Was lernen eigentlich Elektrotechniker?



  • Ich frage mich das gerade, weil ich vor kurzem beschlossen habe, etwas technisches zu studieren; etwas, wo ich mit kleinen Prozessoren und Kommunikationsprotokollen usw. herumspielen kann. Mir ist nämlich über Erhards OS-Projekt wieder einmal aufgefallen, wie viel es in dem Bereich gibt, was ich noch lernen will. Und die Idee ist, dass ich das dann auch gleich studieren könnte.

    Im Moment bin ich gerade am Nachschlagen, was Elektrotechniker eigentlich den lieben langen Tag treiben. Die bauen sicher auch Schaltungen wie Logikgatter udgl. zusammen (auch nicht uninteressant), aber arbeiten die auch mit Computern? Und wenn nicht, welche technischen Disziplinen beschäftigen sich mit solchen Dingen?



  • Hehe, ja, was treibe ich den langen Tag?

    Logikgatter habe ich seit dem Studium nicht mehr gesehen.

    Häufige Tätigkeiten sind:

    - Entwurf von Steuerungen, SPS, Automatisierungstechnik (also auch mit Computern)
    - Schaltschränke und ähnliche Pläne entwerfen
    - Versorgungsnetze und Netzwerke für Fabriken oder ähnliche Bauten erstellen
    - für obige Sachen Simulationen programmieren
    - typischerweise findet man erfahrene Etechniker auch in der Projektleitung oder der Fabrikorganisation, dann auch übergreifend über andere Gewerke ("ein schlechter Elektriker ist immer noch ein guter Mechaniker")
    - Softwareentwicklung im Automatisierungsumfeld, d.h. Prozeßleitsysteme, Computervisualisierungen, Embedded Systeme, Signalprozessoren und Signalverarbeitung, also üblicherweise sind die meisten Softwareentwicklungen im Industrieumfeld außerhalb der "weißen Ware" (also Businessanwendungen) in den Händen von Etechnikern
    - natürlich auch das weite Feld von Inbetriebnahmen von Anlagen (Exportweltmeister!), d.h. wenn jemand ungebunden ist und nach dem Studium die Welt sehen will kann er dies als Inbetriebnehmer bei einer der zahlreichen exportorientierten Firmen tun

    [Ach so, und ich tue von obigen Sachen fast gar nichts.]



  • Der Titel fragt nach dem Lernen, der Text nach dem Tun. Da ja anscheinend beides auf den ersten Blick nicht unbedingt viel miteinander zu tun hat, wäre es vielleicht interessant, das mal klarzustellen.



  • Wenn du was mit "kleinen Prozessoren" (auch Microcontroller 😉 ) machen willst ist Etecknik sicher erste Wahl.

    Ich mache auch Software für uC und kann dir sagen, dass in diesem Bereich fast nur Etechniker eingesetzt werden und keine Informatiker, weil man halt auch vom drumherum Ahnung haben sollte und nicht nur vom Software erstellen.



  • Algo_ schrieb:

    und keine Informatiker, weil man halt auch vom drumherum Ahnung haben sollte und nicht nur vom Software erstellen.

    So eingeschränkt sind die Informatiker auch wieder nicht 😛



  • Schau dir am besten den Studienplan der Uni deiner Wahl an. Aber im Grunde befassen sich Elektrotechniker mit allem, wo elektrische Felder oder Ströme vorkommen. Wenn dich kleine Prozessoren und logische Schaltungen interessieren, ist technische Informatik für dich vermutlich eher interessant. In der Elektrotechnik schaut man dann nämlich eher, wie die Gatter gebaut werden. Aber das ist auch nur einer von vielen Teilbereichen! Daneben befasst man sich auch mit "ganz anderen" Dingen, wie Hochspannungsnetzen, Automatisierung, Nachrichtentechnik, Maschinenbau etc.



  • ... , und _sehr_ viel Mathe, so sagen/ klagen es die Betroffenen jedenfalls oft.



  • vielleicht geht sowas auch in die Richtung, die dich interessiert: http://www.informationselektronik.jku.at/ (schau mal bei der Uni deiner Wahl vorbei, vllt. haben die was vergleichbares)



  • Sinthoras schrieb:

    ... , und _sehr_ viel Mathe, so sagen/ klagen es die Betroffenen jedenfalls oft.

    Soweit ich weiß, aber beispielsweise weniger (abstrakte) Mathematik als Informatiker, oder? Ist jetzt kein Flaming, interessiert mich wirklich.



