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  • aber wie du doch selbst andeutest: diejenigen unternehmer machen das eben nicht aus purer menschenliebe, sondern aus reinem kalkül. man siehts doch daran, daß beliebig viele andere menschen, die den arbeitsplatz und den damit verbundenen relativen wohlstand nicht bekommen und weiter im elend leben müssen.
    im moment funktioniert doch billiges arbeiten nur, weil die leute, die gerade ins system einsteigen, noch nicht die gleichen ansprüche haben wie hier. sobald die osteuropäer entdecken, was soziale standards wert sind, werden sie die ebenfalls haben wollen. damit wird sich langfristig eine ähnliche struktur entwickeln wie die, die hier von den kapitalisten gerade totgeredet wird. im endeffekt werden unsere unterehmer also vielleicht zwanzig jahre lang ein paar menschen ausbeuten können, bevor denen klar wird, daß was falsch läuft.
    dieser prozeß wird sich dann gen osten wiederholen, bis die ausbeuter in wladiwostok angekommen sind.



  • Korbinian schrieb:

    „Die Lohnkosten sind wirklich nicht das eigentliche Problem in Deutschland. [...] Ich sage ihnen: Wir verarmen, wenn wir asiatisch werden wollen." Chinesische Lohnkosten wären in Europa volkswirtschaftlicher Unsinn. "Mit welchem Geld solle dann der deutsche Arbeitnehmer konsumieren? Diese ganze Geiz-ist-geil-Mentalität ist doch das eigentliche Problem.“ - Dr. Wendelin Wiedeking Vorsitzender des Vorstandes der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG.

    Irgendwann wird das Chinaoutsourcen nichts mehr helfen. Natürlich kann ich prima billig produzieren, aber wer soll das kaufen, wenn in D keiner mehr Geld hat? Würden die meisten Unternehmer hier in Deutschland bleiben, sähe die Situation anders aus.

    Die deutschen Konsumenten müßten die überhöhten Preise von ineffizienten Produktionsstandorten bezahlen. Exportieren könnten wir dann freilich nicht mehr so toll, was ein Land, daß sich (nicht ganz zu recht, aber sei's drum) rühmt, "Exportweltmeister" zu sein, sicher etwas schmerzen würde.

    Die Geiz-ist-geil-chinesische-Lohnkosten-Debatte ist doch ohnehin blanker Unsinn, die ganze Argumentation erinnert schwer an die Zeit, als Kutschen durch Autos ersetzt wurden. Lauter arbeitslose Kutscher, die staatlich alimentiert werden müssen und keine deutsche Leberwurst mehr einkaufen. -> Arme Metzger, die weniger Leberwurst verkaufen! Und schon geht's den Bach runter mit der Wirtschaft. Eine solche Argumentation ist Unfug! Es ist eine *positive* Entwicklung, wenn die Leute nicht mehr Kutsche fahren müssen, weil sie sich dann um was anderes kümmern können, also idR ihr Geld mit höherwertiger Arbeit verdienen können. Auf diese Weise geht es immer weiter bergauf. Das System, das dafür sorgt, daß Ressourcen am effizientesten eingesetzt werden, und das darum die Triebfeder des Fortschritts darstellt, ist der Kapitalismus. Darum ist auch das Abwandern nach China ein vernünftiger Effekt -- das deutsche Problem ist eher, daß (1) zwanghaft daran festgehalten wird, niederwertige Arbeit zu machen, weil Dienstleistungen als überflüssig empfunden werden ("Servicewüste Deutschland"), (2) private Innovation staatlich bestmöglich verhindert werden. Das ist das Problem, nicht, daß sich jemand von seinem Gehalt (von dem sich der Staat eh schon 40% oder so gekrallt hat) einen taiwanesischen Videorekorder kauft.

    Helfen könnte man z.B. mit extremen Schutzzöllen, aber dafür ist sich Deutschland und die EU zu fein.

