Schuldenfalle



  • Wieso gibt der Staat nicht einfach nur soviel aus wie er auch hat? So schwierig kann das doch nicht sein, selbst ich schaff das.


  • Mod

    Weil er versucht, sich das Wohlwollen der Bürger zu erkaufen. Diese sind zufriedener, wenn sie viel bekommen. Daher ist das Wohlwollen ein Punkt, der in der Wichtigkeit höher steht als die Finanzen.

    Abgesehen davon: das von Dir genannte Thema haben viele Leute nicht im Griff! Betrachte mal die Verschuldung der Privathaushalte. Jeden Tag hat man Werbung im Briefkasten, wo man aufgefordert wird einen Kredit aufzunehmen, um mal kurz in den Urlaub zu fahren. Wieso sollten die Politiker da besser sein?



  • @Abbadon: ganz einfach. weil die politiker nur auf die nächste wiederwahl bedacht sind und um wiedergewählt zu werden muss man es allen recht machen und wenn man es allen recht machen will braucht man geld (viel geld)



  • 2 Punkte die ich nicht begreife:

    - Unternehmen kassieren hier gerne ab, doch wenn es mal nicht mehr läuft (bzw. der Profit nicht mehr wachsen kann) geht man ins Ausland und greift dort in alle Töpfe bis nichts mehr da ist. Dass die Wirtschaft im eigenen Lande daran zu Grunde geht, und man sich dadurch über kurz oder lang den Weg zurück verbaut, daran denkt keiner.

    - Irgendwelche Politiker wollen Studiengebühren einführen und Eliteunis aufbauen, gleichzeitig brauchen wir aber dringend Inder. Irgendwas stimmt da doch nicht. Vielleicht sollte man nicht den Amis alles nachäffen; mir reicht schon, dass wir überflüssigerweise neuerdings Halloween feiern, und dass um die Präsidentenwahl in den USA mehr Tanz gemacht wird als um die Kanzlerwahl im eigenen Lande. Die Qualität an den Hochschulen war hierzulande nie das Problem und wird auch durch diese Maßnahmen nicht steigen.


  • Mod

    MaSTaH schrieb:

    - Unternehmen kassieren hier gerne ab, doch wenn es mal nicht mehr läuft (bzw. der Profit nicht mehr wachsen kann) geht man ins Ausland und greift dort in alle Töpfe bis nichts mehr da ist. Dass die Wirtschaft im eigenen Lande daran zu Grunde geht, und man sich dadurch über kurz oder lang den Weg zurück verbaut, daran denkt keiner.

    Zu Deinem 2. Punkt weiß ich auch keine Antwort. Aber zu obigem Punkt schon:

    Es ist zunächst nicht Aufgabe eines Unternehmens, sich um die Wirtschaft im eigenen Lande zu kümmern. Ein Unternehmen muß zunächst mal überleben, dazu sucht es sich eine Strategie. Heutzutage haben viele Firmen die Strategie des "Gleiters" gewählt (zu diesem Begriff empfehle ich die Simulation "Life", gibt's auf vielen Seiten im Netz).

    Die Unternehmen bleiben schon da, wenn die Randbedingungen angenehm sind. Und diese Bedingungen werden vom Staat geprägt. Das heißt nicht einfach nur Lohnkosten - auch andere Dinge sind hier durchaus wesentlich, z.B. einfache Verwaltungsstrukturen, überschaubare Gesetze, usw. Dies ist in Deutschland nicht mehr der Fall.

    Man sieht schon, daß mit der Organisation unseres Staatswesens etwas nicht mehr stimmt, denn:
    - die großen Firmen ziehen weg
    - die mittleren und kleinen Firmen sterben

    Es ist also zu einfach, jedes Problem nur der Globalisierung und den bösen Großunternehmen zuzuschreiben. Denn warum gehen kleine Firmen mit 5-10 Leuten kaputt, obwohl sie keine Konkurrenz haben? Da liegt was im Argen, wenn Firmen trotz Marktnischen und Aufträgen heutzutage pleite gehen können.

    *Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern müssen pro Jahr rund 62 Stunden je Mitarbeiter aufwenden, um die bürokratischen Auflagen des Staates zu erfüllen, so die Studie. Große Unternehmen brauchen weniger Zeit je Mitarbeiter, da sie sich Experten für Arbeits- und Steuerrecht leisten können.

