Warum ist fuer Chefs immer alles einfach?



  • Hallo allerseits,

    wie ja einige von euch wissen, mache ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker
    AE. Im Rahmen dieser Ausbildung ist es bis jetzt meine Aufgabe gewesen, eine
    Software umzuschreiben (auf Windows zu portieren), welche bis dato unter DOS
    laeuft.

    Nun bin ich schon seit 2 Jahren dran dies alleine zu tun. Mein Ausbilder,
    Leiter der Softwareabteilung, bekommt staendig andere Aufgabe und kann mir in
    gut 60-65% der Faelle nicht weiterhelfen, da er anderes zu tun hat. Der
    Quellcode ist zu 90% undokumentiert. Variablennamen alla 'a, b, c, d' oder
    'll_subs_lls' sind so aussagekraeftig, dass ich schon vor dem Hinschauen weiss,
    was fuer einen Sinn die Variable hat. Dokumentation in ausgedruckter Form liegt
    nicht vor.

    Ich habe sehr grosse Probleme das Programm umzuschreiben. Die Datenverarbeitung
    ist mit der grafischen Anzeige verschmolzen. Es ist nicht ohne
    weiteres moeglich, z. B. Berechnungsroutinen zu portieren, weil diese auch
    gleich die grafische Anzeige mit beinhalten.

    Planung hat es bei uns nicht gegeben. Der erste Tag an dem ich hier war meinte
    unser Chef: "Schmeisst die alte Version einfach in ein Projekt vom BCB
    und uebersetzt es. Dann geht ihr hin und beseitigt einfach einen Fehler
    nach dem anderen".

    Da hab ich ja schon en Halz gehabt, bei dieser dummen Aussage.

    Staendig kam er an und wollte endlich mal was vom Programm sehen. Mir kommt es
    so vor, als wenn er denken wuerde, dass bei uns das so schnell gehen wuerde
    wie in der Internetentwicklung. Die aendern en paar Zeilen am Code und zack
    sieht man die Aenderung auf der Website.

    So geht das aber nicht, wenn man eine Software portiert. Wenn man da 'Zack'
    macht und dann hat man ein Problem

    Da sieht er einmal, wie ich ne Form erstelle (oder besser gesagt, von der alten
    Software nachgestellt habe) und sah, wie einfach das doch mit dem BCB
    ist. Schon kommt die naechste dumme Bemerkung: "Ja dann macht doch schnell die
    Formen und dann ist ja ein Grossteil des Programms schon fertig"

    Sind wir irgendwie ein wenig Realitaetsfremd?

    Mehrere Deadlines konnten nicht eingehalten werden. Ich finde aber nicht, dass
    der Grund der war, dass ich zu langsam bin, sondern einfach weil mir mein
    Ausbilder nicht helfen kann.

    Bis vor ca. 3 Monaten habe ich an dem Programm alleine entwickelt und
    mein Ausbilder konnte nur ab und zu mal was mithelfen. Dazu kommt, dass ich
    die Software Anfangs natuerlich gar nicht kannte. Das tat aber nicht alzu sehr
    was zur Sache. War halt egal. Software portieren kann man ja auch so, der Code
    muss ja nur durch den Compiler gehn, evtl. Abstuerze behoben werden.

    Vor 2 Wochen hatten mein Ausbilder und ich eine Unterhaltung mit meinem Chef,
    in der es darum ging ob unser Produkt noch weiterentwickelt werden soll, oder
    nicht. Er sagte, dass er es aus betriebswirtschaftlicher Sicht sehen muss und
    da im Moment das Projekt nur Kosten verursacht und keine Einnahmen bringt, ist
    das schlecht und das akzeptiere und weiss ich auch.

    In der Unterhaltung wollte er wissen, warum das so lange dauert. Mein Ausbilder
    hat ihm versucht das zu erklaeren, ihm beizubringen, dass man manchmal
    eine Woche benoetigt, um zu verstehen was ein Stueck Code eigentlich tut. Wo
    evtl. Flags gesetzt werden und warum dies so gemacht wird. Irgendwie hat er da
    gegen eine Wand gesprochen.