  • Es geht einfach in andere Zweige der Mathematik. In der Etechnik ist Analysis und die damit zusammenhängende Theorie der Schwerpunkt, also auch Funktionentheorie, Funktionalanalysis, Transformationen, Differentialgleichungen. Es wird oftmals als "greifbarer" empfunden, weil die Beispiele dafür in Physik und Technik leichter zu finden sind, allerdings ist der Tiefgang der Abhängigkeiten sehr hoch. Der Beweis des Parsevalschen Theorems und das was man wissen muß, damit man den Beweis führen kann, gelingt nicht mehr jedem.

    Es ist in der Tat aber so, daß man in der Etechnik sich wegen der ungeheuren Menge der Mathematik mehr auf das Anwenden beschränkt und seltener Beweise führt. Die Anwendung steht da mehr im Vordergrund als der Weg der Erkenntnis. Der Weg hat für die Etechnik nur insofern einen Wert, als er das Verständnis der Themen verbessert.

    Ich denke das ist ein Unterschied zur Informatik, wo Lin Algebra und Beweis- und Zahlentheorem stärker gewichtet sind, und viele Leute die Beispiele dafür als "trockener" empfinden, weil es nicht so einfach ist sich Anwendungen vorzustellen. Aber es ist natürlich klar, daß man das in der Informatik mehr braucht, da hier Grundthesen der Mathematik und der Beweisführung näher an Grundlagenthemen wie Automatentheorie, Berechenbarkeit, etc, hängen.

    Der Weg selbst innerhalb der Mathematik bringt hier also durchaus auch mehr Anwendungsmöglichkeiten für die Informatik mit, daher wird er auch stärker betont.



  • Ein kürzlich emeritierter Professor hier hat ein Buch geschrieben, das genau in die Richtung Signale etc. geht, und dieses Buch war von vorn bis hinten durchdefiniert. Ein Paradies für Mathematiker, für den normalen Etechniker leider etwas schwer verdaulich. Zum Glück sehen alle Prüfungen außer HM eher "handwerklich" aus, ich vermute, daß sonst viel mehr durchfallen würden, wenn z.B. lauter Beweise verlangt würden.
    Wenn ich mal zurückblicke, wird tatsächlich am meisten Wert auf Differentialrechnung und Integraltransformationen gelegt.

    Am anderen Ende der Skala stehen Rechenwege wie "Meine Herren, wir rechnen hier elektrisch, und da gilt: 25A geteilt durch 3 ergibt genau 8A". 🙂



  • Was hier (glaube ich) bisher vergessen wurde: ETechniker befassen sich natürlich auch mit Halbleitertechnik, Regelungstechnik, Nanoelektronik, Hochfrequenztechnik, Optik, theoretische Elektortechnik (Elektromagnetische Felder und Wellen), in Randgebieten (?) mit quantenphysikalischen Effekten... an manchen Unis ist die oben auch schon angesprochene technische Informatik ein Vertiefungsgebiet der Elektrotechnik. Und das, was hier in diesem Thread beschrieben wurde, ist bestimmt immer noch nicht vollständig. Je nachdem, womit man sich später beschäftigt, gibt es eine Menge Dinge zur Auswahl.



  • Eine Sache kann man auf jeden Fall sagen:

    Ein Etechniker hat von allen Ingenieurberufen sicherlich fast das breiteste Einsatzspektrum. Natürlich beginnen die Leute nach dem Studium fast immer technisch, aber so nach 10-15 Jahren findet man Etechniker wirklich überall.

    Selbst im Einkauf und Vertrieb (wie man so schön sagt: "von technisch erklärungsbedürftigen Produkten") gibt es einen erheblichen Anteil Etechniker.

    Auch in Beratungsfirmen für Produktionsorganisation, Planung, Produktionssteuerung. Das liegt zum Teil daran, weil man als Etechniker vom ersten Tag in Blöcken denkt, d.h. Modul, Eingänge, Ausgänge, verschalten. Dieses Abstraktionsprinzip benötigt man sehr stark auch in organisatorischen Bereichen, weswegen man hier viele Leute findet.

