Studiengebühren
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scrub schrieb:
ich kann deine argumente auch persönlich gut nachvollziehen- es ist aber auch ziemlich unwahrscheinlich, daß ein durchfaller beim zweitversuch auf einmal viel besser ist. und bei der mündlichen nachprüfung kommt ja entweder 4,0 oder nicht bestanden raus, da kann man dann nur noch das minimum erreichen.
Ich halte das nicht für so unrealistisch: Bei uns sind fast alle Prüfungen mündlich und dauern etwa 20-30 Minuten. Die laufen meistens ungefähr so ab, dass man zu einer Vorlesung, die aus sagen wir 10 größeren Themenkomplexen besteht, zu 2 zufälligen Themenkomplexen befragt wird. Jetzt gibt es da natürlich Leute, die sich denken, dass sie einfach nur 7 (oder auch nur 6 oder 5) dieser Themenkomplexe lernen, dafür aber möglichst gut. Sagen wir, die können diese 7 Themenkomplexe so, dass da im Schnitt eine 1,7 oder so rausspringt. Dann fallen sie noch durch, falls in der Prüfung ein nichtgelernter Themenkomplex drankommt.
...mal rechnen...
Wahrscheinlichkeit, bei einer Prüfung mit einer guten Note zu bestehen:
P = 7/10 * 6/9 = 0,46666666
Wahrscheinlichkeit, nicht zu bestehen:
P = 1 - 0,466666 = 0,5333333
So. Jetzt sind die durchgefallen und melden sich sofort wieder zur Prüfung an, die sie dann vielleicht 10 Tage später nochmal machen.
Wahrscheinlichkeit, zweimal durchzufallen:
P = 0,533333^2 = 0,284444
Wahrscheinlichkeit, nach zwei Prüfungen mit guter Note dazustehen:
P = 1 - 0,28444444 = 0,7155555
Wenn man nach der 2. Prüfung dann noch nicht bestanden hat, könnte man sich ja noch mit dem restlichen Stoff beschäftigen, um auf Nummer Sicher zu gehen.
Der andere, der alles gelernt hat, müßte deutlich mehr Aufwand treiben, um eine gute Note zu kriegen. Letztendlich müßte der 30% mehr können. ...und wahrscheinlich wird sich der selektive Lerner eher die einfacheren Kapitel heraussuchen. Natürlich kann so ein selektives Lernen letztendlich Zeit kosten. Wenn man die Prüfungen aber so schnell aufeinander machen kann, dann ist das nicht so viel.
Ich weiß nicht, ob das System da dann so gut ist. Naja, andererseits sehe ich die Punkte von Marc++us teilweise auch ein. Ein perfektes und einfaches System gibt es wohl nirgendwo und in solchen Bereichen wird es vermutlich immer irgendwen geben, der irgendwo eine Ungerechtigkeit sieht und einen anderen, der eine Schwachstelle im System ausnutzt. ...Im deutschen Steuersystem ist das genauso, obwohl es da diverse Regelungen gibt, um für alle möglichen Fälle eine adäquate Steuer berechnen zu können.

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Studiengebühren sind doch eine gaaanz feine Sache! Damit kann man dann ganz toll seinen Landeshaushalt entlasten!
Typisch Politiker, zu blöd Steuern dort zu erheben wo es sinnvoll wäre. statt dessen zieht man es lieber denen aus der Tasche die es mit sich machen lassen müssen.
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Gibts dann bei uns auch Stipendien wenn man Studiengebühren bezahlen muss?
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Stipendien gibt es hier schon lange, aber nicht jeder bekommt eins.
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Black Shadow__ schrieb:
naja 70 euro für n ganzes semester geht scho.
ich bin schüler und zahle für meine vvs-karte (verkehrsverbund stuttgart) vieeeel mehr.
auf n halbjahr hochgerechnet ist das ein vielfaches von den 70
aber angenommen man wohnt 5 min von der uni. oder man hat n auto. komisch.Noe, logisch.
Mit dem Auto kommt dich deutlich teurer und, zumindest hier, kannst du locker nochmal 200 EUR pro Semester an Strafzetteln draufschlagen weil alles rund um die Uni Parkverbot oder nur fuer Anwohner ist und die das sehr hart kontrollieren. Selbst wenn du 5 min von der Uni entfernt wohnst, du kannst mit dem Ticket in die Innenstadt einkaufen fahren (spart wieder ne Menge Parkhausgebuehren) und ich kann mit meinem Ticket von Luetzelsachsen (kurz vor Mannheim) bis Marburg fahren und es ist SUUUPER praktisch mit der Bahn nach FFM zu fahren und morgens mit der ersten (oder zweiten) Bahn wieder heim, so kann jeder saufen und keiner muss fahren...
LunaGirl schrieb:
Studiengebühren sind doch eine gaaanz feine Sache! Damit kann man dann ganz toll seinen Landeshaushalt entlasten!
Deswegen bekommen die Unis auch freie Hand wieviel sie einziehen wollen. Der Verwaltungskostenbeitrag geht zu 90% an den Staat, die Studiengebuehren (die fruehestens SS07 und bisher nur sichern in BW) ziehen die Unis selbst ein. Vll kuerzt der Staat den Unis dann auch die Mittel, aber gespart wird ueberall. Du bist nicht zufaellig im AStA? Die erzaehlen mir naemlich auch immer solche Maerchen.
Die Studiengebuehren soll es ja auch als nachgelagertes Modell geben, du studierst also deine x Semester und danach hast du Schulden von x*500 EUR (als Beispiel) bei der Uni und musst die in Raten von z.B. 200 EUR/Monat zurueck zahlen sobald dein Bruttogehalt ueber 2500 EUR liegt. Das ist ein sehr faires und wirtschaftliches Modell, du darfst so lange studieren wie du magst ohne direkt zu zahlen sondern erst wenn dir dein Studium auch zu nem guten Job verholfen hat. Bekommst danach nur einen Scheissjob als Strassenkehrer dann bekommt die Uni nie ihr Geld, also wechselt es von der Lernverantwortung des Studenten zur Lehrverantwortung der Uni.
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LunaGirl schrieb:
Studiengebühren sind doch eine gaaanz feine Sache! Damit kann man dann ganz toll seinen Landeshaushalt entlasten!
Typisch Politiker, zu blöd Steuern dort zu erheben wo es sinnvoll wäre. statt dessen zieht man es lieber denen aus der Tasche die es mit sich machen lassen müssen.