    Dann sagte unser Chef folgendes:
    "Entweder ist es einfach ein Stueck Code zu portieren, mit kleineren
    Anpassungen, oder es ist einfach die Funktionalitaet des Codestuecks
    nachzuprogrammieren, man weiss ja, wie sich das Programm verhaelt"

    Dazu muss ich doch nichts sagen, oder?. Er setzte uns eine Frist bis zum 6.8
    (ende dieser Woche) und meinte, dass mein Ausbilder in dieser Zeit dann eben
    mal nichts anderes tut, als mit mir zusammen an dem Projekt zu arbeiten. Und
    da die Frist ja so unglaublich wichtig ist, musste mein Ausbilder in der
    Zwischenzeit schon 2x zu einem Kunden fahren, Preise fuer Lampen aus dem
    Internet suchen, als die Lampen ankamen, diese montieren und diese Woche dann
    an 2 Tagen eine Schulung halten.

    So unglaublich wichtig ist fuer ihn dieser Termin.

    Warum zum Teufel finden Chefs alles immer nur so einfach? Sind die vielleicht
    ein wenig Realitaetsfremd?

    Oder bin ich einfach nur zu bloed, um die Software umzuschreiben? Ich weiss das
    meine Faehigkeiten in C++ noch nicht sehr fortgeschritten sind. Aber es kann
    doch nicht sein, dass ich allein als Auszubildender eine Software
    umschreiben muss, oder?

    Oder bin ich wirklich einfach nur zu dumm dazu?

    mfg
    v R


  • Mod

    virtuell Realisticer schrieb:

    Warum zum Teufel finden Chefs alles immer nur so einfach? Sind die vielleicht ein wenig Realitaetsfremd?

    Ohne auf die technische Seite einzugehen muß ich ganz klar sagen:

    Ja, für Chefs ist immer alles einfach, und das ist durchaus auch sinnvoll.

    Die Chefposition bedeutet, daß man bereits Informationsverdichtung betreibt, da man mehr Leute unter sich hat. D.h. als Chef für sagen wir 5 Leute kann man sich nicht mehr mit allen Problemen der 5 * 40 h = 200 h Arbeitszeit der 5 Leute befassen. Man muß also Aufträge zusammenfassen, Informationen verdichten und damit Dinge auch auf einfache Zusammenhänge reduzieren.

    Anders wäre die Pyramidenform der Arbeitswelt nicht steuerbar.

    Richtig gestellt ist aber Deine Frage, ob man als Chef realitätsfremd sein darf... auch als Chef sollte man immer noch ein Gefühl dafür haben, welchen Tiefgang eine Vereinfachung einer Aufgabe hat.

    In der Software ist das aber manchmal problematisch, weil die Chefs damals, als sie selbst noch ausführend waren, keine Software der heutigen Komplexität erstellten - ihnen fehlt das Gefühl für die Tiefe der Vereinfachung. Das scheint bei Software wesentlich häufiger vorzukommen als bei Elektrik oder Mechanik, dort werden gegebene Aufgaben wesentlich häufiger sachlich und fachlich richtig eingeschätzt.



  • wow, da hat sich aber jemand den frust von der seele geschrieben... 😉

    der Software ist das aber manchmal problematisch, weil die Chefs damals, als sie selbst noch ausführend waren, keine Software der heutigen Komplexität erstellten - ihnen fehlt das Gefühl für die Tiefe der Vereinfachung. Das scheint bei Software wesentlich häufiger vorzukommen als bei Elektrik oder Mechanik, dort werden gegebene Aufgaben wesentlich häufiger sachlich und fachlich richtig eingeschätzt.

    👍 dem kann ich zustimmen ... mein chef beim ferialpraktikum würde wahrscheinlich lieber noch mit lochkarten arbeiten 😃

    mfg
    c.reiner



  • Dieser Hilferuf kommt viel zu spät.
    Du bist Auszubildender, und als solches kann keiner Arbeiten von Dir verlangen, mit denen so mancher Profi ein fettes Problem hätte (zumindest kann man Dir dann nichts vorwerfen, wenn es nicht hinhaut).
    Dass Dein Ausbilder Dir da bislang nicht beigestanden hat, sagt einiges über den Betrieb aus (schlage FFH's "Cheffe versenken" vor).

