Eure Meinung zur Bankenverstaatlichung



  • Umfrage: Siehe Titel...

    Auswahl Stimmen Prozent
    Ich bin dafür 12 36.4%
    Ich bin dagegen 16 48.5%
    Ist mir egal 5 15.2%

    http://www.welt.de/wirtschaft/article3329277/Steinbrueck-verteidigt-Banken-Verstaatlichung.html
    was meint ihr? ich finde es gut.



  • Hallo,

    lies mal den Weltuntergangsthread, der inzwischen fast 80 Seiten hat. Da dürfte jeder seine Meinung kundgetan haben.

    Ist aber doch schön, jetzt wo die Linken endlich die Verstaatlichung kriegen, die sie seit Jahren forderten, sind sie sich gar nicht mehr sicher, ob sie sie überhaupt wollen. 🙂

    Viele Grüße
    Christian



  • http://www.welt.de/wirtschaft/article3329277/Steinbrueck-verteidigt-Banken-Verstaatlichung.html schrieb:

    Steinbrück sagte, der Staat müsse im Interesse des Steuerzahlers bald eine Kontrollmehrheit an dem börsennotierten HRE-Konzern erlangen, um die schon gewährten Staatsgarantien von 87 Milliarden Euro zu sichern. „Der Staat hat dafür zu sorgen, dass nicht die Steuerzahler enteignet werden“, sagte der stellvertretende SPD-Chef.

    Wenn der Staat schon so viel Geld da reinsteckt, dann muss der Staat auch Einfluss darauf ausüben können. Man kann doch nicht einfach solche hohen Summen verschenken, wobei im Nachhinein nicht mal klar ist, was damit geschieht, wenn der Staat keinen Einfluss hat. Oder auf einen Aktionär bezogen: Wenn ein Aktionär viel Geld investiert und damit einen prozentualen Großteil sich aneignet, dann will er Gewiss auch nicht ohne Stimmrecht bleiben.
    Und bei diesen Hilfspaketen, die der Staat HPE gegenüber geleistet hat, handelt der Staat ja nicht als Investor, sondern als Hilfeleistender. Also hat der Staat nicht einmal einen direkten Nutzen, er will nur Schadensbegrenzung auf dem Finanzmarkt vornehmen. Bei der jetzigen finanziellen Lage von HPE wird sonst kein Schwein da Geld reinstecken wollen.

    Warum es jetzt also so einen Aufstand wegen staatlicher Kontrollen gibt, verstehe ich nicht.

    http://www.welt.de/wirtschaft/article3329277/Steinbrueck-verteidigt-Banken-Verstaatlichung.html schrieb:

    Die Hypo Real Estate hält sich aktuell nur mit staatlichen und privaten Hilfen von 102 Milliarden Euro über Wasser.

    Die Aktionäre regen sich auf. Aber so wie ich dem Artikel entnehmen kann, wäre die HPO schon längst vom Fenster weg, wenn der Staat da keine Hilfspakete reingesteckt hätte. Was hätten die Aktionäre, wenn der Staat keine Hilfspakete reingesteckt hätte und die HPO den Bach untergegangen wäre? Garnichts.

    Dass die FDP da wieder irgend einen Quatsch von wegen "Planwirtschaft" aufschreit, ist mal wieder typisch.



  • Schneewittchen schrieb:

    ansich ist es ja auch andersrum. privatisierungen sind enteignungen des volkes.

    gruesse, mm



  • mezzo mix schrieb:

    Schneewittchen schrieb:

    ansich ist es ja auch andersrum. privatisierungen sind enteignungen des volkes.

    Wenn ich nicht mehr für Dinge bezahlen möchte, die ich nicht nutze, dann werde ich enteignet? Wieso?

    Und: Was ist daran Enteignung, wenn man jedem Bürger einen Anteil an Produkt X anbietet, das er dann in einen neuen (auch selbst gegründeten) Betreiber investieren kann?



