Welche GNU/ Linux-Distribution passt zu mir?



  • WELCHE GNU/ LINUX-DISTRIBUTION PASST ZU MIR?

    Im folgenden gehe ich - um den Umfang dieses Artikels nicht zu sprengen - nur auf die bekanntesten GNU/ Linux-Distributionen ein, weitere Informationen zu diversen nicht so weit verbreiteten Distributionen finden sich auf Distrowatch (Mirror1 - at).

    Auf welche Distribution die Wahl letzten Endes fällt ist vor allem Geschmackssache, auf die Frage "Was ist die beste GNU/ Linux-Distribution?" gibt es keine Antwort, es kann immer nur "Die beste GNU/ Linux-Distribution für einen bestimmten, klar abgegrenzten Einsatzzweck und den jeweiligen Benutzer" geben. Streitereien und Erklärungen warum Fedora viel besser ist als SuSE (oder umgekehrt) bitte ich daher zu vermeiden. Hilfreich bei der Suche nach der Linux Distribution die am besten zu einem passt kann der Linux Distribution Chooser sein, der mittels eines Frage Bogens versucht eine passende Distribution zu ermitteln.

    Sämtliche hier aufgelisteten Distributionen können von LinuxISO, den jeweiligen Projekthomepages oder aus Filesharingnetzen bzw. über Bittorrent heruntergeladen werden.

    • große GNU/ Linux-Distributionen
      Derzeit (August 2004) verwendet ein Großteil aller Benutzer eine der folgenden 4 Linux-Distributionen und das aus durchaus gutem Grund: Ausgereift, meist benutzerfreundlich und durchweg gut getestet eignen sich diese Distros sowohl für Anfänger als auch für Profis, besonders wenn diese schnell und einfach ein lauffähiges und stabiles System zur Verfügung haben wollen.

    • Ubuntu
      Paketsystem: DEB
      Das Ubuntu Projekt entstand 2004 als ein Ableger von Debian, der vor allem Desktop-Benutzer ansprechen sollte. Durch die finanzielle Unterstützung durch den Multi Milliardär Mark Shuttleworth und eine schnell wachsende Community konnte Ubuntu sehr schnell zu einer der verbreitetsten Linux-Distributionen aufsteigen. Ubuntu kommt standardmäßig mit dem GNOME-Desktop, man kann aber auch andere Desktop-Umgebungen nach installieren oder gleich KUbuntu (für KDE) oder XUbuntu (für XFCE). Daneben existieren noch spezial Versionen für Klassenzimmer (edUbuntu). Bei dem Computer-Hersteller Dell sind auch Notebooks und Desktop-Rechner mit Ubuntu verfügbar: http://www.dell.de/linux. Auch andere Hersteller wie HP unterstützen Ubuntu.

    Vorteile von Ubuntu

    • Hohe Verbreitung und Bekanntheit.
    • Umfangreiche Konfigurationstools, die unter anderem die komfortable Installation 3D beschleunigter NVidia/ATI-Treiber enthält. (Aber weniger Eingriffe in das System, als bei SuSEs YaST)
    • Windows-Migrator.
    • Verwandtschaft mit Debian.

