Probezeit nicht bestanden. Wie wieder bewerben?



  • Hallo,

    schrecklicher Schaden passiert. Tja. Seit über 20 Jahren in der SW-Entwicklung mit sehr wohl guten Zeugnissen. Aber ich habe wohl schleichend etwas nachgelassen, bin nach Jahrzehnten leichtfertig geworden und bei den hohen Anforderungen in dieser Stelle und der Härte von den Chef-Entwicklern hat es am Ende nicht gereicht.

    Frage ist jetzt was bei den Bewerbungsgesprächen sagen. Habe mit einem Profi-Personalcoach telefoniert, der mir geraten hat eine Geschichte zu erzählen und etwas zu flunkern. Ich war dort 8 Monate und nicht 6. 6 Monate ist die gesetzl. maximale Länge der Probezeit. Und es wird im Zeugnis drinstehen, dass aus betrieblichen Gründen gekündigt. Der Personalcoach meinte das würde mir auch dabei helfen eine Geschichte erfinden zu können, die ich präsentiere. Ich solle z.B. erzählen das Projekt wäre eingestellt worden. Problem ist, dass man das Projekt googeln kann und dann sieht man, dass es weiterläuft. Lügen kann ganz schnell kurze Beine haben. Ich würde mich da sehr unwohl fühlen.

    Ich hatte jetzt ein Bewerbungsgespräch, bei dem ich die Kündigung in der Probezeit mitgeteilt habe und erklärt habe, dass es sehr knapp war. Mein Chef wollte mich behalten, der Oberchef wollte aber dass die Probezeitendbewertung in allen Punkten gut ist und nicht in einigen mittelmäßig. Zuerst sagt mein Chef bestanden und 2 Tage danach der Oberchef, dass nicht bestanden. Die Leute, die mich eingestellt haben, waren nicht die, bei denen ich gearbeitet habe. Es haben dort auch ein Selbständiger und ein Externer gehen müssen innert ein paar Monaten. So war es auch alles wirklich. Der Kommentar war, dass es schon mal passieren kann, dass es nicht passt. Aber was in den Köpfen gedacht wird ist halt was anderes. Gehört habe ich von dieser Firma seit kurz vor Weihnachten nichts mehr.

    Ich glaube, dass der Personalcoach nicht so gut die Gesetze in der IT kennt. Personalnot ist trotz Nearshoring noch relativ groß und jemand, der sofort verfügbar ist, wird evtl. trotz allem doch genommen. Deswegen muss man nicht unbedingt flunkern wie in Berufen, in den die Stellen sehr rar sind und man wirklich am Ende wäre, weil man auch als Selbständiger nichts bekommt.

    Was würdet ihr tun? Hat jemand sowas schon erlebt oder das bei einem Bewerber miterlebt? Ich würde dabei bleiben die Kündigung in der Probezeit mitzuteilen. Das Flunkern ist ein riesen Stress für mich. Wenn sie mich doch nehmen, bin ich echt stressfrei danach, weil sie nicht sagen können, dass sie es nicht gewusst hätten. Kriege ich halt weniger Lohn, habe vielleicht einen schwereren Stand bis ich mich wieder etabliert habe. Was soll's. Habe mir das eingebrockt und muss es auslöffeln. Was meint ihr? Bin echt hin- und hergerissen.

    Danke und Grüße, Plover



  • Ich halte nichts vom Lügen, auch wenn man nicht unbedingt alles sagen muss. Man sollte in einem Vorstellungsgespräch aber auch durchaus seine Schwächen und Stärken kennen und damit umgehen können, sowie auch die ein oder andere nennen können (Es ist sehr unglaubwürdig wenn jemand nicht eine Schwäche hat).

