Will man Freiheit und Demokratie wirklich nur im Westen?
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junix schrieb:
Doktor Prokt schrieb:
junix schrieb:
Du wurdest erzogen, im Glauben, selbstständiges Denken sei gut. Deshalb willst du selbstständig denken können.
Das ist richtig. Darueberhinaus habe ich aber durch selbststaendiges Denken herausgefunden, dass selbststaendiges Denken ein fuer den Menschen unverzichtbares Element darstellt.
Na auf die Argumentation bin ich jetzt aber gespannt...
Angenommen wir lebten in solch einem von Marc++us System mit klugem, weisen Diktator, in dem die vermeintlichen Grundbeduerfnisse des Menschen erfuellt werden, so wuerde man die Menschen in der freien Entfaltung ihrer Moeglichkeiten beschneiden. Das diktatorische System stellt dann den Horizont dar, alles, was darueber hinaus geht, kann nicht gedacht werden. Aber liegt es nicht in der Natur des Menschen, in der Lage zu sein, sich in allen Richtungen zu entwickeln?
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Kennst du die Redewendung, "wer die Wahl hat, hat die Qual"?
Wenn man sich vor dem Hintergrund die "freien, westlichen" Gesellschaften ansieht, sieht man auch viel intressantes. Wir können gerne beim politischen System bleiben. Wieviel Parteien gibt es in Deutschland, Großbritannien oder USA, die faktisch an der Regierungsgewalt beteiligt sein können? Nicht theoretisch, praktisch.
Die Theorie ist natürlich toll - dennoch ist so ziemlich das erste, was Menschen machen, wenn man ihnen die freie Wahl lässt, diese freiwillig einzuschränken. Was sagt uns das über die Wahlliebe des Menschen?An der Stelle sei nochmals an oben erwähnte Redewendung erinnert.
Ob es also wirklich in der Natur des Menschen liegt, wirklich alles völlig frei und beliebig tun und wählen zu können, ist mindestens äußerst diskussionsbedürftig.
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Doktor Prokt schrieb:
...Aber liegt es nicht in der Natur des Menschen, in der Lage zu sein, sich in allen Richtungen zu entwickeln?
Sorry, ich kann dir nicht folgen. Inwiefern soll das als Argument für die Unverzichtbarkeit des selbstständigen Denkens für den Menschen her halten?
Davon abgesehen: Es gibt - grade in einer derartigen Diskussion wohl keinen blöderen (sorry) Ausspruch als "Es liegt in der Natur des Menschen". In der Natur des Menschen liegen grade mal, atmen, essen, trinken, poppen, gesund bleiben oder kurz zusammen gefasst: Die Selbsterhaltung.
Der Rest (ich gehe soweit, sogar dem von Marcus angeführten Sammeltrieb auszuklammern) ist schlussendlich unter anderem massgeblich durch das vermittelte Wertesystem geprägt und beeinflusst. Wenn dir von anfang an eingetrichtert wird, dass alles allen gehört, dann wirst du den Teufel tun, etwas für dich alleine zu behalten. Wäre allerdings mal ein interessantes Experiment, einige Kinderchens in einem zum Beispiel 100% abgeschirmten, kommunistischen System nach Marx' Ideen aufwachsen zu lassen und zu schauen ob das auch funktionieren würde. Denn ein weiterer, nicht zu unterschätzender, treibender Faktor kann durchaus auch Neid sein, der sowieso jegliche Messung zu Nichte macht.
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Doktor Prokt schrieb:
Angenommen wir lebten in solch einem von Marc++us System mit klugem, weisen Diktator, in dem die vermeintlichen Grundbeduerfnisse des Menschen erfuellt werden, so wuerde man die Menschen in der freien Entfaltung ihrer Moeglichkeiten beschneiden. Das diktatorische System stellt dann den Horizont dar, alles, was darueber hinaus geht, kann nicht gedacht werden. Aber liegt es nicht in der Natur des Menschen, in der Lage zu sein, sich in allen Richtungen zu entwickeln?
Wenn du in diesen Systemen aufwächst stellt sich für dich in der Regel diese Fragestellung nicht. Solche Dinge kommen dem Menschen erst dann in den Sinn wenn ein Misstand vorherrscht. Solange sich aber alles positiv entwickelt wird kein dort lebender Mensch sich Gedanken darüber machen. Wie gesagt, erst wenn ihm etwas fehlt und vor allem wenn er formulieren kann was ihm fehlt erst dann beginnt der Denkprozess und die Lösungssuche.
Das ist vermutlich in etwa so wie ich mal versuche darzustellen. Hier macht sich jeder einen Kopf über gesunde Ernährung und Idealgewicht. In Asien oder Afrika stellt sich diese Frage überhaupt nicht, da sie entweder ohnehin unterernährt sind oder von Haus aus sich (unbewusst! siehe Mittelmeerländer) gesund ernähren. Warum sollte sich ein Italiener der praktisch vom und mit dem Olivenöl lebt Gedanken über Cholesterin machen? (bissle überspitzt ich weiss aber kommt doch irgendwie hin)
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estratu schrieb:
Wenn man von klein auf an in ein System hineingewachsen ist, dann fühlt man sich dort normalerweise wohl und hält es für richtig.
Die Meinung ist eine Tatsache.
Ich selbst bin in Algerien als Kind aufgewachsen, eine total andere Welt als hier. Heute denke ich, das es mir dort als Kind besser ging als hier. Obwohl ich in Algerien (habe auf einem Dorf gelebt) nicht mal einen Taschenrechner oder Videorekorder kannte!In Deutschland angekommen, erlebte ich schon am Flughafen einen Kulturschock, z.B. wie sich ganz einfach die Menschen verhalten haben. Hier sagt man "Gut das sich jeder so verhalten kann, wie er will, wir sind ein freies Land!". Ich empfand es damals als schrecklich und den (bis dahin nur bekannten) arabischen Normen und Werten einfach unpassend. Und ich war noch ein Kind und habe es so realisiert, das soll also was heißen, wenn ein Kind so krasse Unterschiede bewusst erkennt.
Deshalb denke ich, kann man nicht einfach sagen, das z.B. die Menschen im Nahen Osten die westliche Kultur haben wollen. Was sie haben wollen, ist das sie nicht krank werden, was zu essen haben und das sie nicht an jeder Ecke abgemurkst werden. Halt die Grundbedürfnisse. Aber diese sind völlig unabhängig vom westlichen System. Denn der Westen hat ganz sicherlich nicht die Grundbedürfnisse erfunden.