Sprache lernen: Latein oder Franzoesisch?



  • Ein Freund von mir macht auch gerade Abitur per Fern/Abendschule, und hat Latein gewaehlt. Er ist gerade im Jahr 2/3 und uebersetzt eigentlich nur noch Latein-Deutsch (Caesar und so sachen). Es gibt glaub ich 5 konjugationen, einige wenige (wirklich wenig! ich glaub < 10 im normalen gebrauch) unregelmaessige verben. Auch nochmal ungefaehr 5 Deklinationen, auch nahezu keine unregelmaessigen, naja halt 6 Faelle. Dann gibts noch ein paar sonderformen (gerund/-iv) und halt relativsaetze. das wars schon. die einzige schwierigkeit ist die saetze zu analysieren, was aber aufgrund der wortendungen schnell geschehen ist. ab und an ist ein relativsatz mal etwas tricky, aber wie jemand vorher schon gesagt hat: man kann (gerade bei caesar) den sinn immer sehr gut raten...



  • volkard schrieb:

    uih, leicht zu lesen war der satz aber nicht. wenn du im französischen auch solche konstrukte fabrizierst, verstehe ich die lehrerin.

    arg.. lol.. naja, schreiben ist das eine.. hirn einschalten das andere 😃 (musste ihn jetzt selber 2 mal lesen 😉 )

    PS: mein Deutschlehrer hatte aber auch ein hartes leben 🕶



  • Wenn ich dass so lese ...

    Erst einmal, möchte ich eins klarstellen: Französisch ist kein einziger wirrer Haufen von Ausnahmen. Dieses Vorurteil ist ziemlich allgegenwärtig, und ich kann es auch nachvollziehen! Da hat man hier wieder Ausnahmen, da eine Regel, für diese Regel dann aber doch wieder Ausnahmen ... Hier dann noch Ausnahmen, für diese Ausnahmen wiederum Ausnahmen ... Dann wird hier etwas angeglichen, da wieder nicht, falls aber ein direktes Objekt da war doch wieder, oder doch nicht usw. Letztendlich gibt es im Französisches etliche Regeln und Ausnahmen, die man übrigens effektiv nicht auf ein paar Seiten unterbringen kann. Dennoch ist Französisch eine sehr geläufige und intuitive Sprache, mit der man sich, wenn die ersten Hürden genommen sind, sehr gut und ohne großes Nachdenken unterhalten kann. Die Aussprache ist manchmal sehr schwammig, aber die Franzosen haben kaum Sprachverfall durch z.B. Anglizismus; Wehe aber, du hörst dir ein Lied an! Dann werfen die nähmlich ihre ganze Aussprache über den Haufen, und plötzlich werden 3te-Person-Endungen mitgesprochen, -ez verschluckt oder hinzugedichtet uvm!

    Zu Latein ... Eine tote Sprache, auf jeden Fall. Aber es schadet nie, Latein zu können (kleines Latinum macht sich immer gut auf einem Lebenslauf, großes natürlich noch mehr 😉 ). Zudem kann man mit der Sprache wirklich verdammt viel anfangen, wenn man sich andere Sprachen aneignen oder einfach Spanisch und Konsorten verstehen will! Die Struktur ist relativ klar, aber man muss etliche Dinge auswendig lernen. Mir persönlich fällt die Sprache schwerer als Französisch, da man eigentlich nur Texte übersetzt; mir mehr mündlicher Verwendung könnte man sie wohl wesentlich lebendiger gestalten. Du musst etliche Deklinationen/Konjugationen/Steigerungen/Satzkonstrukte (ACI und co) auswendig lernen; ist das aber ersteinmal geschafft, geht es ganz gut voran! Zudem hast du mit Latein ständig "Aha"-Effekte, bei denen dir die Bedeutung bzw. die Herkunft der Deutschen Sprache immer wieder ein Stückchen klarer wird.

    Ich habe Französisch als 2te, Latein als 3te Fremdsprache gewählt. Nun kann ich aber nicht sagen, dass ich eines von beiden bereut hätte, oder lieber andersrum gewählt hatte. Ich finde es halt gut, beide Sprachen halbwegs zu "können". Zumal dabei der von nman angesprochene Vorteil auftritt!



  • Was ich noch interessant finde: Ich hatte 5 Jahre Französisch und hatte damals immer das Gefühl, mich von Arbeit zu Arbeit zu retten um irgendwie das Schuljahr zu schaffen.
    Irgendwann stolperte ich dann über ein französisches Forum, in dem die Lösung zu einem Problem beschrieben zu sein schien - ich habe tatsächlich verstanden, was da stand. 😮
    Zumindest genug um mein Problem zu beheben. 😉

    Bei spanischen Seiten geht es mir ähnlich, also der Nutzen ist definitiv da, auch wenn man nie gut war. 👍



  • estartu schrieb:

    Irgendwann stolperte ich dann über ein französisches Forum, in dem die Lösung zu einem Problem beschrieben zu sein schien - ich habe tatsächlich verstanden, was da stand. 😮

    Kann ich mir nicht vorstellen, dass das so häufig vorkommt.
    Die Franzosen die Ahnung haben schreiben Englisch :p

    Latinum brauch man doch eh nur, wenn man Medizin studieren wil.
    (Achtung das könnte jetzt auch ein Vorurteil gewesen sein; keine Ahnung)

    icepacker



  • Ich empfehle dir auch Latein. Ich hab Französisch jetzt seit zwei und Latein seit vier Jahren.