    Ich kenne deine Situation nicht, auch wenn sich "ich habe wohl schleichend etwas nachgelassen, bin nach Jahrzehnten leichtfertig geworden" für mich wie ein Schuldeingeständnis liest. Gleichzeitig weiß ich aber auch das gerade im SW-Bereich einige sitzen die sich allgemein schlecht reden (Zumal auch in einigen Firmen gerne permanent Druck gemacht wird, indem man die untergebenen schlecht redet). Ich würde mir zuerst einmal darüber Gedanken machen welcher Teil der Kündigung berechtigt und welcher unberechtigt war. Teilweise stimmt auch schlicht die Chemie zwischen den Menschen nicht - was sehr häufig der Fall ist wenn man lange erfolgreich in anderen Firmen gearbeitet hat.

    Wobei du ein Problem hast: Du bist nicht in der Probezeit entlassen wurden, sondern danach. Die gesetzliche Probezeit ist nun einmal 6, nicht 8 Monate (Die Kündigung muss daher auch reguläre Kündigungsfristen einhalten - nach der kurzen Zeit dürfte die Frist 1 Monat sein). Und dann fragt man sich schon, warum du die 6 überstanden hast, aber anderseits kurz danach gekündigt wurdest.
    => Der Grund warum ich dies kritisch sehe ist, das ich Fälle kenne die sich in der Probezeit angestrengt haben und danach mehr oder weniger Däumchen gedreht haben (Der Unterschied war jedenfalls gravierend).

    Wobei ich das ganze auch nicht überbewerten würde. Du musst beileibe nicht alles sagen, solltest aber auch nicht lügen. In deinen Fall kann es der Beschreibung nach eine Kombination von "Chemie hat nicht gestimmt" (wogegen man nichts machen kann) und einem weiteren Grund bei dir sein. Wurdest du schon früher gekündigt, und wenn ja, ist der Grund der gleiche gewesen?



  • Plover schrieb:

    Aber ich habe wohl schleichend etwas nachgelassen, bin nach Jahrzehnten leichtfertig geworden und bei den hohen Anforderungen in dieser Stelle und der Härte von den Chef-Entwicklern hat es am Ende nicht gereicht.

    Ich könnte mir vorstellen, dass du bei weitem nicht der einzige mit diesem Problem bist. Bei uns in der Firma könnte ich mir schon einige in dieser Situation vorstellen, mich irgendwann in Zukunft eingeschlossen. Wir haben Senior Developer, und dazu gehöre ich mittlerweile auch, die sehr wichtig für die Firma sind. Das bedeutet bei uns aber vor allem, dass wir uns mit unserem sehr umfangreichen und komplexen System, mit Anforderungen, Abhängigkeiten usw. auskennen. Das heißt noch lange nicht, dass jemand der bei uns 20 Jahre gearbeitet und alles von Anfang an mitentwickelt hat und deswegen sehr wichtig ist, auch in einer anderen Firma gleich als führender Entwickler einsteigen könnte und dieselben Leistungen bringen würde. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dann Ermüdungserscheinungen auftreten. Und wer weiß, was für Erwartungen die neue Firma hat, wenn sie jemanden mit 20 Jahren Berufserfahrung einstellt und was dann passiert, wenn man nicht sofort diese Erwartungen erfüllt.



  • Hallo,

    danke für eure Antworten. Ja, lügen oder "Geschichtchen erzählen" mag ich auch nicht. Bei dem einen Bewerbungsgespräch sagte der Entwicklungsleiter auch, dass es das manchmal geben kann, dass die Chemie nicht stimmt. Vielleicht war das salomonisch gemeint. Die Leute sehen ja vom Anschreiben (sofort verfügbar) und Lebenslauf, dass man nicht mehr in einem Beschäftigungsverhältnis ist und denken sich ihren Teil. Sie hätten erst gar nicht eingeladen, wenn das für sie ein grundsätzliches Problem wäre. Wenn man sich rauslügt, mogelt man sich daran vorbei die Suppe auslöffeln zu müssen und dann ist man nicht zur Besserung gezwungen, was dann zu einer Spirale nach unten führen kann.