    <Bastiat>Das ist, was man sieht. Was man nicht sieht, ist, daß dann die Leute in Deutschland *mehr* Geld für ihre T-Shirts oder Spielwaren ausgeben müssen, also *weniger* Geld zum Investieren haben und darum weniger investieren können. </>

    Ein großer Gewinn für alle?

    scrub schrieb:

    sobald die osteuropäer entdecken, was soziale standards wert sind, werden sie die ebenfalls haben wollen. damit wird sich langfristig eine ähnliche struktur entwickeln wie die, die hier von den kapitalisten gerade totgeredet wird. im endeffekt werden unsere unterehmer also vielleicht zwanzig jahre lang ein paar menschen ausbeuten können, bevor denen klar wird, daß was falsch läuft.

    Die armen ausgebeuteten Menschen sind aber erst nach der unternehmerischen Ausbeute in der Lage (haben also das Geld), sich überhaupt erst mal Sozialstandards zuzulegen. Also ist der Prozess der Ausbeutung, wie Du es wortverdreherischerweise nennst, ein Gewinn für die Ausgebeuteten.



  • ein scheinbarer gewinn, weil sie sich sehr bald derselben erpressung ausgesetzt sehen werden, die die deutschen arbeitnehmer längst täglich erleben.

    wenn sich menschen entscheiden, im sinne der selbstständigkeit auf dienstleistungen zu verzichten, dann ist das ihr gutes recht. müßte doch grad einem kapitalisten wie dir einleuchten: ohne nachfrage kein angebot. warum gibts keine millionenschar von haushaltshilfen und gärtnern in deutschland? weils die menschen eben nicht wollen.


  • Mod

    -Shadow- schrieb:

    @prof84 u. marc++us

    ihr seit ja richtige china fans wenn ich das so hier lese.

    Aber aus einem anderen Grund: ich finde die Ausprobierfreude faszinierend. Es ist bei uns in Deutschland so schwierig, irgendwas auszuprobieren, es gibt keine Geldgeber, und kein Mut zum Risiko (mehr). Alles richtet sich nur noch nach Konservierung aus.

    Das ist hier (China) anders.



  • Korbinian schrieb:

    Helfen könnte man z.B. mit extremen Schutzzöllen, aber dafür ist sich Deutschland und die EU zu fein.

    Du sprichst mir aus der Seele: Schutzölle, die sich gewaschen haben, mindestens 100% Zoll auf allen Billigschrott aus Ostasien zur Stützung der Sozialsysterme hier und falschdeklariertes Zeug wird sofort versenkt. Das wäre doch was, aber da können die Firmen hier kurzfristig gesehen keine Profite einfahren, deswegen wird das nie durchgesetzt.



  • Naja, das Problem sind ja nicht die Chinesen alleine...

    Wir in Europa und dem resten des Westens sind viel zu sehr damit beschäftigt uns selber auszubremsen mit der Vorgabe, dass jeder Depp alles noch so falsch machen darf, und es darf trotzdem nichts passieren.

    Die Chinesen scheren sich da nicht drum. Die schmeissen ihr zeugs einfach auf den Markt. Das heisst also unterm Strich nichts anderes, als das den westlichen Hersteller die Kosten für ihre Produkte zum Teil damit in die Höhe getrieben werden, irgendwelche Bestimmungen einhalten zu können die garantieren sollen, die ohnehin wenigen Fehlfunktionen dies früher schon gab total zu verhindern. Der nette Kerl ausm Osten kümmert sich da mit wesentlich mehr Vernunft um die Problematik, hält die Normungen zwar nicht ein, funktioniert aber trotzdem.

    Es gibt da also haufenweise Probleme wo man Ansetzen könnte. Der Witz ist ja, dass europäische PRoduktionen gar nicht mal wirklich teurer sind als chinesische... Zumal in China die Löhne derzeit z.B. in Schanghai auch schon soweit gestiegen sind, dass einige Firmen bereits wieder umsiedeln.



