Griechenland. Ein Land kurz vor dem Konkurs?



  • Alles richtig, was hier gesagt wird. Es geht aber nicht nur um Analyse oder Ideologie, sondern um die Einhaltung wichtiger internationaler Regeln.

    Es geht tatsächlich auch um die Einhaltung internationaler Regeln. Das Problem ist, dass die Möglichkeit zur Einhaltung der Regeln, also z.B. die Zurückzahlung von Schulden, durch die durchgeführte Politik möglich wird. Und spätestens dann kommt man auch wieder bei Ideologiefragen (Politik) und der Notwendigkeit einer korrekten Analyse der Problematik an.

    Meine Analyse ist, dass das Lohnstückkostengefälle in der Eurozone (wie oben dargestellt) die Ursache für die Probleme ist. Und die Schlussfolgerung daraus ist, dass man dieses Problem lösen muss, um die Beteiligten überhaupt in die Lage zu versetzen, Regeln einzuhalten und langfristige Stabilität wieder zu erlangen. Für das Problem gibt es drei Lösungen:

    1. Griechenland bekommt seine eigene Währung. Diese wertet drastisch ab (sog. "äußere Abwertung"). Das hat für die Importe zunächst die Wirkung, dass sie sich drastisch verteuern. Das von der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ausgewiesene Leistungsbilanzdefizit wird also erst einmal steigen, bis die Exportwirtschaft beginnt, von den sinkenden Preisen zu profitieren und Marktanteile zurückgewinnt. Diesen Effekt nennt man J-Kurven-Effekt. Für das Land bedeutet das, dass die teuren Importe zunächst schwerwiegende Probleme für die soziale und humanitäre Lage aufwerfen, weil sie nicht sofort durch eigene Produkte ersetzt werden können und die Exportwirtschaft auch zunächst teure Importe nicht finanzieren kann. Für Deutschland heißt das, dass zumindest gegenüber Griechenland unser Wettbewerbsvorteil sofort eliminiert ist. Dann haben wir zwar im Gegensatz zu Griechenland noch immer eine funktionsfähige Industrie, aber diese hat keinen Preisvorteil mehr.

    2. Griechenland (und die anderen Südländer auch) senkt seine Reallöhne nochmal um 20% (sog. "innere Abwertung"). Dann sind sie wieder Wettbewerbsfähig, haben aber gleichzeitig ihren Binnenkonsum ruiniert, der dann ebenfalls um 20% einbrechen wird. Gleichzeitig sinkt das Preisniveau in ähnlichem Ausmaß (Preisniveau folgt der Lohnentwicklung), es entsteht also Deflation, die nach überwiegender Meinung der Wirtschaftswissenschaftler eine wirtschaftliche Abwärtsspirale auslöst.

    3. Deutschland erhöht seine Reallöhne um 20%. Das wird hier etwas Inflation erzeugen, wir würden über der 2%-Zielmarke der EZB liegen. Der Binnenkonsum hier steigt, sodass die Exportabhängigkeit unserer Industrie abnimmt, bzw. unsere Importe zunehmen. Auf diese Weise baut sich das Ungleichgewicht ohne Deflationsspirale ab, man muss allerdings mit einer zeitweise erhöhten Inflation leben. Da die Reallohnsteigerungen oberhalb dieser Inflation liegen, kann man damit aber eigentlich gut leben.

    Strategien 2 und 3 führt man natürlich nicht über Nacht, sondern über einen Zeitraum von 5-10 Jahren durch. Bis zum Abschluss dieses Vorgangs bleibt nichts anderes übrig, als Griechenland irgendwie über Wasser zu halten - wenn man letztlich will, dass Schulden bedient werden können. Ich halte Strategie 3 für den besten Weg aus der Krise, weil er voraussichtlich die wenigsten Probleme aufwerfen würde.



  • der Schrecken ohne Ende wird wahrscheinlich fortgesetzt

    Ja, genau da liegt das Problem. Tsipras wollte nicht, dass er, seine Regierung und sein Volk "gedemütigt" wird. Genau dies hat er nun erreicht: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/schuldenkrise-griechen-stuermen-die-banken-13678129.html

    Wir - momentan noch als Zuschauer - finden das alles unwürdig und frodern ein Ende. Genau das schafft aber keiner, weil niemand dazu die klare Rolle und klare Regeln hat. Man hat den Fall einfach nicht vorher gesehen. Also muss man es politisch lösen. Genug starke Köpfe gibt es ja in Europa. Bin auf die Lösung gespannt. Es geht um Recht, Anstand und Verlässlichkeit.