    Es einfach zu sagen und halt gute Gründe zu nennen und so in noch gesundem Rahmen die Dinge besser darzustellen ist einfach viel entspannter. Ich will ja auch noch ruhig schlafen können und das auch nach der Einstellung.

    Ich kenne deine Situation nicht, auch wenn sich "ich habe wohl schleichend etwas nachgelassen, bin nach Jahrzehnten leichtfertig geworden" für mich wie ein Schuldeingeständnis liest.

    Ich meine damit, dass ich das Ding geholt hätte, wenn ich ein bisschen mehr Biss gehabt hätte wie ich das früher hatte. Allerdings habe ich auch noch nie so harte Typen erlebt. Wird mir eine Lehre sein die Leute in Zukunft besser einzuschätzen. Das erzähle ich natürlich nicht im Bewerbungsgespräch. Ich habe inzwischen 3 neue Bewerbungsgespräche. Das erleichtert schon mal 😉

    Wobei du ein Problem hast: Du bist nicht in der Probezeit entlassen wurden, sondern danach. Die gesetzliche Probezeit ist nun einmal 6, nicht 8 Monate (Die Kündigung muss daher auch reguläre Kündigungsfristen einhalten - nach der kurzen Zeit dürfte die Frist 1 Monat sein).

    Die Kündigungsfrist ist 3 Monate, also ist Kündigung nach der Probezeit nicht der Fall gewesen. Ich habe das Angebot angenommen noch 2 Monate dranzuhängen, in der die Leute in einer kritischen Testphase Leute brauchten. So konnte ich parallel Bewerbungen verschicken, was mir geholfen hat.

    Und wer weiß, was für Erwartungen die neue Firma hat, wenn sie jemanden mit 20 Jahren Berufserfahrung einstellt und was dann passiert, wenn man nicht sofort diese Erwartungen erfüllt.

    Ja, das Problem ist, dass man mit sehr hohem Gehalt kommt und dann muss man auch sofort einschlagen sonst sind die Leute ungehalten. Ich habe jetzt bei den Bewerbungen etwas weniger verlangt. Ist immer noch ziemlich gutes Geld und ich habe weniger Stress und fange halt wieder von neuem an.

    Danke für die Antworten und Grüße,
    Plover



  • Plover schrieb:

    schrecklicher Schaden passiert. Tja. Seit über 20 Jahren in der SW-Entwicklung mit sehr wohl guten Zeugnissen. Aber ich habe wohl schleichend etwas nachgelassen, bin nach Jahrzehnten leichtfertig geworden und bei den hohen Anforderungen in dieser Stelle und der Härte von den Chef-Entwicklern hat es am Ende nicht gereicht.

    Selbstkritisch. Finde ich gut.

    Wenn die Anforderungen der Stelle so hoch sind und man setzt Dich nach 8 Monaten vor die Tür, dann sind entweder die Anforderungen nicht sooo hoch oder die Einarbeitungszeit zu kurz, um Dich zu bewerten.

    Die Qualität einer Arbeitsstelle hängt häufig davon ab, dass Deinem Vorgesetzten Deine Nase passt. In der einen Firma sucht man Leute, die sich aufopfern, die andere Firma sucht Leute, die mitschwimmen und nicht auffallen.

    Das ist kein Grund nicht selbstkritisch zu sein, aber es gilt genauso kritisch gegenüber der Stelle, der Firmenphilosophie und den Vorgesetzten zu sein.
    Ihr seid ein Team - oder eben auch nicht. Und wenn nicht, dann heißt das nicht automatisch, dass Du alleine daran schuld bist.

    Plover schrieb:

    Ich war dort 8 Monate und nicht 6. 6 Monate ist die gesetzl. maximale Länge der Probezeit.

    Das heißt, Du bist nicht in der Probezeit gekündigt worden.

