Hans Reiser schuldig gesprochen
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Fast fünf Monate dauerte der Mordprozess gegen Hans Reiser. Vor
Gericht wurde jedes Detail der Person Hans Reiser, seiner
gescheiterten Ehe und seiner Firma ausgebreitet. Einen Beweis dafür,
dass Hans Reiser seine Ehefrau getötet hat, egal ob Mord, Totschlag
oder Unfall, wurde allerdings zu keiner Zeit erbracht. Das kann man
mit Bestimmtheit nach dem Lesen der Gerichtsprotokolle von Wired und
SFGate sagen. Was nicht heissen muss, dass Hans Reiser unschuldig
ist. Nur die vorgelegten Indizien reichen einfach nicht aus. Und so
müsste eigentlich das Prinzip gelten: "Im Zweifel für den
Angeklagten".So liess sich die Jury beeindrucken vom grossen Prozesstheater, in
dem die Verteidigung zumindest unglücklich und strategisch fehlerhaft
agierte. Und es dem Ankläger gelang, Hans Reiser zum bösen Buben, zum
unangepassten Computerfreak, zum Psychowrack und zum Bürgerschreck zu
stilisieren. Hans Reiser tat sein Übriges dazu, diesen Eindruck bei
der Jury zu verfestigen.Hans Reiser wurde schuldig gesprochen, weil er anders ist/war als
Bürger Normalo. Weil er aus einem unangepassten Elternhaus kommt,
seine Mutter ist eine exzentrische Künstlerin. Weil er alles andere
als ein guter Normalspießer war, der schuftet, um Ehefrau und Kinder
ein bequemes Zuhause zu verschaffen. Für ihn spielte Geld keine
grosse Rolle, mit seiner Energie wollte er jenes
OpenSource-Dateisystem erschaffen. Und schließlich weil bei ihm eine
leichte Form des Autismus, das so genannte Asperger-Syndrom,
festgestellt wurde.So taugte Hans Reiser glänzend zum Sündenbock und völlig in
Vergessenheit geriet das seltsame Gebahren seiner Ex-Ehefrau. Die
ständig mehr Geld ausgab als ihr zur Verfügung stand. Die in die
Kasse der Firma griff. Deren persönlicher Konkurs vor der Tür stand.
Die Reiser mit seinem besten Freund betrog und später wechselnde
Beziehungen zu recht dubiosen Typen unterhielt - gelinde gesagt. In
all diese Richtungen war nie ermittelt worden, wie die Polizei zugab.
Was letztlich gegen Hans Reiser sprach, war die Tatsache, dass seine
Ex-Frau nachdem sie die Kinder bei ihm abgegeben hatte, von niemand
mehr gesehen wurde. Alle anderen Indizien waren schwach, nicht
eindeutig oder widersprüchlich und bezogen sich eher auf des
Angeklagten "seltsamen Verhalten", das aber eigentlich bei genauer
Betrachtung gar nicht so seltsam war.Der Prozess zeigt nur deutlich die Schwächen des amerikanischen
Rechtssystems. Der Prozess als grosses Theater, bei dem es weniger um
Fakten geht, sondern darum, den Geschworenen eine überzeugende Rolle
vorzuspielen. Hans Reiser hat überzeugend die Rolle des Außenseiters
gespielt, die Anklage hat aus seiner verschwundenen Frau das
kinderliebe Schätzchen konstruiert und die Verteidigung war mit dem
Prozess und dem schwierigen Angeklagten überfordert. So entstand bei
den Geschworenen der Eindruck seiner Schuld. Die wenigen Fakten
blieben unberücksichtigt.
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1:1 kopiert und falsches Forum.