Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen



  • muemmel schrieb:

    ...Kinder, so sie noch klein sind, bekommen heute im Minimum ca 150 Euro Kindergeld und 200 Euro Harz IV (wenn sie größer sind noch mehr). Das sind umgerechnet rund 700 DM....

    Das war jetzt ein Versehen oder?

    muemmel schrieb:

    Solange wir in Deutschland noch offene Stellen haben und für bestimmte Arbeiten Portugisen, Polen, Spanier, Türken und sonstwen einfliegen müssen, ist nicht wirklich zu wenig Arbeit. (Das die dann natürlich auch so bezahlt werden müssen, daß es kein Minusgeschäft wird ist natürlich auch klar).

    Wir müssen niemanden einfliegen, die kommen von alleine. Verhältnismäßig haben diese Menschen eine gute Chance, an ihrer Heimat gemessen, hier reich zu werden. Die Motivation ist entsprechend hoch, zu arbeiten! Das sollte man bedenken. Ich verübel ihnen nicht, dass sie kommen. Ich verüble den Politikern den Umgang damit. Weil unsere Gäste (die übrigens im Gegensatz zu echten Gästen meist dauerhaft hier bleiben) die "schlechteren" Stellen gerne besetzen, um Geld zu verdienen und sich in unsere Gesellschaft zu integrieren, wird die "Ware" Arbeitskraft nicht knapp und deshalb auch nicht angemessen bezahlt. Und da braucht jetzt auch keiner dran rumdiskutieren: Ich habe eine Art Nischenstudium (so wie Elektrotechniker im Moment gesucht werden) und habe mich beworben; da habe ich gesehen, wieviel Finanzpotential in den Arbeitgebern wirklich steckt! Oder ist ein Maschinenbau-Studium vom Grund her wirklich weniger wert? Wer will sowas bewerten? 4 Jahr Studium sind 4 Jahre Studium! Es geht doch nur um die Sättigung des Marktes.
    Und da sind wir wieder bei der Steuerung der Politik durch die Wirtschaft. Der Wirtschaft nutzt es eben, wenn der Arbeitskräfte-Markt auf bestimmten Sektoren gesättigt ist und deswegen sagen die großen Konzerne zu den Politikern: Wenn euer Gastspiel in der Politik beendet ist, wollt ihr bei uns noch fetter und reicher werden, also: Haltet bloß die Füße still, wenn es darum geht den Markt mit Arbeitskräften zu sättigen - das muss weiterlaufen. Und so geschieht es in unserem Land Tag für Tag und niemand begreift es und deswegen tut niemand etwas dagegen! Und weil das Vielen zu komplex ist und nach Verschwörungstheorie klingt, werden Typen wie ich noch als Spinner denunziert. Die Menschen in unserem Land machen sich selbst zu Sklaven, wie Lemminge lassen sie sich steuern!

    muemmel schrieb:

    ...Und wenn alles das erledigt ist, wird es Zeit, die Klassengrößen zu verringern. Was meint ihr, was es für einen Schub geben würde, wenn in jeder Klasse nur noch 8-10 Schüler unterrichtet werden. Und wenn in der Grundlagenforschung jeder Prof und Dr. genügend Mitarbeiter zur Verfügung hat.

    Nicht irgendwann. Jetzt ist es Zeit, höchste Zeit! Und weil Alle der Meinung sind es gibt erst andere Probleme zu lösen, wird es nie was. Und dann werden neue vorrangige Probleme gefunden. Und das ist genau das, warum ich weg will.



  • Badestrand schrieb:

    Die Hypothese, dass man mit 20% der Menschheit 80% versorgen kann, mag zwar theoretisch stimmen, aber alleine die Betreuung von Kindern, Alten und Kranken, die Lehrberufe etc können auch auf Dauer nicht wegfallen. Feuerwehr, Krankenwagen und Polizei wird man so schnell auch nicht durch Maschinen ersetzen können, ebenso Künstler. Dazu etliche Wartungsberufe, Entwicklungs-, Planungs- und Koordinationsberufe, da kommt man imho nicht mit 20% der Menschheit aus. [...]

    Besagte Posten sieht die Theorie aber vor. Wie viele Leute Du damit jeweils beschäftigen kannst, hängt aber direkt von der Bevölkerungsgröße ab. Außerdem spielt noch der Aufwand für Umverteilung in die Kalkulation.