    Nur um das festzuhalten: Du hattest einen unbefristeten Arbeitsvertrag - die Kündigungsfrist von einem Monat ist nur 2 Wochen länger als in der Probezeit, aber Du hattest einen Vertrag, für dessen Kündigung Dein Arbeitgeber einen angemessenen Grund haben muss.

    Plover schrieb:

    Und es wird im Zeugnis drinstehen, dass aus betrieblichen Gründen gekündigt.

    Das kannst Du erstens anfechten, würde ich aber nicht. Eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses wird wohl von beiden Seiten nicht gewünscht und falls von Deiner Seite gewünscht, wird man andere Gründe finden müssen, Dich vor die Tür zu setzen. Das liest sich dann vermutlich weniger schön.

    Plover schrieb:

    Der Personalcoach meinte das würde mir auch dabei helfen eine Geschichte erfinden zu können, die ich präsentiere.

    Ich habe mal 8 Monate in einer Firma gearbeitet, wo mir nach 2 Monaten klar war, dass das keine Zukunft hat. Dass ich in der Probezeit kündige, würde aber eh keiner glauben, also musste ich da durch.
    Am Ende der Probezeit hat man mir gesagt, dass man mit mir nicht zufrieden ist, weil ich immernoch nicht wusste, was ein Subprojekt macht. Wir haben dann rausgefunden, dass wenn ich frage, wie das Produkt konfiguriert wird, das nicht bedeutet, dass mir nicht klar wäre, was es tut - wenn es denn richtig konfiguriert ist.
    Im Gespräch erklärte man mir dann auch, dass man mir eigentlich kein Projekt gegeben hätte mit dem ich mich hätte wirklich beweisen können. Das stimmt, aber für die Aufgabenverteilung an mich sind meine Vorgesetzten verantwortlich.
    Wir waren also an dem Stand, dass die mich nicht wollten und ich sie nicht. Es passte nicht. Ich hatte nach zwei Monaten, die ich dort gearbeitet habe, vor 8-12 Monaten zu bleiben, so kündigte ich auf 8 Monaten, was auch eine sinnvolle Übergabe meiner Projekte ermöglicht hätte.

    Was war passiert?
    Unsere Gruppe arbeitete ohne Einarbeitung an einem Projekt, dass bereits fleißig verkauft wurde, aber für dass weder eine Zeile Code, noch einen brauchbaren Plan gibt. Unsere Gruppe war frisch eingestellt. Mit zwei Monaten Dienstzeit war ich nichtmals der unerfahrenste in der Gruppe. Der Dienstälteste war 3 Monate da. Wir erhielten vier Seiten Überschriften ohne Text dazwischen und sollten das dann umsetzen. (sic)

    Nach relativ kurzer Zeit erklärte ich dem Entwicklungsleiter, dass wir das Ding so gegen so die Wand fahren werden: Entweder es funktioniert nicht, oder es wird nicht zum gewünschten (total illusorischen) Termin fertig. Das brachte wohl auch keine Sympathiepunkte.
    Ich erhielt die Information, dass mir die Vision für solche Projekte fehlte - was ich ja auch gerade zum Ausdruck gebracht habe.

    In den letzten Tagen meiner Zeit dort - der Auslieferungstermin war bereits 2 Monate überschritten - setzten sich alle beteiligten Gruppen zusammen und besprachen die aktuelle Lage. Unsere Gruppe konnte was zeigen, dafür dass wir uns die Idee, was wir eigentlich programmieren sollten quasi selbst aus den Fingern saugen mussten und ich eigentlich mehr anderer Leute code debuggen musste, als selbst zu programmieren, fand ich das eigentlich recht gelungen.
    Es machte den Eindruck, die anderen Gruppen wären eher Kreis gerudert und eigentlich nicht wirklich voran gekommen.
    Der Gesichtsausdruck des Entwicklungsleiters zeigte an, dass ihn das total überraschte und seine Vision gerade ein paar Dämpfer erhielt - etwa 6 Monate nachdem ich ihn darauf hingewiesen habe, dass ich für unser Teilprojekt schon große Bedenken hatte.

