliebsamen Sachen (Gedichtinterpretation) konfrontiert wird. Solange man sich immer aus Problemen rauswinden kann, wird man nie Lernen zu Lernen (!), Verantwortung für sich und Andere zu übernehmen, Initiative ergreifen.



  • Ich verstehe Deine Logik irgendwie nicht.

    Die sollen Selbstinitiative lernen, aber Du zwingst sie zu allem möglichen. Ich sehe da zwei Möglichkeiten: Entweder sie ordnen sich unter und machen mit, warum sollten sie sich dann denn später wehren? Bis jetzt mußten sie ja immer. Oder Möglichkeit 2, sie lehnen sich direkt dagegen auf. Was hast Du dann erreicht?

    Wir müssen weg davon, daß es in der Schule nur um Noten geht. Wenn Du heute einem Kind ne 4-5 gibst im Halbjahreszeugnis, sagen wir in Kunst, weil es nie irgendein Bild abgegeben hat(da ist 4-5 eigentlich noch nett). Ja, da kommen die Eltern in die Sprechstunde. Aber nicht etwa um zu fragen was da los sei, sondern um sich zu beschweren. Es interessiert viele einfach nicht, woher die schlechte Note kommt und was man dagegen tun kann. Es muß nur ne bessere Note her, alles andere ist egal. Da wird dann schon auch mal mit dem Anwalt gedroht.

    Ich glaube, daß diese ganzen Zwänge einzuführen ne saudoofe Idee ist. Die Schüler müssen wieder wollen. Das erreicht man aber nicht indem man ihnen immer sagt "Du mußt, Du mußt, Du mußt ..."



  • Nun zu deinen Vorschlägen: Jester hat es das schon angesprochen, Du solltest vielleicht erklären, was es nützen soll, wenn die Schüler in Uniformen Müll einsammeln usw. Trotzdem noch ein paar Anmerkungen von mir, die mit dem konkreten Thema nicht so viel zu tun haben, aber typische Denkfehler sind, die ständig vorkommen.

    F98 schrieb:

    Jester schrieb:

    Solange diese Abholmentalität vorliegt wird sich da nicht viel ändern. Und meines erachtens ist ein wichtiger Faktor dafür das Elternhaus.

    allg. Vorschläge:

    Bestehende, "fehlgeleitete" Eltern kann man nur durch äußere scharfe Zwänge zu mehr Verantwortung zwingen, nachdenken und bewußt gegensteuern tun die sowieso nicht mehr.

    Und woher sollen die Zwänge kommen? Doch nicht etwa von Vater Staat, oder? Der ist doch quasi ausnahmslos für die Rahmenbedingungen, die für eine verhältnismäßig schlechte Schulbildung führen verantwortlich (Stichworte: Schaffung von sozialen Brennpunkten, schlechte Lehrpläne, schlecht ausgebildete Lehrer usw.). Hier nach mehr Staat zu rufen, kann wohl nur ein Witz sein.

    Meine Maßnahmen wären:

    - deutschlandweit einheitl. Lehrplan (von wegen "Lulli-Abitur in Brandenburg" und so!)

    Der Vorschlag kommt ja immer ziemlich themenunabhängig (also auch bei der Vogelgrippebekämpfung, bei Forschungsgeldern ...). Aber wem genau ist eigentlich damit geholfen, wenn sich jetzt ein paar Bürokraten in Berlin statt in Potsdam treffen und die neuen Lehrpläne austüfteln? Sind die da 20 Kilometer weiter auf einmal viel schlauer, liegts an der Luft oder am Essen, daß auf einmal deutlich bessere Lehrpläne rauskommen? Der Effekt, den man vermutlich erziehlt, ist mehr Bürokratie (jedes Bundesland schickt X Experten, weil jeder möchte ja mitreden) und dann macht man so lange Kompromisse, so daß in einigen Bundesländern das Niveau absinkt und in anderen angehoben wird.

