"Mit 40 zum alten Eisen"



  • DEvent schrieb:

    Bei Standardaufgaben der Programmierung kann man seine über Jahre gesammelte Erfahrung eher nicht einbringen. Dafür ist die Technologieentwicklung in diesem Bereich zu schnell. Neue Frameworks, Programmiersprachen usw. kommen in einem Takt von einigen Jahren. Da hat es praktisch keine Relevanz mehr, was man vor 20 Jahren für Erfahrungen gesammelt hat. Die sind nicht mehr anwendbar.

    Also macht es keinen Sinn das ich jetzt Java lerne, weil in 2 Jahren XYAz Sprache kommt? Auch macht es keinen Sinn das ich die Java API lerne, weil in 2 Jahren die SuperDuper API von XYAz kommt?

    Wenn Du JETZT eine entsprechende Stelle suchst, dann musst Du das natürlich lernen. Aber ich würde heutzutage kein COBOL mehr lernen, auch wenn das vor 20 Jahren eine ganz ganz wichtige Sprache in gewissen Bereichen war. Und genauso kannst Du auch nicht damit rechnen, dass Deine Java-Kenntnisse in 20 Jahren noch von Bedeutung sein werden. ...zumindest nicht Deine heutigen Javakenntnisse, denn Java entwickelt sich ja auch weiter.

    Eine Erfahrung von 2 Jahren, wie Du sie einbringen willst, sollte aber kein Problem sein, denn sooo schnell ist die Entwicklung auch nicht.



  • Gregor schrieb:

    Aber ich würde heutzutage kein COBOL mehr lernen, auch wenn das vor 20 Jahren eine ganz ganz wichtige Sprache in gewissen Bereichen war.

    ROFL geh mal in ne Bank oder so Bereich wo Cash mit Proggn gemacht wird.



  • heise-Leser der 1. Stunde schrieb:

    Gregor schrieb:

    Bei der Entwicklung von Algorithmen sieht es IMHO anders aus. Das hier benötigte Wissen und die damit verbundene Erfahrung haben eine viel höhere Halbwertszeit.

    Da ist aber hauptsächlich Kreativität und mathematische Fähigkeiten wichtig!

    Nein, das stimmt nicht. Es gibt in diesem Bereich jede Menge Wissen, das nur darauf wartet, angewendet zu werden. Viel mehr Wissen, als man es in einem Info-Studium lernt. Und das betrifft auch die Mathematik. Wenn man sich hier nach seinem Studium weiterbildet, dann kann man einen Erfahrungsschatz aufbauen, der IMHO äußerst wertvoll ist. Welche Bereiche der Mathematik kennt man denn schon, wenn man gerade seinen Info-Abschluss gemacht hat? Ziemlich wenig. Die Mathematik ist viel größer.

    Algorithmenentwicklung ist nicht etwas, was nur der Kreativität bedarf.



  • Also macht es keinen Sinn das ich jetzt Java lerne, weil in 2 Jahren XYAz Sprache kommt? Auch macht es keinen Sinn das ich die Java API lerne, weil in 2 Jahren die SuperDuper API von XYAz kommt?

    Würde in der Tat sinnlos sein, wenn du dich nur mit dem aktuellen Stand zu dieser Zeit beschäftigst. Wird allerdings kaum der Fall sein, da man sich einfach selbstständig up-to-date hält.

    Ebenso werden die Frameworks und Sprachen in einem dunklen Keller ohne Verbindung zur Ausenwelt entwickelt, so dass das Rad immer neu erfunden wird, gelle?

    Es geht auch gar nicht darum, ob die Framework Entwickler von der Außenwelt abgetrennt sind, sondern ob du es bist. Wenn du dich einfach 5 Jahre nicht mit den aktuellen Änderungen, Best Practices, ... der Frameworks beschäftigst, bist du sozusagen weg vom Fenster.



  • heise-Leser der 1. Stunde schrieb:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/78958

    Was sagt ihr dazu?

    Und noch zu dem "Erfahrungs-Argument": Klar, bei Standardsoftware zählt Erfahrung viel, da die Denkleistung im Wesentlichen trivial ist. Aber bei der Entwicklung komplizierter neuer Algorithmen kommt's auf Köpfchen an.

    http://www.gulp.de/kb/st/stdsaetze/sstext_f.html
    http://www.gulp.de/kb/mk/arbeitsmarkt/berufserfahrungitspezi_f.html
    http://www.gulp.de/kb/st/stdsaetze/aelterteurer_f.html

    Wenn es komplizierter wird kommt es fasst nur auf Erfahrung an!
    In der SW-Entwicklung ist das so wie mit dem Profi-Fußball:
    Gehörst Du zum alten Eisen muttu Trainer oder Manager werden!
    Ich mit meinen 40 höre den Kalk jedenfalls noch lange nicht riesseln 😉 .



  • Gregor schrieb:

    Und genauso kannst Du auch nicht damit rechnen, dass Deine Java-Kenntnisse in 20 Jahren noch von Bedeutung sein werden.

    Die Kenntnisse selbst sicherlich nicht, aber die damit erlernten Vorgehensweisen und Taktiken bleiben auch bei Anwendung der Programmiersprache Ja#C+2024 wertvolles Erfahrungswissen.

