Wozu wählen?



  • So - Wahlbeteiligung <25% in NRW. peterchen - was wird aus Deiner Welt?
    (naja, ist ja nicht so schlimm, gibt ja nur Gewinner...)

    Schily will notfalls eine Verfassungsänderung durchsetzen, um seine Vorstellungen zu realisieren. Ist er nun verfassungsfeindlich, oder nicht?



  • Loggy schrieb:

    Demokratie ist nicht scheiße, das stimmt.

    Aber unser System hat auch einige große Schwächen.

    Ja, z.B., daß es keine wirkliche Demokratie ist. Unsere sogenannte "Repräsentative Demokratie" ist mit einer richtigen Demokratie etwa so vergleichbar wie C mit C++. Das eine ist im anderen zwar irgendwie enthalten, aber im Endeffekt ist es doch ein großer Unterschied.

    Eine meiner Meinung nach bessere Bezeichnung wäre "Oligarchie auf Zeit", da wir abgesehen von der Wahl alle 4 Jahre keinen Einfluß auf die Bundespolitik haben. Es sei denn, wir werden zwecks föderalistischer Neuordnung zum Plebiszit gerufen (was ja überaus häufig vorkommt).

    Gegen ein System nach schweizer Vorbild wird ja immer mit Deutschlands Bevölkerungsgröße argumentiert, allerdings zieht dieses Argument im IT-Zeitalter nicht mehr. Es wäre ein Leichtes, auch kleine Abstimmungen online durchführen zu lassen, und das wäre auch nicht mißbrauchsgefährdeter (z.B. durch Cracker) als das jetzige System, in dem mal hier, mal da ein Zahlendreher eingetragen werden kann. Allerdings übertrüge dieses Abstimmungsverfahren die Kompetenzen weitgehend an die regelmäßigen Wähler, was unserer Obrigkeit garantiert gegen den Strich geht.



  • natürlich ist unsere repräsentative demokratie eine demokratie. der ausdruck ist allein über die legitimation definiert, und unsere volksvertretungen haben ihre legitimation nunmal allein durch das stimmverhalten der bürger. eine direkte demokratie ist das natürlich nicht, das ist ja klar. (übrigens war die erste direkte demokratie auch nicht so das wahre, denn im alten griechenland durften nur bürger wählen- also männer ab 25, die zur stadt gehörten)

    was hier bei einigen rauszuhören ist, ist die forderung nach imperativem mandat. aber das hat sich schon seit weimar erledigt.



  • JEDES "System" hat sich schon erledigt. Keines der bekannten kann Alle zur gleichen Zeit glücklich machen.
    Aber danach suchen und streben, vorhandene Systeme in Frage zu stellen und zu verbessern, ist um Welten besser als das Kopf-in-den-Sand-stecken und das gegenwärtige System (einschließlich Wahlsystem) der Bundesrepublik als DAS Allheilmittel zu vertreten.

    Gerecht wird es nie auf der Welt zugehen. Aber die Forderung danach einfach ad acta zu legen ist praktizierte Ungerechtigkeit.
    Wo bleibt da die vielzietierte "Mündigkeit" der Bürger? Oder ist "Demokratieverständnis" nichts weiter als Duck-Dich und Mach-was-Dir-gesagt wird?

    Blackbird



  • scrub schrieb:

    (übrigens war die erste direkte demokratie auch nicht so das wahre, denn im alten griechenland durften nur bürger wählen- also männer ab 25, die zur stadt gehörten)

    Sklaven waren ebenfalls ausgenommen. Diese Probleme sollten mittlerweile allerdings wohl nicht mehr existent sein. Wir haben doch sogar schon ein Frauenwahlrecht! 😉

    scrub schrieb:

    was hier bei einigen rauszuhören ist, ist die forderung nach imperativem mandat. aber das hat sich schon seit weimar erledigt.

    Mir zumindest geht es nicht um die Bestrafung der Politiker, die gegen den Volkswillen handeln, sondern um die Einbindung des Volkes zumindest bei brisanten Themen. Es muß ja keine Abstimmung über jeden Furz geben (obwohl auch das aufgrund des technischen Standes vielleicht eine Überlegung wert wäre). Allerdings bin ich z.B. der Meinung, daß das Volk dazu befragt werden muß, wenn aus einer neugeschaffenen Verfassung eine Rechtsinstanz hervorgeht, die unser Bundesrecht brechen kann. Auch wenn ich strikt dagegen bin, würde ich die Mehrheit einer Volksbefragung diesbezüglich akzeptieren, aber es kann doch nicht sein, daß diejenigen darüber abstimmen, die es selbst in die Wege geleitet haben!