    Sehr wichtig beim Lernprozess ist auch, dass man mit unliebsamen Sachen (Gedichtinterpretation) konfrontiert wird. Solange man sich immer aus Problemen rauswinden kann, wird man nie Lernen zu Lernen (!), Verantwortung für sich und Andere zu übernehmen, Initiative ergreifen.

    Ach ja. Wie man Verantwortung für sich und andere übernimmt und Initiativen ergreift, lernt man in der Gedichtinterpretation? Schon klar.

    Initiativen ergreift man (ich?) da, wo mir ein Thema Spaß macht und mich ohnehin fasziniert; darum sollte man, wenn man Initiative haben will, vielleicht eher mehr Binnendifferenzierung nach Interessensgebieten durchführen; das bedeutet ja nicht, daß man von den anderen Sachen nichts mitbekommen soll, aber man muß ja nicht ewig bei irgendeinem Spezialgebiet wie den Romanen des poetischen Realismus oder wasauchimmer, mitarbeiten. Den Verdacht, daß dann in 10 Jahren niemand mehr weiß, wer Goethe war, halte ich zwar für unbegründet, aber selbst wenn es so wäre: was ist das Tolle an einer Kultur, zu der man die Leute jahrelang zwingen muß, bis sie sich wie "gesellschaftstaugliche Wesen" (Jan) verhalten? So einer Kultur würde ich keine Träne nachweinen.



  • F98 schrieb:

    scrub schrieb:

    nein nein, akut ist da gar nix, unsere berliner spitzenexperten und ihre regionalfürstenkollegen müssen da erst den großen masterplan entwickeln- ob unsere kinder das noch erleben? ich glaubs nicht...

    Immer schön auf die Regierung warten, die wird das schon für uns lösen.

    Es gibt auch private Initiativen, ich helfe gerade (mal wieder) einer, eine Sonderschule mit PCs auszurüsten. 🙂

    Vom Staat kam da auch nix - aber von anderen Schulen und von den Eltern. Und in einem anderen Forum, wo ich eigentlich nur wegen des Transports gefragt hatte, ergaben sich noch Spenden. 🙂

    Motivation und die Möglichkeiten sind da - nur kriegt sie wohl keiner organisiert. 😞
    Wohl auch, weil keiner weiß, dass es da was gibt oder wie man denen helfen kann. Es muss nicht immer Geld sein. 👍

    Und ihr glaubt kaum, wie sehr sich diese Kinder über "alten Schrott" freuen können. PCs und Monitore, die anderen zu alt sind, daran können die noch super lernen.
    Der eine Junge hatte einen Monitor bei mir im Kofferraum entdeckt: "Ist der für uns? Boah ist der groß! Wie groß ist der?" 😮
    Und so sprang der 5 Minuten völlig aufgedreht hinter meinem Auto rum, damit er reingucken konnte. 🙂
    ...dann musste ich weiter.



  • Jester schrieb:

    Die sollen Selbstinitiative lernen, aber Du zwingst sie zu allem möglichen.

    Du schmeißt hier zwei Sachen zusammen, ohne verstanden zu haben, was ich will:

    Neue staatliche Rahmenbedingungen (Regeln, Grenzen) zur Förderung der Eigenständigkeit, Eigentinitiative. Was durch den staatl. Wischi-Waschi-Kurs in der Vergangenheit rausgekommen ist, führt ja eben gerade zu dieser Diskussion hier.

    Jester schrieb:

    Wir müssen weg davon, daß es in der Schule nur um Noten geht.

    Das habe ich nie angezweifelt. Die Schule (Schüler und Lehrer) muß auch auf dem sozialen Sektor Einfluß haben.

    Jester schrieb:

    Wenn Du heute einem Kind ne 4-5 gibst im Halbjahreszeugnis, sagen wir in Kunst, weil es nie irgendein Bild abgegeben hat(da ist 4-5 eigentlich noch nett). Ja, da kommen die Eltern in die Sprechstunde. Aber nicht etwa um zu fragen was da los sei, sondern um sich zu beschweren. Es interessiert viele einfach nicht, woher die schlechte Note kommt und was man dagegen tun kann. Es muß nur ne bessere Note her, alles andere ist egal. Da wird dann schon auch mal mit dem Anwalt gedroht.