    Nachteile von Ubuntu

    • Viele proprietäre Software (NVidia/ATI-Treiber). Dies kann für viele Nutzer aber einen Vorteil darstellen. (Mit GoBuntu existiert eine Ubuntu Variante, die ausschließlich auf freie Software setzt)
    • SuSE
      Paketsystem: RPM
      Eine der traditionsreichsten kommerziellen Linux Distributionen überhaupt stellt SuSE dar, welches vor allem mit seiner Benutzerfreundlichkeit und dem mächtigen grafischen Administrationstool YAST (Yet Another Setup Tool) zu punkten vermag.
      Entwickler (in spe) sollten darauf achten, die Professional-Version von SuSE zu kaufen, da diese im Gegensatz zu SuSE Personal Edition auch zahlreiche Compiler, Entwicklungsumgebungen und nicht zuletzt auch diverse Serveranwendungen wie den berühmten Webserver Apache uvm enthält (siehe auch hier).
    • Fedora (ehemals RedHat)
      Paketsystem: RPM
      Fedora entstand aus der von RedHat nicht mehr weiterentwickelten RedHat-Variante für Homeuser. Trotz anfänglicher Stabilitätsprobleme hat es sich mittlerweile zu einer voll einsatzfähigen Workstation-Distribution gemausert die sich alle Mühe gibt, RedHats Tugenden weiterleben zu lassen.
      Fedora kann im Gegensatz zu den anderen aufgelisteten großen Distributionen nicht im Laden gekauft werden sondern wird nur zum (gratis) Download angeboten.
      Die Administrationstools von Fedora wirken noch nicht so aus einem Guss wie die der anderen Distributionen, dafür hat es das wohl beste Updatesytem das man bis jetzt bei rpm-basierten Distributionen bewundern durfte.
    • Mandriva
      Paketsystem: RPM
      Mandriva (vormals Mandrake) war eine der ersten Distributionen mit einem absolut deppensic^Wbenutzerfreundlichem Installer. Ursprünglich stammte Mandriva von RedHat ab; mittlerweile hat es sich aber dank eigenständiger Tools, einer hervorragenden Hardwareerkennung (viele behaupten es sei die beste überhaupt) und eines übersichtlichen Administrationstools sehr stark emanzipiert und eine große Fangemeinde aufgebaut.

    Vorteile der großen rpm-basierten Distributionen:

    • Benutzerfreundlichkeit (einfache Installer etc.)
    • sehr schnelle Installation möglich
    • gute Hardwareerkennung
    • bei Kauf: gute gedruckte Handbücher
    • bei Kauf: Support des Herstellers
    • Daher: Gute Komplettpakete vor allem für Linux-Anfänger oder User die sich möglichst wenig mit ihrem System auseinandersetzen wollen.

    Nachteile der großen rpm-basierten Distributionen:

    • meist überladene Defaultsetups
    • "RPM Dependency Hell" führt oft zu Problemen bei Updates
    • teilweise einzelne Programme bis zur Unkenntlichkeit gepatcht
    • wenn die div. Konfigurations-GUIs versagen, wird die manuelle System-Konfiguration aufgrund unübersichtlicher Configfiles und Verzeichnishierarchien meist sehr unbequem
    • tendenziell eher schwierig, diese Distributionen zu etwas umzufunktionieren wozu sie nicht von Grund auf konzipiert wurden
    • Daher: Ungeeignet für Benutzer die viel über ihr System lernen wollen, gerne jedes Einstellungsdetail anpassen oder eher ungewöhnliche Dinge damit vorhaben.
    • Debian GNU/ Linux
      Paketsystem: DEB
      Debian ist eine vor allem für fortgeschrittene Anwender und Profis geeignete Distribution die zwar nicht zu den benutzerfreundlichsten gehört (weswegen Anfänger in der Regel ihre Finger von Debian lassen sollten), dafür aber das wohl ausgereifteste Paket- und Updatesystem aller Mainstream-Linuxdistributionen hat. Dank apt-get gehören umständliche Update- und Dependency-Auflösungs-orgien der Vergangenheit an.
      Debian wird in drei unterschiedlichen branches entwickelt: stable, testing und unstable, wobei stable für Desktop-Systeme aufgrund der extrem alten Pakete fast unbenutzbar ist, für Server aber durchaus eine Überlegung wert sein kann.

    Vorteile von Debian:

    • bestes binäres Paketsystem in der OpenSource-Unixwelt (dadurch auch Updates sehr einfach)
    • sehr stabil (besonders der chronisch veraltete stable-Tree)
    • extrem vielseitig und flexibel
    • die wahrscheinlich am besten für Server geeignete Distribution
    • Daher: Gut geeignet für fortgeschrittene Benutzer (und solche die es werden wollen) die keinen Wert auf lange Compilesessions à la Gentoo (siehe unten) legen und ideal für Server.