  • Wäre also nicht schlecht, wenn die Löhne in den Billigländern auf min. Osteuropaniveau steigen würden.



  • ...wenn das mal reichen würde... immerhin wird das Geld dann nicht ganz so weit exportiert (o;

    Prinzipiell jedoch tun das die Löhne mit der Zeit ohnehin. Die Frage ist hald, welchen Schaden in der Zwischenzeit an der "homebase" entstanden ist...

    Ich neige immernoch dazu zu behaupten, dass sog. "Hochkulturen" und der damit einhergehende Wohlstand nach Westen wandert... - ICh für meinen Teil hoffe einfach, dass ich die Zeit nicht mehr erleben muss, in der Europa wieder zum Billiglohnland wird...



  • Das ist immer eine Frage der persönlichen Ansprüche.



  • Naja, ob China so toll ist, ich weiss nicht.
    Man darf dabei nicht übersehen, das sich die Kapitalkosten
    momentan in China erhöhen, und die Wirtschaft
    dort schneller wächst als es ihr gut tut.
    Ich denke es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis
    das nachströmende Kapital nicht mehr den Bedarf decken kann.



  • scrub schrieb:

    ein scheinbarer gewinn, weil sie sich sehr bald derselben erpressung ausgesetzt sehen werden, die die deutschen arbeitnehmer längst täglich erleben.

    Welche Erpressung meinst Du? Diese, daß der Unternehmer nicht länger Kunde bei den Verkäufer der Arbeitskraft sein möchte? Das ist genau so legitim, wie wenn ich keine Microsoftprodukte mehr verwenden möchte.

    wenn sich menschen entscheiden, im sinne der selbstständigkeit auf dienstleistungen zu verzichten, dann ist das ihr gutes recht. müßte doch grad einem kapitalisten wie dir einleuchten: ohne nachfrage kein angebot. warum gibts keine millionenschar von haushaltshilfen und gärtnern in deutschland? weils die menschen eben nicht wollen.

    Nachfrage und Angebot hängen ja nicht in der Luft herum, sondern beziehen sich immer auf ein gewisses Preisniveau. Beispiel: Wie groß wäre die Nachfrage nach Vollkornbrot, wenn ein Laib so viel kostet wie eine Mercedes C-Klasse? Vermutlich recht gering, aber das bedeutet nicht, daß es keine Nachfrage nach Vollkornbrot gibt. Und so ist es doch hier auch: es gibt genug Leute, die Haushaltshilfen einstellen, nur passiert das sehr oft "schwarz". Was sagt uns das also?
    - Es gibt eine Nachfrage nach Haushaltskräften
    - Es gibt ein Angebot nach Haushaltskräften

    Offiziell arbeiten dürfen sie hier trotzdem nicht. Es gibt nur keine Nachfrage zu den "offiziellen" Bedingen (Stichwort: Lohnnebenkosten). Ja, das ist ein Problem. Besonders für die, die ihre Arbeitskraft gerne anbieten würden, aber es nicht dürfen.

    F98 schrieb:

    Du sprichst mir aus der Seele: Schutzölle, die sich gewaschen haben, mindestens 100% Zoll auf allen Billigschrott aus Ostasien zur Stützung der Sozialsysterme hier und falschdeklariertes Zeug wird sofort versenkt. Das wäre doch was, aber da können die Firmen hier kurzfristig gesehen keine Profite einfahren, deswegen wird das nie durchgesetzt.