    Das wissmer doch jetzt schon, das wurde doch schon weiter vorne durchgekaut. Jetzt geht es darum wie die Gegenreaktion dazu ausehen soll.

    Jester schrieb:

    Ich glaube, daß diese ganzen Zwänge einzuführen ne saudoofe Idee ist. Die Schüler müssen wieder wollen. Das erreicht man aber nicht indem man ihnen immer sagt "Du mußt, Du mußt, Du mußt ..."

    Wie dann? Mit "Du sollst, Du sollst, Du sollst"? Das wurde doch bis jetzt schon gemacht und hat in die derzeitige Situation geführt.

    Den Menschen muß wieder vorgelebt werden, wie man sein Leben in geordneten Bahnen lebt und das man daurch besser fährt.

    Daniel E. schrieb:

    ... was es nützen soll, wenn die Schüler in Uniformen Müll einsammeln

    Ihr dreht einem hier echt die Worte im Munde um:

    Altstoffsammeln (Zeitungen, Gläser) ohne Uniform, außerhalb der Schulzeit (Nachmittags)! Kein Müllsammeln. In der DDR gabs damals eine Firma namens SERO (SEkundärROhstoffe) die gegen Geld Altstoffe angenommen hat.

    Uniform nur beim Unterricht.

    Daniel E. schrieb:

    Und woher sollen die Zwänge kommen? Doch nicht etwa von Vater Staat, oder?

    Ja, wer sonst? Wer darf Rahmenbedingungen vorgeben? Deine Nachbarin?

    Daniel E. schrieb:

    Der ist doch quasi ausnahmslos für die Rahmenbedingungen, die für eine verhältnismäßig schlechte Schulbildung führen verantwortlich (Stichworte: Schaffung von sozialen Brennpunkten, schlechte Lehrpläne, schlecht ausgebildete Lehrer usw.). Hier nach mehr Staat zu rufen, kann wohl nur ein Witz sein.

    Das Problem ist doch nicht, dass von staatl. Stelle Rahmenbedingungen vorgegeben wurden, sondern dass politische Luschen am Werk waren, die auch noch teilweise Lobbyarbeit geleistet haben.

    Daniel E. schrieb:

    Der Vorschlag kommt ja immer ziemlich themenunabhängig (also auch bei der Vogelgrippebekämpfung, bei Forschungsgeldern ...).

    Bleib beim Thema. Zentraler Bundesdeutscher Lehrplan ist genau das wie man die Schule verbessern kann. Fakt ist doch, das im laufe der Zeit in einigen Bundesländern die Anforderungen an das Abi nach unten korrigiert wurden, und man dort leichter an das Abi kommt, als z.B. in Bayern oder Sachsen.

    Daniel E. schrieb:

    Ach ja. Wie man Verantwortung für sich und andere übernimmt und Initiativen ergreift, lernt man in der Gedichtinterpretation? Schon klar.

    Nein, man lernt, indem man auch unliebsame Sachen machen muß, wie man mit eben solchen Sachen umzugehen hat. Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen. Nur indem der Mensch mit Problemen konfrontiert wird, wird er erzogen. Nicht indem alles fein geschnitten in kleinen vorgekauten Häppchen serviert wird.

    Daniel E. schrieb:

    Initiativen ergreift man (ich?) da, wo mir ein Thema Spaß macht und mich ohnehin fasziniert; darum sollte man, wenn man Initiative haben will, vielleicht eher mehr Binnendifferenzierung nach Interessensgebieten durchführen; das bedeutet ja nicht, daß man von den anderen Sachen nichts mitbekommen soll, aber man muß ja nicht ewig bei irgendeinem Spezialgebiet wie den Romanen des poetischen Realismus oder wasauchimmer, mitarbeiten. Den Verdacht, daß dann in 10 Jahren niemand mehr weiß, wer Goethe war, halte ich zwar für unbegründet, aber selbst wenn es so wäre: was ist das Tolle an einer Kultur, zu der man die Leute jahrelang zwingen muß, bis sie sich wie "gesellschaftstaugliche Wesen" (Jan) verhalten? So einer Kultur würde ich keine Träne nachweinen.

