Wo bleiben eigentlich die die ganzen "schlechten" Informatik-Absolventen?
-
Egal ob ich nun an meine Hochschule schaue oder die Erfahrungsberichte von anderen Unis und FHs lese:
Mindestens 50% der Informatik Absolventen können kein Programm schreiben, dass länger als eine Seite ist oder eine mathematische Formel auch nur lesen.
Auch kann man sich nur schwer vorstellen, dass SAP&Co sie als Consultant haben will oder sie irgendwelche Führungsqualitäten haben.Trotzdem scheinen diese Leute fast alle irgendwo einen Job zu finden... das Mysterium besteht nur darin, dass niemand weiß... wo und als was eigentlich?
-
-
Hallo
ich kenne einige davon (3)
die haben es beinahe hinbekommen eine Firma in die Insolvenz zu treiben
Die haben schoene Software geschrieben (ganz toll - so richtig mit allen
Moeglichkeiten die die Programmierung zulaesst)
Leider nur nicht mehr zu warten und sowas von fehlerhaft
Echt unmoeglich(zB kleine Aenderung min. 2 Wochen - jetzt 1-2 std)
Zusatz: die hatten alle Informatik studiert !
Mfg
Klaus
-
Sollte ich jetzt stolz sein, dass ich Informatik nicht studiert habe?
-
Das wird bestimmt ein hoch interessanter Thread, voll mit Fakten, ausschließlich fundierten Aussagen von Akademikern und ohne Klischees.
Das einzige was ich dazu sagen will: Wer am Ende das Diplom erhält, kann nicht so schlecht sein. Und Programmierfähigkeiten sagen nahezu garnichts über einen Informatiker aus.
-
Informatiker schließen doch fast alle mit einer 1.x ab. Von daher ist natürlich erstmal die Frage zu klären, woran man einen schlechten Informatiker erkennt, wenn nicht an der Abschlussnote. Die Programmierfähigkeiten sind da je nach dem nur ein sehr schwacher Indikator. Und dass man Informatik abschließt ohne eine mathematische Formel lesen zu können kann ich mir auch schwer vorstellen. Auf was für eine Uni warst Du bitte, dreaddy?
-
dreaddy schrieb:
Mindestens 50% der Informatik Absolventen können kein Programm schreiben
muss man auch nicht, im Uni Studium wirst du viele Sachen machen, die nichts mit Programmierung zu tun hat. Meine Programmierfähigkeiten habe ich nicht wegen der Uni, sondern weil ich mich dafür interessiere und außerhalb der Uni selbtständig weiterbilde.
dreaddy schrieb:
dass länger als eine Seite ist oder eine mathematische Formel auch nur lesen.
das ist schon wahr, traurig aber wahr, aber das liegt nicht direkt an den Studenten sondern an den blöden tollen Unireformen, Abschaffung von Diplomstudiengänge für Bacherlor (Uni Freiburg als Bsp), Entschärfung von den Matheveranstaltungen, damit möglichst viele Leute in so wenig Zeit wie möglich einen "Abschluss" haben, mit dem man sofort arbeiten kann. Diese Dekadenz kam mit dem Bacherlor Studiengang. Ich war jahrelang Tutor und als die Bacherlor kamen, ging die Leistung in den Keller, weil 80% der Studenten da sind, um einen Abschluss zu bekommen und nicht um sich weiter zu bilden, ergo, keine Motivation, keinen Bock auf Vorlesung, Übungsstunden, usw. Klar gibt es Ausnahmen, gute Leute gibt es immer. Und die Studiengebühren helfen da gerade auch nicht.
dreaddy schrieb:
Trotzdem scheinen diese Leute fast alle irgendwo einen Job zu finden... das Mysterium besteht nur darin, dass niemand weiß... wo und als was eigentlich?
[getrolle]die gehen zu Microsoft und entwickeln Windows Vista ;)[/getrolle]
Was einem auszeichnet ist nicht das Wissen, was man aus der Uni mit sich nimmt, was in Wirklichkeit sehr wenig ist, sondern die Fähigkeit sich neues Wissen anzueignen und dieses anzuwenden. Das wird zumindest in der Industrie erwartet.
-
dreaddy schrieb:
Trotzdem scheinen diese Leute fast alle irgendwo einen Job zu finden... das Mysterium besteht nur darin, dass niemand weiß... wo und als was eigentlich?
Einen Job zu bekommen hat nichts mit den benötigten Skills für den Job zu tun...
