Auch Dienstleistungen gehen ins Ausland...
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hört sich ja plausibel an. allerdings wäre es ja dann auch wurscht, ob mir der arbeitgeber tatsächlich 3600 brutto zahlt und dafür keine beiträge (offiziell) mehr abführen müßte.
im sinne einer kostensenkung für den arbeitgeber wärs ja erst dann interessant, wenn er _wirklich_ nur 3000 brutto zahlen muß (dann wäre ja erst ne einsparung da).
hier tut sich aber ein problem auf: die 1200 für die versicherung wollen ja weiterhin bezahlt werden- also stellt man alles auf eine freiwillige basis oder der arbeitnehmer hat nochmal 600 weniger. beide möglichkeiten sehen nicht schön aus. klar, der staat müßte die von ihm angebotene versicherung wesentlich sparender gestalten, aber auch das stößt doch irgendwann an grenzen. am ende würde also sicherlich der arbeitnehmer weniger geld haben.das heißt aber für alle arbeitgeber: weniger "ausgebbares" geld vonseiten der kundschaft.
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scrub schrieb:
irgendwas muß sich seitdem sehr verändert haben
Stichwort 1989/90. Ohne die Konkurrenz eines alternativen Gesellschaftssystems kann sich der Kapitalismus frei von jeder sozialen Rücksichtnahme hemmungslos entfalten.
"Kapital, sagt der Quarterly Reviewer, flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel." (T. J. Dunning, l.c. p. 35, 36)
Fussnote aus "Das Kapital" von K. Marx
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Jansen schrieb:
scrub schrieb:
irgendwas muß sich seitdem sehr verändert haben
Stichwort 1989/90. Ohne die Konkurrenz eines alternativen Gesellschaftssystems kann sich der Kapitalismus frei von jeder sozialen Rücksichtnahme hemmungslos entfalten.
Ich empfinde die Zeit seit 1990 als Annäherung an ein sozialistisches Staatssystem, wo man nicht mehr über seine eigene Zukunft bestimmen darf, wo der Mittelzufluß und die Verwendung der eigenen Mittel durch einen übermächtigen Staat reguliert werden.
Das ist die Transformation, die ich spüre. Ich frage mich mehr und mehr, ob nicht doch die DDR die Bundesrepublik übernommen hat. Es würde auch Sinn machen, die erfolgreichen EU-Staaten erproben die Marktwirtschaft, während sich Deutschland (und auch Frankreich) dem Staatssozialismus zuwenden. Und damit natürlich weniger Erfolg haben, siehe auch "Die Europäische Geschichte von 1945 bis 1990".
Ich verbringe viel Arbeitszeit in kapitalistischen Staaten, und ich kann nur eines sagen: Deutschland ist kein kapitalistischer Staat. Nicht mal tendenziell.
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scrub schrieb:
im sinne einer kostensenkung für den arbeitgeber wärs ja erst dann interessant, wenn er _wirklich_ nur 3000 brutto zahlen muß (dann wäre ja erst ne einsparung da).
Und das ist der Knackpunkt, sehr genau von Dir benannt:
Auch die Arbeitgeberseite traut sich nicht, dem wahren Problemverursacher "Staat" in die Suppe zu spucken. Das Staatswesen Deutschlands ist der Verursacher der Probleme, nicht die Globalisierung oder die Bevölkerungsentwicklung, oder die Bildung und die Firmen. Ein vernünftiger Staat bereitet eine Petrischale vor, in der sich Gesellschaft - Bürger und Firmen - vernünftig entwickeln können. Aber der deutsche Staat entwickelt eine unglaubliche Energie jede freie Mark aus dem Markt abzusagen (schade, mit EUR funktioniert das Wortspiel nicht mehr so schön). Die Petrischale ist zu sauer, daher gibt's auch keine gute Entwicklung.
Die Feigheit der Arbeitgeber in Deutschland zeigt meines Erachtens aber auch, daß wir keine echte Marktwirtschaft haben: in einem kapitalistischen System würde die Industrie dem Staat ihre Meinung sagen, gegen diesen agieren, Standpunkte einnehmen und vertreten, diesen sogar bekämpfen. Aber in diesem Reigen aus den drei "Vertragspartnern" Staat, Industrie und Bürger haben sich Staat und Industrie darauf geeinigt, daß der Bürger der Feind ist. Die Industrie hat sich letztlich mit dem Staat darauf geeinigt, den Anteil des Staates in den Einkommen der Arbeitnehmer nicht anzutasten, und weiteren Mittelbedarf des Staates aus dem noch vorhandenen Einkommen der Arbeitnehmer zu decken.