    Das Projekt war damit nicht nur verspätet, sondern auch gegen die Wand gefahren. Mit 2 Monaten Verspätung war man quasi noch am Anfang.

    Verabschiedet wurde ich nicht.
    Ich bekam vom einem Chef, der mich eingestellt hat und dessen Position in der Firma ich bis heute nicht einordnen kann, einen Anschiss, dass man mich für klüger gehalten hätte. Wieso ich denn auch auf die Anweisungen meines Vorgesetzten - den Leiter der Entwicklungsabteilung - hören würde.
    Manchmal hilft nur noch Humor. 🙂

    Wenige Wochen nach meinem Ausscheiden erfuhr ich, wie einige qualifizierte Mitarbeiter die Firma verließen. Eine Monate später gab's eine große Kündigungswelle. Firma und Produkt gibt es noch.

    Dass wir auf explizite Anweisung der Projektmanager und der Entwicklungsleitung ein Projekt bewusst gegen die Wand gefahren haben, habe ich im späteren Bewerbungsgespräch so auch nicht formuliert.
    Das Unternehmen und ich passten so nicht zusammen, weil sich die Richtung, die zur Bewerbung besprochen wurde, sich nicht abzeichnete (was auch stimmte).
    Probezeit abhacken, weiterziehen.

    Plover schrieb:

    Ich solle z.B. erzählen das Projekt wäre eingestellt worden. Problem ist, dass man das Projekt googeln kann und dann sieht man, dass es weiterläuft. Lügen kann ganz schnell kurze Beine haben. Ich würde mich da sehr unwohl fühlen.

    Die Firma hat sich umstrukturiert. Dein Posten fiel weg, Kündigung. Fertig.
    Das ist, was passiert ist und auch nicht gelogen.

    Plover schrieb:

    Ich hatte jetzt ein Bewerbungsgespräch, bei dem ich die Kündigung in der Probezeit mitgeteilt habe und erklärt habe, dass es sehr knapp war. Mein Chef wollte mich behalten, der Oberchef wollte aber dass die Probezeitendbewertung in allen Punkten gut ist und nicht in einigen mittelmäßig. Zuerst sagt mein Chef bestanden und 2 Tage danach der Oberchef, dass nicht bestanden.

    Zu kompliziert.
    Das einzige, was Du damit über Dich aussagst ist, dass je nach Chef mittelmäßig oder schlecht bist. Du bewirbst Dich. Werbung funktioniert nicht in dem man sagt "die da finden mich mittelmäßig bis schlecht - Yay".

    Du hast 20 Jahre Berufserfahrung. Mit dem Unternehmen hat es nicht funktioniert. Du bist da rein, die haben ihr Projekt umgestellt, Du bist wieder raus.
    Offenbar hast Du lange in einer Firma gearbeitet und Dich in der Zeit nicht beworben - mir scheint, Du nimmst das recht persönlich und willst Dich rechtfertigen.

    Ein Freund von mir wurde an seinem ersten Arbeitstag gekündigt, weil die Firma sich umstrukturiert hatte. Die haben ihn eingestellt und dann beschlossen, dass sie ihn gar nicht brauchen. Er kam also in Erwartung einer neuen Aufgabe und bekommt die Kündigung in die Hand gedrückt.
    Shit happens.

    Du bist professioneller Entwickler, es gibt Verträge und Verträge kann man kündigen.
    Mit den 20 Jahren Berufserfahrung wirst Du ja hoffentlich mehr anzubieten haben, als die letzten 8 Monate in einer Firma.

    Plover schrieb:

    Der Kommentar war, dass es schon mal passieren kann, dass es nicht passt. Aber was in den Köpfen gedacht wird ist halt was anderes. Gehört habe ich von dieser Firma seit kurz vor Weihnachten nichts mehr.

