[Hartz IV Proteste] Dämliche Demonstranten
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Das sollte ja wohl offensichtlich sein... bereits 1988 hat man also über die heutigen Probleme diskutiert! Vor DDR&Co.
Durch das allgemeine Hochgefühl und andere politische Themen ab 1989 ist diese Diskussion dann verdrängt worden. Die Währungsunion war eine gigantische Konjunkturspritze, in deren Folge zahlreiche Ex-DDR-Bürger ihrem Bedürfnis nach Konsum nachgingen, was die Binnennachfrage extrem belebte. Außerdem waren die Neubürger zunächst überwiegend Beitragszahler da beschäftigt. Erst im Rahmen der Zerschlagung der Industrie in den neuen Ländern und dem Auslaufen der Konjunkturspritze (d.h. das von DDR-Mark nach D-Mark getauschte Geld war ausgegeben) konnte sich das System wieder in einen stationären Zustand einschwingen, was ab Mitte der 90er der Fall war. Und nun kamen die Probleme wieder zurück, nur daß natürlich die Finanznot jetzt beschleunigt war, da das zuvor bereits schwächelnde Systeme nun mit noch mehr Leistungsempfängern belastet wurde.
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Marc++us schrieb:
@F98: verstehe ich nicht... das sind 10 Stunden am Tag, ziehe eine Stunde ab, macht 45 Stunden pro Woche.
Ja, das kommt ja auch auf eine durchschnittl. Wochenarbeitszeit. Was ich meine ist, das die Leute lieber mal 7.00Uhr anfangen sollten zu arbeiten. Außerdem würden sie sich dann nicht ständig wundern, das 17.30 Uhr bei uns keiner mehr auf Arbeit ist.
Ich bin früher immer mit der Mutter aufgestanden und alleine mit dem Schulbus zur Schule. Bis 14.00Uhr Schule, nachmittags Hort. Und dann 16.00 mit dem Bus wieder nach Hause. Wo ist das Problem.Marc++us schrieb:
98% der Welt arbeiten mehr pro Woche und haben auch Familienleben.
Ich frag mich wie sie's machen. Anscheinend ist das zu viel, da die Kindererziehung irgendwie in den letzten Jahren in D ziemlich nachgelassen hat, kommt mir jedenfalls so vor.
Marc++us schrieb:
Vor allem fangen gerade viele ältere ANs erst nach 9:00 an, GERADE weil sie Familienleben haben - sie helfen morgens mit, daß die Kinder in die Schule kommen oder fahren sie zur Schule, usw., sie nehmen also morgens am Frühstück/Schulvorbereitung teil und können daher nicht früher in die Firma.
Das ist doch eine Verschiebung des "Betreuungs-Problems" von abends auf früh, oder? Besser wäre doch, die Eltern hätten ab dem späten Nachmittag (ab 16.30 Uhr) mehr Zeit sich mit dem eigenen Familienleben zu beschäftigen als bis 19.00 Uhr zu arbeiten. Irgendwie hat man dann auch subjektiv mehr vom Tag.
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Marc++us schrieb:
Das sollte ja wohl offensichtlich sein... bereits 1988 hat man also über die heutigen Probleme diskutiert! Vor DDR&Co.
Durch das allgemeine Hochgefühl und andere politische Themen ab 1989 ist diese Diskussion dann verdrängt worden. Die Währungsunion war eine gigantische Konjunkturspritze, in deren Folge zahlreiche Ex-DDR-Bürger ihrem Bedürfnis nach Konsum nachgingen, was die Binnennachfrage extrem belebte. Außerdem waren die Neubürger zunächst überwiegend Beitragszahler da beschäftigt. Erst im Rahmen der Zerschlagung der Industrie in den neuen Ländern und dem Auslaufen der Konjunkturspritze (d.h. das von DDR-Mark nach D-Mark getauschte Geld war ausgegeben) konnte sich das System wieder in einen stationären Zustand einschwingen, was ab Mitte der 90er der Fall war. Und nun kamen die Probleme wieder zurück, nur daß natürlich die Finanznot jetzt beschleunigt war, da das zuvor bereits schwächelnde Systeme nun mit noch mehr Leistungsempfängern belastet wurde.
Genauso meinte ich das.
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Die ersten Veröffentlichungen zu den heutigen Problemen stammen aus den 70ern (z. B. Club of Rome), das ist nichts neues.
Die Einschätzung, daß die Währungsunion als Konjunkturspritze am Ende eine in wirtschaftlicher Hinsicht positive Gesamtbilanz aufzuweisen hatte, teile ich hingegen nicht. Die dem zugrundeliegenden Theorien sind nicht unumstritten, auch wenn sie von Leuten wie Lafontaine sehr eloquent vertreten werden.
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F98 schrieb:
Marc++us schrieb:
98% der Welt arbeiten mehr pro Woche und haben auch Familienleben.