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Marc++us schrieb:
Ich empfinde die Zeit seit 1990 als Annäherung an ein sozialistisches Staatssystem
Das liegt u.a. vermutlich daran, dass du nur eines der beiden Systeme aus eigenem Erleben kennst und die aktuelle Situation deshalb nur mit dem vergleichen kannst, was du dir unter einem "sozialistischen Staatssystem" vorstellst.
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Marc++us schrieb:
...
Die Feigheit der Arbeitgeber in Deutschland zeigt meines Erachtens aber auch, daß wir keine echte Marktwirtschaft haben: in einem kapitalistischen System würde die Industrie dem Staat ihre Meinung sagen, gegen diesen agieren, Standpunkte einnehmen und vertreten, diesen sogar bekämpfen. Aber in diesem Reigen aus den drei "Vertragspartnern" Staat, Industrie und Bürger haben sich Staat und Industrie darauf geeinigt, daß der Bürger der Feind ist. Die Industrie hat sich letztlich mit dem Staat darauf geeinigt, den Anteil des Staates in den Einkommen der Arbeitnehmer nicht anzutasten, und weiteren Mittelbedarf des Staates aus dem noch vorhandenen Einkommen der Arbeitnehmer zu decken.Hier läßt Du einen Aspekt außer Acht:
Die soziale Marktwirtschaft ist Bestandteil der deutschen Kultur (auch Unternehmenskultur) und Geschichte seit 114 Jahren!
http://www.erziehung.uni-giessen.de/studis/Robert/bisbluem.html
Da endete Dein "gewünschter" Erz-Kapitalismus.
Unternehmer wie Siemens und Krupp haben betriebliche Vorsorgemaßnahme selbst eingeführt, bevor staatliche Regelungen erfolgten.
114 Jahre - um die uns die Meisten anderen Staaten beneiden, auch wenn Sie wissen, welchen Preis wir jetzt dafür zahlen und auch früher immer gezahlt haben!
Was passiert, wenn Du die sozialen Sicherungssysteme in die Hand des Bürgers legst, kannst daran ersehen, dass z.Z. 300.000 Deutsche keine Krankenversicherung haben, durch Harz IV, Sebstständigekeit u.s.w. Deshalb der Gedanke - Bürgerversicherung!
Noch mehr staatlich Einflußnahme...Aber in einen Punkt muss ich Dir geben:
Schöner Pyros-Sieg
http://www.blogigo.de/kopf_voran/20050208
erschafft neue Arbeitsplätze
http://www.stade.ihk24.de/STDIHK24/STDIHK24/produktmarken/index.jsp?url=http%3A//www.stade.ihk24.de/STDIHK24/STDIHK24/produktmarken/standortpolitik/wirtschaftspolitik/Das_Thema_der_Woche/Schwarzarbeit.jsp
aber führt zu sehr bedenklichen und gefährlichen Nebeneffekten
http://www.afw-gmbh.de/archiv/bankgeheimnis/bankgeheimnis.htmlEine zu starke staatliche Konfrolle des Mittelflußes führt nicht nur zu einen "sozialistischen" System, sondern auch zu einem Faschistischen.
Und hierbei sind wir erst am Anfang!
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Prof84 schrieb:
Eine zu starke staatliche Konfrolle des Mittelflußes führt nicht nur zu einen "sozialistischen" System, sondern auch zu einem Faschistischen.
Wo ist denn da der Unterschied? Braune Uniform statt rot. Same same.
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Prof84 schrieb:
Was passiert, wenn Du die sozialen Sicherungssysteme in die Hand des Bürgers legst, kannst daran ersehen, dass z.Z. 300.000 Deutsche keine Krankenversicherung haben, durch Harz IV, Sebstständigekeit u.s.w. Deshalb der Gedanke - Bürgerversicherung!
Ja, aber das liegt doch wohl auch zum Teil daran, daß viele Leute gar nicht dazu erzogen werden/wurden ihr Geld selbst zu verwalten.
Typischer Lebenslauf in Deutschland:
Mit 16 und Beginn der Lehre zum Bankberater, der macht das Girokonto auf, kümmert sich um einen Bausparvertrag damit die VLs versorgt werden, und dann schliesst er auch noch gleich eine Kapitallebensversicherung mit Dynamik ab (für Deine Privatrente, mein Bub). Die Steuer wird vom Gehalt abgezogen, die Krankenkasse nehmen wir die gleiche wie bei den Eltern, und schon muß man sich bis 65 nicht mehr um die Finanzen kümmern. Perfekt.
