Wie ist man früher in Firmen nur ohne Datenbank und Tabellenkalkulation ausgekommen?



  • Wie muss man sich das vorstellen?

    Die Firmen mussten z.B: ein Lager verwalten, in dem Lager waren die Bauteile die sie zur Herstellung ihrer Produkte benötigten.
    D.h. es gab z.B. einen Bedarf und einen Bestand, wenn der Bestand zur Neige ging musste dieser aufgefüllt werden. Der Bedarf war von der Auftragslage abhängig.

    Wie hat man das alles nur verwaltet?

    Wenn die nur eine einzige Tabelle auf Papier für alle Artikel verwendet haben, aber ein Wert geändert werden musste, weil z.B. sich der Bestand eines Artikels änderte, was dann?

    Eine einzige Änderung wäre ja mit TippEx denkbar, aber spätestens bei der zweiten Änderung funktioniert das nicht mehr vernünftig.
    Bei der Arbeit mit einem Bleistift ist wegen dem radieren das Papier auch irgendwann durchgescheuert.
    Erstellt man die Tabelle dann komplett von vorne?
    Falls ja, dann müsste die Sekretärin ja die ganze Tabelle abtippen und das fehlerfrei auf einer mechanischen Schreibmaschine.
    Und eine Tabelle auf einer Tafel mit Kreide ist nicht sehr Betriebssicher, da könnte man zwar beliebig Änderungen vornehmen, aber wenn da jemand nen Eimer Wasser drüber kippt oder vorbeiläuft und dran kommt, dann ist alles verwischt.

    Das kann es also auch nicht gewesen sein.

    Also eine Tabelle, wie man sie auf einem Computer hat, ist ohne Computer schlecht umsetzbar.

    Vielleicht ein Tabellenbuch pro Artikel?
    Und bei einer Änderung kommt dann ein neuer Eintrag in die nächste Zeile.
    Im Prinzip funktioniert das, aber bei > 10000 Artikel wären das ziemlich viele Bücher und somit ein enormer Platzbedarf nur für die Verwaltung.

    Vielleicht Karteikärtchen?
    Das ist schön und gut, dann legt man für jede Änderung des Bestands eine neue Karteikarte in den Karteikartenbogen für diesen Artikel.
    Das funktioniert, kostet aber Papier.

    Also macht man ne durchlaufende Tabelle als Karteikarte.
    Jede Zeile bedeutet eine Änderung, die Änderungen davor gelten nicht mehr.

    Das funktioniert, aber wenn man jetzt eine Sammelbestellung vieler Artikel erstellen will, dann musste man ja händisch alle Karteikarten, bei denen der Bestand zu gering ist, zusammensuchen und dann auf der Schreibmaschine eine Bestellliste anfertigen.
    Den Artikelnamen konnte man nicht referenzieren, denn musste man also manuell runtertippen.
    Der Aufwand dürfte enorm gewesen sein, ohne Datenbanken.

    Wie seht ihr das? Wie wurde das früher gelöst die ganze Verwaltungsarbeit in den Griff zu kriegen?



  • Ach ja und wenn noch die Gesamtkosten berechnet werden sollte, dann musste das alles per Hand gemacht werden.

    Noch etwas, das ist im Eingangskommentar leider nicht all zu deutlich geworden. Es geht um die Warenverwaltung in einer Welt ohne Computer.
    Also so, wie man das noch in den 30er Jahren bis teils 50er gemacht hat.



  • Alles händisch, per Aktenordner und Karteikasten. die Leute hatten damals eine sehr saubere Handschrift, ein perfektes Schriftbild. Orthographie und Zeichensetzung waren fehlerfrei. Das kann heute keiner mehr.



  • Hi,

    die hatten auch damals schon Datenbanken, nur waren die eben nicht im Computer sondern in Aktenschränken, Hängeregistraturen undf großen Karteikästen organisiert.

    Zusätzlich gabs noch zweibeinige Computer, die alles im Blick hatten.