    Ich hoffe, dass hier noch jemand über genügend Erfahrung verfügt, welche Instanzen es noch gibt, die Dir da aus der Patsche helfen können, denn hier ist dringend Unterstützung von außen angesagt - was da passiert, sieht sehr nach Mißbrauch einer Ausbildungsstelle aus.



  • hey, was soll ich dann von meinem ferialpraktikum sagen? 😉



  • Marc++us schrieb:

    virtuell Realisticer schrieb:

    Warum zum Teufel finden Chefs alles immer nur so einfach? Sind die vielleicht ein wenig Realitaetsfremd?

    Ohne auf die technische Seite einzugehen muß ich ganz klar sagen:

    Ja, für Chefs ist immer alles einfach, und das ist durchaus auch sinnvoll.

    Die Chefposition bedeutet, daß man bereits Informationsverdichtung betreibt, da man mehr Leute unter sich hat. D.h. als Chef für sagen wir 5 Leute kann man sich nicht mehr mit allen Problemen der 5 * 40 h = 200 h Arbeitszeit der 5 Leute befassen. Man muß also Aufträge zusammenfassen, Informationen verdichten und damit Dinge auch auf einfache Zusammenhänge reduzieren.

    Ok, das sehe ich ein. Nur darf es meiner Meinung nach nicht so sein, dass man
    beim Chef gegen eine Wand redet. Natuerlich muss er das Betriebswirtschaftlich
    sehen und auch mir macht es keinen Spass, dass das so lange dauert. Aber wir
    koennen ihm sagen was wir wollen, er biegt es sich irgendwie so zurecht, dass
    es einfach klingt. Und das ist IMHO falsch! Ich will ja auch endlich mal einen
    Status erreichen, in dem ich die Software weniger umschreiben, als viel mehr
    weiterentwicklen kann. Nur der Code ist so unglaublich unsauber...oft sitze ich
    Tage an einer Funktion und lese sie mir tausendmal durch, nur um zu verstehen,
    was der Autor der Funktion eigentlich machen will. Staendig wird irgendwo im
    Code das Rad neuerfunden, wo ich mich frage: "Warum ist nicht einfach die
    C-Funktion xyz verwendet worden"...aber ich schweife wieder zu sehr ab.

    Anders wäre die Pyramidenform der Arbeitswelt nicht steuerbar.

    Richtig gestellt ist aber Deine Frage, ob man als Chef realitätsfremd sein darf... auch als Chef sollte man immer noch ein Gefühl dafür haben, welchen Tiefgang eine Vereinfachung einer Aufgabe hat.

    In der Software ist das aber manchmal problematisch, weil die Chefs damals, als sie selbst noch ausführend waren, keine Software der heutigen Komplexität erstellten - ihnen fehlt das Gefühl für die Tiefe der Vereinfachung. Das scheint bei Software wesentlich häufiger vorzukommen als bei Elektrik oder Mechanik, dort werden gegebene Aufgaben wesentlich häufiger sachlich und fachlich richtig eingeschätzt.

    Ich habe meinem Chef schon oefters (und auch meinem Ausbilder) gesagt, dass ich
    die Software nicht alleine umschreiben kann. Wie soll das auch gehen? Im Moment
    ist es so, dass ich Funktionen nehme und diese umschreibe, ohne den Code 100%
    zu kennen. Das ist meinerseits ja auch falsch. Nur wenn ich den Code erstmal
    haette zu ca. 75-80% aneignen muessen, dann waere wahrscheinlich ein Jahr
    draufgegangen, ohne das ich ne Zeile Code geschrieben haette.

    Vielleicht irre ich mich auch. Vielleicht sollte ich auch froh sein, dass ich
    gleich in meiner Ausbildung einem solchen Projekt ausgesetzt bin, um in der
    Zukunft einem Chef vielleicht sofort sagen zu koennen "Das wird so nicht
    moeglich sein, dazu muss xyz gemacht werden".

