[Nationale Unabhängikeit, EU, Deutschland, "USE"]Wie groß sollte ein Land sein?
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So groß wie möglich (wobei "möglich" hier schon sehr einschränkend gemeint ist. Ich glaube nicht, dass eine Weltregierung möglich ist.), aber nur solange die kleineren Strukturen (Städte, Bundesländer etc.) genug Autonomie haben (=> Föderalismus). Denn was hier eine vernünftige Entscheidung ist, ist woanders vielleicht eine Katastrophe.
Deshalb ist es ja so schade, dass die EU so undemokratisch ist und sich einfach einen Stamm korrupter, volksfremder und schmieriger Politiker herangezogen hat.
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minhen schrieb:
ChrisM schrieb:
In förderalistischen Systemen existiert ja immer die Tendenz, "unfairen" oder "ruinösen" Wettbewerb verbieten zu wollen, ...
So eine Tendenz existiert aus naheliegenden Gründen überall, wo man miteinander auskommen will. Auch auf höchster, internationaler Ebene. Beispiel Welthandelsorganisation.
Also führt Zentralisierung der Verwaltung meistens dazu, dass Wettbewerb abgeschafft wird. Ich verstehe nicht, wieso ihr versucht, das dann noch zu bestreiten, wenn du es gerade zugegeben hast.
Interessant ist aber doch die Frage, was ein globaler Staat denn bringen soll. Also ich meine, er soll laut euch ja föderalistisch sein, aber gleichzeitig über WTO, WHO, UN usw. hinausgehen. Wie sähe das Modell denn aus? Wären die Gesetze weltweit die gleichen oder gibt es nur weltweite Richtlinien, wie sie jetzt z.B. schon die EU für Europa aufstellt?
minhen schrieb:
Die erste Frage ist: Wieso willst du bewaffnete Streitkräfte für externe Einsätze haben, wenn es niemanden gibt, der extern ist?
Und die zweite Frage ist: Wer ist das Gegengewicht zur Polizei in "normalen" Staaten, wie z. B. Deutschland?
Oder anders formuliert: Ich halte deinen Einwand für nicht sonderlich durchdacht.Die Polizei ist nun doch etwas anders als das Militär organisiert oder hast du schonmal etwas von einem Polizeiputsch gehört?
Viele Grüße
Christian
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ChrisM schrieb:
Also führt Zentralisierung der Verwaltung meistens dazu, dass Wettbewerb abgeschafft wird. Ich verstehe nicht, wieso ihr versucht, das dann noch zu bestreiten, wenn du es gerade zugegeben hast.
Du sagtest, dass es innerhalb eines Staats keinen Wettbewerb geben könne. Dem wurde mit Hinweis auf die Realität widersprochen. Dann sagtest du, dass dann zumindest eine Tendenz gegen völlig freien Wettbewerb bestünde. Dem wurde nicht widersprochen, sondern mit Hinweis auf die Realität gezeigt, dass eine solche Tendenz auch zwischen Staaten existiert.
Deine Aussagen sind also nicht nur undruchdacht, sondern gehen ganz offensichtlich auch völlig an der Frage vorbei. Für das Thema Staat/kein Staat ist das Thema Wettbewerb/kein Wettbewerb völlig unerheblich. Das ist, was ich dir durch die Blume klar zu machen versuchte: Es gibt Wettbewerb innerhalb von Staaten und es gibt Regulation außerhalb von Staaten.
Dein Thema Wettbewerb hat mit der Staatenfrage an sich also erst einmal überhaupt nichts zu tun. Was ist eigentlich dein Problem, dass du glaubst, hier gegen imaginäre Feinde ankämpfen zu müssen?Die Polizei ist nun doch etwas anders als das Militär organisiert oder hast du schonmal etwas von einem Polizeiputsch gehört?
Also noch einmal in aller Deutlichkeit: Ein "Weltstaat" bräuchte kein Militär, sondern hätte wie jeder normale Staat als bewaffnete Kraft für Inneres die Polizei. Und Polizeikräfte sind nicht auf externe Staaten als Gegengewicht angewiesen. (Das Militär eigentlich zwar auch nicht, da dieses ebenfalls in den Staat und dessen Kontrollmechanismen integriert sein kann und sollte. Aber da Militär in unserem Szenario hier sowieso überflüssig ist, brauchen wir auch nicht extra darüber zu reden.)
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ChrisM schrieb:
... wenn föderalistische Elemente existieren (von denen aber weiter oben nie die Rede war).
Es hat sie aber auch niemand ausgeschlossen.