-
@Shade: Hast du nicht auch ein Studium begonnen in Wien? Studierst du noch?
MfG SideWinder
-
supertux schrieb:
muss man auch nicht, im Uni Studium wirst du viele Sachen machen, die nichts mit Programmierung zu tun hat. Meine Programmierfähigkeiten habe ich nicht wegen der Uni, sondern weil ich mich dafür interessiere und außerhalb der Uni selbtständig weiterbilde.
Das Studium ist die einmalige Gelegenheit, sich solche fortgeschrittenen Grundlagenkenntnisse anzueignen. Das sollte man nicht vertun. Wer nach einem Informatikstudium nicht programmieren kann, der lernt es auch nicht mehr auf einem vernünftigen Niveau.
Was einem auszeichnet ist nicht das Wissen, was man aus der Uni mit sich nimmt, was in Wirklichkeit sehr wenig ist, sondern die Fähigkeit sich neues Wissen anzueignen und dieses anzuwenden. Das wird zumindest in der Industrie erwartet.
Nur für Detailkenntnisse. Wenn ich mich hier hinsetzen würde und erstmal tagelang Bücher über bspw. C++ wälzen würde, da wär die Freude seitens meiner Vorgesetzten aber groß
Was nicht heißt, dass die Fähigkeit zur Aneignung neuer Kenntnisse unwichtig ist, im Gegenteil.
-
dreaddy schrieb:
Egal ob ich nun an meine Hochschule schaue oder die Erfahrungsberichte von anderen Unis und FHs lese:
Mindestens 50% der Informatik Absolventen können kein Programm schreiben, dass länger als eine Seite ist oder eine mathematische Formel auch nur lesen.Das ist glaub ich übertrieben. Es gibt zwar immer ein paar die das nicht können, aber 50% halte ich für viel zu viel. Oder hast du offizelle Quellen und nicht nur "Internet-Foren-Berichte"?
this->that schrieb:
Und Programmierfähigkeiten sagen nahezu garnichts über einen Informatiker aus.
Doch, wenn man Programmierfähigkeiten nicht nur als Codetippen ansieht, dann sagt es sogar enorm viel aus. Wenn einer gute Software entwickeln kann, dann kann er auch in der Theorie nicht so schlecht sein. Oder was sagt denn deiner Meinung nach viel über einen Informatiker aus?
-
C.Santa schrieb:
this->that schrieb:
Und Programmierfähigkeiten sagen nahezu garnichts über einen Informatiker aus.
Doch, wenn man Programmierfähigkeiten nicht nur als Codetippen ansieht, dann sagt es sogar enorm viel aus. Wenn einer gute Software entwickeln kann, dann kann er auch in der Theorie nicht so schlecht sein. Oder was sagt denn deiner Meinung nach viel über einen Informatiker aus?
Ich sehe mich als Informatiker sehr viel universeller einsetzbar, als in der Softwareentwicklung. Ich hatte auch nie die Idee in dieser Branche zu arbeiten. Die Meinung, dass man als Dipl.Inf. ein ausgezeichneter Programmierer sein muss, scheint aber doch recht verbreitet zu sein.
Gruesse, mm
-
SideWinder schrieb:
@Shade: Hast du nicht auch ein Studium begonnen in Wien? Studierst du noch?
Hab das Studium begonnen und dann unterbrochen weil es schrecklich uninteressant war.
-
Das mit 50% kann ich nur auf meine Hochschule beziehen und ist dort leider keine Übertreibung, mag bei euch anders (gewesen) sein, vielleicht zu wenig Killerfächer im Grundstudium, im Hauptstudium gehts ja eh nicht mehr ums bestehen.
Dennoch höre ich in diesem Bezug nicht unbedingt viel besseres von Bekannten.Sinn des Studiums ist es ganz klar nicht, besonders gute Code-Tipper für die Wirtschaft heranzuzüchten, wer den Bereich Softwareentwicklung und alles andere was Schmerzen im Kopf verursacht(also auch theoretische Sachen, die nicht unmittelbar was mit Software zu tun haben) von vorn herein ausschließt nimmt sich aber trotzdem den Großteil seiner Jobmöglichkeiten.
Trotzdem würd ich viele studierte Absolventen(!) aufgrund ihrer Unselbstständigkeit, Unfähigkeit sich in etwas einzuarbeiten und ihres mangelnden Fachwissens nichtmal dann einstellen, wenn sie umsonst bei mir arbeiten würden, da mir einfach keine Verwendung für sie einfallen würde, wo sie mehr nutzen als schaden und ihren Sitzplatz rechtfertigen.
