Inflation und Kredite
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Und wer war der größte Kreditnehmer?
Natürlich, der Staat. Er hat sich so einfach bei seinen Bürgern entschuldet. Eine Antwort drauf, wieso der Staat nichts gegen die Inflation getan hat.
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Mnemonix schrieb:
als wir vor kurzem im Geschichtsunterricht das Thema "(Hyper-)Inflation" in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg ansprachen, meinte unser Lehrer, dass besonders Kreditnehmer von der Inflation profitiert hätten. Auf die Frage, warum dies so sei, konnte er keine konkrete Antwort geben.
Dieser Lehrer ist ganz offensichtlich eine völlige Fehlbesetzung! Das muss er definitiv beantworten können, sonst hat er selbst gar nicht verstanden was Inflation überhaupt ist.
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Hallo,
hab solche Lehrergestalten auch schon gesehen. Wahrscheinlich hat er das irgendwo gelesen und gedacht, dass mal so zu sagen, wird schon keiner von den Schülern nachfragen...
Generell hat jeder Staat eine Tendenz zur Inflation und seit die großen Währungen (Dollar voran) keine Golddeckung mehr haben, steigt die Inflation auch dort dramatisch an. Im Umkehrschluss heißt die Geldentwertung dann, dass Güter (vor allem Edelmetalle) an Wert gewinnen. Und was sieht man, wenn man an eine Terminbörse blickt... Rohstoffe-Hausse.
Da helfen auch schön gerechnete Inflationsraten von einigen wenigen Prozent nichts, weil diese gezielt nur Güter mit historisch geringer Inflation beinhalten (Kerninflationsrate). Auch dass die amerikanische Zentralbank die Informationen über die Geldmenge seit ein paar Wochen nicht mehr veröffentlichen will, ist wohl weniger Zufall als nötig, um neue Gelder für den Krieg zu beschaffen (Bush hat mehr Schulden aufgenommen als alle Präsidenten vor ihm zusammen).
ChrisM
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ChrisM schrieb:
Hallo,
hab solche Lehrergestalten auch schon gesehen. Wahrscheinlich hat er das irgendwo gelesen und gedacht, dass mal so zu sagen, wird schon keiner von den Schülern nachfragen...
Generell hat jeder Staat eine Tendenz zur Inflation und seit die großen Währungen (Dollar voran) keine Golddeckung mehr haben, steigt die Inflation auch dort dramatisch an. Im Umkehrschluss heißt die Geldentwertung dann, dass Güter (vor allem Edelmetalle) an Wert gewinnen. Und was sieht man, wenn man an eine Terminbörse blickt... Rohstoffe-Hausse.
Da helfen auch schön gerechnete Inflationsraten von einigen wenigen Prozent nichts, weil diese gezielt nur Güter mit historisch geringer Inflation beinhalten (Kerninflationsrate). Auch dass die amerikanische Zentralbank die Informationen über die Geldmenge seit ein paar Wochen nicht mehr veröffentlichen will, ist wohl weniger Zufall als nötig, um neue Gelder für den Krieg zu beschaffen (Bush hat mehr Schulden aufgenommen als alle Präsidenten vor ihm zusammen).
ChrisM
die Golddeckung ist nicht die lösung bzw. hat sogar mehr nachteile und die rohstoffpreise sind nicht immer gestiegen, außer vlt öl
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Hallo,
Öl ist grade ein Rohstoff, der m.E. nicht dauerhaft steigen wird. Für Brent Crude werden z.B. mehrheitlich fallende Kurse erwartet. Oder glaubst du, der Ölpreis ist direkt proportional zu dem Preis, den du an der Tankstelle siehst? (von dem übrigens ca. 70% an den Staat gehen) Tagesschau & co sind denkbar schlechte Quellen, wenn sie von einem neuen Hoch bei Öl berichten.
Kannst du sagen, was gegen eine Golddeckung spricht? Sicherlich kann es zu einer leichten Deflation führen und vielleicht findet sich eine bessere Deckung als Gold (wobei Gold relativ gut ist: Hoher Wert bei geringen Lagerkosten, chemisch sehr stabil und edel und quasi unendlich haltbar), aber es verhindert wirkungsvoll, dass beliebig fiat money nachgedruckt werden kann.
Letztendlich kommt irgendwann der Punkt, an dem das Vertrauen in den Dollar verloren geht und dann steht der, der Edelmetallbarren physisch besitzt, auf der Gewinnerseite.
ChrisM
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ChrisM schrieb:
Kannst du sagen, was gegen eine Golddeckung spricht? Sicherlich kann es zu einer leichten Deflation führen
Das ist, aus staatlicher Sicht, sicher ein Hauptargument gegen eine Golddeckung. Inflation ist, wie hier ja schon mehrfach geschrieben wurde, eine inoffizielle Einnahmequelle des Staates, die er sich natürlich(!) nicht nehmen lassen will. Darum auch die alte Volkswirtschaftsregel: Deflation = böse, was so schlicht falsch ist.