ChrisM schrieb:
Also führt Zentralisierung der Verwaltung meistens dazu, dass Wettbewerb abgeschafft wird. Ich verstehe nicht, wieso ihr versucht, das dann noch zu bestreiten, wenn du es gerade zugegeben hast.
Weil ein globales Staatensystem nicht zwangsläufig zentralisierte Verwaltung bedeuten muß. Stichwort Föderalismus. Die Frage ist wiedermal nicht, WAS man gestaltet, sondern WIE.
Ein zentrales Wirtschaftssystem würde z. B. Steuer- und Zollprotektionsmus ausschließen, der heutzutage einen fairen globalen Wettbewerb behindert und viele Staaten von der Entwicklung fern hält. So gesehen würde ein Wettbewerb überhaupt erst entstehen.Interessant ist aber doch die Frage, was ein globaler Staat denn bringen soll. Also ich meine, er soll laut euch ja föderalistisch sein, aber gleichzeitig über WTO, WHO, UN usw. hinausgehen. Wie sähe das Modell denn aus? Wären die Gesetze weltweit die gleichen oder gibt es nur weltweite Richtlinien, wie sie jetzt z.B. schon die EU für Europa aufstellt?
Es muß bestimmte Gesetze geben, die weltweit gelten (z. B. Strafrecht, Wahlrecht für die Zentralregierung, Menschenrechte). Es gibt aber einen Haufen Gesetze, deren Gültigkeit man lokal begrenzen kann- vielleicht sogar muß, um der kulturellen Vielfalt oder den ökologischen/ klimatischen Anforderungen verschiedener Regionen gerecht zu werden. Immerhin gibt es in Deutschland und in Europa sehr unterschiedliche Wahl- und Steuersysteme (wie oben schon gesagt), und auch das Gesundeitssystem kann man regional anpassen (schließlich braucht man in Schweden keine Malaria-Impfung und in Kenia keine Schnupfen-Medikamente). Wenn das auf kontinentaler Ebene funktioniert- ich weiß, perfekt ist es noch nicht-, warum nicht auch auf globaler Ebene?
Der große Vorteil eines globalen Staates läge immerhin darin, daß man globale Probleme mit globalen Mitteln anpacken kann. Bisher sind die Einzelstaaten dazu nicht fähig oder nicht willens oder zu wenig koordiniert, und die "gemeinsamen Anstrengungen" sind eher Worthülsen (siehe z. B. Kyoto-Protokoll, Dafour-Krieg, internationaler Terrorismus und Kriminalität u.v.m.). Und ein globaler Staat wäre Ausdruck einer umfassenderen Weltsicht, bei der alle im gleichen Boot sitzen. Sprichwörtlich der erweiterte Horizont. Worin liegen da die Nachteile für den Menschen?
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minhen schrieb:
Also noch einmal in aller Deutlichkeit: Ein "Weltstaat" bräuchte kein Militär, sondern hätte wie jeder normale Staat als bewaffnete Kraft für Inneres die Polizei. Und Polizeikräfte sind nicht auf externe Staaten als Gegengewicht angewiesen. (Das Militär eigentlich zwar auch nicht, da dieses ebenfalls in den Staat und dessen Kontrollmechanismen integriert sein kann und sollte. Aber da Militär in unserem Szenario hier sowieso überflüssig ist, brauchen wir auch nicht extra darüber zu reden.)
Natürlich brauchst du das Militär, schon allein um Sezessionen zu verhindern (die dürfen ja nicht stattfinden, wenn man für sich in Anspruch nimmt, einen Weltstaat zu errichten). Du kannst dir dazu ja mal den amerikanischen Bürgerkrieg anschauen, die Vereinigten Staaten mit ihren Bundesstaaten approximieren deinen gewünschten globalen Staat schon ganz gut.
Zum Rest schreibe ich nichts mehr. Ich hab weder Zeit noch Lust, mich zu wiederholen.
Viele Grüße
Christian
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Leider funktioniert Macht immer nur mit Unterdrückung und Kontrolle. Wer die Welt regieren wollte, müsste einen Überwachungsstaat par excellence aufbauen. Das geht nicht mit tralala und hopsasa. Alleine die Bürgervertretung und eventuelle Wahlen stellten schon eine gigantische logistische Herausforderung dar. Kann ich mir weder vorstellen noch wünschen.
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Erhard Henkes schrieb:
Leider funktioniert Macht immer nur mit Unterdrückung und Kontrolle. Wer die Welt regieren wollte, müsste einen Überwachungsstaat par excellence aufbauen.
Hmmm- ich glaube, ich lebe im falschen Staat, denn hier zulande kann ich das nicht nachvollziehen.