    Badestrand schrieb:

    [...]Das BGE geht dabei einen Schritt weiter und so bekommt jeder, bedürftig oder nicht, sein Essen, seine Kleidung, Krankenversicherung und seine Bude bezahlt, solange es sich eben im Rahmen hält. Praktisch ist dass eben durch eine monatliche Vergütung geregelt. So soll jeder Mensch eben nicht arbeiten, um seine Wohnung finanzieren zu können, sondern um in den Urlaub fahren zu können oder eben einfach "besser" leben zu können.

    Da frag ich mich ernsthaft nach der Bezahlbarkeit von der ganzen Geschichte. Grundsätzlich ist das Konzept zwar nicht ganz ohne, es funktioniert aber nur, wenn Du es durch einen rigorosen Abbau aller direkten Subventionen gegenfinanzierst. Sprich, es gibt kein Kindergeld mehr, kein Arbeitslosengeld, kein Harz IV etc.

    Machen wir nur mal überschlägig die Rechnung für einen BG-Satz von 800€ auf und nehmen an, daß dieses Geld für jeden Bürger gezahlt wird. Wir haben ~82 Mio Einwohner. Davon haben ca 92% die dt. Staatsbürgerschaft. Weiterhin sind ca. die Hälfte aus der EU, unterliegen also den selben Regeln. Wir müssten also knapp 80 Mio Leute monatlich finanzieren. Ergibt 64 Milliarden Euro pro Monat, bzw. 768 Milliarden pro Jahr.

    Wir haben in D zum Beispiel etwa 20% Rentner. Weiterhin beträgt die durchschnittliche Rente eine ähnliche Summe, wie der angenommene BG-Satz. Das bedeutet aber auch, daß es genug Leute unterhalb gibt, die wir nicht aus der Kostenrechnung ausnehmen dürfen. Weiterhin gibt es Menschen mit höherer Rente, die einen Bestandsschutz genießen. Etwa die Hälfte der heutigen Renten-Kosten (12.8 Milliarden €/Monat) dürften wir also verrechnen können.

    Weiterhin haben wir z.B. 8 Mio Sozialgeldempfänger. Diese würden nach dem neuen Modell 6.4 Milliarden € kosten. Davon können wir etwa 2.5 Milliarden Euro monatlich verrechnen.

    Das Spiel könnten wir jetzt noch ein bißchen weiter spielen (z.B. Kindergeld), und wir würden wahrscheinlich bei etwa zwanzig dreißig Milliarden Euro Mehrkosten monatlich landen. Diese müssten dann durch Abbau des Verwaltungsaufwandes, um das System kostenneutral zu bekommen.

    Für viele staatlichen Angestellten in der Verwaltung bedeutet das den Weg in die Arbeitslosigkeit. Diese Arbeitslosigkeit verursacht wiederum Kosten, die sich negativ auf die Gesamtbilanz des Modells auswirken.

    Gleichzeitig ist aber zu bedenken, daß ein derartiges System auf der einen Seite die Staatseinnahmen aus der Mwst erhöht, natürlich aber auch die lokale Inflationsrate nach oben treibt, sprich die Kaufkraft der achthundert Euro mindert.

    Irgendwo sehe ich noch nicht, wie man so ein System ohne konkrete Mehrbelastung - z.B. durch eine Vermögenssteuer oder die Erhöhung der Umsatzsteuer - betreiben wollte.

    Ich glaub da würd ich meine Chancen doch eher in einem Land suchen, daß mich nicht ungefragt zwangsversorgt.

    Gruß Jens



  • Sa(n)dman schrieb:

    Für viele staatlichen Angestellten in der Verwaltung bedeutet das den Weg in die Arbeitslosigkeit. Diese Arbeitslosigkeit verursacht wiederum Kosten, die sich negativ auf die Gesamtbilanz des Modells auswirken.

    Die Kosten, welche gerade durch diese Verwaltung verursacht werden, sind zur Zeit aber wesentlich höher.



  • Andromeda schrieb:

    Die Kosten, welche gerade durch diese Verwaltung verursacht werden, sind zur Zeit aber wesentlich höher.

    Die Gesamtkosten über alle Bereiche ja. Die Frage ist ja die nach dem mittelfristig abbaubaren Anteil. Und da hab ich eben meine Zweifel, daß das zwanzig bis dreißig Milliarden Euro pro Monat aufwiegt. Nur durch das Bürgergeld kannst Du ja zum Beispiel das Arbeitsamt nicht abschaffen. Außerdem wirst Du die Beamten ja auch nicht los, sondern höchstens die Angestellten.