-
Ich find die Frage von dreaddy nicht unberechtigt, interessiert mich selbst irgendwie auch. Die 50% sind vielleicht etwas übertrieben, aber bei uns gabs schon auch einige, die eigentlich nix wirklich konnten sich aber dennoch irgendwie "durchgemogelt" haben... Frag mich manchmal auch was die dann machen, aber ich nehme mal an dass die wohl auch ganz normal irgendwo landen...
-
Bashar schrieb:
Das Studium ist die einmalige Gelegenheit, sich solche fortgeschrittenen Grundlagenkenntnisse anzueignen. Das sollte man nicht vertun. Wer nach einem Informatikstudium nicht programmieren kann, der lernt es auch nicht mehr auf einem vernünftigen Niveau.
Unsinn. Der Informatik Studium ist kein Programmierstudium, keine Ahnung, warum Leute sich das einreden wollen. Ich kenne sehr gute Informatiker (Leute, die teilweise mit mir angefangen haben), die keine Zeile Quellcode (bis auf die 0150-hello-world-in-java Programme der Einführungsveranstaltungen) geschrieben haben und sehr erfolgreich sind. Die Informatik ist mehr als "Software schreiben", dass heute ein sehr großer Teil sich damit befasst, heißt nicht, dass es ausschließlich drum geht.
Bashar schrieb:
Nur für Detailkenntnisse. Wenn ich mich hier hinsetzen würde und erstmal tagelang Bücher über bspw. C++ wälzen würde, da wär die Freude seitens meiner Vorgesetzten aber groß
ich habe nicht über Programmiersprachen geredet. Wenn ich als C++ Programmier eingestellt werde, dann darf der Arbeitgeber erwarten, dass ich C++ kann und nicht, dass ich erstmal C++ lernen muss.
Aber bleiben wir auf dem Bsp Programmieren: Als ich eingestellt wurde, wurde ich gefragt, ob ich weiß, was der CAN-Bus ist. Nein sagte ich. Dann haben sie mir erstaml Doku darüber gegeben (den DSP-301 um genau zu sein) und einen Motor. "Den musst du zum Laufen bringen, er läuft über CAN". Es ging nicht darum "kannst du C?" sondern "hast du die Fähigkeit, in ein komplett neues Gebiet einzusteigen und es zu meistern?" Und genau das habe ich von der Uni bekommen, nicht das Programmieren, nicht die Information über CAN, sondern wie ich die Herangehensweise, wie man das Problem löst. Das ist ein großer Unterschied und hat mit deinen "Detailkenntnisse" nichts zu tun.
-
Programmieren ist nicht die Haupttätigkeit des Informatikers. Nur während des Grundstudiums wird etwas programmieren gelernt. Im Hauptstudium hat man die Wahl zwischen Fächern aus Theoretischer Informatik (Beweise, Algorithmen+Parameterabschätzung, ...), Praktischer Informatik (Protokolle, Datenbanksysteme, Software-Systemarchitekturen, ...) und Technischer Informatik (Schaltkreis Entwurf, Bussysteme, Antennen, ...)
Programmieren ist da nur Handwerkszeug. Wenn man es nicht kann und in einer Gruppe ist wo ein anderer die Aufgaben übernimmt kann man ganz gut ohne durch das ganze Studium kommen. Nach dem Studium ist man als Dipl Informatiker eigentlich auch viel zu teuer für Programmieraufgaben. Das können dann ander machen. Am Ende entscheidet man selber was man macht.
Bei Wincor Nixdorf hatten wir zum Beispiel einen TU-Berlin Informatik Absolventen. Der hat nur darauf geachtet das wir den Source korrekt im CVS eingeloggt haben. Er hat ein bisschen an den Kompileskripten herumgefrickelt, aber ansonsten hätte auch ein Harz4'ler den Job machen können. Der war der Prototyp einer Flachnase: Inf studiert, in einer SW Abteilung gelandet, zu "unbegabt" um ihn an die SW zu lassen, also hat man ihm eine Deppenaufgabe übertragen. Wenn er dann Abends rumgegangen ist und Druck gemacht hat, "wir sollen doch den Source pünktlich einloggen" (damit das Arsch den Kompiler anwerfen konnte um pünktlich zu Hause zu sein) hat er sich maximal unbeliebt gemacht.