    Ich kann nur sagen, wie es in meinem alten Betrieb vor der Wende gehalten wurde. Die Karten für die einzelnen Teile einer Maschine wurden zwar vom Computer gedruckt, aber das wars dann auch schon. Für einzelne nachzufertigende Stücke wurden die auch gleich mal von Hand abgeschrieben (es gab für jedes einzelne Werkstück mindestens eine Musterbegleitkarte)
    In der Karte lagen dann zu den einezelnen Arbeitsgängen (teilweise über 20) lauter einzelne Lohn- und Materialscheine, über die Material angefordert und die Kollegen entlohnt wurden. Auf den Karten wurden dann auch die Änderungen sowie der Abarbeitungsstand vermerkt. Jeder einzelne Arbeitsgang hatte ein paar Zeilen in denen alles wichtige Stand und am Rechten Rand wurde vom jeweiligen Kollegen der Abarbeitungsstand angegeben und unterschrieben.
    Die Disponenten haben dann den ganzen Auftragsfluss von Hand erledigt und die Aufträge aus der Bereitstellung zu den einzelnen Maschinen gelenkt und die Produkte nach jedem Arbeitsschritt zurück in die Berteitstellung oder zur nächsten Maschine.
    Zusätzlich war noch zu beachten, welche Maschine wann geliefert werden musste und welche Teile dafür alles gebraucht wurden und wann die mit welchem Arbeitsschritt jeweils spätestens fertig sein mussten. Dazu noch das Beachten von möglichem Ausschuss (z.B. Gussfehler oder auch Bearbeitungsfehler) die nach Möglichkeit schon bei der Auftragserstellung berücksichtigt wurden (sogenannter Planausschuss, also überzählige Teile, die wenn kein Ausschuss anfiel für die nächsten Maschinen ins Lager gegeben wurden). Ansonsten gabs "EfA", Ersatz für Ausschuss (der dann noch mal von vorn gefertigt werden musste und parallel irgendwie schnellstmöglich mit durchgeschleust werden muste). Und dass alles unter dem Gesichtspunkt von Krankenstand, Urlaub, unterschiedlicher Schnellighkeit und Erfahrung der einzelnen Mitarbeiter...
    Die Disponenten, insbesondere der Hauptdispatcher waren über hunderte von Aufträgen mit jeweils einer Vielzahl von Einzelteilen aus dem Hut aussagefähig welche Teile sich wo in welchem Fertigungsstand befanden, wo es eng werden würde oder Probleme geben könnte und was noch irgendwie nachgezogen oder neu besorgt werden musste. Das einzige Hilfsmittel dabei war das sogenennte "Kartoffelbuch", ein kleines Notitzbüchlen, in das wichtige zu merkende Dinge "ausgelagert" wurden. Und ansonsten eben der Vergleich oder die Suche in der Hängeregistratur.
    Die Kollegen die das bei uns verwaltet haben waren echte zweibeinige Computer, vor denen ich persönlich den größsten Respekt hatte und wo es mir unvorstellbar war, wie man das alles im Kopf behalten konnte.

    Gruß Mümmel



  • Hängeregister, Aktenordner, Karteikästen, Schreibmaschine (später elektrisch, dann mit Speicher), Rechenschieber (später Taschenrechner), Diktiergerät, Block, Bleistift, Spitzer, Radiergummi, Füller, Kugelschreiber, Telefon, Telefonbücher, Listen, Nachschlagewerke. Wenn man etwas wissen wollte, hat man Menschen befragt. Computer gab es noch keine, oder die waren ziemlich primitiv und haben nur die Zeit gestohlen (wie heute noch üblich).

