Bummelstudent Guttenberg auch noch Plagiator?



  • Dieser Tage ist sie schwer in Diskussion gekommen, die Lichtgestalt der schwarzen Fraktion.

    Nicht nur, daß die Qualifikation zum Wirtschaftsminister nochmal in ein anderes Licht gerückt wird (er war Geschäftsführer eines Ladens mit 25 Mille Jahresumsatz und das, was man einen "Bummelstudenten" nennt, sh. Biografie), als Verteidigungsminister steht er für eher undurchsichtige Vorgänge rund um die Kundus- Affäre, die Gorch Fock- Affäre und etliche Ausflüge mit Sightseeingcharakter und Gutti- Barbie am Arm. Zur Truppenstärkung, natürlich.

    Jetzt soll sogar seine Dissertation an vielen Stellen aus Zitaten bestehen, nur leider ohne Quellenverweis. Unter seinen Parteikumpanen wird gemunkelt, daß er sowieso Null Ahnung von seiner Doktorarbeit hat und die vermutlich zugekauft ist.

    Es sieht so aus, als ob die Vollnullpen nur einen tollen Familienhintergrund bräuchten, um in der Politik was zu werden - und wir wählen diese Dampfplauderer auch noch, die wir sonst eher anspucken würden.

    Soo, Diskussion eröffnet, Meine Fragen:
    - einige von uns haben auf ehrliche Art und Weise Diplome und akademische Titel erworben, wie seht ihr das so?
    - oder läuft hier eine Schmutzkampagne gegen einen Edelmann und alles ist eigentlich anders?
    - oder spiegelt es nur den Gesamtzustand der deutschen Demokratie wieder? Würden wir auch gerne einen Berlusconi, einen Grasser haben?

    Edit: Da stand statt der schwarzen Fraktion "schwarzen Blocks". Ist aber begrifflich vorbelastet, sh. http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Block Dank an eMpTy! 😉



  • pointercrash() schrieb:

    Nicht nur, daß die Qualifikation zum Wirtschaftsminister nochmal in ein anderes Licht gerückt wird (er war Geschäftsführer eines Ladens mit 25 Mille Jahresumsatz und das, was man einen "Bummelstudenten" nennt, sh. Biografie)

    Zahlreiche Medien (unter anderem Spiegel Online und die Frankfurter Allgemeine Zeitung) begrüßten die Ernennung Guttenbergs zum Wirtschaftsminister und begründeten dies unter anderem mit Erfahrungen in der Wirtschaft wie der erfolgreichen Führung einer Großhandelsfirma für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe. Die betreffende Firma, die „Von Guttenberg GmbH“, stellte daraufhin klar, dass Karl-Theodor zu Guttenberg nie bei ihr gearbeitet habe und nur eine Namensgleichheit bestehe.[2][47] Die Verwechslung wurde dadurch gefördert, dass die Firma Guttenbergs und seiner Verwandten keinen eigenen Internet-Auftritt hatte und beide Firmen ihren Sitz in München bzw. in dessen Nähe haben

    Guttenberg war laut eigener Aussage ab 1994 in die Leitung der familieneigenen Beteiligungsgesellschaft Guttenberg GmbH in München „eingebunden“, die bis 2004 Anlageberatung für den Besitz seiner Familie betrieb.[9] Später war er deren geschäftsführender Gesellschafter.[14][2] Nach Angaben der Creditreform hatte die Guttenberg GmbH „ca. drei Beschäftigte“ und machte im Jahr 2000 einen Umsatz von „25.000 Euro geschätzt“.



