Ich möchte Informatik studieren - Kann ich es schaffen?



  • Hallo. Ich bin ganz neu in diesem Forum und hoffe ich frage an der richtigen Stelle.

    Kurz gesagt: Ich hatte in den letzten Jahren sehr sehr viel privaten Stress, Abi abgebrochen, in Mathe immer schlechte Noten (aber auch in den anderen Fächern), mein Wissensstand in Mathe ist sehr unterdurchschnittlich, weshalb ich gerade privat in Kursen versuche, alles wieder aufzuholen, bevor ich nächstes Jahr mein Abi nachhole.
    Danach will ich Informatik studieren.
    Zuerst wollte ich eine Ausbildung machen, aber das reicht mir einfach nicht, ich möchte mehr dazu wissen, es lernen. Und eigentlich bin ich auch nicht dumm, wenn ich Dinge will, bin ich sehr lernfähig.
    Trotzdem habe ich Sorge, dass ich das Informatik-Studium nicht packen könnte, eben wegen dem mathematischen Aspekt. Ich hasse Mathe nicht und bin da auch nicht abgeneigt, aber ich habe einiges nachzuholen ein Ass war ich sicherlich nie, da lag mir dann Deutsch und sowas eher.
    Informatik ist aber das, was ich wirklich machen möchte.

    Ein paar Erfahrungen zum Studium und ob ich es trotzdem schaffen könnte wären super.



  • @saraficeab sagte in Ich möchte Informatik studieren - Kann ich es schaffen?:

    aber auch in den anderen Fächern

    Super! Das machts natürlich viel besser 😃

    Ja, könntest schon schaffen... Musst halt probieren, notfalls schaffst es halt nicht. Danach kannst du immer noch Ausbildung machen, bei uns arbeiten etliche, die nach einem abgebrochenen Studium eine Ausbildung gemacht haben.
    Ich hab an einer FH studiert und bei uns sind schon ziemlich viele wegen Mathe durchgefallen. Ich selber fand das jetzt nicht schwer, das sollte auf jeden Fall schaffbar sein, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Und Mathe wird immer einfacher, nach meinem Jahrgang ist es schon wieder etwas abgespeckt worden.



  • Du solltest aber wissen, dass ein Informatikstudium sehr viel Theorie enthält. Einen Großteil deiner Zeit an der Uni wirst du dort nicht mit programmieren verbringen.

    Und bei jedem Studium gilt:
    60-80% der Fächer gehen dir auf die Eier und du wirst dich durchbeißen müssen, ohne große Motivation. Nur ein kleiner Teil wird dir wirklich Spaß machen und nur ein ganz kleiner Teil wird ein Selbstläufer sein.

    Wenn du für dich selbst (ehrlich) festlegst, dass das abgebrochene Abi ein Versehen war, oder durch zeitlich begrenzte persönliche Umstände bedingt, und deine Motivation und Einsatzbereitschaft deutlich gestiegen ist, kannst du drüber nachdenken. Aber du solltest auch im Hinterkopf behalten, dass eine Ausbildung eventuell besser für dich ist.

    Ich habe allerdings nicht Informatik studiert sondern Informationstechnologie mit Spezialisierung auf technische Informatik. Bin also kein Informatiker sondern Ingenieur. Spielt aber später kaum eine Rolle, außer dass die Kollegen allesamt Bäume ausbalancieren können. Aber es wird von Absolventen jeglicher Studienrichtung ohnehin erwartet, dass man sich in alles einarbeiten kann. Und die Praxis ist oftmals doch etwas anders, als das was man an der Uni/FH gelernt hat. 😎



  • Guten Morgen,

    Am besten informierst Du dich über die verschiedenen Informatik Studiengänge. Hier sind meine Erfahrungen zu den einzelnen Studiengängen. Ich kann jetzt nur für Berlin sprechen.

    Der allgemeine Informatik Bachelor Studiengang:

    Er beinhaltet sehr viel Mathematik auf wissenschaftlichem Niveau und ist eher theoretisch ausgelegt. Die Praxis kann dort mit unter im Vergleich zu kurz kommen. Er eignet sich, wenn du später in die Forschung möchtest.

    Wirtschaftsinformatik:

    Er ist sehr berufs- und praxisorientiert. Dieser Studiengang versucht sich neben der Balance zwischen Informatik / BWL anhand von realen Berufssituationen zu orientieren. Der Studiengang hat meist ein bis kein Mathe Modul (wissenschaftliches Niveau). Dieser Studiengang bringt sowohl Entwickler als auch potentielle Führungspositionen hervor.