    Gruß Jens



  • [edit]gestrichen - erst Zahlenwerk zuende lesen[/edit]



  • In deiner Rechnung hast du aber vergessen, das Elterngeld, Kindergeld, Bafög, Rente, Hartz IV usw rauszurechnen. In einigen Bereichen bekommen Zuschüsse einfach nur andere Namen.
    Das Kindergeld gibt z.Zt. 154€, mit dem Bürgergeld gäbe es 300€, Elterngeld fällt dann aber auch flach. Statt Hartz IV gibt es BGE, was sich in der Höhe (bei 600€ BGE) nicht viel gibt (Wohnzuschüsse gibts dann natürlich nicht). Bafög weg, dafür BGE 600€. Rente weg, dafür 600€+eventuelle Zusatzrente (max 600€). Das wird halt über Einkommenssteuer wieder hereingeholt, 25% für alle. Desweiteren werden wirklich eine Ecke weniger solcher Bürokratie-bearbeitenden Stellen besetzt - klar, mehr Arbeitslose, aber bei geringeren Lohnnebenkosten dürfte die Wirtschaft auch mehr Jobs anbieten.

    Das da oben ist nach dem Althaus-Modell, wo jeder praktisch 200€ mehr erhält, die aber für Kranken- und Pflegeversicherung draufgeht. Das hab ich einfach rausgerechnet, jeder (Deutsche) ist damit automatisch versichert.

    edit: Trotzdem weiß ich natürlich nicht, inwieweit das dann in der Praxis finanzierbar ist. Die einen sagen, es gäbe sogar einen Überschuss, die anderen meinen, es bedeutet Schulden ohne Ende.



  • Ich hab weder Harz IV, noch die Renten vergessen. Meine Zahlenbeispiele beinhalten alle staatlichen Altersrenten und alle Zahlungen der staatlichen Sozialversicherungen.

    Natürlich sind meine Beispiele nicht vollständig, sondern sie zeigen zwei konkrete Bereiche in denen die Kosten effektiv um ~60% steigen.

    Und die ganzen Arbeitslosen nimm mal nicht auf die leichte Schulter. Wer nicht mehr arbeitet, zahlt auch keine Einkommenssteuer - egal wie hoch die ist.

    Meine Einschätzung ist einfach - zum Teil aus dem Bauch heraus - das sich das ganze nur in eine Kostensteigerung auslebt. Insbesondere, wenn wir bedenken, daß mehr Geld in den Taschen vieler in der Vergangenheit immer nur den Kaufkraftverfall beschleunigt hat, weil der Wert von Geld einfach sinkt.

    Hinzu kommt dann auch noch, daß ich finde, unser Staat sollte eher weniger Aufgaben übernehmen, als mehr. Und wenn der Staat jetzt auch noch den Vollversorger miemt, dann erziehen wir zukünftige Generationen IMHO komplett falsch.

    Ich persönlich möchte nicht Zwangsversorgt werden. Auch möchte ich kein Leben inklusive Netz und doppeltem Boden. Und ich möchte auch nicht, daß einer mir zwangsweise meine (noch nicht vorhandenen) Kinder dazu erzieht.

    Gruß Jens



  • Sa(n)dman schrieb:

    Und die ganzen Arbeitslosen nimm mal nicht auf die leichte Schulter. Wer nicht mehr arbeitet, zahlt auch keine Einkommenssteuer - egal wie hoch die ist.

    Jau, die ganze Sache steht und fällt halt damit, ob und wieviele sich mit einem BGE einen faulen Lenz machen würden.



  • Badestrand schrieb:

    Jau, die ganze Sache steht und fällt halt damit, ob und wieviele sich mit einem BGE einen faulen Lenz machen würden.

    Und wie viele Stellen wir durch die fehlende Zu-Tode-Verwaltung in die Arbeitslosigkeit treiben.

    Ich hab grad mal bei uns in der Perso-BuHa ne Zeitschätzung abgefragt, wie viele Stunden denn so pro Woche an Verwaltungsaufwand mit Arbeitsamt, Sozialamt und Co drauf gehen und es kam - alle Mitarbeiter zusammen gerechnet - im Schnitt ein bis ein-einhalb Manntage pro Woche raus. Und das gilt für ein 300 Mann Unternehmen.