    An Latein mag ich den konsequenten Aufbau, es gibt so gut wie keine Ausnahmen. Wenn du auf ein paar Besonderheiten achtest ((Semi-)Deponentien, obliquer Konjunktiv etc.), dann ist der Rest Kinderkacke.

    Im Französischen tu ich mich immer noch sehr schwer mit den unzähligen Endungs- und Stellungsregeln. Man muss IMHO viel mehr lernen. Deshalb wirds auch abgewählt 😃



  • Michael E. schrieb:

    ((Semi-)Deponentien, obliquer Konjunktiv etc.)

    Hab ich ja noch nie gehört. Aber zum Glück hab ich ja schon mein Latinum 😃



  • Michael E. schrieb:

    Wenn du auf ein paar Besonderheiten achtest ((Semi-)Deponentien, obliquer Konjunktiv etc.), dann ist der Rest Kinderkacke.

    Naja... Willst du hier allgemein verkuenden, Latein sei einfach? 😮 Also bei Caesar kann man vielleicht noch ganz gut runteruebersetzen, aber bei so Zeug wie Vergil erschliesst sich der Sinn nicht mehr so einfach. Da stehen die zT. verkuerzten/abgewandelten Woerter AFAIR teilweise recht abenteuerlich durcheinandergewuerfelt da und man muss dann halt schauen, wie zusammengesetzt das ganze den meisten Sinn ergibt. Da ist man mit blossem Nachschlagen der Vokabeln dann meist auch ziemlich verloren. Keine Ahnung wie das bei den Anderen hier so lief, aber bei mir kam der Hammer in Form der lateinischen Lyrik im letzten Jahr noch hinterher. Das (und die sehr pflichtbewusste junge Lehrerin ;)) hat mir mein Latinum mit einer 4- versaut. 😡

    Um aber nicht voellig OT zu werden: Fuer ein Fernstudium wuerde ich auch Latein empfehlen.



  • Nobuo T schrieb:

    Das (und die sehr pflichtbewusste junge Lehrerin ;)) hat mir mein Latinum mit einer 4- versaut. 😡

    Das kenn ich. Nur, dass meine Lehrerin nicht mehr jung war. 🤡



  • der schönste tag in meinem leben war meine letzte franz stunde in der 11ten

    die ausnamhen konnte sich doch keiner merken..

    schon allein die frage, wann benutzt man imparfait und wann passé compose

    schlimm waren auch das mache dinge wie z.B. la lit = das bett sind, wobei la ja weiblich war

    und am ende der 11ten sollten wir dann noch eine zeitform lernen die nun in literarischen texten zur anwendung kommt 🙄

    ich habe zwar keine ahnung von latein - schwerer kann es aber nicht sein



  • steff3 schrieb:

    der schönste tag in meinem leben war meine letzte franz stunde in der 11ten

    Auf diesen Tag warte ich auch schon 😃

    schon allein die frage, wann benutzt man imparfait und wann passé compose

    Imparfait: Hintergrundinformationen; Passe Compose: Haupthandlung;
    naja so ungefähr...
    Leider mache ich es trotzdem fast immer falsch 😞

    und am ende der 11ten sollten wir dann noch eine zeitform lernen die nun in literarischen texten zur anwendung kommt 🙄

    Passe Simple?? Das hatten wir aber schon Anfang der 10. 😮

    ich habe zwar keine ahnung von latein - schwerer kann es aber nicht sein

    full ack

    icepacker



  • Nobuo T schrieb:

    Michael E. schrieb:

    Wenn du auf ein paar Besonderheiten achtest ((Semi-)Deponentien, obliquer Konjunktiv etc.), dann ist der Rest Kinderkacke.