    Angewandte Informatik:

    Der Name ist Programm. Meist hat auch dieser Studiengang lediglich ein Mathe Modul (wissenschaftliches Niveau). Er ist aber auch recht Fremdsprachen-lastig. Dieser Studiengang eignet sich für Entwickler:

    Technische Informatik:

    Mit Schwerpunkt auf den technischen Aspekt, scheint auch vom Hören-Sagen dieser Studiengang sehr Mathe-lastig zu sein. Ob das aber wissenschaftliches Niveau ist, kann ich nicht sagen.

    Verwaltungsinformatik:

    Dieser Studiengang beschäftigt sich mit Verwaltungsabläufen und hat einem Kumpel zu Folge kein Mathe Modul.

    Theoretische Informatik:

    Ich bin mir nicht sicher, ob es diesen Studiengang wirklich gibt. Aber ich habe schon von ihm gehört. Er soll, wie der Name schon sagt, theoretisch angehaucht sein und beinhaltet mit Sicherheit sehr viel Mathematik auf Wissenschaftlichem Niveau.

    Wie Informiere ich mich?

    Du kannst meist immer in Studiengänge als "Gasthörer" reinschauen. Dafür musst Du dich lediglich bei der Universität dafür anmelden oder einen Dozenten direkt anschreiben. Dann setzt Du dich in eine Vorlesung und lässt es auf Dich wirken.

    Studium VS. Ausbildung:

    Hier werden sich die Geister scheiden, aber nach meiner persönlichen Erfahrung ist Jemand, der ein Fachstudium oder eine Ausbildung als Informatiker hat (im Anwendungsbereich) besser gestellt als Jemand, der von einer Allgemeinen Universität kommt. Es ist eine stille, selten ausgesprochene Erkenntnis, dass Leuten von der Universität oft die Praxis fehlt. Viel wichtiger sind bei einer Bewerbung oft Referenzen und Know How.

    Was tun?

    Überlege Dir, wo du dich später siehst. Es ist nie falsch als Entwickler, also praxisorientiert, irgendwo zu starten. Suche Dir einen "einfachen" praxisorientierten Studiengang und mache deinen Bachelor. Alternativ (oder im Idealfall zusätzlich) mache eine Ausbildung. Du kannst den Studiengang auch wechseln. Du kannst beispielsweise mit Wirtschaftsinformatik starten und dann mit Angewandter Informatik weitermachen. Das ist alles möglich. Aufsteigen kann man immer.

    Wenn Dich aber die Theorie wirklich interessiert, dann musst Du dich dahinter klemmen und Mathe pauken. Man kann in Mathe wirklich sehr gut werden, egal wie schlecht man gerade ist. Wichtig ist hierbei immer, dass Du Jemanden hast, der es sehr gut erklären kann. Das können leider meist nur die Wenigsten.

    Jetzt habe ich hier ein wenig zu viel geschrieben. Aber mich hat das selbst sehr lange beschäftigt.



  • Ich würde von Wirtschaftsinformatik abraten. Meine Meinung ist zwar etwas subjektiv geprägt, weil wir noch nie was von Wirtschaftsinformatikern gehalten haben... Aber trotzdem, das sind keine Informatiker. Wenn du keine Ahnung von Informatik haben willst, dafür aber etwas in SAP oder Excel rumklicken (natürlich start übertrieben, aber das geht schon in die Richtung), dann wär das vielleicht was für dich. Ansonsten schränkst du dich aber unnötig ein und bist dann später vielleicht nicht so gut qualifiziert für die "interessanteren" Projekte. Andererseits ist es damit wohl schon einfacher, in Führungspositionen aufzusteigen.



  • @mechanics Auch Wirtschaftsinformatiker beschäftigen sich mit Rechnerarchitektur, objektorientierter Programmierung, Datenbanksystemen und Webtechnologien und sind praxisbezogener als so manch normaler Informatiker von der Hochschule, der sich mit Funktionaler Programmierung und lambda Ausdrücken beschäftigt und alles beweisen muss 😉 Also nur excel und ein bisschen tippen ist nicht.



  • Ich kenne genug Wirtschaftsinformatiker... Und kein einziger davon ist gut.



  • @mechanics Ich kenne bestimmt auch genauso viele Informatiker und andere Theoretiker, die genauso schlecht sind. Und jetzt? 😮 Darum geht's nicht. Wichtig ist, dass man für sich persönlich das richtige findet. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Da ist nichts besser als das Andere.



