Warum hat sich der Acorn Archimedes in Deutschland nicht durchgesetzt?



  • Vom Preis-/-Leistungverhältnis her, scheint das damals für 3500 DM ja eine sehr potente Maschine gewesen zu sein.
    Macs und 386er PCs waren ähnlich teurer oder teilweise in den frühen Jahren auch teurer.

    Das OS schien recht leistungsfähig zu sein und lief allein schon im ROM, weshalb keine Festplatte oder Diskettenlaufwerk notwendig war.
    Für die Bootzeit war das sicher ein enormer Vorteil.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Acorn_Archimedes



  • Ich hatte damals bereits einen Acorn A3010 mit interner 2,5 Zoll HDD gehabt.

    Ja, insgesamt war der Archi (deshalb seit 1992 mein Pseudonym Artchi) in einigen Punkten wirklich beeindruckend. Besonders der ARM-Befehlssatz war wunderbar zum Assembler-Programmieren.

    Aber... ja ja, es gibt auch ein Aber... die Leistung war nicht mehr mit den PCs konkurrenzfähig. Spätestens mit dem 486er, HiColor-VGA-Krafikkarten, Soundblaster 16, CD-ROM-Laufwerke konnten die Archimedes einpacken.

    Da nützten die alten Lohrbeeren nichts... Acorn, Commodore und Atari haben sich leider auf ihren Erfolgen ausgeruht. 😞

    Als die POWER PLAY über PC-Spiele berichteten, die CD-ROMs oder Festplatten vorraussetzten und anderen NextGen-Techniken, wurde der Heimcomputer A3010 nicht mal mit IDE-Interface ausgeliefert. Ich musste für unmengen Geld ein proprietäres IDE-Interface und eine teure Notebook-HDD kaufen. Und dann konnte man auch kein CD-ROM-LW mehr anschließen.

    Der Amiga 1200 hat den gleichen Fehler gehabt: ohne HDD ausgeliefert.

    Stattdessen konnte man für 1999 DM einen voll ausgerüsteten HiEnd-Gamer-PC kaufen, auf dem beeindruckende Spiele wie X-Wing, 7th Guest, Doom u.a. liefen. Wer wollte da noch nen Archimedes für 1200 DM ohne HDD und ohne CD-ROM, für den es dann auch keine Games gab? Das ganze konnte man auch auf den Amiga 1200 übertragen.

    Acorn & Co. haben zu viele Fehler begangen. Schon alleine das die Rechner-Generationen unter sich inkompatibel waren...

    Als CBM von Acorn das Econet lizensieren wollte, hatte Acorn abgelehnt. Wie dumm muss man sein, eine Vernetzungsfähigkeit abzulehnen? 😮

    Aber mein Acorn A3010 und Acorn Risc PC sind immer noch in meinem Besitz. 👍



  • Artchi schrieb:

    Wie dumm muss man sein, eine Vernetzungsfähigkeit abzulehnen?

    Mindestens genauso dumm wie MS lange gebraucht hatte um TCP/IP einzubauen. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern als man die TCP/IP.sys, die man sich besorgen konnte (Telekom-CD, NIC-Treiber-CD), ins Win Systemverzeichnis kopieren musste. Obwohl jedes UNIXartige System es schon mit an Bord hatte.



  • cosanostra schrieb:

    Artchi schrieb:

    Wie dumm muss man sein, eine Vernetzungsfähigkeit abzulehnen?

    Mindestens genauso dumm wie MS lange gebraucht hatte um TCP/IP einzubauen. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern als man die TCP/IP.sys, die man sich besorgen konnte (Telekom-CD, NIC-Treiber-CD), ins Win Systemverzeichnis kopieren musste. Obwohl jedes UNIXartige System es schon mit an Bord hatte.

    Der Unterschied ist aber, das es die Treiber für MS-DOS und Windows 3.1 immerhin gab. Beim Archimedes gab es das nicht (Econet ist nicht Ethernet!). Da war Econet eben nicht mit Unix kompatibel. Econet war von Acorn-Computer speziell für BBC Micro und RISC OS entwickelt: billig und funktioniert! Weil weit weg von Unix!