    Nun stell Dir vor, besagte Ämter bauen Stellen ab und entschlacken den Verwaltungsaufwand der Unternehmen.

    Muss ich weiter reden?

    Gruß Jens



  • Also willst du darauf hinaus, dass bei Ent-Bürokratisierung viele Stellen flöten gehen würden? Ich weiß nicht, das Argument gefällt mir nie so richtig. Wenn man den Export-Stopp von Landminen fordert, hängen auch viele Arbeitsplätze daran, Frieden und Abrüstung vernichten Arbeitsplätze ohne Ende, finde ich trotzdem gut. Der Staat ist ja kein Arbeitsbeschaffungsapparat, ich denke das wäre die falsche Richtung! Das Geld, was nicht für Verwaltungskrams draufgeht, fließt ja dafür immer irgendwo anders hinein, vielleicht können dafür in anderen Bereichen Arbeitsplätze geschaffen werden, weil dann Geld dafür da ist.



  • @Badestrand & Sa(n)dman: IMHO ist Alles was ihr hier theoretisch konstruiert hinfällig, weil es die Wirtschaft nicht will. Wir sollten überlegen, wie wir die Staatsdiener von der Wirtschaft entkoppeln können. Unabhängige Entscheidungen der Politiker sind doch die Grundlage für weitreichende, mutige und vielleicht sogar unkonventionelle Reformen, wie zB. das BGE!?!



  • Kolumbus schrieb:

    Unabhängige Entscheidungen der Politiker sind doch die Grundlage für weitreichende, mutige und vielleicht sogar unkonventionelle Reformen, wie zB. das BGE!?!

    Wenn die Politiker unabhängig werden, dann kommt da nur noch mehr Staat bei heraus. Mal ganz abgesehen davon, daß nur Politik mit der Wirtschaft zusammen funktioniert. Eigentlich müssten wir eher dafür sorgen, daß sich die Politiker endlich mal um die Belange der gesamten Wirtschaft kümmern. Dort liegen nämlich eher unsere Probleme...

    Gruß Jens



  • Sa(n)dman schrieb:

    Mr. N schrieb:

    Profitgenerierung ist auf volkswirtschaftlicher Ebene kein Ziel.

    Und da haben wir auch schon deinen Fehler. 🙂

    Wo Du Recht hast, hast Du recht. Streiche "volkswirtschaftlich" setze "betriebswirtschaftlich". Ich benutz auch nur die selben Ausreden wie andere Consultants...

    Deutschland ist kein Betrieb.

    Und da auch scrub fragt, wie ich auf die ganze "freie Arbeit" komme? Nun ja, es gibt tausend Dinge, die heute nicht gemacht werden, obwohl sie gemacht werden könnten, so rein theoretisch. Die menschlichen Bedürfnisse sind noch lange nicht erfüllt, allein schon, weil ein paar Milliärdchen Leute nichtmal unseren Lebensstandard erreichen.



  • Sa(n)dman schrieb:

    Wenn die Politiker unabhängig werden, dann kommt da nur noch mehr Staat bei heraus. Mal ganz abgesehen davon, daß nur Politik mit der Wirtschaft zusammen funktioniert. Eigentlich müssten wir eher dafür sorgen, daß sich die Politiker endlich mal um die Belange der gesamten Wirtschaft kümmern. Dort liegen nämlich eher unsere Probleme...

    Der Staat (also seine Bediensteten) ist vorrangig Diener des Volkes, oder sollte es zumindest sein. Erst dann kommt die Wirtschaft und zwar nur so weit, wie es erforderlich ist, damit es dem Volk gut geht. Das Problem ist: Das Volk muss wieder in den Mittelpunkt, nicht die gut zahlenden oberen 10000! Gesetze müssen für den Bürger gemacht werden, nicht für Unternehmer - erst wenn es mehr Unternehmer als Bürger gibt, sollte man das überdenken. Die Realität sieht jedoch anders aus.
    Der Staat ist ein Gebilde, das seine Bürger schützen soll. Im Rahmen dieser Diskussion hier wäre es also sinnvoll den Schutz der Bürger vor der Wirtschaft zu thematisieren!