  • Du hast mich nicht überzeugt 😉 Außer, dass jeder für sich das richtige finden sollte.
    Das kann natürlich auch an der FH/Uni in meiner Stadt liegen, und ist an anderen Einrichtungen vielleicht anders. Ich hatte allein schon im Studium (aber nicht nur) viel mit Wirtschaftsinformatikern zu tun, gemeinsame Praktikas/Vorlesungen usw. Ich kannte deren Stundenpläne. Und ich kann davon nur abraten. Viele informatikbezogene Vorlesungen haben entweder komplett gefehlt, oder waren sehr oberflächlich. Ich kann das einfach nicht mit unseren Informatikstudium vergleichen.
    Und damit schränkt man sich meiner Meinung nach ein. Ein reiner Informatiker ist flexibler und kann sich in unterschiedliche Themen einarbeiten. Wenn man hingegen die Informatikgrundlagen nur oberflächlich beigebracht bekommen hat, damit man ein bisschen SAP und Web programmieren kann, tut man sich deutlich schwerer. Ich kann mir z.B. schlecht vorstellen, dass ein Wirtschaftsinformatiker einfach so ohne weiteres in den Embedded Bereich wechseln könnte. Wir hatten da sehr viel mehr, was in die Richtung geht. Und ich hab neben dem Studium die ganze Zeit als Wertstudent im CRM/ERP Bereich programmiert, ohne dass ich da extra Vorlesungen drüber gebraucht hätte.



  • @saraficeab

    Hi SaraficeAB!
    Ja versuch es auf jeden Fall. Ich kann dir nur sagen: wenn du bereit bist dafür zu arbeiten, schaffst du es auch.
    Und bei Bewerbungsgesprächen ist das auch eine gute Grundlage - Genies waren schon immer selten, Leute die bereit sind sich etwas zu erarbeiten sind es leider auch geworden.
    Ich habe meine Abschlüsse auch geschafft, obwohl ich weder Mathe noch Physik LK hatte in der Oberstufe 🙂



  • Schaffen können es die meisten. Habe bisher keinen Studenten getroffen, der zu dumm ist.
    Die Abbrecherquoten sind trotzdem recht hoch, weil es eben doch ein solides Maß an Leidensfähigkeit, Motivation und Einsatzbereitschaft braucht.

    Bei uns im IT-Studium ( Ingenieursstudiengang ) haben nur etwa 25% am Ende einen Abschluss gemacht ( das war noch vor Bachelor/Master ), d.h. wer nicht voll durchgezogen hat, bis zum bitteren Ende, stand ohne Abschluss da. Die fehlenden 75% sind mehrheitlich im Grundstudium abgesprungen.



  • @it0101 sagte in Ich möchte Informatik studieren - Kann ich es schaffen?:

    Schaffen können es die meisten. Habe bisher keinen Studenten getroffen, der zu dumm ist.

    Oh doch ... man ... was hab ich Sachen erlebt. Vor allem im Grundstudium 😃
    Zum Thema von oben kann ich noch hinzufügen, ich habe damals als Vollzeitstudent einige gesehen die zuerst an der Uni gescheitert (E-Technik) sind, danach an der FH (wieder E-Technik) gescheitert sind und schließlich doch noch ihren Abschluss im Wirtschafsting.-wesen gepackt haben.



  • @mechanics Das macht es nicht besser ich weiß 😃 Ich meine nur, dass es nichts mit Mathe speziell zu tun hatte, sondern meiner Leistung in der Schule generell, die einfach situationsbedingt unterirdisch war, gebe ich offen zu.
    Ich habe eben nur an vielen Stellen gelesen, dass Mathe sehr sehr schwierig sei, deshalb hab ich mir Sorgen gemacht. Versuchen werde ich es auf jeden Fall.



  • @padmad sagte in Ich möchte Informatik studieren - Kann ich es schaffen?:

    Technische Informatik:

    Mit Schwerpunkt auf den technischen Aspekt, scheint auch vom Hören-Sagen dieser Studiengang sehr Mathe-lastig zu sein. Ob das aber wissenschaftliches Niveau ist, kann ich nicht sagen.

    technische informatik ist, wenn du so willst, die programmierung von anwendungen der elektrotechnik, also z.b. steuern und regeln von generatoren. da elektrotechnik, was mathematik angeht, sowieso schon das höchste der gefühle ist, kannst du dir ja ausmalen, was das abgibt.