  • Also zumindest ich kann auf die Sache gelassen mit einer gewissen Schadenfreude blicken, denn durch mein aktives Zutun ist der schwarze Bock mit seinen Pappfiguren bestimmt nicht an die Macht gekommen. 😃
    Deinen ersten beiden Fragen wuerde ich beiden teils zustimmen. Sicher ist sowas eine ziemliche Schlamperei. Sollten die Maengel in seiner Arbeit wirklich so erheblich sein, sollte der Mensch seinen Dr.-Titel eben wieder aberkannt bekommen und fertig. Auf der anderen Seite empfand ich Mr. Oelspur alias Diekmann der 2. noch nie gerade als besonders integer, kompetent oder vertrauenswuerdig und sein vor allem in Bayern gehyptes Strahlemann-Image reichlich uebertrieben. Da platzt nun eben mal wieder eine Blase und ein paar Trittbrettfahrer in der Poebel-Presse nutzen die Gelegenheit natuerlich aus - kennt man ja.
    Zuletzt: Mir scheint es so, als ob hierzulande ein gutes Image und Kluengelconnections schon Hauptgarant fuer hohe Posten in der Politik und politiknahen Bereichen ist. Tugenden wie Kompetenz, Verantwortung und politische Integritaet scheinen eindeutig zumindest zweitrangig. Nicht zuletzt deshalb, weil so jemand einfach zu langweilig fuer die sensationsgeilen Massenmedien und damit weitgehend unbekannt ist oder idR. sogar noch von solchen Figuren wie dem "Alles Gutti" zu Asche zerstrahlt werden.



  • Ich fasse meine Meinung dazu mal in einigen Punkten zusammen:

    1. Herr zu Guttenberg ist seit 2002 Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Es wundert mich generell erstmal, dass man in dieser Position mal eben so nebenbei eine Doktorarbeit anfertigen kann. Ich promoviere auch gerade und das sind 3++ Jahre Vollzeitarbeit (40++ Stunden/Woche), in denen nicht daran zu denken ist, noch etwas anderes zu machen. Es ist ja nicht nur das Zusammenschreiben der XYZ Seiten langen Dissertationsschrift. Da soll auch einiges an wissenschaftlicher Leistung drinstecken, die erstmal erarbeitet werden muss. Ich wuerde davon ausgehen, dass die Abgeordneten-Taetigkeit im Bundestag auch ein Vollzeit-Job sein sollte. Wie kann man also beides gleichzeitig machen? Und wenn man es macht, dann frage ich mich, wieviel wissenschaftliche Leistung ueberhaupt in der Arbeit stecken kann.

    2. Diese Zitate, bei denen die Quellen nicht angegeben sind, sind natuerlich Fehler. Aber letztendlich ist die Frage, wie gross der Anteil dieser Zitate an der Arbeit ist und was es in der Arbeit eigentlich betrifft. Wenn es nur ein paar mal aus Fluechtigkeit an irrelevanten Stellen passiert ist, dann wuerde ich das als Kavaliersdelikt einordnen. Falls es da um die eigentliche wissenschaftliche Leistung geht, die er als seine eigene ausgegeben hat, dann ist es wesentlich problematischer. Aber ein Zitat aus irgendeiner Tageszeitung kann wohl kaum eine wissenschaftliche Leistung sein. In solchen Zeitungen steht einfach nichts wissenschaftliches.

    3. Bei der ganzen Diskussion geht mir ab, dass man einmal die eigentliche wissenschaftliche Leistung darstellt. Das Zusammentragen von ein paar Zeitungsartikeln ist keine wissenschaftliche Leistung. Dabei geht es in der Promotion praktisch nur um die wissenschaftliche Leistung. Wenn die passt, dann hat er sich die Doktorwuerde verdient. Wenn sie nicht passt, dann haette sie ihm gar nicht erst erteilt werden duerfen. Die eigentliche Leistung kann man aber natuerlich nicht an ein paar Textpassagen ablesen.

    4. Falls es in den Rechtswissenschaften moeglich ist, eine Doktorarbeit einfach mal so nebenbei anzufertigen, dann ist die gesamte Geschichte nicht nur eine Peinlichkeit fuer Herrn zu Guttenberg, sondern fuer die gesamten Rechtswissenschaften, vor allem auch fuer die Universitaet Bayreuth.