  • Kolumbus schrieb:

    Sa(n)dman schrieb:

    Wenn die Politiker unabhängig werden, dann kommt da nur noch mehr Staat bei heraus. Mal ganz abgesehen davon, daß nur Politik mit der Wirtschaft zusammen funktioniert. Eigentlich müssten wir eher dafür sorgen, daß sich die Politiker endlich mal um die Belange der gesamten Wirtschaft kümmern. Dort liegen nämlich eher unsere Probleme...

    Der Staat (also seine Bediensteten) ist vorrangig Diener des Volkes, oder sollte es zumindest sein. Erst dann kommt die Wirtschaft und zwar nur so weit, wie es erforderlich ist, damit es dem Volk gut geht. Das Problem ist: Das Volk muss wieder in den Mittelpunkt, nicht die gut zahlenden oberen 10000! Gesetze müssen für den Bürger gemacht werden, nicht für Unternehmer - erst wenn es mehr Unternehmer als Bürger gibt, sollte man das überdenken. Die Realität sieht jedoch anders aus.
    Der Staat ist ein Gebilde, das seine Bürger schützen soll. Im Rahmen dieser Diskussion hier wäre es also sinnvoll den Schutz der Bürger vor der Wirtschaft zu thematisieren!

    Es gibt mehr als 10000 Unternehmer. 😮

    Und die Angestellten hängen von ihrer Firma, also einem Unternehmen, ganz enorm ab. Außer im Staatsdienst (mit seinen ganz eigenen Nachteilen) kannst du dich der Wirtschaft nicht entziehen.



  • Badestrand schrieb:

    Also willst du darauf hinaus, dass bei Ent-Bürokratisierung viele Stellen flöten gehen würden?

    Nein, die freigewordene Arbeitszeit kann jetzt für den Unternehmenszweck eingesetzt werden, statt Statistiken über die Unfallhäufigkeit mit Klingen bis 3cm Länge mit rosaroten Griffen an irgendwelche Behörden zu schicken.
    Guck Dir doch nur mal an, wie sich das Verhältnis Verwaltungsangestellte : Bürger in den letzten paar Jahrzehnten entwickelt hat. Es hat sich trotz fortschreitender "Technisierung" nach oben entwickelt. Komisch, oder?

    Mr. N schrieb:

    Nun ja, es gibt tausend Dinge, die heute nicht gemacht werden, obwohl sie gemacht werden könnten, so rein theoretisch. Die menschlichen Bedürfnisse sind noch lange nicht erfüllt, allein schon, weil ein paar Milliärdchen Leute nichtmal unseren Lebensstandard erreichen.

    Gut, dann sollten unsere Anstrengungen dem Ziel gelten, diese Arbeit zu ermöglichen. Als Vorstufe: Sie nicht zu verhindern. Gilt natürlich "lokal" genauso.



  • scrub schrieb:

    Badestrand schrieb:

    Also willst du darauf hinaus, dass bei Ent-Bürokratisierung viele Stellen flöten gehen würden?

    Nein, die freigewordene Arbeitszeit kann jetzt für den Unternehmenszweck eingesetzt werden, statt Statistiken über die Unfallhäufigkeit mit Klingen bis 3cm Länge mit rosaroten Griffen an irgendwelche Behörden zu schicken.
    Guck Dir doch nur mal an, wie sich das Verhältnis Verwaltungsangestellte : Bürger in den letzten paar Jahrzehnten entwickelt hat. Es hat sich trotz fortschreitender "Technisierung" nach oben entwickelt. Komisch, oder?

    Was willst du mir damit sagen 😕 Hört sich für mich an, als wärst du gegen Bürokratie, nichts anderes schrieb ich oben in meinem Post... Nebenbei (wo das eigentliche Thema ja BGE ist), durch die Zusammenstreichungen von vielen Subventierungen zu einem einheitlichen Bürgergeld und einem einheitlichen Steuersatz würde eine der stärksten anti-bürokratischen Reformen überhaupt in Gang gesetzt werden 🙂



  • Mr. N schrieb:

    Es gibt mehr als 10000 Unternehmer. 😮

    Es gibt 82 Millionen deutsche Staatsbürger. 😮

    Mr. N schrieb:

    Und die Angestellten hängen von ihrer Firma, also einem Unternehmen, ganz enorm ab.

    Klingt wie ein Unternehmer (ohne Wertung). Und die Firma hängt von ihren Angestellten, also ihrer Arbeitskraft, ganz enorm ab.

    Mr. N schrieb:

    Außer im Staatsdienst (mit seinen ganz eigenen Nachteilen) kannst du dich der Wirtschaft nicht entziehen.

