C++11-PRNGs



  • Nein, die PermutationEngine ist nicht gleichverteilt. Die erste gezogene Zahl kommt noch mit gleicher Wahrscheinlichkeit für alle Werte daher, die zweite schon nicht mehr -- der eben gezogene Wert kann nicht wieder kommen, und die anderen Werte werden entsprechend wahrscheinlicher. Die Laplace-Bedingung ist dann auch nicht erfüllt.

    Eine shuffle_order_engine funktioniert so, dass aus einem bestehenden Array von Zufallszahlen zufällig eine ausgewählt wird (die ist dann der Rückgabewert) und ihr Slot mit einer aus einem gewrappten Zufallszahlengenerator neu gezogenen Zahl überschrieben wird. Sowohl kann aus dem gewrappten Generator die selbe Zahl erneut gezogen werden als auch der selbe Slot zweimal hintereinander ausgewählt. Die shuffle_order_engine ist gleichverteilt, wenn der gewrappte Zufallszahlengenerator es ist, aber den formellen Nachweis dafür müsste ich herleiten oder im Knuth nachschlagen.

    Bei der uniform_int_distribution habe ich mich geirrt; die muss anscheinend tatsächlich auch hochskalieren können. Gut, die formalen Bedingungen für den Generator, den die uniform_int_distribution verlangt, erfüllt die PermutationEngine nicht, aber in diesem speziellen Anwendungsfall sollte eine zustandslose Implementierung von uniform_int_distribution Werte liefern, die so aussehen, als sei alles in Ordnung. Meine Vermutung mit der PermutationEngine<10> ist damit hinfällig.



  • seldon schrieb:

    Nein, die PermutationEngine ist nicht gleichverteilt. Die erste gezogene Zahl kommt noch mit gleicher Wahrscheinlichkeit für alle Werte daher, die zweite schon nicht mehr -- der eben gezogene Wert kann nicht wieder kommen, und die anderen Werte werden entsprechend wahrscheinlicher. Die Laplace-Bedingung ist dann auch nicht erfüllt.

    Wenn du forderst dass die Zahl die bei einer Ziehung rauskommen kann unabhängig von allen Zahlen davor ist, dann erfüllt das kein einziger PRNG.

    Natürlich ist diese Eigenschaft - bzw. eine gute Annäherung daran - für viele Dinge wichtig. Deswegen verwendet man ja auch für viele Dinge Generatoren die u.A. in möglichst vielen Dimensionen gleichverteilt sind.

    Ich kann aus den Artikeln zum Thema Gleichverteilung auch keine solche Forderung rauslesen. Da steht die Wahrscheinlichkeit muss für alle Zahlen gleich sein. Und das ist sie bei dem hier diskutierten Generator ja auch, wenn man kein Wissen über die davor gezogenen Zahlen hat. Und wenn man es hat, siehe oben, dann erfüllt das kein einziger PRNG.



  • Ein Generator, der 1 bis 100 hochzählt und danach wieder bei 1 anfängt, erzeugt keine gleichverteilten Zufallszahlen, bloß weil du beim ersten Ziehen nicht weißt, wo du dich in der Folge befindest.

    Ohne irgendetwas über den inneren Zustand einer PermutationEngine zu wissen, kann ich zwei Zahlen ziehen und nachweisen, dass für mindestens eine der Ziehungen die Laplace-Bedingung nicht gegolten hat, und damit ist der Generator nicht gleichverteilt.



  • hustbaer schrieb:

    Und das ist sie bei dem hier diskutierten Generator ja auch, wenn man kein Wissen über die davor gezogenen Zahlen hat. Und wenn man es hat, siehe oben, dann erfüllt das kein einziger PRNG.

    Ja doch schon, wenn man nur gezogene Zahlen kennt und nicht den gesamten PRNG Zustand, erfüllen das alle kryptographisch sicheren PRNGs, zumindest über eine bestimmte Periode.



  • @cooky451
    Genau. Selbst ein kryptographisch sicherer PRNG ist nicht unendlich aperiodisch - genau das ist ja der Punkt.

    @seldon
    Wo ist dann die Grenze?
    Ist ein LCG mit Periode 100 gleichverteilt?
    Einer mit Periode 1000? 10000? .... 10^10?
    Ein 16 Bit LFSR Generator? 32 Bit? 64 Bit?

    Woraus ich hinaus will, ist: alle PRNGs haben schwächen, und man kann nicht einfach beliebig irgendwo eine Grenze ziehen, und alles was auf der einen Seite ist gleichverteilt nennen und was auf der anderen Seite ist nicht gleichverteilt.

