Angewandte Informatik - Studium mit Zukunft?



  • Moin,
    ich stelle mich mal kurz vor.
    Ich bin 22 Jahre alt, habe ("nur") die Fachhochschulreife und studiere derzeit Maschinenbau an der (mittlerweile ohne Fach-) Hochschule Flensburg.
    Vor dem Studium und der Fachhochschulreife hatte ich zunächst meinen Realabschluss durchschnittlich abgeschlossen (Note ~ 3) und danach direkt eine Ausbildung als Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik (umgangssprachlich auch Elektromaschinenbauer) im Handwerk angefangen.
    Während der Ausbildung war ich sehr interessiert an Spieleprogrammierung und habe angefangen C++ zu lernen. Ich fand es cool, Dinge, die mir im Kopf rumschwirrten in Code niederzulassen und das fertig-funktionierende Programm zu betrachten. Ich bin also so langsam aus dem "Ich möchte Videospiele spielen!" rausgewachsen und sah mir weitere Programmiersprachen, wie C#, Java, C, und Delphi, an. Auch die Auszeichnungssprache HTML zusammen mit CSS und folglich auch PHP und JavaScript waren auf einmal von großem Interesse.
    Aufgrund der viel zu geringen Bezahlung im Handwerk habe ich mir überlegt, das willst du nicht dein Leben lang machen. "Immer nur in, auf gut Deutsch, Scheiße zu wühlen, schockt dich nicht so an. Außerdem willst du später deiner Frau und Familie etwas bieten. Nur wie mit 12,50 € die Stunde als ausgelernte Fachkraft?" Ich begann also langsam etwas für meine Ausbildung zu tun. Letztendlich habe ich die Ausbildung als Landessieger abgeschlossen, mit dem Ziel, mein Abitur nachzuholen. Ich wollte aber nicht wieder so wenig Geld wie Schüler zur Verfügung haben, weshalb ich über Tag 8 Stunden arbeitete und abends zum Abendgymnasium ging. Daraus folgte dann meine Fachhochschulreife mit der Endnote 1,3, worauf ich etwas stolz bin und damit etwas anfangen möchte. Ein Studium muss her!
    Ich dachte mir also, Maschinenbauer biste ja schon, warum das nicht studieren? Der Ingenieurstitel bämt und genug Geld wirste auch verdienen. Erfahrungen hab ich auch neben der Abendschule gesammelt. Eine CNC-Maschine wurde von mir entwickelt und gebaut. Sie funktionierte sogar. 😃 Deswegen hab ich mich für das Maschinenbaustudium entschieden.
    Ich bin jetzt im 2. Semester und ich muss sagen, bisher schockt mich das Ganze nicht so an. Vom Stoff her komm ich locker mit. Die Mathematik begreife ich ziemlich schnell und Physik interessiert mich. Nur ist mir das etwas zu langweilig. Ich habe jetzt noch kaum Motivation dafür zu lernen. Klar, es sind noch Grundlagen, die ich lernen muss, aber will ich nicht doch etwas anderes machen? Wir haben jetzt im 2. Semester und auch nachher im 3. das Fach Informatik. Wir programmieren derzeit mit PHP das, was wir in Mathe gelernt haben. In den Praktika sehe ich, dass sehr viele Probleme mit Programmieren haben. Klar, ich programmiere die Sachen mit Links, weshalb ich derzeit Aushilfe in den Übungen bin und den Leuten den Kram näher bringe.

    Jetzt bin ich am überlegen, ob Informatik nicht das richtige für mich wäre. Hier in Flensburg gibt es den Studiengang "Angewandte Informatik". Programmieren kann ich schon, Webseiten entwickeln auch, Kryptografie interessiert mich sehr und Embedded Systems hört sich nice an, weiß jedoch nicht genau was damit gemeint ist. Hardwarenahe Programmierung?

