Brexit - was bedeutet das für die EU?



  • Um den Brexit war es längere Zeit ruhig. Nun gibt May allerdings wieder die Richtung vor. Sie wird England zum Brexit führen, sei er noch so hart. Noch im ersten Quartal wird May das Austrittsgesuch Großbritanniens bei der EU-Zentrale einreichen. Es geht in Großbritannien vor allem auch um den Stopp der unkontrollierten Einwanderung. Hierbei geht es nicht nur um Migranten aus Nahost oder Afrika, sondern auch um Menschen aus den EU-Ländern, z.B. Deutsche oder Polen.

    Merkel nennt das "Freizügigkeit", die zur EU dazu gehört. Hier hat sie mal recht, denn so war das eigentlich auch gedacht mit der EU, obwohl die starken Länder diese Gleichstellung der Bürger nicht wirklich wollen. Ideal und Wirklichkeit klaffen auseinander.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa-may-offenbar-zu-hartem-brexit-bereit-14656093.html

    Die Frage ist, was bedeutet ein "harter Brexit" für uns als Deutsche?

    Hart bedeutet zunächst zwei Jahre Verhandlungen. Die Unternehmen, die von Europa abhängen, wissen dann zumindest, dass sie ein Standbein in der EU benötigen. Frankfurt, Hamburg, Berlin werden hier sicher profitieren. Die Börse wird das alles gar nicht gut finden, wenn die EU zwei Jahre lang kaputt diskutiert wird. Kommt noch ein weiteres Land hinzu, ist der Euro als Weltwährung nicht mehr zu halten. Das übernehmen dann wieder US-Dollar, Rinminbi und vielleicht auch Yen.

    Die EU hat aktuell keinen guten Stand. Donald Trump sieht die EU sogar als wirtschaftliches und politisches Spielfeld der Deutschen mit der von ihm mehrfach geschmähten Frau Merkel an der Spitze. Zusammen mit Großbritannien könnte die USA versuchen, die EU fianziell und wirtschaftlich massiv unter Druck zu setzen. Diese Entwicklungen könnten 2017/18 prägen. Die ständig unglücklich agierende Merkel und manche europäischen Hampelmänner geben der Sache den Rest. Die deutschen Bürger bewundern jetzt schon heimlich Trump und May, und auch Putin. Manche sicher auch Erdogan. Starke Persönlichkeiten sind zur Zeit gefragt. Merkel gehört hier m.E. nicht mehr dazu.



  • Das wirkliche - ganz stark emotionale - Ziel der Abkehr von Brüssel und dem EU-Gerichtshof besteht darin, Kontrolle über die Zuwanderung aus der EU zurückzuerhalten und die verhasste EU-Personenfreizügigkeit zu beenden, die dazu führt, dass Personen vom "Kontinent" den armen Insulanern den Job vor der Nase wegschnappen. Nun wird UK ein Billigland mit weichem Pfund, und das bedeutet mittelfristig Wirtschaftswachstum. Wenn die Achse mit USA gegen die EU klappt, dann wird das ein Gewinn für UK.

    Allerdings müssen die Bürger und die Parlamente es dauerhaft wollen. May will das Resultat der Austrittsverhandlungen (sollte in spätestens zwei Jahren soweit sein) in beiden Kammern zur Abstimmung stellen. Das ist der schwache Punkt dabei. Diese Ungewissheit schafft Probleme für die Wirtschaft und den Bankensektor. Das ist gar nicht gut für Europa. Wenn noch ein Sargnagel dazu kommt, muss Brüssel (nicht Merkel) ganz schnell reagieren.



  • Inzwischen erkennen wir, dass der Brexit für UK eine engere Bindung an USA bedeutet. D.T. schätzt May, weil sie den Mumm hat, Merkel et. al. und ihrer Europa- und gleichzeitig Islamophilie eine sehr deutliche Abkehr zu erteilen. D.T. muss mehr von seiner schottischen Mutter erzählen, dann nehmen auch die Schotten diese Kurve nach Westen. 😉



  • Wenn Trump nicht vollends dämlich ist, lässt er May dann noch ein wenig zappeln, wenn ihr langsam klar wird, daß sie in der EU nichts mehr bekommt und bereit ist, jeden Deal anzunehmen.



  • Eigentlich müsste man den Titel erweitern, denn neben England wollen vielleicht auch bald die Niederländer ganz oder teilweise aussteigen. Die niederländische Regierung prüft momentan, welche Auswirkungen es hat, wenn man aus dem Euro aussteigt. Die NL wollen wahrscheinlich zur neuen Schweiz werden. Le Pen in Frankreich hadert mit der EU, sogar mit der NATO, träumt wohl von der alten Grande Nation. Es fehlt nur noch der Kolonialismus. Griechenland hätte nie im Euro dabei sein dürfen.