    "Auf ein abgeschafftes Gesetz kommen drei neue", sagt DIHK-Experte Pahl. Mittlerweile seien mehr als 5000Gesetze und Verordnungen mit mehr als 85.000 Einzelvorschriften zu beachten. Trotz aller Bemühungen um einen Abbau von Bürokratie seien per Saldo weitere Rechtsvorschriften hinzugekommen. Das Versäumnis der Regierenden, den Verordnungsdschungel zu lichten, wiege besonders schwer: Kleine und mittlere Unternehmen könnten die frei werdende Zeit wesentlich effizienter für ihre Kunden und Geschäftsideen nutzen.*



  • @Marc++us:
    ich glaube du hast in diesem aspekt den nagel (fast) auf den kopf getroffen.
    der verwaltungsaufwand einer firma und die damit verbundenen kosten sind
    nicht geringer geworden, sondern bei weitem noch gestiegen. wo früher
    eine bürokraft auf 5 arbeiter gekommen ist, sind es heute 2 und auch sind
    die "fehlinterpretaionen" und die mangelnden fachkenntnisse bezüglich des
    gesetzesdschungels nicht zu unterschätzen.

    kleines (vielleicht aber nicht ganz so dummes) beispiel:
    ich frag mich wieviele unternehmer nicht wissen, wofür die umlagekassen
    und hierbei speziell die U1 da sind. für unternehmen bis 20 bzw. 30 mitarbeiter
    ist diese versicherung pflicht.
    für kleine unternehmen ist sie dafür gedacht, dass, falls ein arbeiter krank wird,
    die umlagekasse den lohn (satz 60, 70 oder 80 prozent des lohns) für die ersten 6
    wochen weiterzahlt. dies ist darauf ausgelegt, dass diese unternehmen, bei denen
    so ein arbeiterausfall finanziell katastrophale folgen haben kann, abgesichert sind.
    nur muss die erstattung beantragt werden!! und viele wissen das nicht (alles schon erlebt)

    soll heissen: der unternehmer zahlt nicht nur die U1, sondern bleibt sogar auf den kosten
    für den arbeitsausfall sitzen, obwohl er anspruch auf ersatz gehabt hätte...

    also würde ich daraus schlussfolgern, dass manche gesetze nicht nur unnötig und
    zu kompliziert sind, sondern teilweise das gegenteil bewirken und den menschen
    mehr schaden als nutzen



  • Was haltet Ihr von der Druckerpresse? Die Amis entwerten durch Ihre Politik Ihren Dollar. Das verschafft Ihrer Wirtchaft Exportvorteile... gegenüber Europa. Von dieser Maßnahme wären vor allem die Reichen betroffen.

    Die strukturellen Probleme in D müssen natürlich auch gelöst werden. Durch die Druckpresseninfaltion wären ansonst zuviel Investoren abgeschreckt. (Was aber im Moment kein Prob ist. Wen könnte man heutzutage noch abschrecken in D zu investieren 🤡 )



  • Marc++us schrieb:

    Es ist zunächst nicht Aufgabe eines Unternehmens, sich um die Wirtschaft im eigenen Lande zu kümmern. Ein Unternehmen muß zunächst mal überleben, dazu sucht es sich eine Strategie. Heutzutage haben viele Firmen die Strategie des "Gleiters" gewählt (zu diesem Begriff empfehle ich die Simulation "Life", gibt's auf vielen Seiten im Netz).

    Ein Gleiter reproduziert sich auch immer nur so lange, bis ihm irgendetwas im Wege steht. Durch dieses kurzsichtige Durchfressen wird es IMHO in den nächsten 20 Jahren zum wirtschaftlichen Supergau kommen.



  • Wertschöpfung kann übrigens auch durch bahnbrechende Erfindungen gelingen. Dazu gehören allerdings Ehrgeiz, Konzentrationsvermögen und Neugier, nicht Bildung und Wissen, das den Schülern in die Birne geklopft wird, ob sie wollen oder nicht. Optimismus, Neugier und Lust an Technik und Wissenschaft bringt Fortschritt, neudeutsch auch Innovation genannt.

    Ob die Informatik hier etwas beitragen kann, weiß ich nicht. Meistens wirkt sie eher wie ein Korsett oder auch wie ein Fass ohne Boden.

    Fortschritte sind von Physikern, Chemikern, Biologen, Ingenieuren zu erwarten. Diese muss ein Land fördern, nicht mit Geld sondern mit Freiheit der Wissenschaft und persönlicher Anerkennung.

    Fazit: Solange die Grünen in der Regierung sind, hat dieses Land keine Chance. 👎



  • In Deutschland war es doch schon immer so, dass Innovationen nicht ausreichend gefördert wurden. Wer weiß, vielleicht wäre die Zuse KG nicht kaputt gegangen, sondern heute schärfster Rivale von IBM?



  • Wir haben sowieso heute das gesellschaftliche Problem in Deutschland, dass dummes rumgelaber und sich gut verkaufen angesehener ist als Wissen.

    Wer sind denn die Helden des Jungvolkes? Ein geistig zurückgebliebener möchtegern-Sänger von "Deutschöand sucht den Superstar" oder ähnlichen Sendungen wird mehr angesehen als ein Nobelpreisträger (uncool).



  • Nein, dann wäre es von Microsoft oder König Ulama aufgekauft worden. 🕶



  • .. schrieb:

    Fortschritte sind von Physikern, Chemikern, Biologen, Ingenieuren zu erwarten. Diese muss ein Land fördern, nicht mit Geld sondern mit Freiheit der Wissenschaft und persönlicher Anerkennung.