    Aber im Moment nervt es einfach nur. Von irgend einer grossartigen Hilfe seitens
    des Chefs kann man nicht sprechen. Er ist nur fuer die Internetentwicklung da,
    was sein Heiliges Produkt jetzt ist. Ich habe das Gefuehl, als wenn es ihm egal
    waere, was mit der Softwareentwicklung passiert.

    Weiss ja auch nicht. Im Moment habe ich echt lust auf gar nichts mehr und
    normalerweise verliere ich nicht so schnell die Lust an etwas. So, jetzt hab
    ich schon wieder soviel geschrieben, wollt ich eigentlich gar nicht, jetzt
    muesst ihr wieder soviel lesen.

    wow, da hat sich aber jemand den frust von der seele geschrieben... 😉

    Ja, musste einfach mal raus.

    mfg
    v R



  • Die Problematik wird darin bestehen, dass die helfen könnenden zuständigen Institutionen die Situation auch nicht einschätzen können werden...

    Ich habe das Gefuehl, als wenn es ihm egal waere, was mit der Softwareentwicklung passiert.

    Das wäre vermutlich die für alle Beteiligten unschädlichste Lösung des Problems.



  • virtuell Realisticer schrieb:

    Im Rahmen dieser Ausbildung ist es bis jetzt meine Aufgabe gewesen, eine Software umzuschreiben (auf Windows zu portieren), welche bis dato unter DOS laeuft.

    das problemfeld ist mir wohl bekannt. ich hab mal bei ner diplomarbeit geholfen, wo es drum ging nen ganzen großen haufen fortran auf windows zu bringen.

    Nun bin ich schon seit 2 Jahren dran dies alleine zu tun. Mein Ausbilder, Leiter der Softwareabteilung, bekommt staendig andere Aufgabe und kann mir in gut 60-65% der Faelle nicht weiterhelfen, da er anderes zu tun hat. Der Quellcode ist zu 90% undokumentiert. Variablennamen alla 'a, b, c, d' oder 'll_subs_lls' sind so aussagekraeftig, dass ich schon vor dem Hinschauen weiss, was fuer einen Sinn die Variable hat. Dokumentation in ausgedruckter Form liegt nicht vor.

    2 jahre? ich dachte, das schafft man in ner woche. (kleinen scherz gemacht.)

    Ich habe sehr grosse Probleme das Programm umzuschreiben. Die Datenverarbeitung ist mit der grafischen Anzeige verschmolzen. Es ist nicht ohne weiteres moeglich, z. B. Berechnungsroutinen zu portieren, weil diese auch gleich die grafische Anzeige mit beinhalten.

    Planung hat es bei uns nicht gegeben. Der erste Tag an dem ich hier war meinte unser Chef: "Schmeisst die alte Version einfach in ein Projekt vom BCB und uebersetzt es. Dann geht ihr hin und beseitigt einfach einen Fehler nach dem anderen".
    Da hab ich ja schon en Halz gehabt, bei dieser dummen Aussage.

    ich sollte auch mal "nur nen fehler wegmachen". zum glück war der chef ein ganz netter, der auf meinen bescheidenen vorschlag "dat ding ist durch und duch kaputt, man sollte es wohl neu schreiben" eher sowas wie "ok, machen sie das" sagte. aber er ging wirklich von ner hand von fehlerchen aus, wo in wirklichkeiit tausende drin waren.

    Sind wir irgendwie ein wenig Realitaetsfremd?

    ja, definitiv ja. aber das hat jetzt nix mit dem thema zu tun.

    Dann sagte unser Chef folgendes:
    "Entweder ist es einfach ein Stueck Code zu portieren, mit kleineren
    Anpassungen, oder es ist einfach die Funktionalitaet des Codestuecks
    nachzuprogrammieren, man weiss ja, wie sich das Programm verhaelt"

    Dazu muss ich doch nichts sagen, oder?.

    nee, echt nicht. lol.

    Oder bin ich einfach nur zu bloed, um die Software umzuschreiben.

    naja, wenn du zu blöd wärst, was wären dann bitte deine mitauszubildenden? eigentlich hab ich den eindruck, daß du satt überm durchschnitt liegst.

