Brexit abgesagt



  • @Dravere Ja, die Schweizer haben sich arrangiert mit der EU, wohl nicht in jedem Punkt, aber sie waren ja auch noch nie "drin".
    Und ich möchte ich garantiert nicht in Mays Haut stecken.
    Davon abgesehen ist es wohl kaum jemandem klar, worum es den Briten geht:
    Sie finden May's Deal zu hart, weil an den Austritt dann sehr viele Bedingungen gekoppelt sind, weil angestrebte Kontrolle über Migration, lokale Subventionierung, Terrorabwehr, Kapitalverkehr, Regionalpolitik oder Umweltpolitik selbst zu entscheiden und auch die Freiheit zu haben, eigene Handelsabkommen mit anderen Ländern zu schließen durch den "Backstop" blockiert wären. Genaugenommen wären sie in der EU einfach entmündigt.
    Nebenzu kommen ein steigendes Unbehagen gegen die tatsächlich undemokratische Struktur der EU sowie den steigenden Korruptionsindex insbesondere der Süd- EU hinzu.
    Sinnvollerweise wären Nachverhandlungen "as a 4th option" fällig und vielleicht ein Nachdenken in der EU über echte Reformen, denn von da her kommen eigentlich die härteren Restriktionen, wenn man genau nachschaut. Die "Pferdegesichter" als "Kasperletheather" zu diffamieren, geht an der Sache vorbei.
    In der Sache sehr verkürzt, aber ich liefere ungern "Overtexting", jedoch gern ein wenig "uncomfortableness from GB".



  • Welche Zugeständnisse May auch immer der Opposition anbietet, Zollunion, Volksabstimmung - sie könnte möglicherweise doch am Ende als Sieger dastehen und dann noch wesentlich länger da sein, als momentan alle denken. Die Brexit Hardliner wollen sie ja beerben, bekommen aber nichts gebacken. Am Ende sind sie diejenigen, die jegliche Lösung nur blockiert haben. Das sie verrückt genug wäre, sich das anzutun, könnte man ihr ja zutrauen.



  • @TGGC May hat versichert, daß sie geht, "when the job is done". Sie hat sich überdies als eigentlich europafreundlich geltend nicht wirklich darum gerissen - es war nur keine andere arme Sau da, weil Corbyn&Co gekniffen haben. Aber lies doch einfach mal die Verträge, die quasi eine Knebelschaft für GB bedeuten würden. Klar, die Hard Brexiteers wollen was Besseres, die EU sperrt. Aber ich stehe in Kontakt mit ein paar Briten und würde sie nicht als völlig durchgeknallt betrachten.



  • @Swordfish sagte in Brexit abgesagt:

    @Dravere sagte in Brexit abgesagt:

    Execute May

    👍🏻

    Wenn sie es bis zum 22. May nicht schafft einen Deal auszuhandeln wenigstens in irgendeiner Form in der Zollunion bleiben zu können kann sie sich mittelfristig politisch sowieso den Strick holen gehen.

    Die hat aber auch den aktuell beschissensten Job der Welt 😉



  • Ich möchte hier erstmal festhalten, das ich nicht sagte, das ich die Briten als durchgeknallt betrachte. Ich bezog mich lediglich auf Mays Situtation, in der rein menschlich wahrscheinlich viele einfach das Handtuch werfen würden. Nur in der Sachlage macht es gerade jetzt wenig Sinn, denen das Feld zu überlassen, die Jahre lang blockiert haben und selbst nichts Konstruktives hinbekommen. Daher komme ich genau zu dieser Einschätzung.

    Das Parlament hat erneut mit grosser Mehrheit bestätigt, das es keinen No Deal möchte und das nun sogar in ein Gesetz gegossen. Nun liegt es wieder an May, die EU zu überzeugen, das sie sich einem Kompromiss nähert und es sich zu warten lohnt. Diese Bereitschaft ist dort ja sehr wohl vorhanden. Daher schätze ich ihre Chancen doch recht positiv ein.

    @Sarkast: Aha, du kennst Briten - wie suess. Vlt. wär es da angesagt sich zu informieren anstatt auf irgendwelchen Platitüden zu beharren.



  • @TGGC sagte in Brexit abgesagt:

    Welche Zugeständnisse May auch immer der Opposition anbietet, Zollunion, Volksabstimmung - sie könnte möglicherweise doch am Ende als Sieger dastehen und dann noch wesentlich länger da sein, als momentan alle denken. Die Brexit Hardliner wollen sie ja beerben, bekommen aber nichts gebacken. Am Ende sind sie diejenigen, die jegliche Lösung nur blockiert haben. Das sie verrückt genug wäre, sich das anzutun, könnte man ihr ja zutrauen.