    5. Eigentlich hat keiner der beteiligten Personen ein Interesse daran, dass Herrn zu Guttenberg die Doktorwuerde aberkannt wird. Die Uni Bayreuth muesste ja praktisch zugeben, dass sie mit der Erteilung solcher Titel unglaublich schlampig umgeht. Das waere ein riesiger Reputationsverlust. Deshalb wuerde es mich nicht wundern, wenn die Sache irgendwie im Sand verlaeuft. Deshalb ist es in dem Zusammenhang wichtig, dass von externen Personen, die sich die Arbeit angucken, Druck ausgeuebt wird, falls die Arbeit unakzeptabel ist.



  • Ich finde ihn sympathisch und finde er macht seine Arbeit gut. Is doch scheissegal, ob er nun ein paar Seiten abgeschrieben hat oder ob er ueberhaupt nen Dr. Titel hat.



  • this->that schrieb:

    Is doch scheissegal, ob er nun ein paar Seiten abgeschrieben hat oder ob er ueberhaupt nen Dr. Titel hat.

    es sind nicht nur ein paar Seiten, sondernd dutzende.

    Die Frage ist, warum er das gemacht hat. Sowas passiert ja nicht aus versehen und ein Kavaliersdelikt ist es ja auch nicht.

    Das mindeste wäre, dass ihm das summa cum laude aberkannt wird. rite wär hier wohl angebrachter



  • this->that schrieb:

    Ich finde ihn sympathisch und finde er macht seine Arbeit gut. Is doch scheissegal, ob er nun ein paar Seiten abgeschrieben hat oder ob er ueberhaupt nen Dr. Titel hat.

    Seltsam, Du fändest ggf. auch Betrüger (Unschuldsvermutung vorangestellt) sympathisch?
    Beim Wort genommen: Welche Arbeit macht er gut?



  • pointercrash() schrieb:

    this->that schrieb:

    Ich finde ihn sympathisch und finde er macht seine Arbeit gut. Is doch scheissegal, ob er nun ein paar Seiten abgeschrieben hat oder ob er ueberhaupt nen Dr. Titel hat.

    Seltsam, Du fändest ggf. auch Betrüger (Unschuldsvermutung vorangestellt) sympathisch?
    Beim Wort genommen: Welche Arbeit macht er gut?

    Das frage ich mich auch. Bisher hat er die Wehrpflicht abgeschafft und nun will er Ausländer in die Bundeswehr holen. Ob man ihn dafür nun auf Händen tragen sollte?



  • this->that schrieb:

    Ich finde ihn sympathisch und finde er macht seine Arbeit gut. Is doch scheissegal, ob er nun ein paar Seiten abgeschrieben hat oder ob er ueberhaupt nen Dr. Titel hat.

    Offenbar ist es nicht egal, ob er einen Dr-Titel hat oder nicht. Wenn die Vermutungen zutreffen, dann hätte er ja sogar strafrechtliche Konsequenzen in Kauf genommen, damit er einen Dr-Titel erwirbt. Und wenn man schon bei einer solch "unbedeutenden Kleinigkeit" ein derartiges Fehlverhalten an den Tag legt, dann ist es doch äußerst fragwürdig, ob man als Minister geeignet ist. Daher ist es wichtig, dass man den Verdacht klärt und falls sich die Plagiatsvorwürfe als richtig erweisen, er seinen Ministerposten räumt.



  • pointercrash() schrieb:

    Beim Wort genommen: Welche Arbeit macht er gut?

    er setzt sich ganz gut medienwirksam in szene und verwaltet seine vitamin b kontakte 🤡



  • this->that schrieb:

    Ich finde ihn sympathisch und finde er macht seine Arbeit gut. Is doch scheissegal, ob er nun ein paar Seiten abgeschrieben hat oder ob er ueberhaupt nen Dr. Titel hat.

    Es ist überhaupt nicht egal, in einer solchen Arbeit erklärt man rechtsgültig, dass man alles selbst gemacht hat.

    Wenn diese Erklärung sich als Lüge herausstellt, ist das eine schwere Straftat, wie eine Falschaussage vor Gericht.