    Nachteile von Debian:

    • Installation und Konfiguration für Anfänger kompliziert

    • Sarge (testing) hat derzeit keinen funktionierenden CD-Installer und kann daher nur über FTP oder per dist-upgrade von einem laufenden (Woody-)System installiert werden.

    • Pakete im stable-tree veraltet

    • kein kommerzieller Support (Debian ist keine kommerzielle Distribution)

    • Daher: Ungeeignet für absolute Unix-Anfänger und Benutzer die sich vor manueller Konfiguration einzelner Komponenten fürchten, ungeeignet auch für Benutzer die auf kommerziellen Support angewiesen sind.

    • Special-Needs GNU/ Linux-Distributionen
      Diese Distros eignen sich vor allem für bestimmte Einsatzzwecke und sind daher nicht so ohne weiteres für jedes 0815-Desktopsystem zu gebrauchen, sind aber auf ihre angestammten Einsatzbereichen meist besser zugeschnitten als die Allround-Distros oben.

    • Linux From Scratch (LFS)
      Paketsystem: keines
      Linux From Scratch ist im Grunde nicht mehr als eine Anleitung um sich ein eigenes GNU/ Linux System nur aus den Sourcen der jeweiligen Anwendungen zu kompilieren. Für Lernzwecke ist das natürlich optimal und für Systeme mit besonders ungewöhnlichen Anforderungen kann es auch praktisch sein (immerhin hat man stets die volle Kontrolle über alle Aspekte der Betriebssysteminstallation), allerdings machen die extrem mühsame Installation und fehlende automatische Updater in der Standardkonfiguration das System für den Standardeinsatz eher untauglich.

    Vorteile von LFS:

    • auf die eigenen Ansprüche optimiertes System
    • gut um viel über den genauen Aufbau eines GNU/ Linux-Systems zu lernen
    • 6|Lt 1N B3STIMMt3n KRe!53N al5 53hr L33t
    • Daher: Gut geeignet für Benutzer die in erster Linie viel über ihr System lernen wollen, sonst aber keine besonderen Ansprüche (zB. bzgl. Einfachheit der Updates etc. haben).

    Nachteile von LFS:

    • extrem aufwändige und langwierige Installation
    • lange Compilesessions an der Tagesordnung
    • mangels automatischer Updatemöglichkeit nicht praxistauglich
    • Daher: Nicht geeignet für normale Produktionssysteme.
    • Gentoo
      Paketsystem: Portage (sourcebasiert, die Unterstützung für Binärpakete wird derzeit ausgebaut)
      Gentoo ist eine sourcebasierte Metadistribution deren Paketmanagement die gleichen Fähigkeiten hat wie das von Debian, die benötigten Programme allerdings automatisiert in den Sourcen herunterlädt, kompiliert und installiert. Dadurch bietet sich dem Benutzer zwar die Chance, sämtliche Programme optimal auf das eigene System abzustimmen, allerdings sollten Gentoo-User auch viel Geduld für lange Compilesessions und viel Bandbreite mitbringen, ohne die sich Gentoo kaum auszahlt. Ganz nebenbei bemerkt: Gentoo hat keinen Installer und somit auch keinerlei Hardwareerkennung oä, der User muss alles von Hand installieren.
      Wer diese Nachteile in Kauf zu nehmen bereit ist, wird mit einer schlanken und überaus schnellen Linuxdistribution belohnt.

    Vorteile von Gentoo:

    • gleichen Vorteile wie bei LFS
    • komplette System-Updates sehr einfach möglich ("emerge update world" oä)
    • Installation weniger langwierig als bei LFS (aber immer noch wesentlich länger als zb bei Debian)
    • Daher: Gut geeignet für fortgeschrittene Benutzer die Wert auf ein hochoptimiertes und aktuelles System legen und auch kein Problem damit haben, mal etwas mehr Zeit in ihr System zu investieren.

