gestern habe ich gelernt


  • Mod

    chrische5 schrieb:

    Hallo

    Jetzt kommt bestimmt wieder eine Diskussion über Bush, Irak, Islam, Judentum, ...
    Du hast schon recht der Irakkrieg war vor allem wegen der Gefahr durch die ganzen Massenvernichtungswaffen.

    chrische

    Das ist nicht das Thema. Ich glaube auch nicht, dass der ausschlaggebende Punkt die Massenvernichtungswaffen waren. Dennoch kann ich mich als Lehrer nicht hinstellen und offiziell behaupten "Öl ist der Grund".

    MfG SideWinder



  • chrische5 schrieb:

    Hallo

    Jetzt kommt bestimmt wieder eine Diskussion über Bush, Irak, Islam, Judentum, ...
    Du hast schon recht der Irakkrieg war vor allem wegen der Gefahr durch die ganzen Massenvernichtungswaffen.

    chrische

    nein keine diskussion darüber

    zu sagen das es nur um massenvernichtungswaffen ging ist genauso einseitig, wie zu behaupten es war nur das öl



  • Hallo

    steff3 schrieb:

    nein keine diskussion darüber

    Dann bin ich ja beruhigt, weil Diskussion immer etwas ausgeartet sind.

    steff3 schrieb:

    zu sagen das es nur um massenvernichtungswaffen ging ist genauso einseitig, wie zu behaupten es war nur das öl

    Da gebe ich die Recht. Alle Menschen die behaupten, dass Dinge wie Krieg monokausal zu erklären sind, befinden sich, meiner Meinung nach, auf einem Holzweg.


  • Mod

    @steff3: Willkommen in der Realität. Es gibt keine Wahrheit, sondern nur Betrachtungsweisen. Wahrheit ist das, was die Masse der Gesellschaft als solche definiert. Wenn nun viele Leute der Meinung sind, daß der Irak-Krieg nur wegen des Öles geführt wurde, so ist das irgendwann "die Wahrheit".

    Man kann das sehr schön auf Wikipedia beobachten, wenn es um geschichtliche oder politische Themen geht. Man könnte denken, daß dies vielleicht nur 50-100 Jahre in die Vergangenheit zurückgeht (daß Zeitgeschichte immer sehr stark politisch diskutiert und betrachtet wird ist noch intuitiv klar), aber liest man sich auf Wikipedia die Artikel zu den punischen Kriegen zwischen Rom und Karthago durch, so erkennt man auch hier in den Diskussionen die Denkschulen: während nach gängiger Lesart der Krieg zwischen Rom und Karthago unausweichlich war, da beide im gleichen Gebiet vorherrschen wollten, gibt es dazu auch den Kommentar, daß Rom als imperialistische Großmacht gezielt die Vernichtung von Karthago anstrebte und jeglichen Versuch vermied, sich friedlich mit Karthago abzugeben, inklusive einer Geschichtsfälschung seitens der Römer nach der Zerstörung Karthagos (Stichwort Menschenopfer).

    Dazu gibt es auch in letzter Zeit mehr Forschung bzgl der Gebräuche Karthagos und dessen Reinwaschung von einigen Vorwürfen, die die Kultur Karthagos aufwerten.

    Betrachte ich das nun gegen die Geschichtsschreibung, die ich vor 15-20 Jahren lernte, so ist das durchaus ein Wandel, eine teilweise Umschreibung. Dabei ist die Geschichte dieses Konflikts ja fertig, liegt also abgeschlossen vor, trotzdem wandelt sich die Wahrheit dazu. Das wird zur Zeit dadurch getragen, daß in Europa, vornehmlich Deutschland und Frankreich, Großmachtpolitik als verwerflich und böse angesehen wird. Dies wirkt sich auf Erziehung und Forschungsergebnisse auch von Historikern aus, es gibt dann eine neue Generation mit neuen Werten, was zu neuen Sichtweisen und Wahrheiten führt.

    In meiner Schulzeit stand der Konflikt zwischen Rom und Karthago noch unter dem äußeren Einfluß des kalten Krieges und der militärischen Bedrohung durch die Sowjets, weswegen allgemein Verständnis für den Konflikt zwischen den beiden Machtblöcken Rom und Karthago geäußert wurde, Rom war in dieser Darstellung "die getriebene Nation". Aber es ist durchaus möglich, daß in 10 oder 20 Jahren die Schüler Rom als eine Nation von imperialistischen Kriegsverbrechern betrachten, und in Geschichte eine Facharbeit "Kriegsverbrechen der römischen Armee in Germanien im Vergleich zu Guantanamo" schreiben.



  • Du hast ja imerhin die Möglichkeit, eine ausgewogenere Meinung im Unterricht zu diskutieren 🙂

    Was heißt PW?Das Ding hat in meiner Schulzeit so oft den namen gewechselt...)