    Also aus britischer Sicht fände ich den ausgehandelten Vertrag auch nicht akzeptabel. Eben weil man durch den Backstop eben eine EU "durch die Hintertür" bekommt. Das ist sicherlich nicht im Sinne Britanniens, wohl aber im Sinne des Friedens in Nordirland. Es gibt eben immer wieder Situationen, wo man abwägen muss, was schwerer wiegt. Der ganze Prozess ist kein leichter Weg, aber ich würde hier zunächst mal den Weg des harten Brexits gehen und dann hinterher nachdem man "aufgeräumt" hat, nach und Abkommen mit der EU und anderen Staaten aushandeln.



  • Also ist der Frieden in Nordirland nicht im Sinne der UK, alles klar...



  • @It0101 Genau das ist es: They want a better deal!
    May ist keine Thatcher. Und die EU derart durchbürokratisiert, daß sie sich gar nicht mehr bewegen mag, außer beim Austrittstermin. Programmiertechnisch eine Art "Deadlock".
    Macrons "EU-Einheitsstaat"- Initiative hat sicherlich nichts verbessert, das war in der EU sowieso recht verhalten aufgenommen worden, weil genau die Umstände damit verschärft werden sollten, die die Briten zum Austrittsvotum bewogen haben. Sie würden sogar einen "hard Brexit" eher in Kauf nehmen.

    @TGGC Bis auf ein paar Durchgeknallte mag dort doch Keiner wieder Bürgerkrieg.

    @Dravere Auch unter Darlegung weiterer Fakten wird wohl ein zweites Votum kaum drastisch anders ausfallen.


  • Administrator

    @Sarkast sagte in Brexit abgesagt:

    @Dravere Auch unter Darlegung weiterer Fakten wird wohl ein zweites Votum kaum drastisch anders ausfallen.

    Wäre ich mir nicht sicher. Habe inzwischen von ein paar Kenntnis, welche inzwischen eine andere Meinung haben und anders abstimmen würden. Alle hatten Leave angekreuzt. Zudem gibt es ja auch das Argument der Toten. Das Referendum war recht knapp. Es gab eine klare Grenze zwischen alt und jung. Mit den bisher verstorbenen alten und nachgerückten jungen, könnte die Sache bereits umschwenken.

    Hierzu ein Artikel: https://www.wired.co.uk/article/brexit-second-referendum-odds



  • @Sarkast sagte in Brexit abgesagt:

    @It0101 Genau das ist es: They want a better deal!

    Den können Sie aber nicht bekommen. Weil die EU verliert, wenn sie zuviele Geschenke macht. Daher halte ich den Hard-Brexit oder eben den No-Brexit für die einzig wirklich brauchbaren Wege.



  • ob der stimmzettel so ähnlich wie der hier ausgesehen haben wird? https://de.wikipedia.org/wiki/Anschluss_Österreichs#/media/File:Stimmzettel-Anschluss.jpg





  • @It0101 Schau das mal differenzierter an: Man untersagt GB weitgehend eigenständiges Handeln, solange der Backstop existiert, das ist der Pferdefuß am May- Deal, sonst (no deal) fiele alles auf WTO- Level, dann gibt's nur Loser. Da ist die Schweiz besser gestellt, die mit der EU einen weitgehenden Freihandel betreibt, aber darüber hinaus eigene Handelsabkommen gezeichnet hat und zeichnen darf.
    Mich frappiert die gefestigte Stimmung, daß die EU alles gut macht und die "Pferdegesichter" alles falsch - keiner zieht in Erwägung, daß alle Handlungstragenden alles falsch machen.


  • Gesperrt

    @It0101 sagte in Brexit abgesagt:

    @Sarkast sagte in Brexit abgesagt:

    @It0101 Genau das ist es: They want a better deal!

    Den können Sie aber nicht bekommen. Weil die EU verliert, wenn sie zuviele Geschenke macht. Daher halte ich den Hard-Brexit oder eben den No-Brexit für die einzig wirklich brauchbaren Wege.

    Ist ja auch richtig so. Wenn die Briten austreten, sollen sie allein die Konsequenzen tragen. Schon diese Gewissheit wäre Grund genug für ein zweites Referendum, der den Wahnsinn vermutlich schnell beenden würde.



  • @Sarkast sagte in Brexit abgesagt:

    Mich frappiert die gefestigte Stimmung, daß die EU alles gut macht und die "Pferdegesichter" alles falsch - keiner zieht in Erwägung, daß alle Handlungstragenden alles falsch machen.