    Ich weiss das meine Faehigkeiten in C++ noch nicht sehr fortgeschritten sind. Aber es kann doch nicht sein, dass ich allein als Auszubildender eine Software umschreiben muss, oder?

    lernst du in der ausbildung eigentlich was? ich meine, bringt man dir irgend was bei? außer der berufsschule und zwei wochen pro jahr nen innerbetrieblichen kurs?

    meine erfahrung ist, daß sich mit den "alles-ganz-einfach"-chefs nicht gescheit arbeiten ließ. wenn sie dumm wie der kunde sind, kann ich auch mit dem kunden selber aushandeln, was er braucht. nur durfte ich es nicht.
    aber bei solchen chefs war ich nur ganz kurz. normalerweise konnten chefs mir sinnvoll unter die arme greifen (doku besorgen, an die ich alleine nicht kam, auch wenn ich einmal nerven mußte, bis ich die kreditkarte bekam, warum nicht gleich so?) und hatten reelle vorstellungen davon, wie lange was dauert.
    einer hat sogar immer montags sich den neuen code vorstellen lassen, indem er windiff anwarf, den neuen mit dem alten verglich und sich jede (außer völlig offensichtlichen) änderung erklären ließ. wirklich ne gute sitte. wenn der code nicht nur einem "hat's der compiler geschluckt", sondern auch einem "warum?" standhalten muß, wird er gut. und chef weiß genau woran er mit mir ist, kein wundern, warum etwas lange dauert.

    also ich würde sagen, deine chefs sind suboptimal. mit viel unterstützung wärste auch bestimmt mit dem projekt schon lange fertig. (viel nicht vom zeitlichen aufwand, jeden montag mindestens eine stunde zum code angucken und labern und bei handlungsbedarf auch mal zwei stunden mehr.) und alle wäre häppi.



  • Bitsy schrieb:

    Dieser Hilferuf kommt viel zu spät.
    Du bist Auszubildender, und als solches kann keiner Arbeiten von Dir verlangen, mit denen so mancher Profi ein fettes Problem hätte (zumindest kann man Dir dann nichts vorwerfen, wenn es nicht hinhaut).
    Dass Dein Ausbilder Dir da bislang nicht beigestanden hat, sagt einiges über den Betrieb aus (schlage FFH's "Cheffe versenken" vor).

    Beistehen tut er mir und hat mir auch schon sehr oft geholfen und macht jetzt
    auch selbst mit. Naja, ich mein er kann ja nicht einfach irgendwelche
    Anordnungen vom Chef abschlagen. Das is ja das bloede. Einerseits soll er
    mitprogrammieren, andererseits ist es oft unser Chef, der ihn was anderes machen
    laesst.

    Oft (bis vor nehm halben Jahr noch sehr intensiv) muss mein Ausbilder immer
    noch Support fuer die aeltere Software machen. Das ist ja auch richtig, man
    will ja keine Kunden verlieren. Nur wir sind nur 2 Leute und....weiss ja auch
    nicht, was ich dazu noch sagen soll.

    Ich hoffe, dass hier noch jemand über genügend Erfahrung verfügt, welche Instanzen es noch gibt, die Dir da aus der Patsche helfen können, denn hier ist dringend Unterstützung von außen angesagt - was da passiert, sieht sehr nach Mißbrauch einer Ausbildungsstelle aus.

    Manchmal frage ich mich, ob ich volles Gehalt verlangen soll. Das hilft mir
    natuerlich auch nicht grossartig weiter. Mit Projektmanagment, Programmdesign
    habe ich noch nie wirklich was machen muessen. Kenne es eigentlich, wenn, nur
    theoretisch aus Buechern. Es in die Praxis umzusetzen ist unglaublich schwer,
    auch wenn man es nicht glauben mag. Ausserdem dachte ich, dass mir als
    Auszubildender sowas erstmal beigebracht werden muss. Eigentlich habe ich
    naemlich damit noch nichts gemacht (und die Programm die ich zu Hause zur
    Uebung schreibe...das ist kein Vergleich...das ist Kinderkram dagegen).

    mfg
    v R



  • Hallo virtuell Realisticer.