    @padmad sagte in Ich möchte Informatik studieren - Kann ich es schaffen?:

    @mechanics Auch Wirtschaftsinformatiker beschäftigen sich mit Rechnerarchitektur, objektorientierter Programmierung, Datenbanksystemen und Webtechnologien und sind praxisbezogener als so manch normaler Informatiker von der Hochschule, der sich mit Funktionaler Programmierung und lambda Ausdrücken beschäftigt und alles beweisen muss 😉 Also nur excel und ein bisschen tippen ist nicht.

    also wir hatten im studium eine vorlesung "betriebssysteme". die erste hälfte des semesters handelte davon, was prozess, thread und scheduler usw. bedeuten, und in der zweiten hälfte bekam man dann auch mal programmcodes zu sehen. das hat man deshalb so gemacht, weil für die wirtschaftsinformatiker keine extra vorlesung abgehalten werden sollte.🙃



  • @saraficeab sagte in Ich möchte Informatik studieren - Kann ich es schaffen?:

    in Mathe immer schlechte Noten

    @saraficeab sagte in Ich möchte Informatik studieren - Kann ich es schaffen?:

    ob ich es trotzdem schaffen könnte

    Ne.



  • Mach es doch wie die kleinen Mädchen: Er liebt mich, er liebt mich nicht ...
    Ich schaffe es, ich schaffe es nicht, ...



  • @einnutzer0
    Solltest du Informatik studiert haben, hat das meine Zuversicht gerade dann doch wieder erhöht, da ich doch mindestens auf dem Niveau eines Menschen bin, der eine etwas komplexere Situation auswertet, indem er nur zwei Argumente betrachtet.
    Ich habe mehr gesagt als nur, dass ich in Mathe schlecht war.



  • @saraficeab sagte in Ich möchte Informatik studieren - Kann ich es schaffen?:

    Zuversicht

    Bist du mal in einer Mathematikprofessorenvorlesung gewesen? Eines der schlimmsten Orte auf diesen Planeten...
    Es fängt schon damit an, dass kein Skript herausgegeben wird, der Dozent auf schnell und unleserlich an der Tafel schreiben getrimmt ist - und in der Klausur andere, für den weiteren Studienverlauf höchstirrelevante Themen drankommen, um möglichst alle "wegzuprüfen". Damit soll der Rasen möglichst so getrimmt werden, dass es keinen Rasen mehr gibt.

    Aber: das sei bestimmt die Ausnahme... Nein, denn untereinander interoperieren diese "Klugredner" so, dass ihr Plankalkül immer aufgeht. - Schönen Tag noch.



  • also wenn du jetzt unbedingt informatik studieren willst, dann sei dir darüber im klaren, dass das zu 80% darin besteht, irgendwelche mathematischen verfahren mit hilfe von zusätzlichen mathematischen verfahren in neue mathematische verfahren umzuwandeln. beispiel: die addition zweier großer zahlen, die jeweils in blöcke von 64 bit zerlegt sind. die lösungen für solche sachen darfst du dir dann natürlich selbst überlegen, aber wie sollst du diese addition umsetzen können, wenn du nicht weißt, was addition ist?

    @einnutzer0 sagte in Ich möchte Informatik studieren - Kann ich es schaffen?:

    Es fängt schon damit an, dass kein Skript herausgegeben wird, der Dozent auf schnell und unleserlich an der Tafel schreiben getrimmt ist - und in der Klausur andere, für den weiteren Studienverlauf höchstirrelevante Themen drankommen

    ja das war bei uns auch so bzw. es gab ein rumpfskript. der prof hat das beispiel falsch an die tafel geschrieben und meinte dann, dass er ja keine klausur bestehen müsse. in der klausur wurden dann die spezialfälle abgefragt und kaum einer konnte das, weil das in der formelsammlung so nicht drin stand.

    einmal sind sogar alle (alle!) durchgefallen und der prof meinte, dass die klausur nicht zu schwer wäre, sondern die studierenden zum dumm seien.

    trotzdem kann man durch intensives durchpauken der übungsaufgaben und nachfragen bei problemen die klausur sehr gut bestehen.



  • @einnutzer0 sagte in Ich möchte Informatik studieren - Kann ich es schaffen?:

    @saraficeab sagte in Ich möchte Informatik studieren - Kann ich es schaffen?:

    Zuversicht

    Bist du mal in einer Mathematikprofessorenvorlesung gewesen? Eines der schlimmsten Orte auf diesen Planeten...

    Also ich fand es nicht so schlimm. Ich hatte im Studium immerhin Mathe 1 bis Mathe 3 in den ersten drei Semestern des Grundstudiums ( Mathe für Ingenieure ). Ich hab es nicht gerade geliebt, aber der Horror war es auch nicht. Bin da mit Note 3 raus und war damit auch zufrieden.