    Die EU als ganzheitliches Modell und der Euro als Zwangsgemeinschaft werden immer heikler. Die Nationalstaaten möchten sich bevorzugt selektiv bedienen, egal um was es dabei geht. Damit kippt die EU von Governance auf Service. Warum nicht?

    Was ist gar, wenn Geert Wilders demnächst die Führung übernimmt? Dann geht es nicht nur um den Euro, sondern um eine "Entislamisierung". Was dies für den Zusammenhalt der Gesellschaften bedeutet, ist nicht abzusehen. Wie wird sich Deutschland mit seinen Millionen von Muslims verhalten? Hier sind gewaltige Verschiebungen vorprogrammiert. Merkels Geschwätz wird bald keiner mehr hören wollen.



  • Geert Wilders hat es nicht geschafft. Ob Le Pen siegen wird, ist ebenso ungewiss. Die Frage ist, wie es bei einem Zusammenbruch des Euro und der EU für Deutschland weiter geht. Was bedeutet es für die Unternehmen, die Sparer, die Rentner und die jungen Leute, die am Anfang ihres Arbeitslebens stehen? Abgesehen von den Vermögen geht auch ein Traum zu Ende, nämlich die Vision eines friedlich vereinten Europas, eine Idee, die von Deutschland und Frankreich ausging. Vielleicht kann man die EU in der alten Form retten, der Euro wird nicht stabil bleiben, weil man den nationalen Währungsausgleich im System vergessen hat.



  • Erhard Henkes schrieb:

    ... weil man den nationalen Währungsausgleich im System vergessen hat.

    Hihi 🙂
    Nicht vergessen, ausgschlossen 😃
    Oldie but Goldie:
    https://www.tichyseinblick.de/wp-content/uploads/2015/02/wahlplakatCDU-686x686.jpg



  • abbes schrieb:

    Erhard Henkes schrieb:

    ... weil man den nationalen Währungsausgleich im System vergessen hat.

    Hihi 🙂
    Nicht vergessen, ausgschlossen 😃
    Oldie but Goldie:
    https://www.tichyseinblick.de/wp-content/uploads/2015/02/wahlplakatCDU-686x686.jpg

    Das war eine üble Lüge! Politiker kann man grundsätzlich nicht über den Weg trauen.



  • Das Plakat war keine Lüge. Höchstens wenn man unterstellt, daß schon damals klar war, daß man sich nicht an den Vertrag von Maastricht halten will.



  • Swordfish schrieb:

    Das Plakat war keine Lüge. Höchstens wenn man unterstellt, daß schon damals klar war, daß man sich nicht an den Vertrag von Maastricht halten will.

    Der Vertrag war/ist ein Papiertiger. Es kann schon damals niemand ernsthaft geglaubt haben, dass eine komplexes Gebilde aus vielen Staaten, Volkswirtschaften, kulturellen Unterschieden, etc. sich stetig den Konvergenzkriterien entspricht.
    Die Personen mit Sachverstand taten es auch nicht:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/25-jahre-maastricht-wovor-die-euro-kritiker-schon-frueh-warnten-14852243.html

    Von daher ja, das Plakat war eine Lüge. Heute würde man es wohl als postfaktisch bezeichnen. Ein mahnendes Beispiel für den mangelnden Sachverstand von Politikern und deren Beratern, die agieren wie die Protagonisten eine Puppentheaters.



  • Puppentheater - der nächste Akt: Das britische Unterhaus wird neu gewählt. Das Volk soll dem Irrsinn ein zweites Mal seine Zustimmung geben.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/theresa-may-grossbritannien-soll-am-8-juni-vorzeitig-waehlen-a-1143687.html

    Aktionen mit solcher Wichtigkeit kann man nicht mit einfacher Mehrheit durchziehen. Das kippt einfach zu rasch. Da fehlt die Hysterese. Das ist wie der Großstadt-Status in Kaiserslautern. Über 100000: Großstadt, unter 100000: keine Großstadt. Das geht in den letzten Jahren hin und her, weil die Hysterese fehlt.
    Die dort lebenden ca. 50000 US-Amerikaner werden nicht gezählt. So geht das überall in der Politik und der Verwaltung, einfach kindisch. 😃

    Die Wahl hat die hohe Volatilität der Volksmeinung gezeigt. Die Abläufe sind schlicht und einfach zu langsam. Politiker-Geschwätz und Realität sind weitgehend entkoppelt. Man nennt das auch Basis-Ferne.