  • geeky schrieb:

    Mr. B schrieb:

    Woher aus NRW kommst du? 🙂

    Meschede, Hochsauerlandkreis

    Cool, ich aus Menden, Sauerland 🙂



  • Oft kommt da aber Müll bei raus wenn man das uninformierte Volk abstimmen lässt.
    Bliebe nur die Möglichkeit es vorher zu informieren und das müsste dann auf eine neutrale Art ohne Beeinflussung geschehen, aber sowas hinzubekommen ist ziemlich unmöglich, ausser man etabliert da irgendwas neutrales, sowas wie Stiftung gegen Volksverdummung oder so ^^.

    Aber ernsthaft, wenn man beispielsweise bei dem jetzigen Status fragt HarzIV ja oder nein, werden 70% der Nein stimmen kommen, weil man irgendwo mal im Radio/Stammtisch oder Fernsehn gehört hat das es da ja soviele Demonstrationen gibt und es deswegen schlecht sein muss.



  • selbst wenn das volk total informiert wäre: um eine klare mehrheit zu bekommen, müßte man zwangsläufig die fragestellung auf ein JA/NEIN hin vereinfachen... geht aber nur selten.



  • naja es gibt auch sowas primitives wie Umfragen, bei denen könnte man weit komplexer halten und über inet würde das so ziemlich nix kosten :o



  • geht nicht, weil alle wahlberechtigten angesprochen sein müssen. das einzige, was alle anspricht, ist ein ort, der ohne großen aufwand zu erreichen ist, wie eben zur wahl das wahllokal. alternativ der postweg, der ja auch allen zur verfügung steht.
    alles andere steht nicht unbedingt jedem zur verfügung- telefon, internet usw. und kann deswegen schon keine lösung sein.



  • habe letztens gehört, dass in ostdeutschland nicht mal 50% der leute denkt, dass die demokratie gut ist. 75% sind der meinung, dass der kommunismus gut ist, aber in der DDR schlecht geführt wurde... letztere meinung unterstützen in westdeutschland weniger als 50% (weiß es nicht mehr ganz genau)...

    habt ihr mal von der ersten "pressekonferenz" der NPD in Sachsen gehört? ist ja echt krank... wir müssten uns zum "deutschentum" bekennen und die schlimmste vorstellung für herrn apfel sei es, dass ein deutscher für einen ein-euro-job ein asylantenheim putzen muss... außerdem wollte er wohl letztens angeblich eine thüringer bratwurst essen und hat an fünf nacheinander folgenden autobahnraststätten nur dönerbuden gefunden... eine katastrophe sei das... und so geht das weiter... also echt krank!! naja, hoffen wir, dass von den 10% NPD-Wählern wirklich 8%-Punkte nur Protestwähler waren und zur nächsten Wahl, wenn sich dann gezeigt hat, dass Hartz IV wirkt, das wieder normal wird... naja, die hartz-demonstranten sind größtenteils sowieso total uninformiert... grundlegende sachen, die sie kritisieren, kennen sie gar nicht genau... da wurden denen mal fragen gestellt, ob z.b. die Miete usw. übernommen werden... Wussten nur 70%...



  • Willst Du damit sagen, das viele der Hartz IV Demonstranten NPD Wähler sind?



  • naja, viele nicht, aber durchaus einige... aber halt ganz einfach aus unwissenheit... die wissen einfach nicht, dass hinter dieser seriöstuenden partei eine verfassungsfeindliche organisation schlimmsten ausmaßes steckt. einige haben ja auch bewusst gesagt, dass sie die NPD aus Protest gewählt haben.... Harzt IV-Demonstranten pauschal als NPD-Wähler abzutuen, wäre extrem falsch! Dann schon eher die Gegenseite, die PDS... Wobei die auch nicht viel besser sind...



  • In der Berliner Zeitung steht heute ein Artikel eines 17-Jährigen, dfer meiner Meinung nach den richtigen Gedanken hat.
    Grob sagt er aus, dass immer mehr Jugendliche rechts wählen, weil die DVU sich am meisten um die Jugendlichen kümmert. Man holt sie von der Schule ab, geht mit ihnen ins Kino, in Clubs, etc.
    Dabei erzählt man ihnen nebenher auch noch einiges, was vielleicht sogar logisch klingt.