Sollte diesem jungen Menschen aber dann mal das Schicksal übel mitspielen und er wird gezwungen sich mit so Themen wie Ich-AGs zu befassen ist es doch kein Wunder, daß sich nach 6 Monaten die Vollzieher die Klinke in die Hand geben und der Mann keine Krankenversicherung o.ä. hat weil irgendwas nicht ganz korrekt gemacht wurde, oder weil sie es vergessen. Oder weil sie sich nicht auskennen, wieviele Selbständige zahlen bei der Krankenversicherung den Höchstsatz, weil sie nicht wissen daß man auch eine angepasste verminderte Beitragshöhe in Anspruch nehmen kann?
Andere Länder (Schweiz) muten ihren Bürgern sogar zu, daß sie ihre Steuern selbst zahlen...
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Da muß ich zustimmen: Im Moment erleben (oder haben) wir eine große Entmündigung der Bürger. Eine allgemeine Grundversorgung (egal ob Arbeitslosigkeit, Krankenkasse oder Sozialhilfe) die für alle gleich ist und das nötigste (wie auch immer man das definiert) gleich ist wäre zumindest gerecht. Wer sich darüber hinaus absichern will kann das tun, da er ja sein Geld dafür auf die Hand bekommt - das wird der Markt dann schon regeln.
Aber auch solche Modelle funktioniert nur solange, wie man man jung und dynamisch ist. D.h. man müßte es sich in Zukunft als großen Luxus leisten können alt zu werden. Sieht man ja sehr schön an vielen privaten Krankenkassen, wie dann ab einem bestimmten Alter die Beiträge schön dynamisiert werden.Noch mehr staatlich Einflußnahme...
Richtig! Das Problem ist, das die Leute die das System hin zu weniger Einflußnahme reformieren müßten, sozusagen sich selbst wegrationalisieren müßten. Deshalb wird es auch keine weitreichende Förderalismusreform geben.
Wie war das so schön: Wir wollen reformieren und gründen erstmal einen weiteren hochbezahlten Ausschuß
.Wenn man aus der Geschichte eins gelernt hat, dann dass es keine reformierbaren Systeme giebt. Auch der olle Marx hat schon festgestellt, das ein neues System nur entstehen kann, wenn ein altes untergeht (eigentlich wollte ich nicht dabei sein, wenn es soweit ist
)
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TheBigW schrieb:
Da muß ich zustimmen: Im Moment erleben (oder haben) wir eine große Entmündigung der Bürger. Eine allgemeine Grundversorgung (egal ob Arbeitslosigkeit, Krankenkasse oder Sozialhilfe) die für alle gleich ist und das nötigste (wie auch immer man das definiert) gleich ist wäre zumindest gerecht. Wer sich darüber hinaus absichern will kann das tun, da er ja sein Geld dafür auf die Hand bekommt - das wird der Markt dann schon regeln.
und wie "der markt" "das regelt", das sehen wir ja im land der unbegrenzten möglichkeiten, wo dutzende millionen überhaupt keine krankenversicherung haben.

es ist doch nur ein verschwindender unterschied, ob ich vom staat bevormundet werde und deshalb handlungsunfähig bin oder ob ich der willkür "des markts" ausgeliefert bin.
wir bräuchten einfach ein neues "system".
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und wie "der markt" "das regelt", das sehen wir ja im land der unbegrenzten möglichkeiten, wo dutzende millionen überhaupt keine krankenversicherung haben.
Davon rede ich nicht. Ich rede davon, das es eine Grundversorgung gibt und ich das Geld, was davon hoffentlich noch übrig bleibt in meiner Tasche landet. Das kann ich dann ausgeben wie ich will. Wer meint das er keine weitere Absicherung braucht kann es auch lassen.
es ist doch nur ein verschwindender unterschied, ob ich vom Staat bevormundet werde und deshalb handlungsunfähig bin oder ob ich der willkür "des markts" ausgeliefert bin.
Aber ich kann, wenn ich glaube das ich auf dem freien Markt abgezockt werde entscheiden, ob ich mein Geld jemandem in den Rachen werfe oder nicht. Wenn mein Geld pauschal jeden Monat "verschwindet" habe ich diese Wahl nicht.