Du definierst Macht falsch, denn Du verwechselst das Ziel mit dem Mittel. Macht existiert, wenn die meisten Menschen dem "Machthaber" folgen. Das ist das Ziel. Gewalt ist ein Mittel, um dies zu erreichen. Es gibt aber - wie schon früher bemerkt - auch andere Mittel.
Im Prinzip könnte ein Weltstaat ähnlich funktionieren - mit einigen Anpassungen - wie ein Nationalstaat - nur daß es keine Grenznachbarn gibt. Also warum sollten die Modelle USA/Kanada/Schweiz u. a. nicht funktionieren? Dort braucht man doch auch keine Gewalt zur Unterdrückung- es muß niemand unterdrückt werden, weil die größte Mehrheit das Staatssystem unterstützt.
Sicher- im weltweiten Zusammenhang sind wir dafür heute noch nicht reif. Es hat ja auch noch niemand davon gespochen, den Weltstaat unter den jetzigen Bedingungen zu realisieren, sondern langfristig.
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Als langfristige Utopie oder Vision kann man das durchgehen lassen. Es könnte aber auch umgekehrt wieder zur Kleinstaaterei kommen (siehe Zerfall der UdSSR, Jugoslawien, CSSR, und sonstige). Darüber sollte man auch nachdenken. Es gibt hier zwei widerstrebende Kräfte (Gemeinschaftsgeist, Revierverhalten), daher sollten Extreme instabil sein.
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"Extreme" sind nicht per se instabil. Oder sind Kanada, USA, Australien ... aus europäischer Staatensicht etwa keine extremen Staatsgrößen? Die Sowjetunion und Jugoslawien zerfielen, weil der Machtapperat, der den Staat zusammenhielt, verschwand. Freiheitlich-demokratische Staaten in denen sich keine territorial repräsentierten Bevölkerungsgruppen benachteiligt oder bevormundet fühlen, sind dagegen offenbar stabil. Und die faktische Größe des Gebietes scheint dort keine Rolle zu spielen.
Sobald ein Staat die Interessen der Bevölkerungen gleich gut oder besser vertritt als eine wahrgenommene alternative Form ist der Staat stabil. Egal wie groß er ist. Und Gewalt oder Überwachung ist dann ebenfalls nicht notwendig. Solche Machtmittel sind nur notwendig, wenn man gegen den Willen der Bevölkerung etwas durchsetzen will. Dass so etwas ein starkes Element der Instabilität darstellt, ist wohl klar.
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Hallo
@Erhard: Du redest wirres Zeug.
chrische
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Die Welt ist wirr und nicht homogen. Man kann doch nicht davon ausgehen, dass mächtige Staaten ihre Vorherrschaft an die UN abgeben.
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Du konntest vor 100 Jahren auch nicht davon ausgehen, dass die damaligen europäischen Großmächte sich schon bald zu einem Staatenbund zusammenschließen und dabei eine Vielzahl von Hoheitsrechten aufgeben würden. Auch nicht, dass dieser Staatenbund so attraktiv sein würde und so viel Ausstrahlungskraft besäße, dass er immer weiter wächsen würde, weil immer mehr Staaten mitmachen wollen.
Was früher unvorstellbar war, ist heute Realität. Was früher selbstverständlich war, ist heute unvorstellbar.
Für wie realistisch hältst du einen Krieg zwischen Norddeutschen und Süddeutschen wie zuletzt vor 143 Jahren? Oder einen Krieg zwischen Deutschland und Italien wie vor 91 Jahren? Oder einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland wie vor gerade mal 64 Jahren? Das ist heute alles unvorstellbar.
Also sag niemals nie
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@minhen
Die Europäer haben aber auch eine gemeinsame kulturelle Basis und Vorstellungskraft. Und du siehst ja schon welche heftigen Diskussionen die Erweiterungen der EU in Richtung Osten/Balkan ausgelöst haben oder gar die Diskussion über einen türkischen Beitritt.Kanada, USA und Australien funktionieren ja im Grunde auch nur, weil man eine kulturell homogene Menschengruppe auf das Land losgelassen hat und die ursprünglichen Einwohner "beseitigt" hat und allen Neuankömmlingen versucht die Kultur aufzuzwingen.
Und wenn man sich anschaut, wie stark die Volksgruppen in Belgien zerstritten sind oder was in den letzten 10 bis 20 Jahren auf dem Balkan passiert ist.
@Erhard Henkes
Alles! Aber bloß nicht die UNO!
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rüdiger schrieb:
Kanada, USA und Australien funktionieren ja im Grunde auch nur, weil man eine kulturell homogene Menschengruppe auf das Land losgelassen hat und die ursprünglichen Einwohner "beseitigt" hat und allen Neuankömmlingen versucht die Kultur aufzuzwingen.