    Wenn Schutzzölle der heimischen Wirtschaft von Staaten helfen, dann helfen sie ja auch der heimischen Wirtschaft von kleineren Staaten, richtig? Wenn Schutzzölle den kleineren Staaten helfen, dann helfen sie doch sicher auch Stadtstaaten, richtig? Wenn Schutzzölle Stadtstaaten helfen, dann helfen sie doch bestimmt auch einzelnen Stadtteilen, richtig? Wenn Schutzzölle einzelnen Stadtteilen helfen, dann helfen sie doch bestimmt auch Großfamilien, richtig? Aber halt: das würde ja bedeuten, daß diese Familie alles selbst herstellen müßte. Das kann ja wohl nicht richtig sein, oder? Wo ist dann der Fehler, in obiger Schlußkette? Ab wann sind Schutzzölle sinnvoll? Antwort: Sie sind nie sinnvoll und schaden immer "den kleinen Leuten". Am besten ist das zu sehen, an der Geschichte des "Manchesterkapitalismus", einer Arbeiterbewegung, die gegen Schutzzölle gekämpft hat, um sich wieder Essen kaufen zu können.

    Siehe zum Beispiel: http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Cobden



  • Daniel E. schrieb:

    scrub schrieb:

    ein scheinbarer gewinn, weil sie sich sehr bald derselben erpressung ausgesetzt sehen werden, die die deutschen arbeitnehmer längst täglich erleben.

    Welche Erpressung meinst Du? Diese, daß der Unternehmer nicht länger Kunde bei den Verkäufer der Arbeitskraft sein möchte? Das ist genau so legitim, wie wenn ich keine Microsoftprodukte mehr verwenden möchte.

    die erpressung der machart "wenn du (arbeitnehmer) nicht A, B und C zustimmst, mach ich (unternehmer) dicht und gehe nach china.". das führt eindeutig dazu, daß nach wenigen jahren die arbeitnehmer zu den gleichen bedingungen arbeiten müssen wie in china. da ich aber nicht will, daß *irgendjemand* zu solchen bedingungen arbeitet (die nämlich so aussehen, daß man von seiner arbeit nicht leben kann), bekämpfe ich diese erpressungskultur.

    Daniel E. schrieb:

    Nachfrage und Angebot hängen ja nicht in der Luft herum, sondern beziehen sich immer auf ein gewisses Preisniveau. Beispiel: Wie groß wäre die Nachfrage nach Vollkornbrot, wenn ein Laib so viel kostet wie eine Mercedes C-Klasse? Vermutlich recht gering, aber das bedeutet nicht, daß es keine Nachfrage nach Vollkornbrot gibt. Und so ist es doch hier auch: es gibt genug Leute, die Haushaltshilfen einstellen, nur passiert das sehr oft "schwarz". Was sagt uns das also?
    - Es gibt eine Nachfrage nach Haushaltskräften
    - Es gibt ein Angebot nach Haushaltskräften

    Offiziell arbeiten dürfen sie hier trotzdem nicht. Es gibt nur keine Nachfrage zu den "offiziellen" Bedingen (Stichwort: Lohnnebenkosten). Ja, das ist ein Problem. Besonders für die, die ihre Arbeitskraft gerne anbieten würden, aber es nicht dürfen.

    du bist hier ungenau. die nachfrage hängt nicht vom preis ab, sondern umgekehrt. wenn 100 leute erdbeeren kaufen wollen, ist es doch völliger unsinn, anzunehmen, 200 leute würden erdbeeren kaufen wollen, wenn diese halb so teuer wären. im gegenteil, die 100 leute wollen halt einfach erdbeeren haben, und der rest will eben keine.
    nun, behauptest du, gibts eine nicht unwesentliche nachfrage nach haushaltshilfen. soweit kein problem. hier funkt vatter staat rein und verhindert, daß der preis so weit sinkt, wie er es eigentlich aufgrund der nachfrage gern tun würde.
    und hier setzt du mit deiner kritik an und forderst, der staat soll sich raushalten, damit der preis weiter sinken kann und mehr haushaltshilfen beschäftigt werden können, richtig?
    jetzt überleg mal, was der staat wohl im schilde führt, indem er "lohnnebenkosten" erzeugt. ist eigentlich gar nicht so schwer, da kommst du sicher drauf. also erzähl einfach mal, was mit diesem geld passiert.