Ich frag mich wie sie's machen. Anscheinend ist das zu viel, da die Kindererziehung irgendwie in den letzten Jahren in D ziemlich nachgelassen hat, kommt mir jedenfalls so vor.
Gleichzeitig hat bei uns aber die Wochenarbeitszeit nachgelassen. Also liegt in Deiner Schlußfolgerung irgendwo ein Fehler.
In keinem Land der Welt hat ein Angestellter mehr Freizeit und Urlaub als bei uns in Deutschland.
Trotzdem betreuen die Leute die Kinder nach Deiner Beobachtung (der bestimmt einige zustimmen) immer schlechter.
Offensichtlich sind wohl die Faktoren "verfügbare Zeit" und "Betreuungsintensität" nicht korrelliert. Es scheint für dieses Problem andere Ursachen zu geben.
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Marc++us schrieb:
In keinem Land der Welt hat ein Angestellter mehr Freizeit und Urlaub als bei uns in Deutschland.
Laut Prof. Sinn "haben wir die drittniedrigste jährliche Arbeitszeit der OECD-Länder", da bleiben dann immerhin zwei Länder in denen ein Angestellter mehr Freizeit hat als in Deutschland...
(Quelle: http://www.ifo.de/link/stp047.htm)
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o mann... du bist vielleicht ein korinthenkacker...
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ThAlb schrieb:
Die Einschätzung, daß die Währungsunion als Konjunkturspritze am Ende eine in wirtschaftlicher Hinsicht positive Gesamtbilanz aufzuweisen hatte, teile ich hingegen nicht.
Habe ich ja auch nie behauptet. Ich habe nicht geschrieben, daß es eine positive Gesamtbilanz dafür gäbe.
Ich schrieb nur, daß die Sondereffekte viel Geld in den Kreislauf geschwemmt haben, wodurch sich für 2-3 Jahre viele Faktoren geändert haben, die Binnennachfrage belebt wurde, usw. Eine abschliessende Würdigung ob dies positiv oder negativ war habe ich weder gegeben noch zitiert. Mir ging es alleine um die aufschiebende (da überlagende) Wirkung dieses Effekts.
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Aber das Geld für diese Sondereffekte mußte irgendwo herkommen (Solidaritätszuschlag, Rentenkasse, Staatsverschuldung,...) und wurde dem Kreislauf somit an anderer Stelle entzogen. Eine aufschiebende Wirkung kann ich da nur in der öffentlichen Diskussion erkennen.
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Unser Anspruchdenken ist (noch immer) viel zu hoch. Fast hätte ich den Spruch zitiert: " ... und erst wenn der letze Baum gefällt, wenn ..., werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann."
Hartz V und VI müssen kommen. Leider denkt die Regierung momentan drüber nach, bei der Bestimmung der Bemessungsgrundlage für die zukünftigen Krankenversicherungsbeiträge die sonstigen Einkunftsarten, etwa die aus Vermietung und Verpachtung, nicht hinzuzuziehen. So wirds wohl keine richtige Reform. Gedanklicher Ansatz zu Beginn gut, Umsetzung schlecht.
Unsere Wochenarbeitszeiten sind weltweit einmalig niedrig (bis auf wenige andere Länder), in der Anspruchshaltung aber sind wir Weltmeister.
Das Eierwerfen resultiert aus dem Nichtwahrhabenwollen der veränderten Realität und ist so infantil, dass ich dazu kein Wort verlieren werde.
Gerade die Bürger in den neuen Bundesländern fallen durch Unzufriedenheit auf. Liegt zum einen sicherlich an den veränderten Lebensumständen (man muss sich jetzt ab und an mal selbst um sein Leben kümmern, der Staat nimmt nicht mehr jedem das Denken ab), zum anderen an der kurzen Halbwertszeit der Erinnerung. War es zu DDR-Zeiten besser als jetzt? Ich glaube wohl, dass Drangsalierung und Entbehrung (vor dem Mauerfall) die Menschen enger zusammen rücken lässt und zu intensiverer solidarischer Gemeinschaft führt - damit hatten sie uns im Westen beneidenswert viel voraus, aber das darf nicht dazu führen, zu verdrängen, wie es vor der Wende aussah.Der Mauerfall, dieses singuläre Ereignis, verschlimmert die öffentliche Kassenlage, führt dazu, dass die Auswirkungen der unter Don Kohleone verpassten Maßnahmen zum Umbau des Sozialstaates nun umso heftiger zu Tage treten, aber es wäre nur eine Zeitverzögerung gewesen, bis die Kassenlage genauso gewesen wäre, wie es jetzt ist.
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ThAlb schrieb:
Aber das Geld für diese Sondereffekte mußte irgendwo herkommen (Solidaritätszuschlag, Rentenkasse, Staatsverschuldung,...) und wurde dem Kreislauf somit an anderer Stelle entzogen. Eine aufschiebende Wirkung kann ich da nur in der öffentlichen Diskussion erkennen.
