Software Engineering



  • Was haltet ihr von den Software Engineering Vorlesungen, wie sie an Hochschulen angeboten werden?
    Was denkt ihr über SE an sich?

    Ich lese nicht selten etwas von Fähigkeiten zu sauberem System-Design, die man (nur) dadurch erlernen kann.
    Nun, mehr als entsprechende Skripte und Bücher grob überflogen habe ich nicht.
    Waren aber alle unwissenschaftlich, voller Worthülsen, nix konkretes.

    Ich sage einfach mal ganz polemisch, dass ich SE überwiegend für Schwachsinn halte. Und in den Vorlesungen werden Scheine verschenkt.



  • SE schrieb:

    Was haltet ihr von den Software Engineering Vorlesungen, wie sie an Hochschulen angeboten werden?
    Was denkt ihr über SE an sich?

    ich weiß ja nicht, was bei euch da so alles gelehrt wird/wurde. aber ich fand die SWT vorlesungen als eine der wertvollsten überhaupt (OOA, OOD, Patterns, Projektmanagement, Testen, Entwicklungsprozesse, usw.). vielleicht lag das auch an den ziemlich kompetenten dozenten, die ich hatte.





  • Ich glaube, daß eine SE-Vorlesung einen großen Haken hat - nämlich zu wenig Praxiserfahrung der Teilnehmer. Das heißt jetzt nicht, daß ich in Abrede stelle, daß die Studenten programmieren können. Aber sie haben oftmals die freie Wildbahn noch nicht erlebt. Daher sind viele der angesprochenen Themen wenig transparent und stehen im luftleeren Raum.

    Vermutlich wäre daher die Thematik einer SE-Vorlesung hilfreicher nach 6-9 Monaten Berufspraxis... leider ist das nur bedingt realistisch.

    Abgesehen davon habe ich mehrfach mitbekommen, daß die SE-Vorlesungen das Thema Lastenheft/Pflichtenheft noch so behandeln, wie wenn sich auf diesem Gebiet in der Softwareentwicklung nie etwas getan hätte... es hängt da auch viel am Prof, wo er seinen Schwerpunkt legt. Leider ist der Begriff SE nicht so konkret definiert, wie es vielleicht hilfreich wäre - vom Lastenheft bis zu Design Patterns ist ja eine sehr sehr weite Spannweite.

    In einer Vorlesung Datenstrukturen und Algorithmen ist ganz klar umrissen, was behandelt wird, aber leider ist das für SE nicht so richtig der Fall.



  • Ich denke auch, dass das v.a. vom Professor selbst, aber auch vom Studenten selbst (sprich Erfahrung, Lernbereitschaft, usw...) abhängt.

    Wir hatten 2 SE-Vorlesungen, und da haben wir halt in der 1. Vorlesung die ganzen Methoden und Werkzeuge kennen gelernt, sprich UML und Konsorten. Aber dadurch wirst du auch nicht wirklich besser als vorher SW-Systeme entwerfen können. Das kommt eigentlich nur durch Erfahrung und Praxis. Aber da könnte der Prof auch ein bisschen nachhelfen, z.B. durch Anbieten von Praktika in dem die Studenten verschiedene System entwerfen sollen, und das dann besprochen wird (Stärken/Schwächen usw...). Ausserdem sollte meiner Meinung nach dann tatsächlich auch mehr auf Dinge wie Analysemuster und/oder Architekturmuster eingegangen werden (Design Patterns haben da IMHO erst mal weniger verloren, aber es schadet sicher nicht 2-3 "verbreitete" mitreinzunehmen).
    Das setzt aber eben auch vorraus, dass der Professor selbst auch einiges an Praxiserfahrung hat und seinen Stoff auch *tatsächlich* beherrscht, was nach meiner Erfahrung aber nur bei den wenigsten der Fall ist...



  • Software Engineering lässt sich imho nicht abstrakt vermitteln. Gerade innerhalb eines Semesters kann man wohl schwer ein Praxisbezug herstellen. Dieses Semester habe ich eine SE-Vorlesung. Aber ich fürchte, ich werde höchstens UML-Kenntnisse daraus mitnehmen können.



  • Ich fand die Vorlesungen in unserer FH ganz gut(hangt viel vom Prof und von deiner Programmiererfahrung ab). Wenn man grössere Projekte macht ist es sogar unabdingbar unabhängig von der Programmiersprache. Erst jetzt, im Beruf, verstehe ich die Vorteile einer richtigen Projektplanung.

    MFG, Labviewer



  • labviewer schrieb:

    Wenn man grössere Projekte macht ist es sogar unabdingbar unabhängig von der Programmiersprache. Erst jetzt, im Beruf, verstehe ich die Vorteile einer richtigen Projektplanung.

    Das Projekt Planung wichtig ist, will ja auch niemand bezweifeln. Ich glaube nur, dass man Software Engineering nicht wirklich an einer Uni vermitteln kann.



  • rüdiger schrieb:

    labviewer schrieb:

    Wenn man grössere Projekte macht ist es sogar unabdingbar unabhängig von der Programmiersprache. Erst jetzt, im Beruf, verstehe ich die Vorteile einer richtigen Projektplanung.

    Das Projekt Planung wichtig ist, will ja auch niemand bezweifeln. Ich glaube nur, dass man Software Engineering nicht wirklich an einer Uni vermitteln kann.

    Na gut, es wird zumindest versucht bekanntzugeben, dass es sowas gibt. Wenn man es abschaft, wird ja dein Studium zu trocken.

    Labviewer



  • Also ich fand unsere SE-Vorlesungen langweilig und nutzlos. Verschenkt wurde der Schein nicht unbedingt, aber ich kann auch nicht sagen, dass ich mich da sonderlich für ins Zeug legen musste.



  • Großer Knackpunkt bei SE ist auch das Thema Projektplanung. Das lässt sich nicht wirklich praxisnah vermitteln, weil alle Zustände zu ideal sind. Das ist ein wenig vergleichbar zur Mathematikvorlesung, da rechnet man 3 Seiten wilde Integrale aus, und am Ende kommt dann 2 * e raus. Sobald man das erste Mal dann ein reales Problem hat, lässt sich die Formel nicht integrieren und das einzige numerische Verfahren, das man kennt, konvergiert hier nicht.

    Zudem wird in den Vorlesungen beim Thema Projektplanung auch zu stark auf die Technik fokussiert. Ein Großteil der Projektleiteraufgabe ist es, Schädel einzuschlagen und irgendwelche Bremser davon zu überzeugen, ihre Vorbehalte aufzugeben. Weiterhin kommt das dann nicht vor, daß zum Beispiel Benutzer den Einsatz des Systems durch Unterlassung sabotieren, usw. Wenn jemand ein Projekt so plant wie an der Uni gelernt, klatscht das unmittelbar an die Wand, weil die psychologischen Faktoren zu wenig berücksichtigt werden.

    Das ist aber nicht so schlimm, das trifft ja auf fast alle Uni-Fächer zu, daß diese die Grundlagen vermitteln, um die Realität zu verstehen, aber gar nicht den Anspruch haben, die Realität vermitteln zu wollen.

    Es ist nur ein wenig spannend bei Bewerbungsgesprächen Bewerber vor sich zu haben, die wegen ihrer Vorlesung "Projektleitung" nun "erstklassige Kenntnisse in der Projektleitung" vorweisen wollen. Habe da ganz frische Erfahrungen in den letzten 2 Wochen machen können. 🙂


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