    Klar, ich könnte sofort wechseln und wieder im 1. Semester anfangen und hätte auch keine Probleme damit. Nur wie sieht es mit dem Beruf als Informatiker aus? Ingenieure finden so ziemlich immer einen Job, Informatiker auch? Ingenieure sind in der Zukunft auf jeden Fall präsent. Informatik wird zwar auch immer präsent bleiben, denn kaum jemand wird auf Handys, PCs bzw. Mikroprozessoren verzichten wollen, aber ich habe die Befürchtung, dass der Markt in naher Zukunft überschwemmt wird. Wenn ich nach "Informatik Zukunftaussichten" im Internet suche, steht überall "blendend", "besser gehts nicht". Ich bin nicht der einzige, der sich für Computerarchitektur, Programmierung usw. interessiert und sehr viele sind heutzutage nunmal leider so, dass wenn sie Computerspiele mögen, Informatik studieren wollen. Und Videospieler gibt es unglaublich viele...

    Was meint ihr?



  • Also rein aus Perspektive der zukünftigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt muss man sich weder als Informatiker noch als Ingenieur große Sorgen machen. Der Bedarf ist groß und tendenziell eher steigend. Wichtiger ist die Frage was Du eigentlich machen willst. Wenn Du lieber Informatik machen willst, dann mach es.

    Ansonsten scheint es so zu sein, dass Du, zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit dem Maschinenbau eher unterfordert bist. Wenn es nur das ist, würde ich deswegen nicht sofort das Studium hinschmeißen. Es gibt sicher Möglichkeit wie Du das für Dich spannender gestalten kannst: Kannst Du vielleicht einzelne Vorlesungen aus späteren Semestern vorziehen? Häufig suchen die Institute auch mehr oder weniger händeringend gut Hiwis. Gerade wenn Du zum Beispiel gut programmieren kannst, kann das eine sehr gute Möglichkeit sein. Im besten Fall verdienst Du so Geld, arbeitest an einem spannenden, möglicherweise forschungsnahen Thema, und knüpfst so Kontakte, die eventuell nochmal nützlich sein werden.



  • @klucki9
    Ja, es gibt massiv viele Softwareentwickler/Informatiker. Und es werden vermutlich eher mehr werden als weniger. Allerdings wird die Zahl der wirklich guten Leute nicht dramatisch ansteigen. Die grosse Masse die dazukommt, kommt dazu, weil sie einfach Geld verdienen wollen, nicht weil sie sich für die Sache interessieren.

    Bevor ich jetzt zu weit abschweiffe, was ich sagen will: Als wirklich guter Entwickler hast du normalerweise kein grosses Problem einen Job zu bekommen - bzw. wirst du auch in 10 oder 20 Jahren nicht haben.

    Wenn du allerdings einen Job in einer coolen Firma möchtest, der auch der Leistung entsprechend entlohnt wird, dann wirst du auf jeden Fall Kompromisse machen müssen.
    Also z.B. was das Tätigkeitsfeld angeht (Games, Webseiten, ERP, CRM, Industriezeugs, ...), oder was den Standort angeht. Wenn du dazu bereit gibt, dann sehe ich erstmal kein grosses Problem.

    Und wenn du gut mit Leuten umgehen kannst, und bereit bist eine führende Position zu übernehmen (Teamleiter, iwas im Projektmanagement, ...), dann macht es die Sache nochmal leichter einen wirklich guten Job zu finden. Denn Leute die sich wirklich gut mit der Technik auskennen, gleichzeitig gut ein Team führen können und auch gut mit Kunden klarkommen, gibt es nicht so viele. Und auch was das angeht bin ich der Meinung dass sich in den nächsten 10-20 Jahren nicht viel ändern wird.

    Wobei das alles eigentlich auf sehr viele Bereiche zutrifft, nicht nur Informatik.

    ----

    Du solltest dir vielleicht überlegen einfach Informatik nebenbei anzufangen. Wenn Maschinenbau dich so wenig fordert dass dir schon langweilig ist, dann müsste das ja fast gehen dass du nebenbei schonmal etliche Informatik Vorlesungen machst. Bzw. falls du es schaffst bei Maschinenbau wenigstens den Bachelor zu machen und dann zusätzlich noch Informatik studierst, dann sollten deine Jobaussichten überhaupt traumhaft sein.