Der Sondereffekt war die Währungsunion. Wie oft muß man das noch schreiben?
Das Geld wurde gedruckt... der Währungsumtausch hat den Westen zunächst kein Geld gekostet, da einfach aus dem Nichts DM erzeugt wurde, per Dekret. Auf den Ostkonten wurden einfach einige Milliarden-DM erzeugt. Diese DM hat keinem im Westen auf dem Konto gefehlt.
Und das war der Sondereffekt.
Ich weiß jetzt nicht wieviel Geld umgetauscht wurde, aber es gab im Osten ein Sparvermögen von 191 Milliarden Ostmark, die ersten 4000 wurden 1:1 getauscht, der Rest 1:2. Also rund 100 Mrd DM sage ich jetzt Mal. Die wurden doch nirgendwo abgebucht...
Ein weiterer Sondereffekt war psychologischer Natur - viele Abbaupläne und Sparmaßnahmen wurden aufgeschoben, da jeder guter Stimmung war und einen allgemeinen Aufschwung und Vorwärtsdrang erwartete. Der Feind war tot, die Stimmung hervorragend, neuer Markt, neue Kunden, Deutschland ganz oben, dadurch wurden Pläne zum Sparen nicht realisiert und es wurde aus heiterem Himmel heraus investiert für zukünftige Geschäfte.
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Ingo schrieb:
Gerade die Bürger in den neuen Bundesländern fallen durch Unzufriedenheit auf.
Es ist also politisch inkorrekt sich über soziale Mißstände und deren Nicht-Beseitigung aufzuregen?
Ingo schrieb:
man muss sich jetzt ab und an mal selbst um sein Leben kümmern, der Staat nimmt nicht mehr jedem das Denken ab
Super Ingo! Die Menschen in der Zone sind alle blitzblöde schlafwandelnde Lemminge.
Ingo schrieb:
Drangsalierung und Entbehrung
Das klingt, als hätten wir hier wie in Arbeitslagern in Sibirien gewohnt. Mannomann, Du weest nischt.
Das einzige, was subjektiv schlecht war, war die extrem schlechte Konsumlage und die (Reise-)Freiheit.
Ingo schrieb:
aber es wäre nur eine Zeitverzögerung gewesen, bis die Kassenlage genauso gewesen wäre, wie es jetzt ist.
Es IST eine Verzögerung gewesen.
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F98 schrieb:
Das einzige, was subjektiv schlecht war, war die extrem schlechte Konsumlage und die (Reise-)Freiheit.
Naja, wenn man sich mit heute 40jährigen unterhält, vor allem Ingenieure aus dem Bereich der Industrie, so klingt das schon anders. Ich kenne ja beruflich bedingt viele Leute aus gewissen Geschäftsfeldern eines Kombinats, und da war überwiegend bisher zu hören, daß ab Mitte der 80er nur noch Mangelverwaltung angesagt war... nicht nur Konsumlage, sondern generell Versorgungslage.
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Ja, das kommt noch dazu. Ich bin von meinem subjektiven Empfinden ausgegangen.
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Deine Antworten, F98, sind zu subjektiv, zu gewollt provozierend (man könnte es auch anders ausdrücken ...), als dass ich mich mit dir auseinander setze.
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Schade, habe ich mein Klassenziel nicht erreicht. Schönen Feierabend noch.
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F98, Deine letzten Beiträge verleiten mich jetzt doch zu der Frage, in welchem Alter Du die DDR wohl erlebt hast?
Meine Erinnerungen an die DDR gehen in eine ganz andere Richtung...
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Zieht die Mauer wieder hoch !
Wir werden die schon dick füttern (mit Einheitswohnung und Einheitshilfe zufrieden stellen).
Wer flüchtet der sucht wirklich nach Zukunft.
Es wird keiner mehr geben der auf diese Mauerflüchtlinge schiesst.Lasst die Mauer wieder hoch wachsen !
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Re-Aktionär schrieb:
Zieht die Mauer wieder hoch !
Wir werden die schon dick füttern (mit Einheitswohnung und Einheitshilfe zufrieden stellen).
Wer flüchtet der sucht wirklich nach Zukunft.
Es wird keiner mehr geben der auf diese Mauerflüchtlinge schiesst.Lasst die Mauer wieder hoch wachsen !
Aber nun ab ins Bett, der Sandmann war doch schon da!
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Ingo schrieb:
Gerade die Bürger in den neuen Bundesländern fallen durch Unzufriedenheit auf.
Was ist daran so schlimm, wenn man seine Unzufriedenheit zeigt?
Es sind aber nicht immer nur Menschen aus den neuen Ländern. Beim letzten großen Streik der IG Metall wurden Leute nicht in die Firma gelassen, weil der Streikführer (er war aus den alten Ländern) es nicht zugelassen hat.
Ich möchte auf keinen Fall jetzt eine harte Ost-West Diskussion anheizen, ich wollte nur mal zeigen, dass es nicht immer so ist wie (leider) viele denken.