    Nachteile von Gentoo:

    • gleichen Nachteile wie bei LFS (von der Update-Problematik und daraus resultierender mangelnder Praxistauglichkeit mal abgesehen)
    • da Gentoo von den automatischen Updates lebt, nur für Benutzer mit hoher Bandbreite wirklich sinnvoll
    • Installation auf Rechnern ohne Internetzugang eher mühsam
    • Daher: Nicht geeignet für Anfänger und Benutzer mit wenig Bandbreite.
    • Knoppix
      Knoppix ist eine komplett von CD lauffähige Linux-Distribution die sich sehr gut zum Ausprobieren von GNU/ Linux eignet, aber auch für viele andere Zwecke sehr praktisch sein kann. (Linux im Internetcafé, Linuxtauglichkeit von Komplettsystemen/ Notebooks testen, Knoppix als Deluxe-Bootdisk usw)
      Obwohl Knoppix normalerweise nicht schreibend auf installierte Festplatten zugreift kann man es mit Hilfe eines praktischen Skripts fest auf die Harddisk installieren und hat dann - da Knoppix auf Debian basiert - ein verkapptes Debian installiert, ohne dabei den Problemen, die Einsteiger oft mit der Installation von Debian haben, zu begegnen.

    Vorteile von Knoppix:

    • keine Installation nötig
    • keine Konfiguration nötig
    • viele Programme auf einer CD
    • Daher: Gut geeignet um GNU/ Linux "schnell mal" ohne Installation auszuprobieren oder als Luxus-Bootdisk für Systemreparaturen, um andere Distributionen zu installieren etc. (Auch als Ausgangspunkt für ein aktuelles Debian brauchbar.)

    Nachteile von Knoppix:

    • bei Installation: gleichen Nachteile wie bei Debian
    • teils Probleme mit älteren Rechnern
    • bei Betrieb von CD: benötigt konzeptbedingt viel RAM, nicht allzu performant
    • Daher: Als Live-CD nicht geeignet für Benutzer mit wenig Arbeitsspeicher und Overkill für einfache Reparaturaufgaben.
    • tomsrtbt
      "The most GNU/Linux on 1 floppy disk."
      tomsrtbt (Tom's floppy which has a root filesystem and is also bootable) ist eine ausgezeichnete Bootdiskette die fast alles mitbringt was man im Normalfall zur Systemreparatur so brauchen kann.

    Vorteile von tomsrtbt:

    • extrem praktisches Mini-Linux auf Diskette
    • Daher: Gut geeignet für Systemreparaturen etc.

    Nachteile von tomsrtbt:

    • kleine Programmvielfalt(1.44MB sind einfach nicht allzuviel)
    • Daher: Nicht geeignet um GNU/ Linux auszuprobieren, keine Treiber für allzu exotische Hardware.
    • YellowDog Linux (kurz YDL)
      Paketsystem: RPM
      YDL ist eine Linux Distribution die speziell für PowerPCs und Ableger (IBM POWER, Cell) entwickelt wird. Sie ist daher unter anderem für Apple PowerPC Rechner und die Playstation 3 verfügbar. YDL basiert auf Fedora Core und wir von der Firma Terra Soft Solutions entwickelt und vertrieben. Als Standard Desktop kommt das noch in der Entwicklung befindliche aber sehnsüchtig erwartete e17 zum Einsatz.
    • Damn Small Linux (oft nur kurz: DSL)
      DSL ist eine Desktop Linux Distribution, die auf einem Datenträger mit 50 MB auskommt. Trotz der beachtlichen Größe ist eine grafische Oberfläche mit den entsprechenden Programmen enthalten. DSL ist Debian basiert und kann nach einer Installation in ein Debian System (siehe oben) umgewandelt werden.

Log in to reply