  • pointercrash() schrieb:

    Nene, so kannst Du das nicht stehen lassen.
    Die Troika war durchaus verhandlungsbereit und hatte stets ein offenes Ohr für Alternativvorschläge zur reinen Austeritätspolitik.
    Davon waren auch die letzten Verhandlungen geprägt, was durch die griechische Presse als Diktat geschmäht wurde.

    lol. nein.

    Ich halte mich hier lieber doch raus. War nett Mr. X Post zu lesen, aber hier fehlt es hinten und vorne an den Grundlagen für eine Diskussion.

    PS:
    Also "Rule of Thumb": wenn Jemand eine Gruppe/Nation/Person/etc. bei so einer Diskussion als "böse" hinstellt, disqualifiziert sich selbst komplett. Man muss immer das ganze betrachten und wer das nicht kann, der ist kein relevanter Diskussionpartner.



  • GR hat seinen internationalen Gläubigern die Schulden nicht beglichen.
    Warum die Rating-Agenturen GR nicht auf D einstufen - der Default ist
    immerhin real eingetreten, weiß wohl nur die US Regierung 🤡



  • MrX hat es theoretisch korrekt dargestellt, sich allerdings auf die Beziehung D <--> Südliche Euro-Länder konzentriert. Wichtig für D sind aber die wirtschaftlichen Beziehungen zu USA, China, Japan etc.

    Die Frage ist vor allem, in welchen Bereichen GR in der Beziehung nach außen eine echte Stärke hat und damit sein Defizit und seine sich immer wieder auftürmenden Schulden abbauen kann. Man muss also das, was man aktuell importiert, selbst fertigen, soweit das möglich ist, wenn man kein Geld hat und nicht ständig um neue Sozialhilfen betteln. Das schafft m.E. nur eine Regierung der Mitte, die sich auf eigene Stärken besinnt, das Land vereint und nicht ideologischen Träumereien nachhängt, oder man muss mutig die Gemeinschaft verlassen und sein eigenes politisches Experiment durchziehen. Hier wird hoffentlich bald Klarheit geschaffen.

    Aktuell wird die EZB die griechischen Banken am Leben erhalten, und Tsipras wird klein bei geben, dann aber doch machen, was er will. Wichtiger ist, wer nach T&V an die Macht kommt.

    Zwei Punkte sind aber auch wichtig:

    1. Bei der Euro-Einführung wurde die Angleichung der Lebensverhältnisse versprochen. das ist gescheitert!
    2. Die Politik Merkels "Geldhilfe gegen Auflagen" in den letzten Jahren ist gescheitert (Anstieg der Arbeitslosen, Schulden GR: 50 -> 330 Mrd).


  • Hi,

    was mich vor allem mal interessieren würde, wer hat Merkel eigentlich dazu ermächtigt, den Griechen am Wochenende gegen Einlenken ein neues 35 Milliarden-Programm anzubieten?
    Das erfüllt aus meiner Sicht aber nun wirklich den Tatbestand der Veruntreuung.

    Auch nicht auszuschließen ist, dass der geplatzte Griechenland-Kredit vom IWF für Mdme Lagarde ihren Bürostuhl zu einem Schleudersitz macht. Lagarde hat sich da insgesamt mächtig weit aus dem Fenster gelehnt und in gutem Glauben den insgesamt mit größten Kredit des IWF überhaupt bewilligt, der wohl rund 1/3 des Geschäftskapitals des IWF ausmacht und der von den einzelnen zum größten Teil wesentlich ärmeren Mitgliedsländern des IWF aufgebracht wird. Sie hat also einen nicht unbeträchtlichen Anteil des IWF-Kapitalstocks an die Griechen verzockt. In deren Haut möchte ich jetzt nicht stecken.

    Aber die Griechen scheinen immer noch nichts begriffen zu haben. Bevor andere mit ihrer Hände Arbeit für die Griechen aufkommen müssen, sollen die sich erst mal selber untereinander helfen. Die Notwendigkeit für Hilfe von Außen sehe ich erst, wenn in GR keiner mehr mehr als 100.000 Euro besitzt. vorher soll man sich erst mal an die halten.