    Naja... Willst du hier allgemein verkuenden, Latein sei einfach? 😮 Also bei Caesar kann man vielleicht noch ganz gut runteruebersetzen, aber bei so Zeug wie Vergil erschliesst sich der Sinn nicht mehr so einfach. Da stehen die zT. verkuerzten/abgewandelten Woerter AFAIR teilweise recht abenteuerlich durcheinandergewuerfelt da und man muss dann halt schauen, wie zusammengesetzt das ganze den meisten Sinn ergibt. Da ist man mit blossem Nachschlagen der Vokabeln dann meist auch ziemlich verloren. Keine Ahnung wie das bei den Anderen hier so lief, aber bei mir kam der Hammer in Form der lateinischen Lyrik im letzten Jahr noch hinterher. Das (und die sehr pflichtbewusste junge Lehrerin ;)) hat mir mein Latinum mit einer 4- versaut. 😡

    Hihi, ich hab (in der 11ten) mein Latinum mit 4- bekommen :D. Und ich glaube dir widersprechen zu müssen, auch die lateinische Dichtung ist mit dem "Standardverfahren" (Stowasser raus, Subjekt und Prädikat übersetzen, Objekte raten) recht gut lösbar.
    Ich finde Latein aus den angesprochenen Gründen ebenfalls besser als Französisch. Es ist eine sehr klare Sprache und das einzige, was die Dichter nicht so genau nehmen ist die Satzstellung (die aber auch nicht soo relevant ist).



  • minhen schrieb:

    Gegen Ende geht man in Latein jedoch dazu über nur noch in der Richtung Latein -> Deutsch zu übersetzen. ... Man bekommt dann halt z.B. von Caesar den "Bellum Gallicum" oder...

    Hm, also wenn Du gegen Ende Deines Latein-Unterrichts "De Bello Gallico" liest, dann würde ich die Schule wechseln. Nobuo T hat schon recht, auch wenn bei Latein an sich alles sehr schön regelmäßig sein kann, kann es doch deutlich komplizierter werden, wobei Vergil meistens auch noch halbwegs lesbar ist.

    Und für Französisch braucht man eben auch etwas Sprachgefühl, unregelmäßiger als Deutsch ist das auch nicht, aber gibt ja auch da immer weniger Leutz, die wo das rischtisch gut reden können.

    Das Latinum ist übrigens auch deswegen recht praktisch, weil man es bei einigen Studienrichtungen an der Uni braucht, durchaus nicht nur bei Medizin.



  • [quote="icepacker"]

    steff3 schrieb:

    schon allein die frage, wann benutzt man imparfait und wann passé compose

    imparfait = Zustandsbeschreibung
    passé composé = Handlung

    Ich hab übrigens Französisch gewählt, weil ich eine Sprache als Mittel zur Kommunikation ansehe. Latein wird wenig gesprochen 😉
    Für den op wäre aber, da kaum Chance auf richtige Konversation besteht, vermutlich Latein die bessere Wahl.

    MfG

    GPC



  • Ich danke euch, ihr habt mir wirklich sehr geholfen!

    Werde mich nun wohl fuer Latein entscheiden, hat mich sowieso schon immer gereizt 😉

    Also danke nochmals 🙂



  • nman schrieb:

    Hm, also wenn Du gegen Ende Deines Latein-Unterrichts "De Bello Gallico" liest, dann würde ich die Schule wechseln.

    "Bellum Gallicum" ist das einzige konkrete Werk an das ich mich noch erinner und zudem seh ich es oft in meinem Bücherregal. Deswegen habe ich es erwähnt. Aber zu deiner Beruhigung, ich hab das Buch eben durchgeblättert und zu meiner Überraschung ein handschriftliches Datum von mir gefunden. Demnach haben wir es wohl in der 9. Klasse gelesen, also nicht Ende sondern Halbzeit des Lateinunterrichts.

    Das Latinum ist übrigens auch deswegen recht praktisch, weil man es bei einigen Studienrichtungen an der Uni braucht, durchaus nicht nur bei Medizin.

    Ja, wenn ich mit meinem Studium zehn Jahre früher angefangen hätte, hät ich in der Tat ein Latinum für den Studiengang gebraucht ...



  • Ich kann jetzt nichts "wirkliches" zu der Diskussion hier beitragen, aber wenn ich die Lateiner aus unserem Jahrgang sehe, ist das wirklich traurig. Die sind *nur* am Vokabeln pauken. Und was die da zum größten Teil übersetzen ist irgendwie wirklich Mist. Mir fällt grade nichts konkretes ein, aber bei den Texten denkt man sich schon so seinen Teil...
    Meiner Meinung nach macht die Tatsache, dass Französisch eben keine tote Sprache ist, das Lernen viel einfacher. Man kann sich hinsetzten, Sachen auf Französisch lesen, Games auf Frazösisch zocken, sich mal einen Artikel im französischen Wikipedia statt im deutschen vornehmen - und schon hat man ein Sprachgefühl, etwas wovon die Lateiner, die ich so kenn, nur träumen. Ich bin für Französisch 😃

    Edit: Ist Spanisch eigentlich keine Option? Meiner Meinung nach einfacher und schöner als Französisch, auch wenn es nicht so viel Literatur auf Spanisch gibt.



  • ich hab momentan beide und latein fällt mir persönlich um EINIGES leichter. kannst ja mal ne umfrage starten 😉

    Mr. B


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