    Die Forderung dass die Kenntniss vorher gezogener Zahlen keinerlei Rückschlusse über die nächste gezogene Zahl erlaubt erfüllt kein einziger PRNG.
    Die Forderung dass, wenn man viele Zahlen hintereinander zieht, jede Zahl inetwa gleich oft auftritt, erfüllen sie alle.



  • Meines Erachtens sind Gleichverteilung und Abhängigkeit nacheinanderfolgender Zahlen zwei verschiedene Dinge. Beides sind Qualitätsmerkmale eines PRNGs.

    So ist eine Münze, die immer abwechselnd auf Kopf und Zahl liegt, sehr wohl gleichverteilt, obwohl eine offensichtliche Abhängigkeit nacheinanderfolgender Resultate besteht. Wie voraussagbar diese ist -- und zwar anhand der bisher gesehenen Zahlen, und nicht durch die Kenntnis der Implementierung -- entscheidet unter anderem, wie "gut" ein PRNG ist. Wie hustbaer sagt, kann man die nächste Zahl durch die Natur deterministischer Generatoren immer voraussagen, aber ob das von einem Blackbox-Standpunkt aus ebenfalls so gut möglich ist, ist eine andere Sache.



  • Ah. Ja, streng mathematisch gesehen sind keine PRNGs gleichverteilt, das ist ein Einwand. Letztendlich streiten wir uns wohl über die Qualität von Näherungen.

    Das Problem mit der vorliegenden Näherung (und letztlich mit der Definition von Gleichverteilung, die lediglich das gleich häufige Vorkommen von Zahlen verlangt) ist, dass die Eigenschaft der "Gleichverteilung" bei Operationen verloren geht, in denen sie bei mathematischer Gleichverteilung erhalten bliebe. Im vorliegenden Fall zum Beispiel würden bei der Hochskalierung sämtliche Fälle ausgeschlossen, für die aus der Engine zweimal der selbe Wert gezogen werden muss. Mit gcc 4.9 kriege ich mit folgendem Code:

    #include <algorithm>
    #include <iostream>
    #include <iterator>
    #include <random>
    #include <vector>
    
    template<unsigned int Range>
    class PermutationEngine
    {
    public:
        typedef unsigned int result_type;
    
    private:
        result_type Permutation[Range];
        std::size_t State;
        void Shuffle()
        {
            std::random_shuffle(std::begin(Permutation), std::end(Permutation));
        }
    
    public:
        PermutationEngine()
            : State(0)
        {
            for(std::size_t i = 0; i < Range; ++i)
            {
                Permutation[i] = i; // evtl. static_cast<result_type>(i)
            }
            Shuffle();
        }
    
        static /*constexpr*/ result_type min()
        {
            return 0;
        }
        static /*constexpr*/ result_type max()
        {
            return Range - 1;
        }
    
        result_type operator() ()
        {
            result_type Result = Permutation[State];
            if(++State == Range)
            {
                State = 0;
                Shuffle();
            }
            return Result;
        }
    };
    template<>
    class PermutationEngine<0>;
    
    int main() {
      PermutationEngine<10> rng;
      std::uniform_int_distribution<unsigned> dist(0, 99);
      std::vector<unsigned> vec(100);
    
      for(std::size_t i = 0; i < 10000000; ++i) {
        ++vec[dist(rng)];
      }
    
      for(std::size_t i = 0; i < vec.size(); ++i) {
        std::cout << i << ":\t" << vec[i] << '\n';
      }
    }
    

    folgendes Ergebnis:

    0:	0
    1:	111128
    2:	111507
    3:	110896
    4:	110777
    5:	110700
    6:	111027
    7:	111394
    8:	111341
    9:	110705
    10:	110830
    11:	0
    12:	110797
    13:	111241
    14:	111295
    15:	111257
    16:	110851
    17:	111132
    18:	110599
    19:	111425
    20:	111463
    21:	110925
    22:	0
    23:	111544
    24:	111432
    25:	111044
    26:	111170
    27:	111108
    28:	110980
    29:	111210
    30:	110905
    31:	111446
    32:	111295
    33:	0
    34:	110751
    35:	111142
    36:	111367
    37:	110501
    38:	111590
    39:	110889
    40:	110837
    41:	111084
    42:	111437
    43:	110725
    44:	0
    45:	111210
    46:	110786
    47:	111358
    48:	110676
    49:	111246
    50:	110749
    51:	111192
    52:	110860
    53:	110554
    54:	111232
    55:	0
    56:	111790
    57:	110779
    58:	111405
    59:	111420
    60:	111152
    61:	110710
    62:	110903
    63:	110947
    64:	111266
    65:	111341
    66:	0
    67:	111384
    68:	111080
    69:	110972
    70:	111991
    71:	111340
    72:	110849
    73:	111462
    74:	110679
    75:	111644
    76:	111283
    77:	0
    78:	110664
    79:	110799
    80:	111497
    81:	111124
    82:	110431
    83:	111723
    84:	111450
    85:	110701
    86:	110970
    87:	111300
    88:	0
    89:	111100
    90:	111101
    91:	111624
    92:	111045
    93:	111022
    94:	111759
    95:	110980
    96:	111001
    97:	110333
    98:	111369
    99:	0
    


  • seldon schrieb:

    Ein Generator, der 1 bis 100 hochzählt und danach wieder bei 1 anfängt, erzeugt keine gleichverteilten Zufallszahlen, bloß weil du beim ersten Ziehen nicht weißt, wo du dich in der Folge befindest.