  • Ich bin nicht sicher, ob die Banken verstaatlicht werden sollten, oder ob man sie in die Insolvenz schicken sollte. Oder ob man vielleicht ein spezielles - für alle Banken gültiges - Banken-Insolvenzrecht einführen sollte.



  • Ist eigentlich bedenklich das eine Bank so verflochten ist das man sie retten muss.
    Ich bin dagegen aber man hätte schon kein Geld reinstecken dürfen bzw. keine Garantie abgeben dürfen.
    Es ist eine Enteignung da der Staat "noch" kein Geld investiert hat.
    Würde er das tun hätte er auch die Aktien kaufen können.
    Im Grunde sind die Banker aber auch selbst Schuld. Wegen Gier dies alles. UNd vor allem in Amerika bei den Banken.
    So gesehen können die auch Enteignet werden.
    Problem daran ist aber das die Aktie unter 1 Euro wert ist und die Enteigneten aber > 3 Euro bekommen.
    Also wieder ein "gutes" Geschäft um noch zumindest etwas rauszuholen. Verloren haben unterm Strich eh alle.



  • Schneewittchen schrieb:

    Wenn der Staat schon so viel Geld da reinsteckt, dann muss der Staat auch Einfluss darauf ausüben können. Man kann doch nicht einfach solche hohen Summen verschenken, wobei im Nachhinein nicht mal klar ist, was damit geschieht, wenn der Staat keinen Einfluss hat. Oder auf einen Aktionär bezogen: Wenn ein Aktionär viel Geld investiert und damit einen prozentualen Großteil sich aneignet, dann will er Gewiss auch nicht ohne Stimmrecht bleiben.

    Ja, aber hier liegt ja genau der Unterschied zwischem dem Staat und einem Aktionär: Ein Aktionär kauft sich seine Anteile auf ehrliche Weise an der Börse, von jemand der sie verkaufen möchte. Der Staat könnte dies natürlich auch tun (und hätte dann auch alle Rechte eines Aktionärs), aber weil ihm der Preis zu teuer ist, zwingt er einfach den jetzigen Aktionär "mit vorgehaltener Waffe" dazu, ihm die Aktie zu einem niedrigeren Preis zu "verkaufen".

    Schneewittchen schrieb:

    Die Aktionäre regen sich auf. Aber so wie ich dem Artikel entnehmen kann, wäre die HPO schon längst vom Fenster weg, wenn der Staat da keine Hilfspakete reingesteckt hätte. Was hätten die Aktionäre, wenn der Staat keine Hilfspakete reingesteckt hätte und die HPO den Bach untergegangen wäre? Garnichts.

    Das weißt du ja nicht. Vielleicht wäre ein anderer Investor gekommen, vielleicht hätte sich ein anderer Weg gefunden oder vielleicht wären sie auch pleite gegangen. Das liegt alles im Bereich des möglichen, wobei man im Falle der HRE zugeben muss, dass eine Pleite das wahrscheinlichste Szenario gewesen wäre. Aber der Punkt ist, dass du letztendlich nicht weißt, was passiert wäre.

    Unix-Tom schrieb:

    Im Grunde sind die Banker aber auch selbst Schuld. Wegen Gier dies alles. UNd vor allem in Amerika bei den Banken.
    So gesehen können die auch Enteignet werden.
    Problem daran ist aber das die Aktie unter 1 Euro wert ist und die Enteigneten aber > 3 Euro bekommen.

    Die Banker werden aber nicht enteignet, sondern die Aktionäre- zumindest JC Flowers (HRE-Großaktionär). Und > 3 Euro war nicht das, was sie erhalten, sondern das, was JC Flowers gefordert haben und was der Bund nicht zahlen würde. Genau deshalb wurde ja das Enteignungsgesetz geschrieben.

    Viele Grüße
    Christian



  • Ich würde noch ganz andere Sachen verstaatlichen ...