    Ich kann meine Kenntnisse in Commodore Basic und Z80-Assembler heute auch nicht mehr einsetzen, trotzdem weiß ich dank unzähliger Stunden mit diesen Tools, wie man Problemstellungen zerlegt und zergliedert, mir ist intuitiv auch bei größeren Problemen die Vorgehensweise und Zerlegung klar. Das habe ich heute einem C#-Gott voraus, der jede Funktion von .NET auswendig kennt (wo ich ständig in der Hilfe blättern müßte), der aber erst 3 Jahre programmiert.

    Das ist in anderen Branchen ja ähnlich, ein technischer Zeichner, der noch auf dem Reißbrett mit Tuschhalter lernte und heute an einer CATIA-Workstation sitzt, mußte ja nur das Tool neu lernen (mancher scheiterte natürlich auch). Aber die Erfahrung, wie dick man etwas machen muß, damit es nicht bricht, handlich ist oder sich gut greifen lässt, das besteht über alle Tools hinweg.

    Die Beschleunigung und Automatisierung von Vorgängen, die man mit älteren Tools von Hand durchführen mußte, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß es immer noch die gleichen Vorgänge sind.

    Das Hauptproblem der Älteren ist zumeist einfach nur, daß sie irgendwann aufgeben, sich in die neuen Tools einzuarbeiten und dadurch plötzlich zu Ballast werden. Dafür gibt's viele Gründe, unter anderem Frustration, Enttäuschung in der Firma, Hinwendung zu interessanterem Privatleben, Zeitmangel (durch private und berufliche Tätigkeiten), mangelnde Motivation und eine allgemeine geistige Müdigkeit.



  • Kenner der Branche schrieb:

    Gregor schrieb:

    Aber ich würde heutzutage kein COBOL mehr lernen, auch wenn das vor 20 Jahren eine ganz ganz wichtige Sprache in gewissen Bereichen war.

    ROFL geh mal in ne Bank oder so Bereich wo Cash mit Proggn gemacht wird.

    Im Jahr 2000 hat man relativ häufig gehört, dass COBOL zwar nicht mehr für neue Projekte genutzt wird, aber eine riesige Menge an COBOL-Code vorhanden ist, so dass COBOL wegen der notwendigen Wartung dieses Codes immer relevant bleiben wird. Jetzt guck mal, was sich seit dem Jahr 2000 getan hat:

    http://www.gulp.de/cgi-std/cgi-gulp/trendneu.exe/disptrendresult?l*39*id%3D200610032143277820791406250197139922460

    Mit anderen Worten: Es werden kaum noch COBOL-Kenntnisse benötigt.



  • ROFL, du mit deinem gulp. Das erfasst nicht die ganze Realität



  • Gibt es überhaupt "wertvolle, Jahrzehnte alte Erfanhrungen" in der IT-Branche?

    In einer Branche in der sowieso spätestens alle 5 Jahre wieder das
    Innerste nach Außen gekrempelt wird, oder durch eine komplett
    redesigndes neues System ersetzt wird?

    Man hört ja oft das Argument, dass man eben ein Leben lange lernen
    muss. Aber in der IT schein das weniger ein DAZULERNEN, sondern eher
    altes Wissen wegwerfen und sich stattdessen in "Version 2.0"
    einzuarbeiten zu sein.

    Warum sollte jemand einen Mitarbeiter einstellen, der Bereits 1995
    seinen Abschluss gemacht hat? Weil er optimierten Code für den
    Pentium I schreiben kann? Weil er die Windows-95 API kennt? Weil er
    mit Mac OS 7.5 vertraut ist? Sich auf Modem-Technik versteht?

    Gut, bleiben die theoretischen Informatiker von der Uni
    vom Alterungsprozess verschont, denn die Mathematik im Hintergrund
    gilt ewig... Aber solche Berufe wie Sysadmin - naja schon mal viel
    Spass mit 'Systemverwatlung unter Windows Vista'.



  • Kenner der Branche schrieb:

    ROFL, du mit deinem gulp. Das erfasst nicht die ganze Realität

    Eigentlich erfasst es einen ziemlich großen Anteil der Realität in diesem Bereich. ...ok, was IT-Freiberufler betrifft. Gucken wir mal eine Jobstatistik für normale Arbeitnehmer an:

    http://www.jobstats.co.uk/jobstats.d/Details.d/Trends.d/SKILL/COBOL.d/index.html

    Sieht auch nicht besser aus.

    ...um nochmal auf Gulp zu kommen: Jedes Jahr gibt es in Deutschland so 5.000-10.000 Informatik-Absolventen an Unis und FHs. Gehen wir mal davon aus, dass die dann 40 Jahre in dem Bereich arbeiten, dann kommt man auf maximal 400.000 Leute mit entsprechenden Kenntnissen. Dann nehmen wir noch die Leute mit einer Ausbildung in diesem Bereich hinzu und kommen vielleicht auf ne Millionen. Jetzt sind bei Gulp etwa 60.000 IT-Freiberufler registriert. Ich finde schon, dass das eine signifikante Menge ist, bei der solche Statistiken schon eine gewisse Aussagekraft haben. ...ok: Für Freiberufler. ...für normale Arbeitnehmer nimmst Du halt die andere Statistik, die auch nicht besser aussieht.

    IMHO wirst Du COBOL-Kenntnisse heutzutage im Normalfall nicht mehr besonders anbringen können, wenn Du einen neuen Job suchst. Und wenn Du nichts gefragteres anzubieten hast, dann kriegst Du eben auch keinen entsprechenden Job. Egal, wie alt Du bist.


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