    Nach der Bewerbung würde mich das auch wundern. 😃

    Aber was da in den Köpfen blieb, hast Du denen in die Köpfe reingesetzt. Das kann man sagen, wenn man den Job nicht haben will, weil man in drei Wochen dauerhaft das Land, besser den Kontinent, verlassen will.
    Aber ansonsten ist prinzipiell immer alles super und dass sich eine Firma umstrukturiert, so kurz nachdem man Dich eingestellt hat, das kann halt passieren. Dann lächelt man freundlich und kommt zu bedeutenderem.

    Plover schrieb:

    Ich glaube, dass der Personalcoach nicht so gut die Gesetze in der IT kennt.

    Mag sein, aber diese Bewerbung hast Du aktiv selbst verbockt.
    Hier wäre die Selbstkritik dann doch angemessen.

    Plover schrieb:

    Was würdet ihr tun? Hat jemand sowas schon erlebt oder das bei einem Bewerber miterlebt? Ich würde dabei bleiben die Kündigung in der Probezeit mitzuteilen. Das Flunkern ist ein riesen Stress für mich.

    Witzbold... Du bist nicht in der Probezeit gekündigt worden. Zu behaupten, es wäre so, das ist geflunkert.

    Plover schrieb:

    Wenn sie mich doch nehmen, bin ich echt stressfrei danach, weil sie nicht sagen können, dass sie es nicht gewusst hätten. Kriege ich halt weniger Lohn, habe vielleicht einen schwereren Stand bis ich mich wieder etabliert habe. Was soll's. Habe mir das eingebrockt und muss es auslöffeln. Was meint ihr? Bin echt hin- und hergerissen.

    Ich habe keine Ahnung, was Du die letzten 20 Jahre gemacht hast, aber es war offenbar nichts, was Dein Selbstbewusstsein nennenswert gefördert hat.

    Zum einen schreibst Du erst, dass Du an Dir selbst zweifelst, dann rechtfertigst Du Dich und nun schreibst Du, dass Du es auslöffeln musst.

    Wenn Du Schuld hast, dass man Dich nicht haben wollte, dann war der Job halt nix für Dich. Vielleicht warst Du nicht gut genug für den Job, vielleicht haben die Erwartungen gehabt, die keiner erfüllen kann.
    Vielleicht warst Du tatsächlich einfach nur zu teuer für die Leistung.
    Offenbar bist Du aber nicht vollkommen daneben, schließlich hat Dich irgendwer 20 Jahre bezahlt.
    Also such Dir 'nen Job, lass die Rechtfertigungen - besonders in Bewerbungsgesprächen.
    Du hast 8 Monate in einer Firma verbracht, die ganz nett war, aber ihre Projektentwicklung umstrukturiert hat (nämlich Dich da rausstrukturiert hat) infolgedessen Du gekündigt wurdest.
    Fertig.
    Mehr sagt man da auch nicht. Man sagt nichts Negatives über vergangene Firmen. Da gibt es keine zwei Chefs, die sich nicht einig sind.

    Du gehst in Dein Bewerbungsgespräch, deine 20 Jahre sind Dein Kapital - die 8 Monate sind eine Randnotiz und auch so zu behandeln.



  • Lass doch die Stelle ganz raus und buch das als Urlaub (Sabbatical)!?



  • Die Probezeit dient doch beiden Seiten dazu sich kennenzulernen, auch wenn das immer wie eine einseitige Geschichte dargestellt wird mit der ein Arbeitgeber etwaige Fehlgriffe einfach wieder loswerden kann. Du sagst einfach Dir hat es dort nicht gefallen und gut ist.



  • goi schrieb:

    Die Probezeit dient doch beiden Seiten dazu sich kennenzulernen, auch wenn das immer wie eine einseitige Geschichte dargestellt wird mit der ein Arbeitgeber etwaige Fehlgriffe einfach wieder loswerden kann. Du sagst einfach Dir hat es dort nicht gefallen und gut ist.