    Man sieht ja, dass unsere Regierung keinen Konkurrenzkampf auf dem Markt aufrecht erhalten möchte oder kann, daher müsste aus verbraucherschutztechnischen Aspekten eigentlich zumindest ein staatlicher Konkurrent existieren, der grundlose Preissteigerungen wie zb bei den Gaspreisen unter Kontrolle bringt. Es gibt viele Marktsegemente wo man verstaatlichen könnte, aber bei den Banken hat sich dass durch die Krise jetzt ein wenig angeboten. Nur denke ich, dass sowas wegen dt. Vergangenheit nichtin Frage kommt.

    Andererseits verdient der Staat ja an sowas mit und ist nicht an Verbraucherschutz interessiert, wie man an vielen GEsetzen, insbesondere im Bereich der Inhalte in Lebensmitteln etc sieht. Lediglich die Tatsache, dass Banken ein Wirtschaftssystem destabilisieren können bietet also den ausschlaggebenden Punkt und ich bin da eigentlich dafür.



  • Warum sollte der Staat die Banken überhaupt retten? Wenn man im Endeffekt eh die Haftung übernimmt, sollte man die Banken schon verstaatlichen. Aber warum überhaupt haften? Wir programmieren doch nur die nächste Bankenkrise, weil die inkompetenten Manager nicht das bekommen, was sie verdient haben.



  • rüdiger schrieb:

    Warum sollte der Staat die Banken überhaupt retten? Wenn man im Endeffekt eh die Haftung übernimmt, sollte man die Banken schon verstaatlichen. Aber warum überhaupt haften? Wir programmieren doch nur die nächste Bankenkrise, weil die inkompetenten Manager nicht das bekommen, was sie verdient haben.

    Und auch die inkompetenten Gläubiger (das sind nicht nur die Aktionäre!), bzw. die Trittbettfahrer, die einer Bank Geld geben, weil sie denken "Der Staat rettet die eh wieder."



  • rüdiger schrieb:

    Warum sollte der Staat die Banken überhaupt retten? Wenn man im Endeffekt eh die Haftung übernimmt, sollte man die Banken schon verstaatlichen.

    Das Standardargument pro Rettung sind wohl die "systemischen Effekte", also die Vernetzung, aber ich bin mir nicht mal sicher, ob das Argument wirklich hält.

    Wenn man sich ansieht was mit zB. Lehman passiert ist, da war die negative Auswirkung auf die Finanzkrise kleiner, als zB. die Ankündigung von TARP (auch wenn der Spiegel von "Jahrhundertfehlern" phantasiert). Das Geschäft von Lehman ist ja auch ganz gut in anderen Banken eingegliedert worden, deren Computer laufen und Angestellten arbeiten also immer nicht.

    Abgesehen davon ist der Vernetzungseffekt erst mal nur ein Argument dafür, die Bank nicht schnell zu liquidieren, sondern langsam und geregelt und dafür scheint mir sowohl das Aktienrecht als auch das Insolvenzrecht genug Spielraum einzuräumen.

    Vor einem komplett staatlichen Bankensystem über viele Jahre hab ich aber Angst:
    Erinnern wir uns, der Staat ist nicht einmal kompetent genug, Briefe pünktlich zuzustellen und ihr wollt ihm operative Geschäfte von Banken geben? Autsch. Ausserdem schreibt man damit den Status Quo fest und verbietet Innovation, was vielleicht noch schlimmer ist, als einen schlechten Präzidenzfall durch Bankenrettung zu setzen. Dazu kommt eine Politisierung des Systems ("keine Kredite für Linksparteiwähler" -- in England ist es schon so weit), langsame Entscheidungen, Konzentration auf überwiegend unmessbare ("soziale") Ziele und ein Bankennationalismus (wobei der internationale Wettbewerb das System halbwegs effizient halten könnte, wenn es erlaubt ist, jedenfalls).