  • Mod

    scrub schrieb:

    jetzt überleg mal, was der staat wohl im schilde führt, indem er "lohnnebenkosten" erzeugt. ist eigentlich gar nicht so schwer, da kommst du sicher drauf. also erzähl einfach mal, was mit diesem geld passiert.

    Nun, zum Beispiel bauen die 300 Krankenkassen in jeder größeren Stadt in ihrem Angebotsbezirk eine Verwaltung auf, die mehrfach redundant ist und sich nicht durch Wettbewerb unterscheidet, also völlig überflüssig ist.

    Oder der Staat gibt das Geld aus den Lohnnebenkosten dafür aus, daß er Leuten eine Rente gewährt, die nicht in die Rentenkasse eingezahlt haben.

    Oder er gibt einer Verwaltung, die eigentlich keine Aufgabe mehr hat (Bundesknappschaft) einfach eine neue teure Verwaltungsaufgabe, damit er diese Behörde nicht schliessen muß.

    Mit anderen Worten: eine vielzahl der Lohnnebenkosten verschwindet in einem schwarzen Loch und ist einfach Geldverschwendung.



  • du hast die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein vergessen. 🙂

    ja, schön, daß du das aufzählst. aber die konkrete forderung, diesem ganzen kram abzuschaffen, stellt ja niemand (zumindest immer medienunwirksam genug, daß die politiker noch drüber weghören können).


  • Mod

    scrub schrieb:

    das führt eindeutig dazu, daß nach wenigen jahren die arbeitnehmer zu den gleichen bedingungen arbeiten müssen wie in china. da ich aber nicht will, daß *irgendjemand* zu solchen bedingungen arbeitet (die nämlich so aussehen, daß man von seiner arbeit nicht leben kann),

    Du hast ein falsches Bild, das von TV-Reportagen über chinesische Wanderarbeiter geprägt ist.

    Es ist nicht so, daß man sagen kann, in China könne man nicht von seinem Gehalt leben. Selbst die ausgebeuteten Wanderarbeiter gehen mit ihrem Geld auf's Land zurück und haben dort durch das extreme Gefälle einen Multiplikator.

    Aber vor allem in den Städten kann man durchaus vom Gehalt leben, weil 400 EUR eben andere 400 EUR sind als hier. Zudem stellt in vielen Firmen die Firma Essen, Kleidung und Wohnung, so daß das Gehalt quasi komplett gespart oder für Konsum ausgegeben wird.



  • scrub schrieb:

    Daniel E. schrieb:

    scrub schrieb:

    ein scheinbarer gewinn, weil sie sich sehr bald derselben erpressung ausgesetzt sehen werden, die die deutschen arbeitnehmer längst täglich erleben.

    Welche Erpressung meinst Du? Diese, daß der Unternehmer nicht länger Kunde bei den Verkäufer der Arbeitskraft sein möchte? Das ist genau so legitim, wie wenn ich keine Microsoftprodukte mehr verwenden möchte.

    die erpressung der machart "wenn du (arbeitnehmer) nicht A, B und C zustimmst, mach ich (unternehmer) dicht und gehe nach china.". das führt eindeutig dazu, daß nach wenigen jahren die arbeitnehmer zu den gleichen bedingungen arbeiten müssen wie in china.

    Das ist genau so keine Erpressung wie: wenn Du mir kein Auto schänkst, dann bin ich nicht mehr dein Freund.

    Abgesehen davon ist es gut, wenn Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie am sinnvollsten arbeiten können.

    da ich aber nicht will, daß *irgendjemand* zu solchen bedingungen arbeitet (die nämlich so aussehen, daß man von seiner arbeit nicht leben kann), bekämpfe ich diese erpressungskultur.