    Weil dies ein langsames Sterben der Kultur bedeutet. Althergebrachtes bedeutet vielfach Wahrheit, Identität, Substanz, Chance zur Selbsterkenntnis.

    Das Gegenteil davon ist Chaos, Verblödung und letztendlich der Untergang zu Gunsten eines anderen.

    Schonmal Herrmann Hesse gelesen?

    Klar, wenn ich das hätte früher im Deutschunterricht vorgesetzt bekommen, hätte ich es nicht gelesen, wäre mir zu langweilig gewesen. Ich war einfach noch nicht reif dazu. Heute sieht das anders aus, heute sage ich hätte ich es damals gelesen und schon verstehen können was der Hesse da eigentlich will. Aber gerade weil ich Lesen und Interpretation im Deutschunterricht gelert habe, bin ich für mein jetziges Weltbild und meine Sichtweise irgendwie vorbereitet worden, auch wenn es mich damals angekotz hat. So ist es nunmal.



  • @F98: Für jemanden, der in einem anderen System aufgewachsen ist klingt das ehrlich gesagt ziemlich radikal. 😮
    Es ist sehr anders als ich es in meiner Schulzeit kennengelernt habe - und deswegen ist es fremd und etwas erschreckend.

    Ich vermute, es geht einigen anderen hier ähnlich.

    Ob es an heutigen Schülern noch so funktionieren würde, wie du es von dir kennst, ist die nächste Frage. 😉



  • estartu schrieb:

    Ich vermute, es geht einigen anderen hier ähnlich.

    Ja, das trifft es ziemlich genau. Ich will sowas nicht haben.



  • Das hat nichts mit radikal oder nicht zu tun. Schleichende Versackung des Systems ist auf ihre Weise genauso geartet, bloß eben nicht so schnell.

    Erkannt haben die meißten das Problem schon, leider traut sich keiner was zu machen, teils aus Eigennutz, teils aus Resignation, teils aus Gleichgültigkeit.

    Warum soll ich den Scheiß lernen? - Ich bekomme doch eh keine Arbeit! - Gebt mir lieber ALG.

    NEIN:

    Ich muß etwas tun, damits mir UND meinem Umfeld besser geht.

    Ob wir da jemals hinkommen?

    Ich glaube es nicht (Resignation).



  • Jester schrieb:

    Ja, das trifft es ziemlich genau. Ich will sowas nicht haben.

    Warum nicht? Weil Du dann etwas tun und aus Deiner Lethargie ausbrechen mußt?



  • F98 ist weltfremd. mag er sich zurück auf die bäume wünschen. glaubt er wirklich, daß vor 100 jahren die leutchen im durchschnitt klüger waren?



  • F98 schrieb:

    Jester schrieb:

    Ja, das trifft es ziemlich genau. Ich will sowas nicht haben.

    Warum nicht? Weil Du dann etwas tun und aus Deiner Lethargie ausbrechen mußt?

    ich denke mal, er will nicht, daß seine kinder eine uniform in der schule anziehen müssen. uch sehe das genauso.

    deine einstellung paßt zwar wunderbar zur derzeitigen mode, die methoden der vergangenheit zu verklären und zu glorifizieren, aber de facto sind sie nicht nur unerwünscht, sondern auch undurchführbar und nutzlos.

    sollen die lehrer denn auch gleich wieder mit schlägen "erziehen"? für jemanden, der zusammenscheißen vor den schulkameraden und fahnenappelle toll findet, muß das ja naheliegen- für mich ist es sehr erschreckend. es ist einfach die typische dumme symptombekämpfung.