    Ein ganz schönes Frustpotential scheint sich hier in diesem Beitrag entladen zu haben. Ich sehe und kenne dein Problem. (Hatte schon ähnliche Situationen...) Leider muss ich dir sagen, dass du an der "Realitätsfremde" deines Chefs nicht ganz unschuldig bist.

    Ich kenn das selber: Man ist oft geneigt, auftretende Probleme unter den Tisch zu wischen bzw. nicht zu kommunizieren. - Man will sich ja nicht selber in den Fuss schiessen und vor dem Chef "eigenes Versagen" preisgeben. (Wobei dieses Gefühl eigentlich völligungerechtfertigt ist. Kommunikation von Problemen bedeutet ja nicht eigenes Versagen!)

    Das Problem hat Marcus ja schon schön dargestellt: Der Chef kann nicht 100% der Infos mit denen Du hantierst selbst verarbeiten. Aber dein Chef kann die Infos verarbeiten mit denen du ihn versorgst. Das hat zur Folge, dass du Prioritäten setzen musst, welche Infos aus deiner Sicht wichtig und Strategiebeeinflussend sein sollte. Diese Infos musst du dann an den Chef weiterreichen, damit dieser eine Grundlage hat um eine Strategie zu entwerfen. (Streichung des Produkts, neuer Release-Termin, etc)

    Wenn du deinen Chef nicht informierst, dass du Probleme hast - und - bei weiterem Interesse - was Probleme macht und eventuelle Lösungsvorschläge, kann dein Chef nur davon ausgehen, dass alles in bester Ordnung ist. Die FOlge ist dann eben, dass Releasetermin um releasetermin verstreicht, bis dein Chef ebenfalls eins drauf kriegt.
    Damit kommen dann eben solche "Messer an den Halssetz" Termine zu Stande. (Bei uns hiess es sogar kürzlich "Bis dahin Fertig oder Köpfe rollen", wobei solche Aussagen häufig etwas weniger heiss gegessen als gekocht werden.)

    Klar ist die ganze Situation unschön. Es geht mir jetzt auch nicht darum, dir eins reinzuwürgen. Ich wollte lediglich diesen Aspekt der Sache auch mal beleuchtet wissen.
    Eigentlich tragen alle eine Teilschuld. Du als AzuBi bestimmt die kleinste. - Du wusstest es nicht besser
    Dein Ausbilder vermutlich den grössten - Mangelnde Betreuung, er hätte vielleicht auch öfters mal nachfragen sollen oder die Infos weiterreichen...
    Und eigentlich hätte dein Chef - nachdem der Fortschritt nicht die gewünschte geschwindigkeit erreicht hat - ebenfalls nachfragen sollen.
    Schuldige zu suchen bringt aber in so einer Situation wenig.

    Wenn du einen Vorshclag von mir habenwillst, würde ich folgendes empfehlen: Du und dein Ausbilder setzt euch zusammen hin und arbeitet bis 1 Tag vor dem Termin mit Hochdruck an dem Projekt (hald notfalls mit Überstunden) soweit ihr kommt (idealerweise so, das Teile des Programms funktions- und präsentationsfähig werden)... Den letzten Tag (ich gehe davon aus, dass ihr nicht fertig werdet) benutzt ihr dafür, eine ungefähre Abschätzung zu machen, wie hoch der restliche Aufwand sein wird, Schwierigkeiten zusammenzufassen, Lösungsvorschläge auszuarbeiten (Release des Programms in Etappen? etc) und das ganze präsentationsfähig zu machen.
    Macht jetzt schon -sofern ihr nciht shcon habt - einen Termin mit dem Chef aus, wo ihr das alles dann vorlegen könnt. So kann der Chef dann die weitere Strategie shcmieden...

    mein vorshclag dazu...