    Überhaupt gibt es weder ein Anrecht, noch eine Notwendigkeit, regelmäßig ein neues Auto, Handy, Anzug, Handtasche... zu bekommen. Solange keiner verhungert oder erfriert ist für die normale Bevölkerung noch keine wirkliche Armut ausgebrochen. Und statt Coca Cola tuts auch ein Schluck Wasser aus der Leitung oder Pumpe. Und wenns für Fleisch nicht reicht, muss man eben für begrenzte Zeit mal Mehlsuppe kochen. Das machen bei uns auch ne ganze Menge Rentner, Studenten oder alleinerziehende.

    Gruß Mümmel



  • Erhard Henkes schrieb:

    Wir - momentan noch als Zuschauer - finden das alles unwürdig und fordern ein Ende. Genau das schafft aber keiner, weil niemand dazu die klare Rolle und klare Regeln hat.

    Naja, man muß auch nicht unbedingt soviel Fernsehen.
    Man könnte ein Buch lesen wie z.B. "Das Kapital" von Marx, seinen Geburtshaus besuchen o.ä.
    Ich selbst hatte mal vor, geschichtliche Nachforschungen zu einem gewissen Pythagoras* zu betreiben, sozusagen als Aktivurlaubsvariante. Ich habe aber im Moment gar nicht so große Lust, nach Griechenland (oder woanders rund ums Mittelmeer) zu reisen.
    Was kann man stattdessen machen? Zum Beispiel draußen Spazieren gehen, einfach mal umschauen und lauschen, oder gar schnuppern, oder probieren. Am auffälligsten ist der Sound: wenig Vögel. wenig Bauarbeiten. wenig Kinder. wenig Insekten. weniger Rauschen in den Bäumen. weniger Autos und Mopeds o.ä.

    Ich finde es spannend, wenn Texte zu diesem Thema recht unterschiedlich oder oberflächlich ausfallen. Eine gute Infoseite ist wohl: http://plato.stanford.edu/entries/pythagoras/
    Ganz interessant ist nebenbei bemerkt auch: Die Zahl 666 kann man recht häufig auf Autokennzeichen sehen. Mit etwas guten Willen kann man dem Offenbarungstextscheiber/oder der -schreiberin ein gutes Gespür für eine Uhrorientierung
    * unterstellen. -> Wobei dazu wieder die eigentliche Zeit der Aufklärung in Frage gestellt werden muss. Die dürfte eher in der Zeit der Verbreitung des Christentums um das Jahr 800 herum gewesen sein. (Siehe hierzu auch z.B. http://kirchensite.de/bistumshandbuch/b/bistumsgeschichte-liudger/

    Denn um Christentum zu predigen bzw. dafür Werbung zu machen, kann doch nur vor dem Hintergrund einer zutiefst abergläubisch verwurzelten Kultur abgelaufen sein. Abergläubische Fundamentalisten. In dieser Zeit hatten christliche Aufklärer bestimmt ganz viel Spaß.

    ** a propos: http://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-chemie/schaltsekunde-2015-um-2-uhr-in-der-nacht-zum-1-juli-13677559.html



  • @muemmel: genau richtig, was Du da schreibst.

    Tsipras knickt offenbar immer mehr ein. Die EU hätte von Anfang an mehr Kontra geben sollen. Dennoch sehe ich - im Gegensatz zu den Börsen - nicht den geringsten Grund zum Optimismus, denn nun ist alles falsch.



  • Nun widersprechen sich auch noch Juncker, Hollande und Merkel in den zitierten Äußerungen. Schäuble sieht keine Basis für seriöse Verhandlungen/Absprachen. Tsipras zockt mal wieder. Rente mit 67: erst ab 2022. Vielleicht schafft er es doch noch, weiter ungeniert auf Pump zu leben. Ach ja, fast hätte ich es vergessen, er braucht mal schnell 29 Mrd. 😃



  • Jaja, der böse linke Tsipras fährt das Land an die Wand weil Linke bekanntlich nicht wirtschaften können. Wobei, die Schulden hat Tsipras eigentlich von der Vorgängerregierung "geerbt", die nicht links war. Und die Ursache für das Problem haben Neoliberale verschuldet. Ups.