  • Volkard, so schnell solltest du das nicht abstempeln. 🙄
    Mich würde mal ein Lehrplan über alle Jahrgänge einer DDR-Schule, einer BRD-Schule der gleichen Zeit und einer heutigen Schule interessieren.

    Einfach mal vergleichen. 🙂

    Was da in einer POS in der Unterstufe dran kam, das siehst du heute vielleicht mal im Leistungskurs.
    Das weiß ich aus einer Diskussion eines Ex-POS-Schülers und meines alten Physiklehrers, der von dem Lehrplan erstaunlich begeistert war. 😮



  • scrub schrieb:

    sollen die lehrer denn auch gleich wieder mit schlägen "erziehen"?

    Ja bitte - je nach Situation.
    Oder stimmt es nicht, dass Lehrer in Schlägereien nicht handfest eingreifen dürfen (Leute kräftig festhalten + Selbstverteidigung)?

    Ich finde, da sollten Lehrer das Recht haben, Schlimmeres für das Opfer zu verhindern.

    Heute kann ein Lehrer ja schon verklagt werden, wenn er Schüler zu hart anfasst.
    z.B. Schüler rennt in der Klasse rum, reagiert nicht auf Aufforderungen, sich zu setzen oder den Raum zu verlassen.
    Was soll der Lehrer nun bitte tun? 😕
    Unterricht unmöglich, die Situation sollte beendet werden - auch wenn sonst keine anderen Schüler zu Schaden kommen.

    Blos wie?
    Ich würde den Störenfried am Handgelenk packen und zu seinem Stuhl oder aus dem Zimmer ziehen - ups, leichte Rötungen -> Körperverletzung... blablabla. 🙄

    Ohrfeigen und ähnliches können je nach Schwere eines Falles auch angemessen sein - immerhin rennen Schüler heute wohl teils mit Waffen rum, da sollte ein Lehrer wenigstens seine Hände nutzen dürfen. 😮



  • ein lehrer darf einen schüler nichtmal anfassen.

    schläge sind halt echt ein doofes thema. die ohrfeigen (und mehr wars in _keinem_ fall) zuhause haben wehgetan und ich habe gemerkt "hey, was du da grad gemacht hast, darfst du nicht!"- der scmerz ging weg, die lehre blieb.

    trotzdem kann sowas ausarten, und deswegen muß es verboten sein.

    nun gehts weiter, sollte man das auch auf allgemein "körperlichen zwang" erweitern? schwierige sache.



  • F98 schrieb:

    Uniform nur beim Unterricht.

    Was erhoffst Du dir davon?

    Daniel E. schrieb:

    Und woher sollen die Zwänge kommen? Doch nicht etwa von Vater Staat, oder?

    Ja, wer sonst? Wer darf Rahmenbedingungen vorgeben? Deine Nachbarin?

    Lieber die Eltern oder die Nachbarin, als Leute, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben.

    Daniel E. schrieb:

    Der ist doch quasi ausnahmslos für die Rahmenbedingungen, die für eine verhältnismäßig schlechte Schulbildung führen verantwortlich (Stichworte: Schaffung von sozialen Brennpunkten, schlechte Lehrpläne, schlecht ausgebildete Lehrer usw.). Hier nach mehr Staat zu rufen, kann wohl nur ein Witz sein.

    Das Problem ist doch nicht, dass von staatl. Stelle Rahmenbedingungen vorgegeben wurden, sondern dass politische Luschen am Werk waren, die auch noch teilweise Lobbyarbeit geleistet haben.

    och, daß Problem ist, daß der Staat die Rahmenbedingungen gesetzt hat. "Der Staat" maßt sich dabei an, alles zu wissen und im voraus entwerfen zu können. Die Wahrheit ist, daß natürlich niemand das kann, weder hochintelligente Nichtluschen von Politikern; das mag einige Zeit lang besser gehen, aber *gut* geht es nie.

    Daniel E. schrieb:

    Der Vorschlag kommt ja immer ziemlich themenunabhängig (also auch bei der Vogelgrippebekämpfung, bei Forschungsgeldern ...).