Ja, die meisten Amerkaner sind weiß und die größte Abstammungsgruppe sind die Deutschstämmigen. Dennoch sind die USA alles andere als homogen:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/00/Census-2000-Data-Top-US-Ancestries-by-County-1396x955.png
Spätestens bei den Gebieten mit afro-amerikanischer, mexikanischer, lateinamerikanischer, eskimo oder indianischer Mehrheit wirst du wohl kaum noch "homogen angelsächsisch" behaupten wollen, oder?Und wenn man sich anschaut, wie stark die Volksgruppen in Belgien zerstritten sind oder was in den letzten 10 bis 20 Jahren auf dem Balkan passiert ist.
Belgien und Balkan unstreichen doch, was ich die ganze Zeit sage. Beispiel Belgien. Wenn man einen Staat gründet und dabei bei einer zweisprachigen Bevölkerung die eine Sprache über die andere stellt, die eine zur Staats-, Verwaltungs- und Schulsprache erhebt und die andere als minderwertig verunglimpft, dann muss man sich nicht wundern, wenn man einen nachhaltigen Konfliktherd schafft. Wird eine solche Ungleichbehandlung im Laufe der Zeit noch durch wirtschaftlich-soziale Faktoren untermauert, wird der Konflikt nicht mehr so einfach lösbar.
Gibt es aber keine vergleichbare Ungleichbehandlung haben die Sprachgruppen dagegen auffällig wenig Probleme miteinander auszukommen, wie z. B. in Kanada und der Schweiz.
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minhen schrieb:
rüdiger schrieb:
Kanada, USA und Australien funktionieren ja im Grunde auch nur, weil man eine kulturell homogene Menschengruppe auf das Land losgelassen hat und die ursprünglichen Einwohner "beseitigt" hat und allen Neuankömmlingen versucht die Kultur aufzuzwingen.
Ja, die meisten Amerkaner sind weiß und die größte Abstammungsgruppe sind die Deutschstämmigen. Dennoch sind die USA alles andere als homogen:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/00/Census-2000-Data-Top-US-Ancestries-by-County-1396x955.png
Spätestens bei den Gebieten mit afro-amerikanischer, mexikanischer, lateinamerikanischer, eskimo oder indianischer Mehrheit wirst du wohl kaum noch "homogen angelsächsisch" behaupten wollen, oder?Den Neuankömmlingen wird in den USA ja auch der "American Way" "aufgezwungen". Nach ein oder zwei Generationen sind die Leute ja schon in der Regel sehr amerikanisiert. Eben wegen der wirtschaftlichen Möglichkeiten (die Leute sitzen nicht in Armut fest, sondern erlangen Wohlstand und somit Anerkennung). Die Afroamerikaner (ich glaube die 3. größte Bevölkerungsgruppe) kamen ja ohne einheitliche kulturelle Identität und was mitgebracht wurde, wurde ja versucht auszurotten.
Aber das scheint ja das zu sein, was du ohnehin sagst.
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Protektionismus ist ein typischer Zug in schwierigen Zeiten. Dann entscheidet sich wirklich, wo die Grenzen sind. Obama, auf den viele weltweit hoffen, weil USA einen so bedeutenden Anteil an der Weltwirtschaft hat, fordert für sein Konjunkturpaket die Klausel "Buy American". Das Geld soll im Land bleiben. Genauso wird Europa reagieren. Diese kommende Phase wird viele ernüchtern.
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rüdiger schrieb:
Den Neuankömmlingen wird in den USA ja auch der "American Way" "aufgezwungen". Nach ein oder zwei Generationen sind die Leute ja schon in der Regel sehr amerikanisiert.
Was ist so schlimm daran? An anderer Stelle diskutierten wir hier über die Integrationsleistungen für und von Türken in Deutschland. Jeder muß/ soll sich an das Land oder die Region anpassen, in das er kommt, das halte ich für normal. Wenn ein Ostfriese nach Bayern kommt, kann ich von den Bayern nicht erwarten, daß sie Friesisch lernen, nur um den Neuling zu verstehen- und umgekehrt.
Eben wegen der wirtschaftlichen Möglichkeiten (die Leute sitzen nicht in Armut fest, sondern erlangen Wohlstand und somit Anerkennung). Die Afroamerikaner (ich glaube die 3. größte Bevölkerungsgruppe) kamen ja ohne einheitliche kulturelle Identität und was mitgebracht wurde, wurde ja versucht auszurotten.
Nicht ganz: Es gab einige Dinge, die waren unausrottbar und wurden recht schnell "assimiliert" und sind heute fester Bestandteil der amerikanischen Kultur, z. B. die Musik (Jazz, Rap, Gospel u. ä.).