    -junix



  • Ich habe in vergangenen Jahren einiges von DOS auf Windows geportet, unter Zuhilfenahme von Allegro. Das ging aber eigentlich nur gut, weil ich die Entwicklung von A. über sehr lange Zeit beobachtet habe. Alle hardwareabhängigen Dinge konnte man dort gut in der Source wiederfinden und dementsprechend Funktionen aufrufen. Selbst wenn es erst einmal nur eine Textmode->Bitmapumsetzung gewesen wäre, wäre eine Schnittstelle nicht allzu aufwändig gewesen. Wenn es zwingend notwendig gewesen wäre, hätte man letztlich die verwendeten Funktionen direkt aus dem Allegro-Wincode einbinden können. Aber - wie gesagt - der Hilferuf kommt nun viel zu spät.



  • virtuell Realisticer schrieb:

    Manchmal frage ich mich, ob ich volles Gehalt verlangen soll.

    volles gehalt für ne unwichtige aufgabe, die auch noch viel zu langsam erfüllt wird? na, ich glaub' das wird kein chef verstehen.

    Ausserdem dachte ich, dass mir als Auszubildender sowas erstmal beigebracht werden muss.

    klar. das notwendige eben. bier holen, werkstatt fegen und klappe halten.



  • Ausserdem dachte ich, dass mir als Auszubildender sowas erstmal beigebracht werden muss.

    Naja du bist nicht mehr in der Schule... hier wird dir nicht mehr alles nachgetragen. Ist ne arge Umstellung aber es bedeutet: Wenn dir jmd was nicht bringt: hols dir selber.
    Im Endeffekt musst DU aktiv werden...

    -junix



  • Das eigentliche Problem an der Sache ist doch, dass alte angegraute Säcke, die vor Jahren mal auf ziemlich rudimentären Systemen entwickelt haben und gut waren denken, dass das heute immer noch so ist. Sie haben einfach nicht mitgeschnitten, dass es mittlerweile um Potenzen komplexere Entwicklungssysteme (RAD) gibt die wiederum komplexe Probleme mit sich bringen.

    Schönes Beispiel ist der BCB: Mann kann in 5min wunderbare Oberflächen ohne Sinn und Verstand zusammenklicken, dass eigentlich Wichtige jedoch, nähmlich die Algorithmen (das eigentliche Programm) und deren Verstrickungen, hat man dabei noch lange nicht umgesetzt. Gerade das braucht viel Zeit und Gehirnschmalz und das sehen die meißten Chefs nicht. Für die zählt nur: Gehts oder gehts nicht? 1 oder 0.

    Da fällt mir noch ein Spruch ein:

    Je höher die Stufe, desto höher die Stufe der Unfähigkeit.



  • Die Problematik wird darin bestehen, dass die helfen könnenden zuständigen Institutionen die Situation auch nicht einschätzen können werden...

    Ich wuerde sogar sagen, dass die ganz genau wissen, was ab geht. Bei uns in der
    Klasse gibt es (eigentlich nur bei den Softwareentwicklern) genug leute, die
    schon als Auszubildende soviel Ueberstunden haben, dass sie 2 Monate am Stueck
    Urlaub nehmen koennten. Und das fuer ca. 400EUR netto? Irgendwas laeuft hier
    falsch.

    lernst du in der ausbildung eigentlich was? ich meine, bringt man dir irgend was bei? außer der berufsschule und zwei wochen pro jahr nen innerbetrieblichen kurs?

    Also programmiertechnisch lerne ich gar nix. Und das finde ich schade, dachte
    ich koennte mir was von "Professioneller Programmierung" abschauen. Die Berufs-
    schule is auch nicht das wahre. Achja, wir nehmen schon seit einem halben Jahr
    die Header verschiedener Protokolle durch. Super oder? Und wir sind nach 2
    Jahren endlich in Programmierung bei dem Thema Klassen angekommen, auch gut
    oder?

    Projektmanagment? Was ist das? Kann man das essen?

    Innerbetriebliche Kurse? Ne, gibbet nicht. Selbstbeibringen heisst es. Nur dazu
    hab ich seit gut 1 1/2 Jahren nach der Arbeit keine Lust mehr. Und gut dass du
    nicht nach Ausserbetrieblich gefragt hast...das kostet naemlich viel zu viel.

    mfg
    v R


  • Mod

    F98 schrieb:

    Da fällt mir noch ein Spruch ein:

    Je höher die Stufe, desto höher die Stufe der Unfähigkeit.