    Keine andere Partei tut sowas (leider). Denn meiner Meinung nach sind die meisten Deutschen arg desorientiert - oder einfacher ausgedrückt nicht informiert.
    dazu kommt noch, dass man mit Nationalismus überall sehr vorsichtig ist.
    Warum eigentlich ??
    Nationalistisches Denken ist doch nicht gleich rassistisches Denken.
    Franzosen, Engländer, Amerikaner - alle halten sehr viel von sich und ihrem Nationalstolz.
    Klar, dass ein Jugendlicher sich mit seinem Land identifizieren will, wenn er schon dazu verdonnert wird, darin zu leben, zu arbeiten und auch noch zu wählen.
    Also um mal festzuhalten. Eine Partei sollte :

    • Nicht Informationen zum Abholen zur Verfügung stellen, sondern Informationen bringen
    • Nicht warten, bis man zu ihr kommt, sondern auf den Bürger zugehen
    • Nicht den Nationalstolz unter den Teppich kehren, sondern ihn sinnvoll vertreten
    • Nicht für die eigene Partei und gegen alle anderen Parteien arbeiten, sondern für die Menschen
    • Nicht glauben, dass sie etwas besser tun, sondern die Bürger fragen was man besser tun kann..

    Leider scheint die DVU die einzige Partei zu sein, die das verstanden hat..



  • scrub schrieb:

    alles andere steht nicht unbedingt jedem zur verfügung- telefon, internet usw. und kann deswegen schon keine lösung sein.

    Und wenn man zwecks online zugänglicher Wahl ins örtliche Lokal nen PC stellt?



  • DocJunioR schrieb:

    Nationalistisches Denken ist doch nicht gleich rassistisches Denken.
    Franzosen, Engländer, Amerikaner - alle halten sehr viel von sich und ihrem Nationalstolz.

    und da ist es wieder, das kindergartenargument: wuhäää, die anderen haben das auch, ich will das auch haben!!!

    DocJunior schrieb:

    Klar, dass ein Jugendlicher sich mit seinem Land identifizieren will, wenn er schon dazu verdonnert wird, darin zu leben, zu arbeiten und auch noch zu wählen.

    jugendliche haben anderes im sinn als sich mit ihrem land identifizieren. die identifizieren sich mit irgendwelchen stars und sternchens aus der retorte. und wählen haben die auch nicht überall im kopf, weil sie es nicht überall dürfen.

    DocJunior schrieb:

    Nicht Informationen zum Abholen zur Verfügung stellen, sondern Informationen bringen

    parteien sollen an der meinungsbildung mitwirken. wenn bürger desinteressiert sind, bringt es wohl nix, denen was erzählen zu wollen. nein, eine partei bietet ihre inhalte an, die bürger müssen sich das aussuchen, was sie für das beste halten.

    DocJunior schrieb:

    Nicht warten, bis man zu ihr kommt, sondern auf den Bürger zugehen

    wie gesagt: die partei bietet, der bürger nimmt es sich, oder nicht.

    DocJunior schrieb:

    Nicht den Nationalstolz unter den Teppich kehren, sondern ihn sinnvoll vertreten

    ist eine frage des individuums. diese stolzscheiße brauchen wir hier nicht, das hat uns noch nie was gebracht (und erst recht keinem anderen land) und wid auch nie irgendjemandem was bringen.

    DocJunior schrieb:

    Nicht für die eigene Partei und gegen alle anderen Parteien arbeiten, sondern für die Menschen

    wird so nicht gehen, weil die eigene partei grundsätzlich recht hat.
    gegenbeispiel sind viele ortsvertretungen und kommunalparlamente, wo man sich noch wie n normaler mensch benimmt und nach der sitzung einen trinkt.

    DocJunior schrieb:

    Nicht glauben, dass sie etwas besser tun, sondern die Bürger fragen was man besser tun kann..

    zitat lateinlehrer: "vox populi = vox rindvieh". oder: das volk hat keine ahnung.

    Leider scheint die DVU die einzige Partei zu sein, die das verstanden hat

    wer wählt, muß trotzdem selbst sein hirn benutzen und darf dann nachher nicht rumheulen "das war doch nur ne protestwahl". die dvu ist n haufen dreck und hoffentlich bald wieder verschwunden.