    Bleib beim Thema. Zentraler Bundesdeutscher Lehrplan ist genau das wie man die Schule verbessern kann. Fakt ist doch, das im laufe der Zeit in einigen Bundesländern die Anforderungen an das Abi nach unten korrigiert wurden, und man dort leichter an das Abi kommt, als z.B. in Bayern oder Sachsen.

    Erstens ist niemand gezwungen, sein Abitur in zB Bremen zu machen, zweitens ist das Abitur ohnehin weitestgehend irrelevant -- das einzige, wozu man Vergleichbarkeit brauchen kann, ist, sich für ein mit NC-versehenes Fach zu bewerben und da werden ohnehin extra Bundeslandfaktoren reingerechnet. Drittens: wer sagt dir, daß es mit dem dann eingeführten gesamtdeutschen Abitur nicht genau das gleiche passiert, wie zB mit dem hessischen Abitur passiert ist. Schon allein, daß die Hochschulreifen der Länder unterschiedliches Niveau haben zeigt doch, daß es nicht ganz leicht ist, einen guten Lehrplan bereitzustellen. Es zeigt sich sogar viel mehr, daß bestimmte Bundesländer es "versaut" haben und andere es anscheinend besser hinkriegen. Wieso scheint es SELBSTVERSTÄNDLICH zu sein, daß bei einer Vereinheitlichung alles besser wird? Ich bin um einen minimalen bundeslandspezifischen Wettbewerb froh: sollte mein aktuelles Bundesland die Schullehrpläne versauen, dann kann ich mein Kind immer noch 100 km mit dem Zug in das nächste Bundesland schicken (wenn mir und dem Kind es das Geld wert ist), oder ins Internat oder sowas. Vielleicht kann ich auch umziehen und dann mit dem Auto zur Arbeit fahren. Ich gebe zu, ein bundeslandbegrenzter Wettbewerb ist nicht das, was man will (man will *echten* Wettbewerb, sofern man an Qualität interessiert ist), aber immer noch besser als ein einheitliches System: sollte der gesamtdeutsche Plan nämlich Mist sein, müßte man sein Kind schon nach Österreich oder nach Frankreich schicken (deutlich größere Hürde) oder Geld für eine Privatschule abdrücken.

    Lange Rede, kurzer Sinn: wieso wird etwas durch einheitliche Lehrpläne besser.

    Nein, man lernt, indem man auch unliebsame Sachen machen muß, wie man mit eben solchen Sachen umzugehen hat. Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen. Nur indem der Mensch mit Problemen konfrontiert wird, wird er erzogen. Nicht indem alles fein geschnitten in kleinen vorgekauten Häppchen serviert wird.

    Ich stimme zu.

    Daniel E. schrieb:

    Initiativen ergreift man (ich?) da, wo mir ein Thema Spaß macht und mich ohnehin fasziniert; darum sollte man, wenn man Initiative haben will, vielleicht eher mehr Binnendifferenzierung nach Interessensgebieten durchführen; das bedeutet ja nicht, daß man von den anderen Sachen nichts mitbekommen soll, aber man muß ja nicht ewig beei irgendeinem Spezialgebiet wie den Romanen des poetischen Realismus oder wasauchimmer, mitarbeiten. Den Verdacht, daß dann in 10 Jahren niemand mehr weiß, wer Goethe war, halte ich zwar für unbegründet, aber selbst wenn es so wäre: was ist das Tolle an einer Kultur, zu der man die Leute jahrelang zwingen muß, bis sie sich wie "gesellschaftstaugliche Wesen" (Jan) verhalten? So einer Kultur würde ich keine Träne nachweinen.

    Weil dies ein langsames Sterben der Kultur bedeutet. Althergebrachtes bedeutet vielfach Wahrheit, Identität, Substanz, Chance zur Selbsterkenntnis.

