Gehalttsfrage



  • Folgende Situation:
    Ich soll in meiner Firma eine bestimmte Zeit am Wochenende auf Abruf zur verfügung stehen.
    Nun fragt mich mein Chef wie viel ich dafür vergütet haben möchte, da er selber auch keine Ahnung hat was er mir dafür zahlen soll.

    Wo kann man so was nachlesen mit BAT (Tarifvertrag für Angestellte) komme ich irgendwie nicht klar. 😕


  • Mod

    BAT ist für Behörden und öffentlicher Dienst - lass mal ein paar mehr Fakten zu Deiner Aufgabe hören:

    - was genau tust Du im Alltag?
    - was mußt Du im Abruffall tun? Wie lange würde es dauern?
    - wie lange soll die Bereitschaftstätigkeit dauern?
    - wie groß ist Eure Firma? (Mitarbeiter)
    - wird die eventuell anfallende Arbeitszeit als normale Arbeitsstunde oder Überstunde vergütet?

    Ganz allgemein solltest Du bedenken, daß die richtige Konstruktion der Zahlung nicht unerheblich ist - denn von 1 EUR normaler Brutto-Gehaltserhöhung landen nur etwa 30% bei Dir. Unter Umständen kommst Du also günstiger, wenn Du als Kompensation Firmenhandy, Firmenwagennutzung, o.ä., erhälst. Diese sind nämlich teilweise steuerfrei gestaltbar und daher echter Nettozuwachs.



  • - Ich binn für Software (ähnlich SPS) bischen C++ sowie Technische unterstützung (mal n Elektronisches Bauteil wechseln oder so) zuständig.

    - Mit dem Auto (Firmenwagen) zum Kunden fahren, Fehler finden und beheben. Dauert im Durchschnitt 3-4 Std.

    - Gesammt sollte die Aktion ca. n 1/2 Jahr dauern.

    - Mitarbeiter sind`s mit mir 5.

    - Mein Chef meinte ich bekomme das doppelte Gehalt für jede anfallende Arbeitsstunde.

    Das mit den Abzügen ist mir klar.
    Trotzdem bin Jung und brauche das Geld. 😋


  • Mod

    Das mit dem doppelten Gehalt für die Arbeitsstunde ist doch nicht schlecht... klingt sogar relativ hoch. Finde ich soweit ok.

    Du solltest Dir aber noch ein Goodie überlegen, weil Du wirst rasch merken, daß die Tatsache der Bereitschaft Dein Privatleben erheblich beeinträchtigt. Denn Du mußt ja verfügbar sein - auch wenn Du nicht abgerufen wirst. Stell Dir vor, Du sitzt ein halbes Jahr in Bereitschaft, aber wirst nur 2 mal abgerufen. Dann bekommst Du zusätzlich ein paar 100 EUR, aber hast dafür ein halbes Jahr lang verkrüppelte Wochenenden gehabt.

    Ich weiß halt nicht, ob es viele Einsätze werden - wenn ja, dann ist das mit dem Geld schon abgegolten, aber wenn Du tendenziell wenig Einsätze haben wirst, wäre eine Vergütung für den Bereitschaftsdienst fair. Ich hab's bei Bekannten gesehen, IT-Hotline, ja, da klingelt um 21:00 auf der Party das Telefon und das war's mit dem freien Abend und der Geburtstagsfeier bei Freunden. Und dieses ständige "klingelt's heute, oder klingelt's nicht?" ist mit der Zeit belastend.

    Aber dafür Geld zu fordern ist sehr schwierig, da werden die meisten Chefs nervös. Sachleistungen sind einfacher zu fordern. Ich kenn' ja Dich nicht und nicht die Firmenautos und Deine privaten Vorlieben/Besitzstände, aber kannst Du in diesem Zeitraum z.B. nicht einen Firmenwagen nutzen? Irgendwas in der Art... das wäre für eine Abruftätigkeit wie in Deinem Fall nicht unüblich. Und Du kannst dann natürlich Benzin + Abnutzung sparen.



  • Du hast was angesprochen das trifft auf mein Problem ziemlich exakt zu.

    Nämlich ich sitz 20 Wochenenden auf Abruf, habe keinen einzigen Einsatz und bekomme dann auch kein Penny dafür.

    Wobei sich mein Chef aber von mir eine konkrete Vorstellung meiner Vergütung wünscht.

    Ich bin mal Direkt sind 150€ pro Wochenende zu viel?
    🙄



  • lounsome schrieb:

    Ich bin mal Direkt sind 150€ pro Wochenende zu viel?
    🙄

    Marc++us schrieb:

    Aber dafür Geld zu fordern ist sehr schwierig, da werden die meisten Chefs nervös. Sachleistungen sind einfacher zu fordern. Ich kenn' ja Dich nicht und nicht die Firmenautos und Deine privaten Vorlieben/Besitzstände, aber kannst Du in diesem Zeitraum z.B. nicht einen Firmenwagen nutzen? Irgendwas in der Art... das wäre für eine Abruftätigkeit wie in Deinem Fall nicht unüblich. Und Du kannst dann natürlich Benzin + Abnutzung sparen.