    Oh ja, ganz toll! Weil für diese Leute angeblich nur "persönliche Anerkennung" zählt, werden Stellen in Forschung und Entwicklung doch eh schon schlechter bezahlt als Stellen niedrigeren Niveaus. Wer sich dazu entschließt, einen wissenschaftlichen Karriereweg einzuschlagen, nimmt ganz bewußt in Kauf, deutlich unter seinem Wert bezahlt zu werden. Das ist somit ein sehr unattraktiver Weg, der oft nur von Idealisten beschritten wird. Ich bin der Meinung, dass man dieses Gebiet durch eine adäquatere Bezahlung der Leute attraktiver gestalten muss. Ich weiß gar nicht, wie das im Ausland ist, aber vermutlich ist das auch ein Grund, warum viele erstklassige Wissenschaftler Deutschland den Rücken zukehren.

    Außerdem geht ohne Geld in vielen Bereichen der Forschung gar nichts. Warst du schonmal am DESY in Hamburg, oder am CERN, oder an einem anderen größeren Forschungskomplex? Dann würde dir sofort klar werden, dass soetwas ohne massive Subventionen gar nicht möglich wäre.



  • Ich finde es nicht falsch, wenn hauptsächlich Idealisten an Innovationen arbeiten, das ganze Drumherum allerdings muss natürlich wirklich gefördert werden, so ein Teilchenbeschleuniger baut sich leider nicht von alleine.



  • Sehe ich genau anders herum. Ich will nicht wissen wie viele gute Ideen irgendwo in einer Schublade vergammeln, weil der Erfinder kein Risiko eingehen will. Würde man mehr fördern, dann würden auch nicht-Idealisten eine Chance bekommen ihre Ideen zu verwirklichen ohne in dem Zeitraum bis zum Durchbruch "in Armut" zu leben.



  • .. schrieb:

    Wertschöpfung kann übrigens auch durch bahnbrechende Erfindungen gelingen. Dazu gehören allerdings Ehrgeiz, Konzentrationsvermögen und Neugier, nicht Bildung und Wissen, das den Schülern in die Birne geklopft wird, ob sie wollen oder nicht.

    Auch Unsinn. Bildung und Wissen ist das Fundament für Erfindungen usw.! Man kann ohne Wissen sicherlich einiges erreichen, aber der Weg ist deutlich schwieriger, wenn man alles selbst entwickeln muss, anstatt durch sein Wissen auf die Fortschritte anderer zurückgreifen zu können. Ohne Wissen weiß man ja noch nichtmal, mit was man sich mal beschäftigen sollte, bzw. wo interessante Ergebnisse zu erwarten sind. IMHO geht in Forschung und Entwicklung ohne viel Wissen gar nichts.



  • Optimizer schrieb:

    Ich finde es nicht falsch, wenn hauptsächlich Idealisten an Innovationen arbeiten, das ganze Drumherum allerdings muss natürlich wirklich gefördert werden, so ein Teilchenbeschleuniger baut sich leider nicht von alleine.

    Die Idealisten haben dann aber den Nachteil, dass für sie die Forschung so wichtig ist, dass sie keinerlei Interesse daran haben, die Ergebnisse auch "zu Geld zu machen". Dann wird halt lieber weitergeforscht, anstatt eine Firma zu gründen oder ein Patent anzumelden.



  • Richtig! Heutzutage kann man nur mit "verrückten" Ideen oder einer Menge Wissen wirklich noch etwas innovatives schaffen. Es wurde einfach schon zuviel erfunden...

    EDIT: Bezieht sich auf den vorletzten Post.



  • Die Lösung aller Probleme ist die Neuidentifikation mit dem Staat, mit der Arbeit,
    mit dem eignenen Werdegang, mit der selbst produzierten Ware, etc.

    Es muss wieder heißen: "Ich arbeite gerne für Deutschland", "Ich liebe meine
    Firma", "Ich bin stolz auf mein Produkt",...

    Wenn wir das einmal geschafft hätten, dann würde es uns so gut gehen, wie nie
    zuvor. Dann gäbe es keine Null-Bock-Mentalität und der Qualitätsstandard würde
    wieder steigen, unsere Bildung wäre besser, die Wirtschaft würde hier bleiben,
    etc.

    Aber, wenn ich dann schon die Leute höre, die sagen, dass sie schnellstmöglichst
    ins Ausland ziehen, weil sie hier keine Perspektiven sehen... 👎



  • Der Nationalstolz wird uns ja regelmäßig von außen und auch von innen zunichte gemacht.
    Sag mal "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein", dann schaun dich wahrscheinlich erstmal alle schief an und mutmaßen über deine politische Einstellung. In unseren Nachbarländern ist das kein Thema, sowas zu sagen.
    Man kann es mit dem wir-sind-so-schlecht-Gejammer auch übertreiben.

    Ob mehr Nationalstolz jetzt "die Lösung aller Probleme" ist, wage ich zu bezweifeln, aber es ist auf jeden Fall eines der Probleme, die wir hier haben. Der Standort Deutschland ist kein so schlechter. 👍


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