    Dieses Griechen-Bashing ist lächerlich. Aber bei den Anderen lässt es sich bekanntlich am schönsten kürzen. Wenn Deutschland in dieser Situation wäre, würden die Rentner hierzulande auch nicht altruistisch auf ihre Rente verzichten wollen. Schaut euch an was hierzulande für ein Theater wegen dem Bau von Stromtrassen gemacht wird. Und das Ganze wegen ein paar bayerischen Bauern. Was glaubt ihr, was hier los wäre, wenn Renten gekürzt würden? Die Antwort ist lautet: Diejenigen die gegen die Griechen am lautesten schimpfen, würden als erste auf die Strasse gehen mit den Worten "Ich habe mir die Rente verdient".

    Nichtsdestotrotz glaube ich, dass es auch für die Griechen das beste wäre, wenn diese Bankrott gehen würden in Verbindung mit einem Schuldenschnitt und ggf. einer eigenen Währung.



  • Jaja, der böse linke Tsipras fährt das Land an die Wand weil Linke bekanntlich nicht wirtschaften können.

    Nein, das Problem begann 2007. Er gibt der ganzen Sache nur den Rest und entfernt Griechenland bewusst vom restlichen Europa. Beim "Referendum" weiß auch keiner mehr, um was es eigentlich genau geht. Selbst bei NEIN will er nun im Euro bleiben, ist auch egal, weil jeden Tag, manchmal sogar stündlich, anders.

    Er hat es mit seiner Unberechenbarkeit und Ziellosigkeit inzwischen geschafft, die extrem europafreundliche Frau Merkel in die Starre zu treiben.

    T&V verprellen alle, die restliche EU, den IWF, die eigene Notenbank. Als Nächstes folgt vielleicht das eigene Volk, das diese Polit-Clowns in "Frührente" schicken könnte.

    Fazit: Mit T&V geht nix mehr, was in der Praxis Sinn macht.

    Das griechische Volk muss das alles leider aushalten. Einen "Freund" hat es noch, nämlich die unerschütterliche EZB, die brav die Geldautomaten weiter füllt, zumindest in einem gewissen Rahmen. Ansonsten wäre schon längst Schicht im Schacht.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-ezb-verlaengert-nothilfen-fuer-griechische-banken-a-1041654.html



  • Ich glaube nicht, dass es die beste Option wäre, wenn Griechenland ausscheidet; eine vernünftige Steuerung der Währungsunion wäre besser im Interesse aller, weil feste Wechselkurse grundsätzlich etwas wünschenswertes sind (z.B. weil sie den Handel fördern). Nur sehe ich nicht, wie unsere wirtschaftspolitischen Köpfe eine Währungsunion steuern wollen, wenn sie die grundlegenden Funktionsprinzipien eines Währungsraums nicht verstanden haben, oder dieses Verständnis zumindest energisch leugnen. Die deutsche Regierung bestreitet ja - im Widerspruch zu nahezu allen internationalen Ökonomen, und im Widerspruch zu diversen internationalen Partnerländern - dass der deutsche Außenhandelsüberschuss ein Problem sein könnte. Deswegen gehe ich davon aus, dass ein Grexit langfristig unvermeidlich ist, weil uns die Währungsunion solange immer wieder um die Ohren fliegen wird, bis die Politiker verstanden haben, wie man sowas stabilisiert.

    Die Sache mit den Forderungen von Gläubigern und Schuldnern ist insgeamt ziemlich lächerlich. Natürlich kann man Bedingungen stellen, auch solche, von denen man weiß, dass der andere sie nicht annehmen kann, aber dann soll man nicht rumheulen, wenn man zurückgewiesen wird (egal für wie idiotisch man diese Entscheidung des Gegenübers hält). Das ist eben so in Verhandlungen, da hat jede Seite das Recht, "Nein" zu sagen. Von diesem Recht macht unsere Regierung ja übrigens auch derzeit Gebrauch. Und es täte allen Verhandlungspartnern auch gut, zu verstehen, dass der Gegenüber andere Vorstellungen von guter Wirtschaftspolitik hat. Ich halte ja das, was unser Land tut, für große Misswirtschaft, aber damit leben muss ich als Demokrat trotzdem, weil eine Mehrheit hierzulande anderer Auffassung ist. Aber ich fühle mich schon im Recht, wenn ich denselben demokratischen Anstand auch von der anderen Seite erwarte.

