Open-Source vs. Closed-Source im Bezug auf öffentliche Vergabepraxis



  • Hallo zusammen,

    ich habe mir heute Gedanken über die Vergabepraxis der "öffentlichen Hand" im Bezug auf Anwendungssoftware bzw, Software im allgemeinen durch den Kopf gehen lassen.

    Das Vergaberecht (ohne auf Rechtsgrundlagen einzugehen) ist dazu geschaffen worden, Aufträge unabhängig an den günstigsten Anbieter zu vergeben. Das funktioniert im Bereich Straßenbau und sonstigen städtebaulichen Maßnahmen in der Regel auch so wie es angedacht ist. Nein, Korruption ist hier nicht das Thema, deswegen gehe ich auch nicht weiter darauf ein 😉 .

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    Eine Gemeinde-/Stadtverwaltung (oder ein Verbund mehrerer) entschließt sich, ein Softwareprodukt zu kaufen bzw. entwicklen zu lassen. Hierfür wird eine öffentliche Ausschreibung gestartet und der günstigste Anbieter wird beauftragt die Software zu den gegebenen Bedingungen zu entwickeln.

    Zwei Gegebenheiten, die daraus entstehen bzw. Teil der "Lieferbedingungen" sein können, sind:
    1. Das Produkt ist geschlossen/proprietär, das beauftragte Unternehmen behält sich die Rechte am Quelltext vor.
    2. Das Produkt ist quelloffen bzw. wird unter einer GPL-ähnlichen Lizenz entwickelt.

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    Meine Einschätzung:

    (1) Steht der Verwaltung oder dem Verbund der Quelltext nicht ohne Einschränkung zur Verfügung, so können bei erneut anstehenden Arbeiten an der Software im Vorfeld keine Ausschreibungen mehr durchgeführt werden. Dadurch wird die Vergabepraxis (bzw. die Vorteile/Rahmenbedingungen die diese vorgibt) ausgehebelt und das Unternehmen, welches Urheber (und Rechteinhaber) dieser Software ist, gegenüber Mitbewerbern übervorteilt.

    Dem Mitbewerber bliebe lediglich die Möglichkeit, ein Produkt komplett neu zu entwickeln, was zwangsläufig zu einem Angebot führte, welches deutlich über dem des bisherigen Unternehmens läge.

    Mit dieser Vorgehensweise bindet sich die Verwaltung oder der Verbund an das ursprüngliche Unternehmen und macht sich nahezu abhängig von diesem (und dessen Preisen).

    (2) Hier entwickelt das Unternehmen die Software und stellt der Verwaltung oder dem Verbund die Quellen zur Verfügung. Die Verwaltung erhält nun die Freiheit, das Softwareprodukt auch von Mitbewerbern weiterentwickeln zu lassen (sofern deren Angebote günstiger sind).

    Die Verwaltung würde hierdurch unabhängig vom ursprünglichen Unternehmen, was Wettbewerbsvorteile brächte und sicherlich auch dem Steuerzahler den einen oder anderen Euro erspart.

    (Fazit) Vernünftiger Wettbewerb ist in diesem speziellen Fall nur dann möglich, wenn die Quellen offen sind.

    Ich möchte noch anmerken, dass ich mich im Vergaberecht nicht auskenne. Vielleicht ist der eine oder andere, der besser in der Materie beheimatet ist eher dazu in der Lage, eine Einschätzung zu dem Thema zu geben.

    Wie steht Ihr zu dieser Thematik?

    Es grüßt...

    Heiko



  • Ich verstehe nicht so ganz auf was du jetzt hinaus willst? Etwa 100% fairer Wettbewerb? Den gibt es auch in Variante (2) nicht. Hier muss sich der "Neue" minderstens in das bestehnde Projekt einarbeiten, was ebenfalls Kosten verursacht (Anmerkung: Es wird ja niemand gezwungen Code zu dokumentieren o.ä.). Diese Kosten bestehen beim bisherigen Auftragnehmer nicht und somit hat man wiederum eine Wettbewerbsverzerrung. Oder verstehe ich das falsch?

    Jetzt könnte man natürlich als potenzieller neuer Autragnehmer diese Extrakosten einfach erlassen, in der Hoffnung eventuell Folgeaufträge zu erhalten. Allerdings sind diese Folgeaufträge bei 100% fairem Wettbewerb nicht garantiert, somit bleibe ich auf den Extrakosten sitzen.

    Fazit: Öffentliche Ausschreibungen sind nicht immer sinnvoll 😛 Manchmal kann es keinen "vernünftigen Wettbewerb" geben.



  • normalerweise schliesst die oeffentliche hand nicht nur einen vertrag fuer das entwickeln einer software, sondern gleich fuer den service/wartung, also auch die kosten die fuer veraenderungen usw. entstehen. das ist nicht auf software beschraenkt. kauft sich ne uni nen superrechner, so kaufen sie auch wartungen und inspektionen fuer einen gewissen zeitraum. etc.


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