    Nur leider völlig falsch und unbrauchbar zitiert.



  • F98 schrieb:

    Gerade das braucht viel Zeit und Gehirnschmalz und das sehen die meißten Chefs nicht. Für die zählt nur: Gehts oder gehts nicht? 1 oder 0.

    Und was sollte deines Erachtens - abgesehen von der Zeit die benötigt wird um den Job zu erledigen - den Chef noch interessieren? Wieso sollte ihn mehr interessieren?

    F98 schrieb:

    Je höher die Stufe, desto höher die Stufe der Unfähigkeit.

    In meinen Augen absoluter Unfug. Nur ist man hald - je höher die Stufe - um so mehr darauf angewiesen, dass die Mitarbeiter mit den richtigen Informationen frühzeitig rüberkommen. Ausserdem ist es ja auch unsinnig von einem Chef ab einer gewissen Stufe zu erwarten, dass er sich bis ins letzte Detail auskennt? - Setzt natürlich voraus, dass der Chef sich auch einsichtig verhält.

    -junix



  • Nur leider völlig falsch und unbrauchbar zitiert.

    Warum?



  • Hier jaulen aber gleich ein paar auf ...

    Und was sollte deines Erachtens - abgesehen von der Zeit die benötigt wird um den Job zu erledigen - den Chef noch interessieren? Wieso sollte ihn mehr interessieren?

    Nichts, wie Marc++us schon schrieb, da nach oben hin der Informationsfluß verringert werden muss.

    In meinen Augen absoluter Unfug. Nur ist man hald - je höher die Stufe - um so mehr darauf angewiesen, dass die Mitarbeiter mit den richtigen Informationen frühzeitig rüberkommen. Ausserdem ist es ja auch unsinnig von einem Chef ab einer gewissen Stufe zu erwarten, dass er sich bis ins letzte Detail auskennt? - Setzt natürlich voraus, dass der Chef sich auch einsichtig verhält.

    Ich meine, ein Chef sollte Einsicht und genug Grips besitzen um sich evtl. in vorgetragene Probleme hineinzudenken und evtl. auch Problemlösungen anzubieten, ohne die Aufgabe des Untergebenen zu übernehmen, halt einen Level höher. Und dass ist in vielen Firmen nicht der Fall.


  • Mod

    virtuell Realisticer schrieb:

    Ich wuerde sogar sagen, dass die ganz genau wissen, was ab geht. Bei uns in der
    Klasse gibt es (eigentlich nur bei den Softwareentwicklern) genug leute, die
    schon als Auszubildende soviel Ueberstunden haben, dass sie 2 Monate am Stueck
    Urlaub nehmen koennten. Und das fuer ca. 400EUR netto? Irgendwas laeuft hier
    falsch.

    Ja, das stimmt - die meisten FI/AE haben nicht verstanden, daß sie der Ersatz für den Computerinder sind. Das ist das Problem - angelockt durch die vereinfachte Darstellung "Software entwickeln ohne Studium" stürzen sich viele Leute in das Abenteuer FI/AE und haben gar nicht bemerkt, was eigentlich das Ziel des Berufes ist:

    Nicht etwa Leuten ohne Studium ein Gehalt zu verschaffen, das einem studierten Informatiker nahe kommt - sondern Arbeitskräfte zu schaffen, die die gleiche Arbeit wie die eines studierten Informatikers für weniger Geld machen!

    In der allgemeinen Software- und IT-Euphorie um das Jahr 2000 herum ging dieses kleine aber gemeine Detail bei diesem Berufsbild etwas unter, irgendwie haben auch viele Leute versäumt darauf hinzuweisen.

    Die bereits vorhandenen Parallelen z.B. bei solchen Berufen wie Industrieanlagenelektroniker vs. Elektroingenieur wurden gemäß der Regel "bei Software ist alles anders als bei anderen technischen Bereichen" gerne übersehen.

    @V R: soll übrigens kein persönlicher Vorwurf sein, ist eine allgemeine Anmerkung zur Lage in der Industrie.


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