  • Hi.

    Zusätzlich zu dem, was die anderen schon geschrieben haben, möchte ich Dich auf eine Trivialität hinweisen:

    In jedem Studium wird man auch mit Themen konfrontiert, die man langweilig findet. Insbesondere bis die Grundlagen da sind, kann man sich nicht nur die Rosinen aus den Themengebieten rauspicken.



  • Danke für eure Antworten. Was mir beim Maschinenbau fehlt, ist halt die "Intelligenz" dahinter. Der Studiengang befasst sich nicht wirklich intensiv mit elektronischer Steuerung von Maschinen, obwohl man sie baut. D.h. dass ich später eher nur die Mechanik entwerfe (Plattendicken dimensionieren, Schrauben dimensionieren usw.), jedoch nicht die Steuerung beispielsweise einer CNC-Fräse. Die werden höchstwahrscheinlich Elektroingenieure entwickeln bzw. Informatiker programmieren. Speziell interessieren mich Mikroprozessoren, da alles heutzutage von ihnen abhängt. Ich hab eben keine Lust nur stumpfe Bauteile zu dimensionieren.

    Gregor schrieb:

    In jedem Studium wird man auch mit Themen konfrontiert, die man langweilig findet. Insbesondere bis die Grundlagen da sind, kann man sich nicht nur die Rosinen aus den Themengebieten rauspicken.

    Das ist mir klar. Und darauf habe ich auch hingewiesen.

    klucki9 schrieb:

    Die Mathematik begreife ich ziemlich schnell und Physik interessiert mich. Nur ist mir das etwas zu langweilig. Ich habe jetzt noch kaum Motivation dafür zu lernen. Klar, es sind noch Grundlagen, die ich lernen muss, aber will ich nicht doch etwas anderes machen?

    Es geht mir hier jedoch nicht um die Grundlagen, sondern um mein späteres Berufsleben. Nach meiner Lehre bin ich halt vorsichtiger mit meiner Berufswahl geworden und wollte mich hier über den Stand der Dinge von Informatikern bzw. Fachleuten hören 🙂



  • klucki9 schrieb:

    Ich bin 22 Jahre alt, habe ("nur") die Fachhochschulreife

    Warum in Anführungszeichen?

    Es gibt massenhaft Jobs für Informatiker, aber nur wenige davon sind wirklich spannend. Es gibt sehr viele Administratoren, etwas, was ich nie im Leben machen würde (und du vermutlich auch nicht). Es gibt sehr viele Leute, die irgendwelche banale Zeugs für kleine Firmen schreiben. Es gibt sehr viele 0815 Webentwickler. Und gerade auch Low Level und Embedded oder "industrienahe" Programmierung würde mich persönlich nicht faszinieren. Habe ich schon eine Weile gemacht, war sehr interessant. Aber nicht das, was ich auf Dauer machen will. Wirklich viele tolle Stellen gibts also nicht. Ich bin mit meinem jetzigen Job recht zufrieden, habe ihn aber eher durch Zufall entdeckt. Davor war ich quasi schon ausgebrannt und kaum noch an etwas interessiert.
    Es mag bei dir jetzt wieder anders ausschauen, vielleicht würde dir gerade der Embedded Bereich viel Spass machen und da gibts schon einige Jobs. Oder eine Kombination aus Maschinenbau und Informatik. Vor ein paar Tagen gabs übrigens eine Meldung, dass BMW Maschinenbauer zu Informatikern umschulen will.
    Das Studium fand ich jetzt auch eher durchwachsen. Am Anfang hats mir überhaupt nicht zugesagt, später und auch im Nachhinein fand ichs dann aber besser. Hätt aber noch besser sein können. Wenn ich etwas mache, dann beschäftige ich mich damit normalerweise sehr intensiv und will es "genau" wissen. Aber wenn an einer Vorlesung 70 Leute teilnehmen, dann gehts meist etwas langsamer und bleibt oberflächlicher, als ich das gern hätte.


Log in to reply