Ähnliche Typen sind mir dann auch bei Siemens begegnet. DiplInfler die nur Dienst nach Vorschrift gemacht haben. Die haben sich nicht in eine Sache hineingekniet. Sind in unsere Abteilung versetzt worden, werden einem dann als ATM Experten vorgestellt die einem dann bei der Arbeit unterstützen sollen und haben wirklich Null Ahnung (weil Sie nur einen ATM Lehrgang besucht haben). Und das Schlimme, Sie interessieren sich auch nicht für Ihre Arbeit. Denen muß man alles vorsetzen und Ihre Arbeit vorausplanen. 17 Uhr gehts nach Hause in die Freizeit, am anderen Morgen gehts wieder bei 0 los. Das war nicht nur einer sondern mehrere.
Die Leute die eine Ausbildung bei Siemens und danach ein kooperatives Studium (Siemens/Uni) absolviert haben und dann in unserer Abteilung gelandet sind waren alle so. Vollkommen uninteressiert an Technik. Viel zu weit weg von der Praxis. So wie Papi sagt "mach doch eine Banklehre, dann ist Dein Job sicher", so ähnlich sind die vermutlich zu Siemens gekommen. *brrr*Auf der anderen Seite habe ich bei der Firma bei der ich jetzt bin viel Kontakt mit Sales Leuten. Darunter auch DiplInfer. Die wissen zwar nicht was man machen muß wenn man von "Rechner anpingen" spricht, füllen Ihren Job aber ansonsten sehr engagiert aus. Es kommt also darauf wie man später seinen Job ausfüllt. Man muß als DiplInfer nicht alle Felder eines "Hackers" abdecken.
-
supertux schrieb:
Bashar schrieb:
Das Studium ist die einmalige Gelegenheit, sich solche fortgeschrittenen Grundlagenkenntnisse anzueignen. Das sollte man nicht vertun. Wer nach einem Informatikstudium nicht programmieren kann, der lernt es auch nicht mehr auf einem vernünftigen Niveau.
Unsinn. Der Informatik Studium ist kein Programmierstudium, keine Ahnung, warum Leute sich das einreden wollen. Ich kenne sehr gute Informatiker (Leute, die teilweise mit mir angefangen haben), die keine Zeile Quellcode (bis auf die 0150-hello-world-in-java Programme der Einführungsveranstaltungen) geschrieben haben und sehr erfolgreich sind. Die Informatik ist mehr als "Software schreiben", dass heute ein sehr großer Teil sich damit befasst, heißt nicht, dass es ausschließlich drum geht.
Dass Informatik ein Programmierstudium ist, hab ich nicht geschrieben, bitte genauer lesen.
Inwiefern sind denn diese Leute "sehr gute" Informatiker? Woran machst du das fest, worin besteht ihre Tätigkeit?Aber bleiben wir auf dem Bsp Programmieren: Als ich eingestellt wurde, wurde ich gefragt, ob ich weiß, was der CAN-Bus ist. Nein sagte ich. Dann haben sie mir erstaml Doku darüber gegeben (den DSP-301 um genau zu sein) und einen Motor. "Den musst du zum Laufen bringen, er läuft über CAN". Es ging nicht darum "kannst du C?" sondern "hast du die Fähigkeit, in ein komplett neues Gebiet einzusteigen und es zu meistern?" Und genau das habe ich von der Uni bekommen, nicht das Programmieren, nicht die Information über CAN, sondern wie ich die Herangehensweise, wie man das Problem löst. Das ist ein großer Unterschied und hat mit deinen "Detailkenntnisse" nichts zu tun.
Nein, eigentlich ging es um die Detailkenntnis "CAN-Bus". Dass du dir die aneignen kannst ist klar. Und hättest du keine Ahnung von Programmierung oder Digitaltechnik hättest du das nicht hingekriegt.
-
C.Santa schrieb:
this->that schrieb:
Und Programmierfähigkeiten sagen nahezu garnichts über einen Informatiker aus.
Doch, wenn man Programmierfähigkeiten nicht nur als Codetippen ansieht, dann sagt es sogar enorm viel aus. Wenn einer gute Software entwickeln kann, dann kann er auch in der Theorie nicht so schlecht sein. Oder was sagt denn deiner Meinung nach viel über einen Informatiker aus?
Gehe ich recht in der Annahme, dass du nicht Info studiert hast?
-
this->that schrieb:
Gehe ich recht in der Annahme, dass du nicht Info studiert hast?
Ich glaube, hier reden einige mit, die kein Informatik studiert haben...