    Grundsätzlich gilt das auch für Informatiker, aber (das kann sich in den nächsten 10-20 Jahren noch ändern) der Etechniker hat eben den Vorteil, daß er bereits "hardwarenah" als Stempel auf die Stirn gedruckt hat, er hat da einen Heimvorteil auch in der realen Welt gegenüber einem Informatiker. Das ist weniger sachlich begründet, als vielmehr einfach "Historie". Das liegt an der Altersstruktur der Führungsebenen in den Firmen. Informatiker sind eben weitgehend in den IT-Abteilungen zu finden und machen Spezialistenkarrieren (z.B. CIO), aber man vertraut (noch?) keinem Informatiker die Leitung der Produktion (von Produktion) an. Einem Etechniker schon.



  • marco.b schrieb:

    Sinthoras schrieb:

    ... , und _sehr_ viel Mathe, so sagen/ klagen es die Betroffenen jedenfalls oft.

    Soweit ich weiß, aber beispielsweise weniger (abstrakte) Mathematik als Informatiker, oder? Ist jetzt kein Flaming, interessiert mich wirklich.

    Was meinst du mit abstrakter Mathematik? Algebra, Landausymbole, Metrische Räume, diskrete Mathematik, Numerik etc. hat man als ETler auch.

    Und je nachdem auch Differentialformen 😕 😉

    Marc++us schrieb:

    Ich denke das ist ein Unterschied zur Informatik, wo Lin Algebra

    Lineare Algebra hat man aber auch mehr als genug.



  • etler schrieb:

    Was meinst du mit abstrakter Mathematik? Algebra, Landausymbole, Metrische Räume, diskrete Mathematik, Numerik etc. hat man als ETler auch.

    Hatte ich (ET-ler, Uni) nicht. Also verallgemeinern kann man das sicher nicht. Wo haben ETler das denn? Und wieviel Semester nach dem Mathevordiplom fangen sie mit ET-Grundlagen an? 😉

    Und je nachdem auch Differentialformen 😕 😉

    Auch nicht.



  • Schreckt den Fragesteller doch bitte nicht mit einer Diskussion ab, was man wo wie braucht oder eben nicht! E-Technik ist ein ingenieurwissenschaftliches Fach mit vielen möglichen Einsatzgebieten. Im Studium lernt man zunächst alle Grundlagen, wozu notwendig auch die Mathematik gehört. Was einen dann genauer interessiert - sagen wir salopp Starkstromtechnik oder Elektronik - liegt in der Entscheidung des Studenten.
    Informatik dagegen ist keine reine Ingenieurwissenschaft, weil den Absolventen oft das Grundlagenwissen fehlt, wofür sie eine IT-Lösung entwickeln sollen. Für technische Ziele rate ich eher zu einem Studium näher an dem gewünschten Einsatzgebiet.



  • berniebutt schrieb:

    Informatik dagegen ist keine reine Ingenieurwissenschaft, weil den Absolventen oft das Grundlagenwissen fehlt, wofür sie eine IT-Lösung entwickeln sollen.

    Hä?



  • scrub schrieb:

    Der Titel fragt nach dem Lernen, der Text nach dem Tun. Da ja anscheinend beides auf den ersten Blick nicht unbedingt viel miteinander zu tun hat, wäre es vielleicht interessant, das mal klarzustellen.

    Das war wirklich ein wenig unklar. Ich hatte in dem Moment daran gedacht, was die Akademiker auf ihrem Institut tun. Aber was die E-Techniker in freier Wildbahn machen, will ich auch gerne wissen. Da habt ihr mir schon einiges genannt, und genug für mich, um mich genauer zu erkundigen.

    rüdiger schrieb:

    Schau dir am besten den Studienplan der Uni deiner Wahl an.

    Den hab ich natürlich schon überflogen, weil der im Internet zu finden ist. Andererseits glaube ich nicht mehr so sehr wie früher an das, was Broschüren versprechen. Der Jüngste bin ich auch nicht mehr, aber noch jung genug, um jetzt ganz einfach mit einem Studium anzufangen. Nur muss das dann auch zu mir passen.

    Am klügsten wäre es sicher, mich in einem geeigneten Moment an die Leute von der lokalen Uni anzuschleichen, und die mit meinen Fragen zu löchern. Da kommt es aber sehr auf das Timing an.

    Blue-Tiger schrieb:

    vielleicht geht sowas auch in die Richtung, die dich interessiert: http://www.informationselektronik.jku.at/ (schau mal bei der Uni deiner Wahl vorbei, vllt. haben die was vergleichbares)

    Das klingt auch interessant, kommt auf meine Agenda. Ich hab noch 2 oder 3 Monate, dann sollte meine Entscheidung feststehen.