    Das will aber kein Personaler hören.
    Der kauft sich eine Dienstleistung ein und will hören, dass die zuverlässig geleistet wird - nicht, dass der nach ein paar Monaten einfach wieder geht, weil er keinen Bock mehr hat.



  • Ich kann mir gut vorstellen, dass gewisse Unternehmen gerne mal die Probezeit ein wenig "verlängern".

    Als Personalchef würde mir das Herumgeeiere bei diesem Punkt nicht gefallen. Damit muss man rechnen. Und ich würde vermutlich den anderen Chef anrufen bzw. wissen wollen, was der wohl mit "Mittelmäßigkeiten" meint.

    Und wenn hier ein Personalberater gebraucht wird, warum dann nicht genau dieser unzufriedene andere Chef?
    (obwohl der ja wirklich etwas oberflächlich rüberkommt)

    Beim Spruch "Lügen haben kurze Beine" könnte man auch denken: Lügen haben eine kurze Probezeit?

    Und: Mir ist das äußere Erscheinungsbild wichtig, das ist aber sowieso i.a.R. Fake, aber für dieses Fakebild darf ich nicht faken? 🤡

    (das klingt echt kompliziert..)



  • Xin schrieb:

    goi schrieb:

    Die Probezeit dient doch beiden Seiten dazu sich kennenzulernen, auch wenn das immer wie eine einseitige Geschichte dargestellt wird mit der ein Arbeitgeber etwaige Fehlgriffe einfach wieder loswerden kann. Du sagst einfach Dir hat es dort nicht gefallen und gut ist.

    Das will aber kein Personaler hören.
    Der kauft sich eine Dienstleistung ein und will hören, dass die zuverlässig geleistet wird - nicht, dass der nach ein paar Monaten einfach wieder geht, weil er keinen Bock mehr hat.

    Man redet auch nicht überall mit Personalern sondern auch mitunter mal mit Menschen, die schonmal was anständiges gearbeitet haben. Und wenn man denen sagt, dass es im letzten Job einfach nicht gepasst hat, dann haben die mitunter auch Verständnis dafür wenn das ein Einzelfall ist und der Rest stimmt. Ich bin eher skeptisch wenn Bewerber zu perfekt aussehen, denn dann können die sich meist nur verkaufen und sonst nicht viel. In einer Firma wo man die Personaler-Hansels vorschickt und nicht einmal einer meiner potentiellen Vorgesetzten beim Einstellungsgespräch mit mir reden will würde ich ohnehin niemals arbeiten wollen. Das hat sowas von Casting-Show, nur ohne Bohlen.



  • goi schrieb:

    Man redet auch nicht überall mit Personalern sondern auch mitunter mal mit Menschen, die schonmal was anständiges gearbeitet haben. Und wenn man denen sagt, dass es im letzten Job einfach nicht gepasst hat, dann haben die mitunter auch Verständnis dafür wenn das ein Einzelfall ist und der Rest stimmt.

    Das ist korrekt. Das kann passieren, aber wenn man eine Person an sich bindet und zu einem der teursten Ausgabenposten des Unternehmens hinzufügt, dann ist man erstmal grundlegend skeptisch und agiert oftmals sensibel, wenn es da etwas negativ auszulegen gibt.

    goi schrieb:

    Ich bin eher skeptisch wenn Bewerber zu perfekt aussehen, denn dann können die sich meist nur verkaufen und sonst nicht viel.

    Wie man sieht - wenn es nix negativ auszulegen gibt, bist Du auch skeptisch.

    Wieso kann sich der Mensch nicht nur gut verkaufen - was schließlich das Ziel einer Bewerbung ist - und andere Ziele dann deswegen Deiner Meinung nach schlechter erreichen?

    goi schrieb:

    In einer Firma wo man die Personaler-Hansels vorschickt und nicht einmal einer meiner potentiellen Vorgesetzten beim Einstellungsgespräch mit mir reden will würde ich ohnehin niemals arbeiten wollen. Das hat sowas von Casting-Show, nur ohne Bohlen.