    Das will ich auch nicht. Die Wirtschaft muss aber dem Menschen dienen und nicht umgekehrt! Es gab mal eine Zeit, da wurde gegen Sklaverei und ihre Unterstützer mit Waffen gekämpft und ich möchte nicht, dass meine Urenkel das wieder tun müssen.
    Einige Nachteile des Staatsdienstes sind mir bekannt, da ich mit drei Bereitschaftspolizisten zusammen gewohnt habe. Daher sind mir aber auch einige Vorteile bekannt.


  • Mod

    Badestrand schrieb:

    Nebenbei (wo das eigentliche Thema ja BGE ist), durch die Zusammenstreichungen von vielen Subventierungen zu einem einheitlichen Bürgergeld und einem einheitlichen Steuersatz würde eine der stärksten anti-bürokratischen Reformen überhaupt in Gang gesetzt werden 🙂

    Sorry, aber das ist nicht mal mehr Wunschdenken, sondern Geschwätz. Muß ich mal ganz hart so sagen.

    Ein schönes Beispiel:

    Die Bundesknappschaft war Träger der gesetzlichen Rentenversicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung der im Bergbau beschäftigten Arbeitnehmer. Perfekt. Jetzt gab's aber immer weniger Rentner in dieser Sparte, so daß sich die Aufgabe der Bundesknappschaft in Luft auflöste.

    Aber man hat jetzt nicht die diese Einrichtung entsprechend aufgelöst, sondern ihr eine neue Aufgabe gegeben - sie verwaltet seit 2003 nun die Minijobs. Was hat eine Rentenversicherung des Bergbaus mit Minijobs am Hut? Nichts. Aber eine Behörde kann man nicht auflösen, sie beschäftigt sich immer selbst.

    Behörden und Verwaltungen wird man nur im Rahmen einer Revolution los. Ansonsten schafft sich eine Bürokratie niemals selbst ab, es gibt keine Beispiele dafür.

    Schon die Römer haben über ihre Bürokratie geklagt, und los wurden sie, als die Germanen aus dem Norden kamen, und anfingen mit den Köpfen zu kegeln. Aus eigener Kraft ging das nicht.



  • Kolumbus schrieb:

    Der Staat (also seine Bediensteten) ist vorrangig Diener des Volkes, oder sollte es zumindest sein.

    Soweit gehe ich erstmal mit.

    Kolumbus schrieb:

    Erst dann kommt die Wirtschaft und zwar nur so weit, wie es erforderlich ist, damit es dem Volk gut geht.

    Da wird's IMHO langsam grenzwertig, weil Du IMHO die Interdependenzen vergisst. Prinzipiell stimme ich Dir aber auch noch zu.

    Kolumbus schrieb:

    Das Problem ist: Das Volk muss wieder in den Mittelpunkt, nicht die gut zahlenden oberen 10000! Gesetze müssen für den Bürger gemacht werden, nicht für Unternehmer - erst wenn es mehr Unternehmer als Bürger gibt, sollte man das überdenken.

    Und jetzt wird es Blödsinn. Ein jeder Unternehmer ist auch Bürger. Insofern zerfällt die Aussage in sich selbst. Außerdem hängen an vielen Unternehmern ja auch häufig eine Handvoll Arbeitnehmer. Schützt Du jetzt nur den Arbeitnehmer (und so übersetze ich Dein Bürger jetzt einfach mal), dann schadest Du damit zwangsläufig dem Arbeitgeber (=Unternehmer). Schadest Du aber dem Arbeitgeber, kann er sich meist weniger Arbeitnehmer leisten. Die Rechnung ergibt einen von oben verursachten Arbeitslosen, dem direkt geschadet wurde. Wichtig wäre also ein gesunder Kompromiss aus Schutz für den Arbeitnehmer und Freiheit für den Arbeitgeber. Der Kompromiss kann doch aber nicht so aussehen, daß er all die Arbeitnehmer "zwangsbeschützt", unabhängig von deren freien Willen und wahrgenommenen Schutzbedürfnis. Und genau das passiert in diesem Lande.

    Kolumbus schrieb:

    Die Realität sieht jedoch anders aus.

    Stimmt. Die Realität sieht so aus, daß der Staat einer Mehrzahl der Unternehmer mehr schadet als nützt, indem er den Bürger zu tode schützt. Indirekt schadet der Staat also zum einen seinen Bürgern, und zum anderen erzieht er die Bürger auch noch zur Unselbständigkeit.