  • peterchen schrieb:

    Du hast ja imerhin die Möglichkeit, eine ausgewogenere Meinung im Unterricht zu diskutieren 🙂

    🙄 schön wärs...



  • "Politik und Wirtschaft" vermutlich...



  • Politische Weltkunde



  • Dann klingt das doch so, als sollte der Lehrer ehrlich sein. Schließlich ist man diplomatisch, wenn man scheiße labert und die anderen es glauben, nicht andersrum.



  • Marc++us schrieb:

    @steff3: Willkommen in der Realität. Es gibt keine Wahrheit, sondern nur Betrachtungsweisen. Wahrheit ist das, was die Masse der Gesellschaft als solche definiert. Wenn nun viele Leute der Meinung sind, daß der Irak-Krieg nur wegen des Öles geführt wurde, so ist das irgendwann "die Wahrheit".

    Man kann das sehr schön auf Wikipedia beobachten, wenn es um geschichtliche oder politische Themen geht. Man könnte denken, daß dies vielleicht nur 50-100 Jahre in die Vergangenheit zurückgeht (daß Zeitgeschichte immer sehr stark politisch diskutiert und betrachtet wird ist noch intuitiv klar), aber liest man sich auf Wikipedia die Artikel zu den punischen Kriegen zwischen Rom und Karthago durch, so erkennt man auch hier in den Diskussionen die Denkschulen: während nach gängiger Lesart der Krieg zwischen Rom und Karthago unausweichlich war, da beide im gleichen Gebiet vorherrschen wollten, gibt es dazu auch den Kommentar, daß Rom als imperialistische Großmacht gezielt die Vernichtung von Karthago anstrebte und jeglichen Versuch vermied, sich friedlich mit Karthago abzugeben, inklusive einer Geschichtsfälschung seitens der Römer nach der Zerstörung Karthagos (Stichwort Menschenopfer).

    Dazu gibt es auch in letzter Zeit mehr Forschung bzgl der Gebräuche Karthagos und dessen Reinwaschung von einigen Vorwürfen, die die Kultur Karthagos aufwerten.

    Betrachte ich das nun gegen die Geschichtsschreibung, die ich vor 15-20 Jahren lernte, so ist das durchaus ein Wandel, eine teilweise Umschreibung. Dabei ist die Geschichte dieses Konflikts ja fertig, liegt also abgeschlossen vor, trotzdem wandelt sich die Wahrheit dazu. Das wird zur Zeit dadurch getragen, daß in Europa, vornehmlich Deutschland und Frankreich, Großmachtpolitik als verwerflich und böse angesehen wird. Dies wirkt sich auf Erziehung und Forschungsergebnisse auch von Historikern aus, es gibt dann eine neue Generation mit neuen Werten, was zu neuen Sichtweisen und Wahrheiten führt.

    In meiner Schulzeit stand der Konflikt zwischen Rom und Karthago noch unter dem äußeren Einfluß des kalten Krieges und der militärischen Bedrohung durch die Sowjets, weswegen allgemein Verständnis für den Konflikt zwischen den beiden Machtblöcken Rom und Karthago geäußert wurde, Rom war in dieser Darstellung "die getriebene Nation". Aber es ist durchaus möglich, daß in 10 oder 20 Jahren die Schüler Rom als eine Nation von imperialistischen Kriegsverbrechern betrachten, und in Geschichte eine Facharbeit "Kriegsverbrechen der römischen Armee in Germanien im Vergleich zu Guantanamo" schreiben.

    Da gabs mal nen witzigen Leserbrief in Konstanz letztes Jahr. Jemand aergerte sich ziemlich arg, dass ein Fort einer ehemaligen Besatzungsmacht restauriert wurde (wird). Ein roemisches Fort 🙂

    Was die Geschichtsschreibung der Roemer angeht: Auch wir Schweizer sind Opfer dieser. Die einzige Zeit, in der die Schweiz mehr war als ein rumpoebelndes Bauernvok, die Kelten- und Roemerzeit, ist nur von roemischen Geschichtsschreibern festgehalten. Das meiste davon sogar von Caesar persoenlich, welcher starkes Interesse daran hatte, die Kelten als Barbaren darzustellen. Schade schade... Naja, immerhin steht ihr Allemannen in der roemischen Geschichtsschreibung noch uebler da als wir Kelten *g*



  • meint ihr nicht auch das ihr irgendwie gade etwas tief abrutscht. *zu durito und marc++us schaut*


  • Mod

    -Shadow- schrieb:

    meint ihr nicht auch das ihr irgendwie gade etwas tief abrutscht. *zu durito und marc++us schaut*

    Nicht unbedingt. Das Anschauungsbeispiel Römer verdeutlicht doch durchaus, welche Varianten es bei der Geschichtsbetrachtung gibt - obwohl das 2000 Jahre alt und abgeschlossen ist. Wie könnte es dann eine einheitliche Betrachtung des aktuellen Geschehens geben?


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