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Habt Ihr langsam auch den Eindruck, dass unsere Beiträge irgendwie politischen Einfluss auf die Propaganda-Statements der Politiker an den drauf folgenden Tagen haben?
Oder geht das nur mir so? (Paranoia ...?!?
)Well, let´s prove it!
Nutzen wir eine DSL
.TheBigW schrieb:
Wenn man aus der Geschichte eins gelernt hat, dann dass es keine reformierbaren Systeme giebt. Auch der olle Marx hat schon festgestellt, das ein neues System nur entstehen kann, wenn ein altes untergeht (eigentlich wollte ich nicht dabei sein, wenn es soweit ist
)Das liegt daran, dass der Staat niemals CMMI Level 5 erreichen wird, weil leider auch Level 3 und 4 noch nie erreicht wurden.
Mit Level 3 (Definiert - Projekte basieren auf festgelegte Standardprozessen für die Pflege von Systemen) hätten wir eine Anforderungsentwicklung berücksichtigt und die Transformations-Patterns festgelegt.
Level 4 (Quantitativ gesteuert - Messung der Prozessqualität) -
die Qualität und die Produktivität der Prozesse werden anhand der Ergebnisse gesteuert und sind quantitativ vorhersehbar. Da staunt der Eichel und der Bürger wundert sich!
Level 5 (Optimiert - Ständige Verbesserung der Entwicklungsprozesse) - auf dieser Stufe wird die Produktivität der Prozesse durch inkrementelle und innovative technologische Verbesserung optimiert. Je Veränderung des Prozesses wird quantitativ verfolgt. Der Beitrag einer Prozessverbesserung zu den Zielen der Organisation wird gegen die damit verbundenen Kosten und Auswirkungen abgewogen. Ich sage nur Harz IV, Ich-AG, Praxisgebühr ...
Vielleicht gebe ich Deutschland gerade mal Level 2 (Gesteuert - Projekt wird gemanaget und hat Meilensteine).
Marx war eben nicht auf dem SEI ...

Fazit: Wie hier zu ersehen ist, gehören Informatiker zur politischen Funktionselite.
Aber leider ohne Votum!
scrub schrieb:
es ist doch nur ein verschwindender unterschied, ob ich vom staat bevormundet werde und deshalb handlungsunfähig bin oder ob ich der willkür "des markts" ausgeliefert bin.
wir bräuchten einfach ein neues "system".
Genau das ist der Punkt! Die Broker-Patterns in der Dreiecksbeziehung Bürger - Staat - ökonomie dürfen nicht angefasst werden, ohne die Zusimmung der Anderen. Leider dauert eine Legislaturperiode etwa 70 IT-Jahre. Eine Einflußnahme ist zu schwerfällig - wir brauchen ein agentenbasiertes e-Goverment mit Modellen von Domainspezialisten! Fuzzy-Logik³! Der Staat greift heute ständig direkt in die Tarifautonomie ein. Die Wirtschaft ständig direkt in die politische Meinungsbildung. Und der Bürger darf nur alle vier Jahre einmal eingreifen, denn man unterstellt ihm, dass er von den Makroprozessen keine Ahnung hat, um Balance Sheet und Score Card zu entwerfen.
Marc++us schrieb:
Prof84 schrieb:
Eine zu starke staatliche Konfrolle des Mittelflußes führt nicht nur zu einen "sozialistischen" System, sondern auch zu einem Faschistischen.
Wo ist denn da der Unterschied? Braune Uniform statt rot. Same same.
Argl...

http://de.wikipedia.org/wiki/Faschismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialismus
Schau Dir mal
'Elemente des Faschismus im weiteren Sinn'
an. Kommen sie Dir irgendwie bekannt vor?Wie war das?
"Wer nicht auf die Geschichte hört wiederholt sie!"
Ich habe kein Bock in 20 Jahren als Borg-Drohne zu enden!

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*loool* - Ko, ich paranoid!

http://news.google.de/news?hl=de&lr=&tab=wn&ie=UTF-8&ncl=http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/topthemen/1571011/artikel.php%3FSWAID%3D3ec0d6b52be5d1ba2d1fc85f4668d1e9Wir suchen nur noch hier -
http://www.zew.de/
http://www.zew.de/de/publikationen/finanzmarktreport.php3
http://www.zew.de/de/publikationen/Archiv/Archiv9.php3
- und wir brauchen keine Wirtschaftweisen mehr!