    Bitte hör Dich mal in mittelständischen und kleineren Unternehmen um. Die werden Dir alle unisono das selbe erzählen, und zwar Mitarbeiter wie die Bosse, nämlich das der staatlich/europäisch verordnete Wahnsinn einfach nervt.

    Beispiel gefällig? Unser Unternehmen erlaubt die Privatnutzung dienstlicher EDV, solange es den Arbeitsprozess nicht behindert. Folglich wird mir also niemand den Kopf abreißen, wenn ich in der Firma mal nebenbei im Forum surfe oder eine Mail schreibe. In der Folge könnte es dadurch sein, daß ein jeder dienstlicher Computer private Daten des Benutzers enthält. Das deutsche Recht schreibt uns nun vor, eben diese potentiell privaten Daten besonders gegen fremde Zugriffe zu schützen. Das bedeutet, selbst ich als Admin darf nicht auf die Daten zugreifen können. Ich darf sie nicht mal ins Backup mit einbeziehen, da ich ansonsten ja nur schwer unwiederbringlich löschen könnte.

    Auf der anderen Seite schreibt mir Vater Staat aber vor, daß ich dienstliche Dokumente zehn Jahre aufbewahren muss. Führt zu zwei unterschiedlichen Lagerorten für Word-Dateien und doppelt vorgehaltenen Ressourcen.

    Das Problem ließe sich natürlich auch einfacher lösen, indem ich einfach eine Betriebsvereinbarung aufsetze, in der unsere Mitarbeiter uns einfach nur das Backup genehmigen und auf das Recht zur unwiederbringlichen Löschung verzichten. Für eine Betriebsvereinbarung benötige ich aber einen Betriebsrat, den ich nicht habe. Selbst den Verzicht erklären dürfen unsere MA nicht - obwohl alle betroffenen unisono und ohne Aufforderung durch irgend wen die Bereitschaft dazu erklärt haben.

    Bei mir sitzt der Chef nebenan und steht zur Problemlösung bei Tasse Kaffee eigentlich immer gern und in freundlichem Tonfall bereit. Was sollte ich also mit einem Betriebsrat wollen? Der ist nur teurer als die krude Datenhaltung.

    Aber nein, so ziemlich alle Durchführungsvorschriften von Vater Staat sehen eine Interessenvertretung für meine Interessen vor, die ich selber viel effektiver vertreten kann. Darf ich nur nicht.

    Das ist aber auch nur ein Beispiel (was mich heute mal wieder besonders geärgert hat) von vielen. Alle diese Verordnungen skalieren einfach nicht gut nach unten. Als Arbeitnehmer mit auch nur einem Mindestmaß an Verantwortung für einen Fachbereich X in Deinem Unternehmen stehst Du dadurch erstmal ganz pauschal mit einem Bein im Knast. Vor Verantwortung musst Du grade in kleineren Unternehmen also eigentlich schon fast weg rennen.

    Kolumbus schrieb:

    Der Staat ist ein Gebilde, das seine Bürger schützen soll. Im Rahmen dieser Diskussion hier wäre es also sinnvoll den Schutz der Bürger vor der Wirtschaft zu thematisieren!

    Der Staat ist ein Gebilde, das seinen Bürgern die größt mögliche persönliche Freiheit gewährleisten soll, ohne die Freiheiten und Rechte anderer Bürger zu beschneiden. Im Rahmen dieser Diskussion wäre es also sinnvoll, den Schutz der Bürger vor Einschnitten in deren Freiheit durch den Staat zu thematisieren.

    IMHO sind weder Bürger noch Wirtschaft das konkrete Problem. Die Interessen beider Seiten verlaufen ja nicht konträr. Flexibilität im Bezug auf die persönlichen Interessen konkreter Individuen auf beiden Seiten vorausgesetzt, können beider Seite Prioritäten relativ problemlos befriedigt werden. Mischt sich allerdings eine dritte Stelle ein und unterbindet diese Flexibilität - schlimmsten Falls noch unter Annahme irgendwelcher Durchsschnittsinteressen der konkreten Individuen - kann keiner Seite Prioritäten mehr ihr Recht zukommen.

    Mich würde mal interessieren, was Dir die Wirtschaft denn so schlimmes getan hat...

    Gruß Jens


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