    Manche Leute wollen in einer bestimmten Firma arbeiten, andere wollen überhaupt arbeiten. Wenn man das Glück hat, zu einer Firma gehen zu können und dann ohne weiteres genommen wird... super.
    Manche Leute müssen aber vorher mit dem Personaler sprechen.



  • Es geht ja nicht um den Posten des Hausmeisters. Ich habe aus eigener Erfahrung irgendwie nicht so das Gefühl, dass es sonderlich verbreitet ist, dass man für technisches Personal einen Personaler vorschickt. Da sortiert man anhand der Bewerbungsschreiben vor und guckt sich die paar Leute selber an. Und ich als Bewerber möchte ja umgekehrt auch sehen ob das Umfeld für mich interessant ist. Diese Unterwürfigkeit ggü. dem Arbeitgeber finde ich befremdlich. Im MINT-Bereich sieht es doch momentan eher so aus, dass Arbeitgeber sogar drittklassige Leute einstellen um überhaupt jemanden zu haben.



  • Danke für all die Beiträge. Ich werde mit etwas Zeitversatz meine Erfahrungswerte hier kurz beschreiben für die Nachwelt, die sich diesen Thread ersurft, weil sie das gleiche Problem haben. Der Zeitversatz ist damit nicht vom chronologischen Zusammenhang eine Verbindung aufgebaut werden kann. Aber ich kann schon mal sagen, dass es echt gut läuft. Gepriesen sei die große Nachfrage nach erfahrenen Java-Entwicklern 😉



  • So, ich hatte geschrieben ich würde mal für Leute in der gleichen Situation meine Erfahrungen zusammenschreiben. Bin schon lange wieder in Lohn und Brot und habe diesmal die Probezeit bestanden. Wichtig war dabei schon mit vielen Tools, Libraries, Frameworks und Systemen gearbeitet zu haben. Das ist in der Java-Welt das A&O. Hat man schon viele viele Jahre Berufserfahrung, wird einem geglaubt, dass man die Arbeit prinzipiell schon kann. Wenn man im allersten Job die Probezeit nicht schafft, sieht es dann vermutlich schon anders aus.

    Manche Stellen war interessant, aber von Personalsuchfirmen ausgeschrieben. Also hatte ich mehrere Personalsuchfirmen am Hals, was mir nicht gefiel, da sie keinen Mehrwert liefern. Also habe ich sie "ausgenutzt" und sie für mich nur nach Beratungsfirmen suchen lassen, denen ich als Experiment beim Bewerbungsgespräch allen gesagt habe, dass in der letzte Stellen Probezeit nicht bestanden. Resultat: 1 Firma hat mir nach 2.Bewerbungsgespräch einen Arbeitsvertrag geschickt, 1 Firma hat Absage geschickt, 1 Firma hat mich trotzdem zum Bewerbungsgespräch eingeladen, ich habe aber abgesagt, da inzwischen schon Vertrag unterschrieben.

    Den Nicht-Beratungsfirmen habe ich es nicht explizit gesagt (sie haben auch nicht explizit gefragt). Sofort verfügbar zu sein war neben der langen Arbeitserfahrung das Killer-Argument. Wer jung ist und gut qualifiziert ist, kann das Risiko eingehen zu künden ohne neuen Job zu haben, so dass nach Kündigungsfrist ebenfalls sofort verfügbar. Man hat so viel mehr Auswahl. Aber eben, das Risiko muss man sich bewusst sein und schon etwas auf der hohen Kante haben.

    Grüße, Plover



  • @plover Vielen Dank dass du nochmal deine Erfahrung geschildert hast, ist ein interessanter Fall.
    Gruß


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