    Du kämpfst in erster Linie dafür, daß Deutsche weiterhin ziemlich beschissene Jobs machen dürfen (hast Du mal in einer Autofabrik am Band gestanden? Ich habe und ich ich bin nicht traurig, daß ich das nicht mehr machen muß.) und sich auch in China nichts ändert. Wir sind stolz auf dich.

    [Gibt es Nachfrage nach Haushaltskräften?]

    die nachfrage hängt nicht vom preis ab, sondern umgekehrt.

    Scherzkeks. Sie hängen zusammen. Die Kausalfolge ist hier uninteressant und so einfach ohnehin nicht zu klären.

    wenn 100 leute erdbeeren kaufen wollen, ist es doch völliger unsinn, anzunehmen, 200 leute würden erdbeeren kaufen wollen, wenn diese halb so teuer wären. im gegenteil, die 100 leute wollen halt einfach erdbeeren haben, und der rest will eben keine.

    Stell dich nicht dumm: sie wollen sie nicht zu dem Preis.

    Ich will keinen Mercedes für 30000 EUR, zum einen, weil ich keinen Bedarf nach einem Auto habe, zum anderen, weil ich das Geld nicht hab. Würde man mir das Ding für 20 EUR anbieten, dann nehme ich ihn trotzdem, auch wenn ich ihn gar nicht unbedingt brauche.

    Der Unternehmer (der einfachheitshalber eine Monopolstellung hat) würde versuchen, den Preis so zu wählen, daß <Verkaufte Menge>*<Preis> den <Gewinn> maximiert, ist doch klar. Und Da kann es ja sein, daß dann 10 Leute mehr Erdbeeren kaufen, wenn man den Preis um 10 Cent runtersetzt, und 5 Leute abspringen, wenn man den Preis um 10 Cent raufsetzt. Wenn man die Erdbeeren für 1000 EUR trotzdem noch an die 100 Leute verkaufen kann, wie Du behauptest, dann würden die Erdbeeren auch tatsächlich im Laden so viel kosten.

    Die Bedürfnisse eines Kunden zum richtigen Preis anzubieten, ist die Kunst des Unternehmers.

    nun, behauptest du, gibts eine nicht unwesentliche nachfrage nach haushaltshilfen. soweit kein problem. hier funkt vatter staat rein und verhindert, daß der preis so weit sinkt, wie er es eigentlich aufgrund der nachfrage gern tun würde.
    und hier setzt du mit deiner kritik an und forderst, der staat soll sich raushalten, damit der preis weiter sinken kann und mehr haushaltshilfen beschäftigt werden können, richtig?

    Ich fordere, daß der Staat sich raushält und Leute, die arbeiten wollen, auch arbeiten läßt. Jawoll. Sie zu irgendwelchen Arbeiten zu zwingen, wie man es teilweise im Rahmen der Hartz-4-Gesetze tut, ist dagegen eine typisch sozialistische Zwangsmaßnahme, die natürlich abzulehnen ist.

    jetzt überleg mal, was der staat wohl im schilde führt, indem er "lohnnebenkosten" erzeugt. ist eigentlich gar nicht so schwer, da kommst du sicher drauf. also erzähl einfach mal, was mit diesem geld passiert.

    Scheindiskussion. Wem tut das denn genau weh, wenn jemand, der sonst nichts verdienen würde und staatlich alimentiert werden müßte, jetzt bei anderen freiwillig deren Haushalt macht und sich damit eine Wohnung leisten kann?



  • Marc++us schrieb:

    Zudem stellt in vielen Firmen die Firma Essen, Kleidung und Wohnung, so daß das Gehalt quasi komplett gespart oder für Konsum ausgegeben wird.

    So eine Abhängigkeit der Arbeiter von den Firmen sehe ich allerdings nicht gerade positiv. Man stelle sich vor, was eine Entlassung für so einen Arbeiter bedeuten würde.