    Diese Stimmung, die du beschreibst, gibt es nicht. Es laufen einige Dinge in der EU nicht so, wie sie sollten. Die EU hat keine großen Möglichkeiten in der dummen Situation in die sie die Briten gebracht haben. Zugeständnisse sind nicht möglich, weil als nächstes dann der Obertrottel Orban angewackelt kommt und sagt: "müssen wir eigentlich unbedingt in der EU sein, um von euch jede Menge Zaster in den Arsch geblasen zu bekommen?".

    Die Schweiz hat keine Sonderstellung. Es wurde diverse Vertragsbestandteile ausgehandelt und auch die Schweiz gewährt VOLLSTÄNDIGE PERSONENFREIZÜGIGKEIT, so wie auch Norwegen. Genau das ist es aber, was die Briten nicht wollen. Dabei haben die Briten schon sehr sehr wohlwollende Bedingungen für den Eintritt in die EU ausgehandelt und nun wollen sie auch noch für den Austritt einen Eimer Kaviar... Die EU würde sich komplett lächerlich machen, wenn sie das so zulassen würden, dass die Briten den Freihandel bekommen ohne Personenfreizügigkeit...



  • @It0101 Orbán hat die Balkanlinie gekappt, nicht Erdogan. In der Schweiz länger als 6 Monate zu arbeiten, ist ein ziemlicher Zirkus, ja, geht, ist aber von vollständiger Freizügigkeit ein gutes Stück entfernt.
    Nähern wir uns dem Punkt, an dem die Briten bocken: "Regaining Control".
    Sie wollen einfach selbst bestimmen, wer auf dem kleinen Fetzen Planet leben und arbeiten darf. Warum stellt sich die EU dann so stur an? Der Backstop ist ein ziemlicher Fleischerhaken (hängt sie höher!), deswegen gehen Mays Vertragsvorschläge nicht durchs Parlament.
    Der Austrittsprozeß wäre ein Unikum, deswegen hat die EU gewaltig Schi* davor, daß das klappt und kein Unikum bleibt. Deswegen bleibt sie auch stur.
    @RBS2 Was ist wahnsinnig daran, eine für einen Partner als ungünstig empfundene Beziehung auflösen zu wollen?



  • @Sarkast Das ist doch ok, wenn die Briten ihre Kontrolle zurückhaben wollen. Nennt sich Hard-Brexit und ist ganz leicht. Das wollen sie aber scheinbar nicht. Die EU darf dabei aber keine Geschenke vergeben. Und das wird sie auch nicht, weil sie dann an ihrem eigenen Ast sägt.


  • Gesperrt

    @Sarkast sagte in Brexit abgesagt:

    Was ist wahnsinnig daran, eine für einen Partner als ungünstig empfundene Beziehung auflösen zu wollen?

    Der Unterschied zwischen Wahrnehmung und Realität. Wenn die Briten wieder Visumpflicht, Zölle, Grenzkontrollen, gebührenpflichtigen Währungsumtausch, mehr Bürokratie, Wegfall von Fördergeldern, usw. haben wollen, dann soll es so sein. Enige Opas unter ihnen wollen offenbar wieder als "richtige Ausländer" gelten, so wie sie es aus ihrer Jugend kennen.



  • @It0101 Hm, bei einer Vertragsaufhebung werden normalerweise die Partner so gestellt, als ob es den Vertrag nicht gegeben hätte. Jetzt hat weder GB noch Irland Interesse, zu den Zuständen von vor 20+ Jahren zurückzukehren, was zur Backstop- Klausel geführt hat. Nur ist das ein Knebelvertrag, den das Parlament so nicht absegnen mag, weil er separate Handelsvereinbarungen verbietet.
    Für die EU wäre es eine Image- Katastrophe, wenn GB mit Irland eine Freihandelszone unterhält und nebenzu separate Vereinbarungen abschließen dürfte.
    Denken wir über die EU nach, ein völlig undemokratisches Technokratenregime, parlamentarisch mit Millionenkosten pendelnd zwischen Brüssel und Straßbourg als überbezahlte Abnick- Augusts für Rat und Kommission.
    Macrons Antwort ist "Gimme more of that shit" und ich schätze, wir sind mehrheitlich darauf gepolt. Die Briten müssen verrückt sein.
    Aber möglicherweise haben sie zumindest teilweise recht?



  • @Sarkast sagte in Brexit abgesagt:

    Die Briten müssen verrückt sein.

    "Verrückt" würde ich nicht sagen. Sie wollen mit dem Kopf durch die Wand und haben bisher nur Kopfschmerzen davon getragen. Hätte man vorher wissen können.


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