  • *scrub voll zustimm* 👍



  • also mit deinem letzten Kommentar hast du absolut recht, scrub.
    Bei allem anderen reden wir wohl aneinander vorbei..
    Oder ich hab mich nicht so ausgedrückt wie ich es gerne getan hätte.
    Dass niemand an der Politik interessiert ist, ist ein Resultat dessen, dass keiner weiß, was da oben überhaupt los ist. Jahrelange fehlende Aufklärungsarbeit (solange es nur vorwärts ging, war es ja acuh allen egal, was passiert) hat die deutschen auf dem politischen sektor einfach abstumpfen lassen. Das Resultat sehen wir nun. Desinteresse, künstliches Aufregen wegen Halbwissens oder teilweise auch komplett ohne Hintergrundwissen.

    Da sollte man gegen angehen, aber ehrlich gesagt, schon in der Schule wirds den meisten Leuten vermiest - immerhin hatte ich in der Berufsschule einen Sozialkundelehrer, der gelernter Gärtner war. Der in der Schule war auch nicht wirklich zu ertragen, wenn man nicht einen gewissen Koffein- oder Alkoholpegel hatte..



  • Jeder sollte auf sein Stimmrecht zurückgreifen, weil eine Meinung zu einem Thema zu haben, an dem man nicht beteiligt war, ist nicht so das Wahre !



  • scrub schrieb:

    parteien sollen an der meinungsbildung mitwirken. wenn bürger desinteressiert sind, bringt es wohl nix, denen was erzählen zu wollen. nein, eine partei bietet ihre inhalte an, die bürger müssen sich das aussuchen, was sie für das beste halten.

    Die Frage ist: Warum sind die Bürger desinteressiert? Weil sie in den vergangenen Jahren feststellen mußten, daß ihre Meinung sowieso nicht wichtig ist, da Politiker nur zu den Wahlen um Stimmen buhlen und anschließend in die eigene Tasche wirtschaften. Hätten die Bürger mehr Einfluß auf die Politik (z.B. Prebiszite), würde das bei vielen auch wieder Interesse wecken (natürlich nicht bei allen).

    scrub schrieb:

    ist eine frage des individuums. diese stolzscheiße brauchen wir hier nicht, das hat uns noch nie was gebracht (und erst recht keinem anderen land) und wid auch nie irgendjemandem was bringen.

    Den Amis brachte es die Unabhängigkeit und uns das Wirtschaftswunder. Zwar spielten dabei noch andere Faktoren mit, aber Patriotismus war einer der treibenden.

    scrub schrieb:

    DocJunior schrieb:

    Nicht glauben, dass sie etwas besser tun, sondern die Bürger fragen was man besser tun kann..

    zitat lateinlehrer: "vox populi = vox rindvieh". oder: das volk hat keine ahnung.

    Da stimme ich dir zu. Die von mir geforderten Volksbefragungen beziehen sich auch mehr auf Themen, die eine persönliche und keine fachmännische Meinung erfordern (z.B. Ja/Nein zu EU-Verfassung oder Rechtschreibreform).

    Die Politik soll sich das Know-How nicht aus der Bevölkerung holen - dafür gibt es Experten. Allerdings sollten gerade die Spitzenleute wissen, worüber sie entscheiden! Z.B. müßte meiner Ansicht nach die Familienministerin selbst Kinder (großgezogen) haben, der Wirtschaftsminister Ökonom sein und Berufserfahrung von mindestens 10 Jahren haben, und als Verteidigungsminister eignet sich wohl am besten ein Ex-General. Es kann doch nicht sein, daß wir von Leuten geführt werden, die von Schule, über Uni direkt in die Politik gegangen sind. Ist doch klar, daß die weiterhin ihre realitätsfernen Ideologien vertreten.

    scrub schrieb:

    wer wählt, muß trotzdem selbst sein hirn benutzen und darf dann nachher nicht rumheulen "das war doch nur ne protestwahl". die dvu ist n haufen dreck und hoffentlich bald wieder verschwunden.

    Ich glaube nicht, daß die Protestwähler sich jetzt über ihre eigene Wahl aufregen. Es heulen vielmehr die anderen, die Gutmenschen, die sich schockiert fragen, wie das nur passieren konnte. Und in diesem Punkt hat die Protestwahl ihren Zweck 100%ig erfüllt.


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