    Sinthoras schrieb:

    und _sehr_ viel Mathe, so sagen/ klagen es die Betroffenen jedenfalls oft.

    Das stört mich nicht. Meine Geisteswissenschaftlichen Ambitionen sind in den letzten Jahren konstant abgefallen (ich bin wohl bald "Langzeitstudent"); ich werde den Verdacht nicht mehr los, dass es in vielen GW-Bereichen hauptsächlich darauf ankommt, irgendwelche Gedanken schön zu formulieren, ohne dass irgendjemand sagen könnte, ob das nun richtig oder falsch ist. In der Mathematik ist das zum Glück die Ausnahme. 🙂

    Marc++us schrieb:

    Es ist in der Tat aber so, daß man in der Etechnik sich wegen der ungeheuren Menge der Mathematik mehr auf das Anwenden beschränkt und seltener Beweise führt. Die Anwendung steht da mehr im Vordergrund als der Weg der Erkenntnis.

    Dieses Phänomen kenne ich schon aus der Schule und aus dem Alltag als Rechengehilfe bei Ingenieurkonsulenten (aber auch als solcher arbeitet man heutzutage hauptsächlich mit fremden und eigenen Computerprogrammen). Ich bin von der Schule hin ohnehin Ingenieur, und dachte deshalb früher, dass ich lieber was ganz anderes studieren sollte. Mittlerweile zweifle ich daran.

    Ich will meine Beweggründe weiter ausführen: ich hab mir gedacht, dass ein technisches Studium recht einfach für mich sein könnte, wenn ich etwas wähle, wovon ich schon das ein oder andere verstehe. Andererseits will ich natürlich auch was lernen. Da muss ich eine Balance finden, mit der ich zufrieden bin. Von E-Technik hab ich wenig Ahnung. Dafür sind Computer schon lange mein Steckenpferd.

    Andererseits ist ein Vorteil der E-Technik wahrscheinlich der, dass auf den Unis viel Spielzeug herumsteht, das ich mir privat unmöglich leisten könnte. Informatik (natürlich auch spannend) ist wohl stärker theorie-orientiert, also noch eher etwas, was man im Stillen (mit dem Heimcomputer) betreiben kann. Ich will aber auch wieder einmal etwas zum Basteln in die Finger bekommen. 🙂

    Weitere Hinweise werden natürlich erbeten und geschätzt.



  • µngbd schrieb:

    rüdiger schrieb:

    Schau dir am besten den Studienplan der Uni deiner Wahl an.

    Den hab ich natürlich schon überflogen, weil der im Internet zu finden ist. Andererseits glaube ich nicht mehr so sehr wie früher an das, was Broschüren versprechen. Der Jüngste bin ich auch nicht mehr, aber noch jung genug, um jetzt ganz einfach mit einem Studium anzufangen. Nur muss das dann auch zu mir passen.

    Du sollst dir auch nicht die Werbebroschüren anschauen, sondern den Studienplan. Sollte ja irgend wo eine Auflistung von der Studienkommission geben, welche Pflichtfächer es für das Studium gibt und was in den Fächern unterrichtet werden soll und was für weitere Bedingungen es gibt (Freifächer etc.)

    µngbd schrieb:

    Am klügsten wäre es sicher, mich in einem geeigneten Moment an die Leute von der lokalen Uni anzuschleichen, und die mit meinen Fragen zu löchern. Da kommt es aber sehr auf das Timing an.

    Da brauchst du dich nicht anzuschleichen. Schau einfach bei der Fachschaft vorbei, da sollte sich eigentlich immer jemand finden, der dir ein bisschen was zum Studium erzählen kann. Einfach ne E-Mail hinschicken oder schauen, wann die ohnehin eine Veranstaltung haben (die Fachschaft bei mir macht zB in der kälteren Jahreszeit regelmäßig Glühweinabende).



  • µngbd schrieb:

    Andererseits ist ein Vorteil der E-Technik wahrscheinlich der, dass auf den Unis viel Spielzeug herumsteht, das ich mir privat unmöglich leisten könnte.

    energietechniker u.ä. haben tolle spielsachen, z.b. tesla-generatoren, mit denen sie meterlange blitze durch die gegend schiessen.

    µngbd schrieb:

    Ich will aber auch wieder einmal etwas zum Basteln in die Finger bekommen.

    basteln kannste auch privat und teuer isses auch nicht. im studium kommst du sowieso erst ab ca. dem 3. semester oder so zum basteln, ausser du studierst an einer berufsakademie.
    🙂


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