    MrX hat es theoretisch korrekt dargestellt, sich allerdings auf die Beziehung D <--> Südliche Euro-Länder konzentriert. Wichtig für D sind aber die wirtschaftlichen Beziehungen zu USA, China, Japan etc.

    Das stimmt, dass diese Beziehungen für uns wichtig sind. Es hat allerdings wenig mit dem Eurozonen-Problem zu tun, dass das Ergebnis einer inneren Abwertung ist. Die Eurozone als ganze ist nämlich in einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht, mit moderatem Leistungsbilanzüberschuss und stabiler Währung. Die innere Abwertung hat uns in Deutschland zwar auch im Handel mit Ländern außerhalb der Eurozone Vorteile verschafft (unser gigantischer Leistungsbilanzüberschuss), aber nur auf Kosten anderer Eurostaaten, deren Marktanteile wir übernommen haben (Deren Defizit. Anders formuliert: Damit nehmen wir nicht China, sondern den anderen Euroländern Anteile am Weltmarkt ab). Die Eurozone als Ganzes kann von einer inneren Abwertung nicht profitieren, weil in der Konsequenz der Euro sofort aufwerten würde. Der Außenhandel der ganzen Eurozone würde auch keineswegs beeinträchtigt, wenn diese wieder in ein Gleichgewicht gebracht würde, indem Deutschland seine Löhne erhöht. Deutschland würde dann zwar an Marktanteil verlieren, nicht aber die Eurozone. Ob dies Deutschland überhaupt absolut (und das ist die einzige relevante Größe, wenn es um unser Wohlbefinden geht) schadet, ist damit nicht einmal gesagt, wenn es gelingt, in diesem gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht ein insgesamt höheres Wachstum zu erzielen. Ohnehin habe ich ja auch bereits gesagt, dass wir unsere Export nicht einschränken müssen, sondern unseren Import an den Export anpassen müssen. Dann würden wir ja sogar mehr konsumieren als zuvor, uns ginge es dann also noch besser.



  • Selbst, wenn D die Löhne erhöhen würde, hilft das GR nicht wirklich. Ich poste jetzt bewusst einen Link, der bereits 5 Jahre alt ist, denn Tsipras ist nicht für die langfristige Entwicklung verantwortlich: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/produkte-aus-hellas-griechen-das-kaufen-wir-euch-ab-1984784.html

    Er bietet nur keinen Ausweg aus der Situation. Im Gegenteil, er zeigt überdeutlich auf, dass GR nicht in die EU gehört, zumindest nicht mit ihm, das hat er gestern gesagt. Den Euro nimmt er aber gerne von der EZB, zumindest geschenkt.



  • Erhard Henkes schrieb:

    Selbst, wenn D die Löhne erhöhen würde, hilft das GR nicht wirklich. Ich poste jetzt bewusst einen Link, der bereits 5 Jahre alt ist, denn Tsipras ist nicht für die langfristige Entwicklung verantwortlich: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/produkte-aus-hellas-griechen-das-kaufen-wir-euch-ab-1984784.html

    Der Artikel widerspricht mir nicht, ganz im Gegenteil. Die Produkte, die Griechenland damals exportierte, waren "leicht ersetzbare Zwischenprodukte", die sich "auch von anderen Abnehmern beziehen, wenn der Preis nicht stimmt". Das sind genau die Mechanismen, von denen ich rede. Weiteres Zitat: "Im Schiffsverkehr sind griechische Reeder bereits Weltspitze, und ihre Kapazitäten wären bei sinkenden Preisen wohl noch viel stärker gefragt." Das ist doch eben der Punkt, der Preis der griechischen Warem muss relativ zu den anderen Ländern sinken. Aber eben relativ, d.h. es wirkt genauso, wenn der Rest aufwertet. Griechenland hat durch Lohnsenkungen längst den Anteil kompensiert, um den im Vorfeld der Krise die Löhne dort zu stark gestiegen sind. Nur das reicht nicht, wenn in Deutschland und einigen kleineren Nordländern die Löhne zu schwach gestiegen sind, und diese Länder ihren Anteil nicht auch kompensieren.