  • Daniel E. schrieb:

    Ab wann sind Schutzzölle sinnvoll? Antwort: Sie sind nie sinnvoll und schaden immer "den kleinen Leuten". Am besten ist das zu sehen, an der Geschichte des "Manchesterkapitalismus", einer Arbeiterbewegung, die gegen Schutzzölle gekämpft hat, um sich wieder Essen kaufen zu können.

    Ach menno. Ich rede doch hier nicht vom Feind der Roten und der Kleinstaaterei, sondern von Regularien, die dem Konsum-Wahnsinn Einhalt gebieten und aus dem akt. Zustand max. Nutzen ziehen.

    Fakt ist doch, dass es in naher und mittlerer Zukunft zu keiner Senkung der Arbeitslosigkeit in D kommen wird, eher umgekehrt, eben durch solche Arbeitsplatzverlagerungen, die im Übrigen schon seit den 80ern in Richtung China gehen (VW z.B.).

    Ich empfehlen hier jedem wärmstens die auf den dritten Programmen rumgeisternde Serie "Der Fall Deutschland" Teil 1-3.

    Übrigens habe ich jetzt vor Kurzem eine Reportage auf Phönix oder so gesehen, wo es um die Wirtschaft in China ging. China hat einen enomen Kapitalzulauf aus dem Ausland. Dieses Geld wird haupsächlich dazu verwendet im Inland Kredite zu vergeben. Diese Kredite werden aber häufig nur zu 50% zurückgezahlt, da diese Firmen vorher Pleite sind. Sowas ist auf Dauer nicht gesund.


  • Mod

    Gregor schrieb:

    Marc++us schrieb:

    Zudem stellt in vielen Firmen die Firma Essen, Kleidung und Wohnung, so daß das Gehalt quasi komplett gespart oder für Konsum ausgegeben wird.

    So eine Abhängigkeit der Arbeiter von den Firmen sehe ich allerdings nicht gerade positiv. Man stelle sich vor, was eine Entlassung für so einen Arbeiter bedeuten würde.

    Sicher. Auf der anderen Seite sind das freiwillige soziale Leistungen der Firmen, wozu sie eigentlich nicht verpflichtet sind. Sie wollen damit aber sicherstellen, daß die Arbeiter nicht ständig kündigen. Das Problem in China ist nämlich, daß ein angelernter und trainierter Arbeiter wegen 3 EUR mehr Lohn im Monat von jetzt auf nachher "kündigt", und nicht mehr kommt (der ist einfach am Morgen nicht mehr da... das kann übel sein, Schichtbeginn, und 5 Leute fehlen einfach, weil sie woanders mehr Geld bekommen. Training und Ausbildung für die Katz.)

    Also versuchen die Firmen, durch Wohnung, Essen und Kleidung eine Art "familiäre" Beziehung aufzubauen, um die Arbeiter mehr zu binden.



  • F98 schrieb:

    Ich rede doch hier nicht vom Feind der Roten und der Kleinstaaterei, sondern von Regularien, die dem Konsum-Wahnsinn Einhalt gebieten und aus dem akt. Zustand max. Nutzen ziehen.

    Gut. Dann rechne doch mal detalliert vor, wie dann Deutschland *volkswirtschaftlich* profitiert, wenn man Schutzzölle auf ausländische Produkte setzt. Damit berechnest Du zwar eine Größe, die den meisten ärmeren Deutschen ziemlich egal sein dürfte, wenn sie einen Monatslohn für einen neuen Satz deutschdeutscher Klamotten ausgeben, aber sei's drum, mich würde es trotzdem interessieren.

    (Falls es dir nicht aufgefallen sein sollte: ich rede einem abwandern nach China nicht das Wort. Das ist ein hohes unternehmerisches Risiko. Aber gerade das zeichnet einen guten Unternehmer ja aus, daß er Risiken erkennt, richtig einschätzt und damit neue Werte schafft. Unternehmer, die schlecht kalkuliert haben und das Risiko falsch eingeschätzt haben, verlieren dabei viel Geld. So ist das Leben, es wahr ihre Entscheidung.)


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