  • Daniel E. schrieb:

    "keine Kredite für Linksparteiwähler"

    Da bin ich auch dafür. 🤡



  • Daniel E. schrieb:

    "keine Kredite für Linksparteiwähler" -- in England ist es schon so weit

    Kannst du mal dafür eine Quelle geben?



  • Einwender schrieb:

    Daniel E. schrieb:

    "keine Kredite für Linksparteiwähler" -- in England ist es schon so weit

    Kannst du mal dafür eine Quelle geben?

    http://www.spectator.co.uk/the-magazine/the-week/3430746/politics.thtml



  • Also ich sehe die Enteignung der Aktionäre nicht als enteignung an. Der Grund ist schlicht der, wenn die Bank pleite gehen würden wären die Aktien auch nichts mehr wert, damit verlieren die Aktionäre etwas das es ohnehin fast nichtmehr gibt.

    Die steuerung größerer Unetrnehmen durch den Staat ist schon recht kritisch weil es dort leider oft nicht nach Kompetenz sondern anch zugehörigkeit geht. Wobei man da auch wieder sagen kann das es bei Managern oft auch nicht anders ist, die sitzen auch bei sovielen Firmen da können sie auch nicht überall Kompetent sein. Ist halt alles ein für und wieder.



  • Daniel E. schrieb:

    Einwender schrieb:

    Daniel E. schrieb:

    "keine Kredite für Linksparteiwähler" -- in England ist es schon so weit

    Kannst du mal dafür eine Quelle geben?

    http://www.spectator.co.uk/the-magazine/the-week/3430746/politics.thtml

    😮 die spinnen die Briten!



  • hallo, erstmal vielen dank für eure teilnahme an der umfrage.
    ich hatte vorausgesehn, dass viele für 'ich bin dagegen' gestimmt hätten. ihr überseht aber: das problem bei banken unserer tage ist, dass riskante zockerei zum alltagsgeschäft gehört. wohin uns das geführt hat, ist allgemein bekannt. deshalb sollte man eine kontrollinstanz einführen, die den bankern auf die finger schaut.



  • Lies doch endlich mal den Weltuntergangsthread, wie ich es oben schon vorgeschlagen habe.

    Ich weiß, dass du ein neuer User bist, aber das hatten wir hier alles schonmal diskutiert und wenn hier jetzt jemand einwendet, dass eine Kontrollinstanz ja vielleicht doch etwas anderes als eine totale Enteignung sein könnte, geht hier die ganze Diskussion von vorne los. 🙄

    Viele Grüße
    Christian



  • Zoom schrieb:

    ich hatte vorausgesehn, dass viele für 'ich bin dagegen' gestimmt hätten. ihr überseht aber: das problem bei banken unserer tage ist, dass riskante zockerei zum alltagsgeschäft gehört. wohin uns das geführt hat, ist allgemein bekannt. deshalb sollte man eine kontrollinstanz einführen, die den bankern auf die finger schaut.

    Du übersiehst dagegen, daß Banken schon wahnsinnig stark reguliert werden ... hilft nur nichts, wenn die Regulierer selbst den gleichen Herdentrieben anhängen wie der Rest der Welt. Darum funktioniert Regulierung über ordnungspolitische Maßnahmen (zB. Vorschriften zur Eigenkapitalbildung oder so), an denen Menschen nicht direkt beteiligt sind, hinaus immer schlecht und selbst das erodiert mit der Zeit, weil man meistens Wege finden kann, an den Regulierungen vorbeizukommen, in dem man zwar den Gesetzestext aber nicht dem "Geist des Gesetzes" zufriedenstellt oder eine neue Form des Handelns entwickelt, der vom Gesetz gar nicht betroffen ist.

    Was sagst Du eigentlich zu der Performance der Landesbanken in der Krise?

    Wenn Du dich für die Ursachen der Krise interessierst, kann ich empfehlen, mal eine Stunde freizuräumen und Stanford-Professor John Taylor eine Weile zuzuhören. Mein ja nur.


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