    Natürlich wäre es naiv zu glauben, dass über Nacht in dem korrupten Land "blühende Landschaften" aus dem Nichts entstehen können. Die Strukturen dort sind ein erhebliches Hindernis beim Aufbau jeder Art von Wirtschaft, und würden den J-Kurven-Effekt (s.o.) einer äußeren Abwertung nach einem Grexit erheblich verlängern, sodass Griechenland dann im Grexit-Fall auch länger als ein weniger korruptes Land von der Eurozone gestützt werden müsste, wenn man eine humanitäre Katastrophe verhindern will. Aber der Artikel verdeutlicht, dass es durchaus Produkte gab, die Griechenland exportieren konnte, und das heißt, dass die Ausgangslage für außenwirtschaftliches Gleichgewicht besser sind, als man vielleicht erstmal glaubt. Diese Wirtschaft müsste nämlich glücklicherweise nicht aus dem Nichts entstehen, oder hätte dies zumindest vor 5 Jahren nicht gemusst. Nur sind die Voraussetzungen nicht gegeben, weil wir das Lohnstückkostengefälle nicht beseitigt haben...



  • Erhard Henkes schrieb:

    Er bietet nur keinen Ausweg aus der Situation. Im Gegenteil, er zeigt überdeutlich auf, dass GR nicht in die EU gehört, zumindest nicht mit ihm, das hat er gestern gesagt. Den Euro nimmt er aber gerne von der EZB, zumindest geschenkt.

    Du solltest mal probieren es aus Sicht von Griechenland zu sehen. Die Troika Vorgaben fuehren das Land ans Ende. Diese Vorgaben verschlimmern die Situation - wie du ja selber zugegeben hast.

    Was also ist die Loesung? Irgendwer muss eine Reissleine ziehen wenn der eingeschlagene Weg in eine Sackgasse fuehrt. Von der EU wird das Griechenlandproblem leider nur verschleppt, da kaum ein Politiker sich traut unpopulaere Massnahmen zu setzen. Das ist eben das doofe an einer Demokratie.

    Aber mich wuerde mal dein Loesungsvorschlag fuer das Problem interessieren.



  • Shade Of Mine schrieb:

    Du solltest mal probieren es aus Sicht von Griechenland zu sehen. Die Troika Vorgaben fuehren das Land ans Ende. Diese Vorgaben verschlimmern die Situation - wie du ja selber zugegeben hast.

    Vor den letzten Neuwahlen in Griechenland sah es so aus, als ob Griechenland gerade dabei war, die Kurve zu kriegen. Es hätte nicht mehr viel gefehlt. Die Neuwahlen haben aber natürlich alles verändert. Wer soll denn in der jetzigen Situation in Griechenland investieren?

    Es hat übrigens nie eine griechische Regierung die Reformen, die mit den internationalen Geldgebern ausgehandelt wurden, zu 100% umgesetzt. Vielleicht ist das ja auch ein Problem.



  • Gregor schrieb:

    Vielleicht ist das ja auch ein Problem.

    Das Problem ist jedenfalls, dass Fr. Merkel sich zu der Aussage durchringt.
    "Ein guter Europäer ist derjenige der sich an die Gesetze der EU hält."
    In Anbetracht der Rechtsbrüche innerhalb der EU, gibt es keinerlei "gute" Europäer 🤡
    Die Aussage aber soll dennoch den Schein erwecken, es gäbe sie.

    Normalerweise würde ich Straßenschlachten in Berlin und Paris erwarten.
    Das Bier ist eindeutig noch zu billig und das Werbefernsehen zu bunt !



  • Gregor schrieb:

    Shade Of Mine schrieb:

    Du solltest mal probieren es aus Sicht von Griechenland zu sehen. Die Troika Vorgaben fuehren das Land ans Ende. Diese Vorgaben verschlimmern die Situation - wie du ja selber zugegeben hast.

    Vor den letzten Neuwahlen in Griechenland sah es so aus, als ob Griechenland gerade dabei war, die Kurve zu kriegen. Es hätte nicht mehr viel gefehlt. Die Neuwahlen haben aber natürlich alles verändert. Wer soll denn in der jetzigen Situation in Griechenland investieren?