  • earli schrieb:

    Wenn diese Erklärung sich als Lüge herausstellt, ist das eine schwere Straftat, wie eine Falschaussage vor Gericht.

    Ein Beschuldiger darf vor Gericht Falschaussage begehen, auch unter Eid (falls ein beschulidigter überhaupt vereidigt werden kann), nur Zeugen und Sachverständige nicht 😉 z.b. §153 StGB



  • Hallo

    Soo, Diskussion eröffnet, Meine Fragen:
    - einige von uns haben auf ehrliche Art und Weise Diplome und akademische Titel erworben, wie seht ihr das so?

    ich kenne zuviele, bei denen es nicht so ist

    - oder läuft hier eine Schmutzkampagne gegen einen Edelmann und alles ist eigentlich anders?

    Edelmann - glaube ich nicht aber so ein bischen Schmutzkampagne sicherlich

    - oder spiegelt es nur den Gesamtzustand der deutschen Demokratie wieder? Würden wir auch gerne einen Berlusconi, einen Grasser haben?

    vermutlich Ja

    Mfg
    Klaus



  • Eine schwere Straftat, klar. 🤡 Er hat ja nicht einmal eine eidestattliche Versicherung abgegeben, soweit ich bisher weiß. Was soll da bis auf ein böses "Du, Du" herauskommen?

    Er war mir schon immer unsympathisch und ich frage mich auch, was er bisher so toll gemacht haben soll. Ok, vielleicht war es eine Leistung, seiner Partei die Wehrpflicht auszureden. Und sonst?



  • scrub schrieb:

    Er war mir schon immer unsympathisch und ich frage mich auch, was er bisher so toll gemacht haben soll. Ok, vielleicht war es eine Leistung, seiner Partei die Wehrpflicht auszureden. Und sonst?

    Er ist vor allem Image, ein junger dynamischer Typ mit konservativen Werten wie Ehre und Anstand. Die letzten beiden Punkte fallen jetzt weg.


  • Global Moderator |  Mod

    scrub schrieb:

    Er war mir schon immer unsympathisch und ich frage mich auch, was er bisher so toll gemacht haben soll. Ok, vielleicht war es eine Leistung, seiner Partei die Wehrpflicht auszureden. Und sonst?

    Er ist telegen. Das reicht als Verdienst, um mächtig und berühmt zu werden. Das hat schon Schröder zum Kanzler gemacht und ihn voraussichtlich auch.



  • scrub schrieb:

    Eine schwere Straftat, klar. 🤡 Er hat ja nicht einmal eine eidestattliche Versicherung abgegeben, soweit ich bisher weiß. Was soll da bis auf ein böses "Du, Du" herauskommen?

    Die Erklärung, die du unter einer Dissertation unterschreibst, /ist/ eine eidesstattliche Versicherung.



  • SeppJ schrieb:

    Das hat schon Schröder zum Kanzler gemacht und ihn voraussichtlich auch.

    Schröder hatte das - ich will da rein - gen und war ein "armer hund". somit ist er vom typ ein ganz anders kaliber!



  • _-- schrieb:

    SeppJ schrieb:

    Das hat schon Schröder zum Kanzler gemacht und ihn voraussichtlich auch.

    Schröder hatte das - ich will da rein - gen und war ein "armer hund". somit ist er vom typ ein ganz anders kaliber!

    Schröder war auch ein SPD-Mann aus einem CDU-Land.

    Als CSU-Mann in Bayern gewählt zu werden, ist keine Kunst.



  • earli schrieb:

    Die Erklärung, die du unter einer Dissertation unterschreibst, /ist/ eine eidesstattliche Versicherung.

    In der Fassung von 2000 steht dort etwas von einer "ehrenwörtlichen Erklärung", die dürfte einen Wert als eidesstattliche Versicherung nahe Null haben. Aber natürlich bin ich nur juristischer Laie. 🙂

    Schröders Erfolg ist meiner Meinung nach durch zwei schwache Gegner zu erklären.