  • Nun dreht sich der Wind schon wieder. Die Finanzwelt und die Wirtschaft haben echt ihren Spaß mit den aktuell agierenden Dünnbrett-Politikern. Macron ist der einzige Politiker, der aktuell den Ton angeben kann. Er könnte Merkel und ihren jämmerlichen EU-Kurs in die Knie zwingen und die EU ganz neu erstrahlen lassen. Wirklich interessant. Vielleicht aber auch nur ein Macron-Hype.
    http://www.onvista.de/news/eu-politiker-stellen-briten-abkehr-vom-brexit-in-aussicht-64714233



  • Erhard Henkes schrieb:

    Er könnte Merkel und ihren jämmerlichen EU-Kurs in die Knie zwingen

    Macron wird Frankreich nach deutschem Vorbild weiter Richtung Marktkonformer Demokratie treiben.

    Und ja, mit Deutschland wirds etwas zoff geben, man wird sich mit dem Lohndumping duelieren und schauen wers besser macht. Also ja, kann sein dass er Merkel in die Knie zwingt, aber der Kurs bleibt der Gleiche.



  • Macron schwächelt in der Tat bereits nach einem Monat. Es war ein Hype. Personen erhalten offensichtlich mehr Zustimmung, wenn sie keine Kanten zeigen. Merkel ist diesbezüglich die "ideale Stehauffrau", auch wenn sie eigentlich keine richtige Lust mehr hat an Politik und Wahlkampf. Die EU hat damit keine Person, die sie aus dem Sumpf zieht.

    In UK bahnt sich allerdings eine wirklich interessante Entwicklung an: Eine neue Partei gegen den Brexit, oder genauer für den Exit aus dem wirtschaftlich bedrohlichen Brexit, dies sei angeblich im Interesse der Bürger, da der Brexit keine positiven Seiten hätte, sondern im Wesentlichen langfristige Nachteile für die Wirtschaft.

    Ich denke, das könnte sogar klappen und würde letztendlich die EU stabilisieren. Ansonsten dürfte es im Osten weitergehen mit Fluchtversuchen aus der EU, e.g. in Polen und Ungarn. Es geht ums Ganze.

    https://www.welt.de/politik/ausland/article167713732/Ex-Tory-Berater-gruendet-Partei-zum-Exit-vom-Brexit.html



  • Umfragen zeigen, dass die Zustimmung zur EU in Deutschland deutlich zugenommen hat. Dies dürfte auf Macron und den Brexit zurückzuführen sein. Nun hat man mit UK endlich ein Beispiel, wie es einem Land geht, wenn es aus der "EU-Sekte" ausscheren will. Interessant.
    https://www.welt.de/politik/ausland/article168345178/Die-ploetzliche-Rueckkehr-der-Europa-Euphorie.html
    Kritisch ist die Lage in Italien. Dort hat die Begeisterung für die EU dauerhaft Schaden genommen. Offensichtliche Gründe sind der Euro und die Migration.

    Angeblich bringt die EU für Deutschland viele Vorteile. Eine sachliche Analyse hierzu habe ich bisher nicht gesehen. Es gibt auch mehr Beurteilungskriterien als Geld.

    Meine Meinung: Die Begeisterung für Europa war genau genommen nie da, nirgends. Man musste das den Bürgern immer aufschwätzen und mit Krieg zwischen den Nationen als Alternative drohen. Der Euro hat dem unfertigen Gebilde nun den Todesstoß versetzt.



  • Hi Erhard,

    Erhard Henkes schrieb:

    Der Euro hat dem unfertigen Gebilde nun den Todesstoß versetzt.

    Nein, nicht der Euro sonder Merkels Flüchtlingspolitik und das "Benehmen" der Flüchtlinge hier in den Ländern.
    Merkel kann sich mit gutem Gewissen als Totengräberin der EU sehen. Auch wenn die untote Leiche EU noch nicht ganz umgefallen ist, so modert und stinkt sie doch schon gewaltig an allen Ecken und Enden und existiert nur noch deshalb, weil ihr noch keiner deutlich genug gesagt hat, dass sie tot ist.

    Gruß Mümmel



  • @muemmel: Völlig richtig.

    Die Engländer wollen eigentlich in der EU bleiben, weil sie schlicht und einfach Schiss haben. Sie können sich mit den Ostblock-Ländern kurzschließen bezüglich Umgang mit Migranten.


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