    Na das ist aber schon deutlich mehr als optimistisch betrachtet. Aber ein Fakt der rein Objektiv bewertbar ist, ist dass die Wirtschaft in Griechenland in der Zeit der Troika Vorgaben deutlich geschrumpft ist.

    Es hat übrigens nie eine griechische Regierung die Reformen, die mit den internationalen Geldgebern ausgehandelt wurden, zu 100% umgesetzt. Vielleicht ist das ja auch ein Problem.

    Das liegt in der Natur der Sache. So funktioniert die Welt eben. Griechenland kann ja gar nicht alle Vorgaben umsetzen, denn wenn sie es könnten, dann wären die Vorgaben zu lasch und das wäre sehr bedenklich.

    Deine Lösung wäre also gewesen weiter zu machen wie bisher. Gut, das kann man aus deutscher Sicht verstehen. Doof ist es halt für die EU als ganzen, aber prinzipiell ist es etwas dass die deutsche Position innerhalb der EU nur verbessert.



  • @Mr.X
    Wie stellst du Dir so eine Erhöhung der Löhne in Deutschland vor?
    Die Löhne entscheiden in D immer noch die Tarifpartner, bzw allgemein der Arbeitsmarkt.
    Dass sich die deutschen Arbeiter mit relativ geringeren Löhnen (bzgl. ihrer Wirtschaftsleistung) zufrieden geben ist eben auch Teil der "Tüchtigkeit" unseres Landes.
    Natürlich erarbeitet man sich so einen Vorteil gegenüber anderen Ländern, die für die gleiche Arbeit mehr verlangen, oder bei gleichem Lohn weniger leisten, früher in Rente gehen, etc.
    Diese Art von Konkurrenz zwischen Ländern muss wohl erlaubt sein
    Sie folgt dem Grundsatz, dass es dem Tüchtigsten am Schluss am besten gehen soll und daher jeder aufgerufen ist so tüchtig wie möglich zu handeln, sei es individuell oder als Staatsgemeinschaft.
    (Ich weiss, dieser Grundsatz gilt bei der Linken nicht unbedingt - Das ist letztlich die gleiche Diskussion zwischen Links und Rechts die auch innenpolitisch in jedem Land stattfindet)

    Ich halte nichts davon Schulden zu erlassen. Aus moralischen Gründen. Aber ich habe auch nichts dagegen, dass Gläubiger bei Zahlungsausfall auf ihren Schulden sitzen bleiben. Das ist eben das Risiko wenn man Geld leiht.

    Problem ist aber dass nicht die EZB (unser) Geld ausleihen sollte, denn uns hat niemand gefragt ob wir bereit sind das Risiko zu tragen. Warum kann sich nicht jedes Land selbst privat finanzieren?
    Dann kommt bei schlecht gewirtschafteten Ländern eben irgendwann der Punkt an dem ihnen niemand mehr Geld leihen will und sie einsehen müssen dass sie was tun müssen.
    Dann braucht es auch keine demütigende Auflagendiktate. Das Land muss selbst auf ne Lösung kommen und anpacken.



  • Vielleicht doch ein wenig Fernsehen:
    http://www.youtube.com/watch?v=fy6BE0F6dkE

    (Früher gab es in Griechenland das Orakel von Delphi -> http://de.wikipedia.org/wiki/Orakel_von_Delphi . Das Vergnügen des Vorhersagens wurde leider von einem christlichen Kaiser beendet. Den Begriff "Drachen" gibt es in der Originalversion nicht, dort heißt es "Let's go fly a kite", der Bezug ist also eher deutsch. 😉 )

    @scrontch es gibt sein einiger Zeit die Umsetzung von "Mindestlöhnen".
    Die deutschen Arbeiter? Die sind wohl eher "jung und dumm"(?)(könnten bei Bewerbungsgesprächen fette Boni heraushandeln...). Die (ältere und größer werdende Mehrheit bezieht Rente + Einkommen aus Aktien(-spekulationen), Versicherungs- oder Wohnungsspekulationen usw.
    Der Spruch mit der "Tüchtigkeit" ist nicht wirklich weit von "Arbeite und Bete" entfernt.
    (Und für die griechische Wirtschaft sind die vielen Kontrollen nicht so toll. Es könnte helfen, wenn man das ganze Land in eine zentrale "Offshore"handelszone verwandelt (von der auch andere südliche Länder profitieren können)).


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