    Die Effizienz ist heute teilweise deutlich niedriger als damals. man muss sich nur mal anschauen, wie manche Leute tippen, mails schreiben oder mit Software umgehen. Einfach lächerlich. Früher hat man das, was man machte, auch gekonnt, und zwar richtig. heute machen alle alles, aber nur wenige beherrschen ihr Feld wirklich. Chefs bekommen das selten mit. Sie haben ihre Zielvereinbarungen nach unten/oben. Die Frage ist auch, ob die E-Mails überhaupt gelesen werden. Früher wurde ein Brief ernst genommen, wenn er ankommt, blieb in der Aufgabenmappe, bis er erledigt war und zwar richtig. Heutige E-Mails werden oft erstmal ignoriert, wird sich schon melden, wenn er wirklich etwas von mir will. 😃

    Man müsste hier wirklich einmal einen sauberen Vergleich machen. Heute tippen Akademiker ihre Briefe selbst. Wahrscheinlich können sie kaum noch schreiben. Das Denken, besprechen kommt mit Sicherheit zu kurz. Schleichende Vereinsamung vor dem PC/Notebook.

    Übrigens: Spätere Generationen werden über uns lachen, dass wir "tippen" mussten. Dann wird man einfach seine Kommunikation denken, und schon wird es ausgeführt, oder man wird elektronisch gefoltert/verhaftet, oder noch einfacher: einfach offline gestellt.



  • https://de.wikipedia.org/wiki/Mikroform (z.B.)
    oder auch Steintafeln (noch vor Opas Zeit)

    Bei Gerichten sind soweit ich weiß, noch immer Aktenordner en vogue.

    Bei Ärzten gibt es noch nicht mal eine Blackbox (würde ja vielen helfen und noch mehr helfen, Korruption o.ä. zu vermeiden) man fragt sich echt, wie die an ihr Geld kommen..
    (-> Turnschuhnetzwerke, Briefumschläge und Co)

    Meine Schwester ist letztes Jahr (mit 55) gestorben, und hatte u.a. 3-4 ( besonders) dicke Aktenordner mit Renteninformationen hinterlassen.

    Das Geschäftszimmer des goldenen Handwerkeronkels fand ich als Kind ziemlich gruselig (wirklich gar nichts, was irgendwie an Spielzeug erinnerte), die Wände, die Schränke, der Tisch usw. dicht bepackt mit völlig überfüllten Aktenordnern - immerhin: schicker Drehstuhl 😉

    edit: https://de.wikipedia.org/wiki/Maschinelles_Berichtswesen
    Das besondere ist generell (bei z.B. Magnetspeichern oder Lochkarten) das Einstricken der Hilfsmittel in die jeweilige Zeit mit z.B. Änderung des Zahlensystems, Timesharing, Sortiertechniken, serielle Verarbeitung usw. also neueste verfügbare Technik /Tafeln + Know How.



  • Erhard Henkes schrieb:

    Die Effizienz ist heute teilweise deutlich niedriger als damals.

    Das glaub ich nicht.

    Ich glaube eher dass heute viel mehr Bürokratie vorgeschrieben wird. Die Betriebe müssen viel mehr Daten erfassen und viel mehr z.T. beknackte Regeln einhalten als früher.

    Und viel an Overhead machen sich die Firmen glaube ich auch selbst. Auswertungen über Auswertungen die dann im Endeffekt eh keinen echten Mehrwert bringen. Aber haben will sie der Chef/der Controller/die Bank trotzdem.

    Dadurch mag es so erscheinen als ob die Effizienz der Datenverarbeitung niedriger wäre. Weil einfach viel mehr (z.T. sinnlos) Daten verarbeitet werden. Die Effizienz des Gesamtsystems ist natürlich ne andere Sache. Aber auch da glaube ich nicht dass diese heute allgemein niedriger ist.

    Erhard Henkes schrieb:

    man muss sich nur mal anschauen, wie manche Leute tippen, mails schreiben oder mit Software umgehen. Einfach lächerlich. Früher hat man das, was man machte, auch gekonnt, und zwar richtig. heute machen alle alles, aber nur wenige beherrschen ihr Feld wirklich.

    Früher war ja alles besser, ist ja allgemein bekannt.
    Glaub ich bloss nicht.



  • ich auch nicht. Auch der langsamste Tipper mit 2-Finger-Suchsystem ist heute mit Email schneller am Ziel als wenn er mit der Kutsche ins Telegrafenbüro führe.


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