    Das "langsame Sterben" der Kultur ist kein Sterben sondern ein Anpassungsprozess; man nimmt sich aus der alten, was einem nützlich erscheint und man macht etwas neues. Zu Goethes Zeiten verstand man unter "Kultur" auch etwas anderes als zu Zeiten Willheims des II oder zu unserer Zeit. Der von dir gepredigte Kulturkonservativismus ist ja gruselig.

    Das Gegenteil davon ist Chaos, Verblödung und letztendlich der Untergang zu Gunsten eines anderen.

    Ist schon recht.

    Schonmal Herrmann Hesse gelesen?

    Ich habe nur den Steppenwolf gelesen und konnte mich dem Eindruck nicht erwähren, daß der Typ gegen Ende echt heftige Drogen getestet haben muß (magisches Theater). Auch die Bezüge auf die IIRC "alten Meister" (Goethe &Co.) finde ich daneben.



  • estartu schrieb:

    Volkard, so schnell solltest du das nicht abstempeln. 🙄
    Mich würde mal ein Lehrplan über alle Jahrgänge einer DDR-Schule, einer BRD-Schule der gleichen Zeit und einer heutigen Schule interessieren.

    die haben den religionsunterricht eingespart und dafür was sinnvolles gelehrt, oder?



  • volkard schrieb:

    F98 ist weltfremd. mag er sich zurück auf die bäume wünschen. glaubt er wirklich, daß vor 100 jahren die leutchen im durchschnitt klüger waren?

    1. Du pauschalisierst, ohne auch nur ansatzweise das zu durchdenken, was ich geschrieben habe. Du liest, wie viele andere hier nur grob quer und hast vielleicht noch ein paar marschierende Pimpfe vor Augen. Vielleicht ist es zu 50% Schrott was ich schrieb, vielleicht sind aber gleichermaßen 50% Wahrheit dabei.

    2. Wundert es mich, dass Du nicht der erste bist, der einen Nazivergleich anbringt.

    scrub schrieb:

    ich denke mal, er will nicht, daß seine kinder eine uniform in der schule anziehen müssen. uch sehe das genauso.

    Frage: Warum sollte man das nicht wollen? Ist es schlimm oder gar verwerflich, eine Schul-Uniform zu tragen?

    scrub schrieb:

    deine einstellung paßt zwar wunderbar zur derzeitigen mode, die methoden der vergangenheit zu verklären und zu glorifizieren, aber de facto sind sie nicht nur unerwünscht, sondern auch undurchführbar und nutzlos.

    Wo lebst Du? Wieso glaubst Du Dinge schlechtreden zu dürfen, die Du nie erlebt hast? Und wer sagt, dass wenn man Bewährtes in Erinnerung bringt, sofort glorifiziert?

    scrub schrieb:

    sollen die lehrer denn auch gleich wieder mit schlägen "erziehen"?

    Nein, körperliche Gewalt bringt nichts.

    scrub schrieb:

    für jemanden, der zusammenscheißen vor den schulkameraden und fahnenappelle toll findet, muß das ja naheliegen- für mich ist es sehr erschreckend. es ist einfach die typische dumme symptombekämpfung.

    Dann schreib doch mal auf, was Du so erlebt hast, wie wirkungsvolle Erziehung aussehen soll. Vorschläge, nicht jammern wie die bösen Lehrer waren und meckern wie scheiße doch alles ist und wird.



  • PS: Wir hatten einen Lehrer, mit dem zumindest einige Schüler (ganz legal) etwa jede Woche eine handfeste Auseinandersetzung hatten.
    Da wurde an Armen, Beinen und Kleidung gezerrt, so gut man konnte. 😃
    Das ganze hies Brettball, sah aus wie "10 Leute aufm Haufen und unten ein Ball" und war das Aufwärmtraining für die Karate AG. 🙂

    Aber vor diesem Lehrer hatten eigentlich alle auch außerhalb der Sporthalle Respekt - nicht nur die, die bei zu argem "über die Stränge schlagen" mit einem Augenzwinkern auf die nächste Trainingseinheit verwiesen wurden. 👍


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