    Acorn hatte zwar (genauso wie Commodore) eine parallel laufenden Unix-Rechnerreihe (Archi-Hardware mit einem BSD OS), aber die RISC-OS-Archimedes haben davon nicht profitiert. Genauso wie CBM einen Unix-Amiga parallel zum Amiga hatte. Die waren aber alle für sich alleine.

    Mit Econet hatte man aber eine sehr günstige Vernetzungstechnik. Hätte CBM dieses Econet für Amigas nutzen dürfen, wäre die Vernetzung zwischen RISC OS und Amiga OS möglich gewesen. Aber da gab es Grabenkämpfe und der Synergie-Effekt war noch kein Gedanke.

    Denn Ethernet war in dem Heicomputer-Segment damals einfach viel zu teuer... das war den schweine teuren BSD/Unix-Ablegern von Acorn und CBM vorbehalten.

    Du siehst... die MS-Kisten waren in dem Punkt (auch wenn es MS nicht von Haus aus unterstützte) überlegen. Denn man konnte ja immerhin die DOS/Win3.1-Kisten mit Ethernet-Karten und fremden TCP/IP-Treibern austatten.

    Erst später, als das Web populär wurde, hatte Acorn in ihrem RiscPC einen BSD-Stack mitgeliefert. Aber ich kann dir versichern: das Einrichten von PPPoP und per Modem war der Horror! Für einen Dummy-User, der einfach nur ins Internet wollte, war es nahezu unmöglich. Da hat dann eine AOL-CD gefehlt, die es wirklich jedem Dummy ermöglichte ins Web zu kommen. 😃



  • cosanostra schrieb:

    Artchi schrieb:

    Wie dumm muss man sein, eine Vernetzungsfähigkeit abzulehnen?

    Mindestens genauso dumm wie MS lange gebraucht hatte um TCP/IP einzubauen. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern als man die TCP/IP.sys, die man sich besorgen konnte (Telekom-CD, NIC-Treiber-CD), ins Win Systemverzeichnis kopieren musste. Obwohl jedes UNIXartige System es schon mit an Bord hatte.

    Ich bin mit Windows 3.1 und einer Fritz!ISDN ISA Karte erstmalig ins Internet gegangen und habe dafür die Shareware Trumpet Winsock benötigt, weil Windows 3.1 nichts dergleichen mitlieferte.

    Die ganzen atz, atdt Modemkommandos einzugeben war das schwierigste, ich musste mir damals von jemanden Hilfe suchen, weil ich auch keinerlei Anleitung und Ahnung zum Thema Modemkommandos hatte.

    WinME das schon mit DFÜ und TCP/IP Support kam, war da ne Offenbarung, aber als ich dann endlich DSL hatte, machte ich das mit Slackware auf dem alten 486 und hatte somit keine Schwierigkeiten mehr, die anderen Rechner ans Internet zu hängen. Wenn der Linux Router einmal eingerichtet war, dann lief er auch.
    In der Zeit, in dem ich diesen Router betrieb, habe ich Windows sicherlich ein Dutzend mal neu installiert, von WinME, über Win2K bis hin zu WinXP und das in mehrfacher Ausführung, da es ja auch mehr Rechner im Haus gab.

    Aber mit Trumpet Winsock fing alles an.



  • Artchi schrieb:

    Du siehst... die MS-Kisten waren in dem Punkt (auch wenn es MS nicht von Haus aus unterstützte) überlegen. Denn man konnte ja immerhin die DOS/Win3.1-Kisten mit Ethernet-Karten und fremden TCP/IP-Treibern austatten.

    Das ist richtig. Genau das macht den PC ja so überlegen, ein offenes System nicht abhängig von einem Hersteller. Das ist der Grund warum so viele Hersteller von damals auf der Strecke geblieben sind.


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