    Ähm, doch?
    Alle 100 Zahlen kommen gleich oft vor, dachte das sei die Gleichverteilung.



  • Gleichverteilung ist eine statistische Verteilung (wie Normalverteilung, Poissonverteilung, etc.) und hat zunächst einmal gar nichts mit Zufallsgeneratoren zu tun.

    Da andere Kriterien wie Abhängigkeit hineinzuinterpretieren halte ich nicht für förderlich. Das führt nur dazu, dass wir uns einen neuen Begriff ausdenken müssen, wenn wir sagen wollen, dass die Werte gleich oft auftreten.



  • @seldon
    Dass der Generator "schlechte" Zahlen ausspuckt (ohne jetzt "schlecht" genauer zu definieren), hab' ich doch eh schon geschrieben. Ich denke das ist klar 🙂

    seldon schrieb:

    Letztendlich streiten wir uns wohl über die Qualität von Näherungen.

    Nö, wir streiten über die Bedeutung des Begriffs "gleichverteilt".

    seldon schrieb:

    Das Problem mit der vorliegenden Näherung (und letztlich mit der Definition von Gleichverteilung, die lediglich das gleich häufige Vorkommen von Zahlen verlangt) ist, dass die Eigenschaft der "Gleichverteilung" bei Operationen verloren geht, in denen sie bei mathematischer Gleichverteilung erhalten bliebe.

    Auch das ist theoretisch bei allen PRNGs der Fall. Die Frage ist nur wie kompliziert die Operationen sein müssen mit denen man die Gleichverteilung zerstören kann.

    Und was das "nie 2x hintereinander die selbe Zahl" Problem angeht: das Problem haben relativ viele andere Generatoren. LCGs und LFSR Generatoren spucken z.B. auch nie 2x hintereinander die selbe Zahl aus.



  • Entschuldigung für die lange Pause; ich bin die letzten Tage zu nichts gekommen. Ich hoffe, es zählt noch nicht als Thread-Nekromantie.

    So, wie ich das mal gelernt habe, ist Gleichverteilung so definiert, dass eine Zufallsvariable gleichverteilt ist, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Element der Ereignismenge eintritt, für alle Elemente der Ereignismenge gleich ist. Da bei PRNGs (und das hatte ich zunächst schlicht nicht bedacht) immer schon vorher feststeht, was die nächste Zahl sein wird, können sie unter dieser Definition nicht gleichverteilt sein -- im Grunde handelt es sich bei ihnen schlicht nicht um Zufallsvariablen. Das meine ich, wenn ich von "Näherungen" spreche.

    Wie man den Begriff der Gleichverteilung auf Pseudozufallszahlen überträgt, ist eine spannende Frage, aber allein die gleiche Häufigkeit der einzelnen Werte kann aus meiner Sicht nicht ausreichen, ohne den Charakter der stochastischen Definition völlig zu verlieren. Die Antwort, die sich mir aufdrängt, ist der χ2-Test, detailliert beschrieben z.B. in "The Art of Computer Programming, Vol. 2, Seminumerical Algorithms" in Sektion 3.3.1 (in der dritten Auflage). Kurz umrissen wird aus einer Stichprobe eine Prüfgröße

    V = Σ((Yi - npi)2 / npi)

    berechnet richtig sind, χ2-verteilt ist. Hier ist Yi = wie oft ein bestimmter Wert gezogen wurde, pi = vermutete Wahrscheinlichkeit, dass der Wert gezogen wird, n = Anzahl der Ziehungen, daher npi = erwarteter Wert von Yi. i läuft von 1 bis k, wobei k die Anzahl möglicher Werte ist.

    Bei einer PermutationEngine<k> ist die Abweichung der Prüfgröße von der zugehörigen χ2-Verteilung sehr groß (V liegt immer nahe bei 0), also kann man sie meines Erachtens nicht als gleichverteilt bezeichnen. Du hast Recht, dass das auch für einen linearen Kongruenzgenerator zutrifft, wenn man ihn über seine gesamte Wertemenge betrachtet und nicht vorher auf ein kleineres Intervall herunterrechnet.


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