Ein anderer Punkt wäre, daß eine Zentralbank, die mit Golddeckung arbeitet, natürlich Arbeit reinstecken müßte (neues Gold ausbuddeln), um Geldpolitik zu machen. Heute, mit unserem Papierspielgeld gibt es das natürlich umsonst. Also auch die Zentralbank hat kein Interesse an einem Goldstandard. Aber sind wir ehrlich: Geld ist viel zu wichtig um es ein paar Zentralbankfuzzis zu überlassen. Man müßte das leidige Geldmonopol angreifen und Wettbewerb unter verschiedenen Währungen zulassen. Daß das gut funktioniert, zeigen die verschiedenen Internetbezahldienste.
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Hi,
du sprichst mir aus dem Herzen.

Dass kein Staat freiwillig wieder einen Goldstandard einführt, ist klar, deswegen muss man eben privat vorsorgen, z.B. mit ein paar Unzen entweder im Keller oder bei e-gold (goldgedeckte Internetwährung).
Und dass Deflation nichts Schlechtes ist bzw. nichts ist, was den normalen Marktteilnehmer irgendwie beeinträchtigt, kann man auch an verschiedenen Stellen nachlesen. Massive Deflation ist mit fiat money ohnehin nicht möglich, da der Staat kaum eine Möglichkeit hat (rechtlich gesehen) die Geldmenge zu reduzieren und er außerdem kein Interesse daran hat (er müsste bei seinem eigenen Vermögen anfangen). Deflation ist also nur über eine Steigerung der Marktgüter möglich und die Verzehnfachen sich nicht einfach über Nacht.
ChrisM
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Henno schrieb:
Und wer war der größte Kreditnehmer?
Natürlich, der Staat. Er hat sich so einfach bei seinen Bürgern entschuldet. Eine Antwort drauf, wieso der Staat nichts gegen die Inflation getan hat.Was würde dann - aus heutiger Sicht - gegen eine "künstlich" herbeigeführte Inflation sprechen? Ich weiß ja nicht, welche Mittel dem Staat zur Verfügung stehen, um eine höhere Inflation herbeizuführen, aber durch diese könnte er seine Schulden z.B. doch zum Teil begleichen, oder?
Edit:
Und: Wie sieht das mit dem Euro aus? Sind bei diesem noch so hohe Inflationsraten möglich?
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Mnemonix schrieb:
Was würde dann - aus heutiger Sicht - gegen eine "künstlich" herbeigeführte Inflation sprechen? Ich weiß ja nicht, welche Mittel dem Staat zur Verfügung stehen, um eine höhere Inflation herbeizuführen, aber durch diese könnte er seine Schulden z.B. doch zum Teil begleichen, oder?
Edit:
Und: Wie sieht das mit dem Euro aus? Sind bei diesem noch so hohe Inflationsraten möglich?Gegen eine hohe Preissteigerung spricht, daß dann Investitionen unterbleiben, deren Rendite nicht ausreichend höher als die Inflationsrate ist.
Ab einer gewissen Inflationsrate werden auch keine langfristigen Kredite mehr vergeben. Generell wird Geld dann wertlos und der Tauschhandel lebt wieder auf.
Wenn dich das wirklich interessiert, dann besorge dir ein gutes VWL-Buch aus der Bücherei.
EDIT: Zur Not tut es auch die Wikipedia, z. B. http://de.wikipedia.org/wiki/Geldpolitik
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Mnemonix schrieb:
Henno schrieb:
Und wer war der größte Kreditnehmer?
Natürlich, der Staat. Er hat sich so einfach bei seinen Bürgern entschuldet. Eine Antwort drauf, wieso der Staat nichts gegen die Inflation getan hat.Was würde dann - aus heutiger Sicht - gegen eine "künstlich" herbeigeführte Inflation sprechen? Ich weiß ja nicht, welche Mittel dem Staat zur Verfügung stehen, um eine höhere Inflation herbeizuführen, aber durch diese könnte er seine Schulden z.B. doch zum Teil begleichen, oder?
Edit:
Und: Wie sieht das mit dem Euro aus? Sind bei diesem noch so hohe Inflationsraten möglich?Der Staat muss eben einen Kompromiss finden. Einerseits will er natürlich eine möglichst hohe Inflationsrate, aber andererseits darf das Vertrauen der Bürger in die Währung nicht verloren gehen (dann würde ihm keiner mehr Kredite gewähren oder die Währung überhaupt verwenden). Deshalb wird eine sehr hohe Inflationsrate erzeugt (keine Hyperinflation, das würde sofort auffallen) und die Zahlen werden geschönt. Beim Euro noch nicht so arg (aber trotzdem findet es statt), beim Dollar im Moment schon viel stärker.
Was den Euro angeht: Eine Inflation ist hierbei schwerer, weil sich die Länder teilweise kontrollieren. Je mehr die EU aber zentralisiert wird, desto leichter wird es.
ChrisM