    Was Marcus da gesagt hat ist ein sehr wichtiger Punkt. Sehs bei ner Kollegin von mir. Die macht Abrufbereitschaft fürn Spital. Einsatzbereitschaft in 10min. Das heisst noch nicht mal die Möglihckeit sich etwas weiter vom Spital zu entfernen. Dafür gibts irgend ne Pauschale die allerdings durchaus ein Verlustgeschäft sein kann, wenn keine Notfälle eintreten. 25€ / Tag oder so fürn Verpfuschtes Wochenende ist auch eher schlecht in meinen Augen...



  • junix schrieb:

    25€ / Tag oder so fürn Verpfuschtes Wochenende ist auch eher schlecht in meinen Augen...

    Finde ich genau so.
    Ich habe zwar eine Reaktionszeit von ca. 2-3 Std. (d.h. Einkaufen gehen etc. ist kein Prob.) aber die ständige Erreichbarkeit ist schon eine gewisse Belastung und sollte auch anständig belohnt werden.

    Da Er selber ja auch wenig Ahnung hat was mann für so einen Service verlangen soll, richtet sich sein Angebot an die Firma, nach meinen Vorderungen an ihn
    (d.h. wenn ich mehr verlange, verlangt mein Chef auch mehr vom Kunden).


  • Mod

    Immerhin ist das mit der Weiterleitung der Kosten nicht schlecht für Dich, aber Du kommst damit plötzlich in Berührung mit Kostenkalkulation - Dein Chef muß in seinem Angebot mindestes einen Faktor 2 aufschlagen, also für einen Monat 4 * 300EUR = 1200 EUR. Ob der Kunde das akzeptiert hängt eben von Eurem Geschäftsfeld ab, es könnte sein, daß der Kunde weniger geben will und Du plötzlich auch zurück nehmen mußt. Nur so am Rande bemerkt. 😉

    Ganz allgemein erscheinen mir 150EUR etwas zuviel, man müßte es in Beziehung zu Deinem Gehalt sehen... aber in Deinem speziellen Fall der direkten Kostendurchreichung kannst Du diese Karte mal zücken.

    Wie gesagt: Du bist jung und brauchst das Geld. 🙂



  • hab das auch mal gemacht.

    bei mir war es so:
    für jede stunde bereitschaft in der nichts vorgefallen ist 6 euro.

    und für jede stunde die ich gearbeitet habe. 12 euro

    bereitschaft war dann jeweils von 8 bis 18 uhr

    und wenn ich samstags bis mittag geschlafen hab und nichts vorgefallen war, hatte ich schon 36 euro verdient!



  • Wie viel ist dir den von 6€ geblieben bzw. was wird vom Staat abgezogen?

    Marc++us schrieb:

    ... von 1 EUR normaler Brutto-Gehaltserhöhung landen nur etwa 30% bei Dir.



  • naja, ich war damals werksstudent.
    und da bleibt dann so ziemlich alles über.

    aber dass du nur 30% mehr von einem euro hast stimmt so denkt ich nicht ganz.
    wenn du einen guten steuerberater hast sind das eher 50-60%

    und es kommt auch darauf an wieviel du überhaupt verdienst!


  • Mod

    asr schrieb:

    aber dass du nur 30% mehr von einem euro hast stimmt so denkt ich nicht ganz.
    wenn du einen guten steuerberater hast sind das eher 50-60%

    Nope. Ein Steuerberater kann bei einem Angestellten praktisch gar nichts löten, ohne Ausgaben geht eben nichts abzuziehen. Steuerberater sind nett für Selbständige oder Leute mit Mieteinnahmen, aber für normale Angestellte praktisch sinnlos.

    Und in den fehlenden 60-70% stecken die Sozialversicherungen drin, und die Steigung der Steuerkurve, wir haben nämlich eine sogenannte Steuerprogression, d.h. vom 1. EUR den Du verdienst bekommst Du eher wenig abgezogen, aber von zusätzlichem Geld - wie bei Gehaltserhöhungen - bleibt immer weniger übrig.

    asr schrieb:

    und es kommt auch darauf an wieviel du überhaupt verdienst!

    Das stimmt, bei einer Aushilfe im unteren Gehaltssektor ist's weniger an Abzug. Aber bei Softwareentwicklern und IT-Spezialisten sieht's so aus.



  • Typisch in meiner Branche auf Meister/Technikerebene ist z.B. eine Stunde frei für einen Tag Bereitschaft (per Handy abrufbar) am Wochenende.


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