Was fiel euch schwerer, Abitur oder Studium?



  • Meine Tochter macht gerade ihr Abitur und ist der Meinung, dass das Studium viel leichter werden wird(Deutsch und Philosophie auf Lehramt). Da ich kein Abitur habe, sondern nur auf der Hauptschule war, konnte ich da nicht viel zu sagen. Ich stelle mir aber ein Studium durchaus schwerer vor als ein Abi.

    Wie ist eure Erfahrung zu der Thematik?



  • Ich musste für mein Studium deutlich mehr pauken, als für mein Abitur. Der Vorteil im Studium ist, dass man sich das, hoffentlich auch aus Spaß an der Sache, selber ausgesucht hat und daher ev.t die Motivation etwas höher ist.

    Aber ich habe jetzt nur ein Informatik Studium zum Vergleich und in meinem Bekanntenkreis sind auch die meisten im MINT Bereich unterwegs, daher kann ich zu Deutsch und Philosophoe auf Lehramt nicht viel sagen. Aber der Arbeitsaufwand für ein Studium ist auf keinen Fall zu unterschätzen und meiner Meinung nach höher, als für die Schule.

    Wenn ich richtig informiert bin, ist das Lehramt Studium inwzischen auch in Bachelor und Master Studiengänge gegliedert. Als kleiner Tipp, es ist Sinnvoll sich die Zulassungsbeschränkung von Masterstudiengängen anzuschauen. Denn ohne Master, kein Lehrer 😉


  • Global Moderator

    Studium war wesentlich schwerer. Meine Erfahrungen sind (wie wohl die der meisten Leser hier) auch aus dem MINT-Bereich und vor der großen Verschulung der Universitäten, daher sind die Erfahrungen eventuell nicht übertragbar. Die meiner Einschätzung nach wesentlichen Unterschiede in wenigen Worten auf den Punkt gebracht:
    1. Das Tempo ist viel höher.
    2. Niemand wartet auf dich.



  • Fuer mich war das Studium auch schwerer (Erfahrung fuer Physik und Informatik Studium). Insbesondere kam es mir am Anfang des Studiums so vor, als ob ich ploetzlich gegen eine Wand laufe und wegen der Stofffuelle sehr stark gefordert werde. Das ist eine Erfahrung, die einige machen und andere nicht. Insbesondere scheint es davon abzuhaengen, ob man schon viel Arbeit in das Abitur stecken musste oder nicht. Ich habe meine Schulzeit im Wesentlichen "abgesessen" und musste nicht viel dafuer arbeiten. Es war dann am Anfang des Studiums ein echter Schock fuer mich, dass es nicht so einfach weiter geht. Leute, denen im Gymnasium der Stoff nicht so zugeflogen ist und die dort schon einige Arbeit investieren mussten, scheint der Uebergang zum Studium leichter zu fallen. Das ist aber eine subjektive Einschaetzung von mir, die auf Gespraechen mit damaligen Kommilitonen basiert.

    Generell gebe ich aber Schlangenmensch Recht: Im Wesentlichen ist es eine Frage des Interesses. Wenn man Interesse am Stoff hat, dann wird es einem nicht schwer fallen, weil die Arbeit nicht so sehr als solche empfunden wird. Es wird allerdings auch in jedem Studium Themen geben, die einen weniger interessieren. Da braucht man dann auch etwas Disziplin.



  • Danke für eure Antworten, da bin ich mal gespannt wie das bei meiner Tochter ist.



  • Ich fand die (lange) Zeit am schwersten (gegen Ende des Studiums), mit 25 Euro im Monat über die Runden zu kommen.
    Das hatte zum Schluss auch noch leicht paralysierende Effekte.
    (nicht das ich das nicht auch "faszinierend" gefunden hätte - aber die Zeit war wirklich Challenging..)
    (man kann sich noch nicht mal Süßigkeiten erlauben)



  • Das Studium war auf jeden Fall schwerer, aber die Prüfungen fand ich einfacher. Die Abi Prüfungen waren richtig hart, ich hab viel dafür gelernt, und dann allein schon 3-4 Stunden konzentriert in einem heißen, stickigen Raum zu arbeiten, war schon hart.
    Das Studium an sich ist schwerer, man kann schnell aussteigen, keiner wartet auf dich, wenn du mal so richtig keine Ahnung hast, dann hast du evtl. ein richtiges Problem. Ich war auch insgesamt sehr ausgelastet. Aber die Prüfungen waren nicht so schwer, höchstens 90 Minuten, und ich fand die nie so wirklich stressig.



  • Mechanics schrieb:

    ...Aber die Prüfungen waren nicht so schwer, höchstens 90 Minuten, ...

    In meinem FOM-Studium waren die Prüfungen bis 180 Minuten lang, selten unter 120 Minuten. Leichter empfand ich nur einen kleinen Teil der Prüfungen, wobei ich kein Abitur, sondern nur Fachabitur hatte - weiß nicht ob dies bezogen auf die Abschlussprüfung vergleichbar ist.

    Ich habe zwar durchaus gehört, das manche Studiengänge sehr einfach sein sollen (mir fielen z.B. alle BWL-Klausuren leichter als die Informatikklaussuren, obwohl ich seit über 15 Jahren als Softwareentwickler aktiv bin - wobei wir als Wirtschaftsinformatiker auch nicht alle BWL-Fächer mitgemacht haben), man sollte sich aber nicht darauf verlassen. Jemand der sich mit der Schule schwer tut, wird Gefahr laufen entweder zu einem ewigen Studenten zu werden oder recht schnell mit der Realität konfrontiert.



  • Der Stoff im Studium war deutlich schwerer, fiel mir aber leichter als der ganze belanglose Mist, mit dem man im Abi seine Punkte holen musste. Bei allen 'soft sciences' gab es unheimlich viel Beliebigkeit in der Bewertung, zu wenig Anspruch, alles vorhersehbar, langweilig und einfallslos. Mag sein, dass es Lehrer gibt, die das mitreißender gestalten können, aber ich habe dort immer nur auf die Uhr geschaut, mit offenen Augen geschlafen oder dem Nachbarn gequatscht. Smartphones waren damals leider noch nicht soweit, dass man etwas gewinnbringendes in der Zeit hätte machen können. Im Studium musste man sich irgendwann mal in einer viersemestrigen Schock-Kur mit den Grundlagen auseinandersetzen und dann hat es auch Spaß gemacht. Zeit um sich mit den Kommilitonen zu betrinken gab es natürlich auch genug.