Finde ich grundsätzlich witzig. In einem anderen, relativ neuen Thread wurde darüber gesprochen wer wieviel verdient.
Da kam dann von allen Studis "wir verdienen mehr, weil wir studiert haben (und weil auch meist mehr Theorie und Methodik dahintersteht)".
Aber wenn du durch dein Studium eben 30.000,- EUR brutto im Jahr mehr verdienst, dann finde ich es nur gerecht, wenn du auch einen Teil dessen was du in der Uni kriegst wieder zurückgibst.
Wenn du natürlich keinen guten Job bekommst - soll es in Deutschland geben - dann zahlst du auch nichts zurück. Zumindest war doch die Planung der Studiendarlehen so angedacht.
Da ich schon in Lohn und Brot stehe habe ich mich nicht 100% damit beschäftigt.
Gruß
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MikeSPK schrieb:
Aber wenn du durch dein Studium eben 30.000,- EUR brutto im Jahr mehr verdienst, dann finde ich es nur gerecht, wenn du auch einen Teil dessen was du in der Uni kriegst wieder zurückgibst.
Tut man doch bereits heute?
Höhere Steuern, höhere Sozialabgaben.
Und weiterhin hat man 6-7 Jahre Verdienstausfall gegenüber jemanden, der in der Schule nicht ganz so weit geht und nicht studiert. Das dauert häufig 10-15 Jahre, bis man das aufgeholt hat.
Ich behaupte mal, daß sich das Studium für 95% der Leute finanziell eigentlich nicht lohnt, einzig die Chancen im Beruf und die Flexibilität sind besser. Aber rein zahlentechnisch... nur für wenige.
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Marc++us schrieb:
Ich behaupte mal, daß sich das Studium für 95% der Leute finanziell eigentlich nicht lohnt, einzig die Chancen im Beruf und die Flexibilität sind besser. Aber rein zahlentechnisch... nur für wenige.
Warum bekommt der Arzt dann hinterher eine höhere Rente als die Krankenschwester?
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Marc++us schrieb:
Tut man doch bereits heute?
Höhere Steuern, höhere Sozialabgaben.
Ja natürlich hast du das. Du hast aber trotzdem ein höheres Nettoeinkommen.

Und wenn ich das Beispiel Krankenschwester auch aufgreifen darf.. die Arbeit von einer Krankenschwester ist um einiges härter als das was die meisten Studierten machen (und oft vielleicht auch sinnvoller *G*).
Und trotzdem wird Sie für 1500 EUR, 50 Jahre arbeiten egal wie Sie sich anstrengt.
Wie du so gern sagst... Ungerechtigkeiten wirst du nie ganz regeln können.Aber wenn die Studiengebühren auch nur einen kleinen Prozentsatz der Studis dazu bringt vielleicht etwas mehr fürs Studium und etwas weniger für Saufen/Sex/Feiern zu tun, finde ich sie überaus gerecht.
Und die 5000 oder 10000 EUR die du danach abstottern musst... ich denke das bricht dir nicht das Genick.PS: Und nein, ich halte Studenten nicht für dauerbesoffene, partygeile Faulpelze.

Nur... Karlsruhe ist auch eine Studentenstadt.. und ich habe viele Freunde die studieren.... lange studieren.. wo ich auch sage.. setz dich auf deinen Arsch und geh net ins Freibad, dann kannst du auch 2 Jahre früher arbeiten gehen.
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dann kannst du auch 2 Jahre früher arbeiten gehen.
tolle motivation

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Daniel E. schrieb:
Warum bekommt der Arzt dann hinterher eine höhere Rente als die Krankenschwester?
Weil sein Brutto-Einkommen höher ist. Das hat aber nur bedingt mit dem Studium zu tun, ein Facharbeiter, der Schicht arbeitet, hat sehr leicht ein höheres Brutto als ein Ingenieur mit 35 Stundenwoche ohne bezahlte Überstunden, und wird daher für diese Zeit eine höhere Rente bekommen.
Aber ich sagte ja, daß sich das Studium für 95% nicht finanziell lohnt... ich habe ja noch eine Hintertür von 5% offen, z.B. für Deinen Arzt.
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Mach aus den 95% mal <50% und ich stimme dir zu.
Sicherlich gaebe es die theoretische Moeglichkeit in irgendeinem Beruf auch ohne Studium mehr zu verdienen, das ist aber eher die Ausnahme als die Regel. In der Medizin, Chemie, Pharmakologie ist das schoneinmal nicht so. Und fuer viele Berufe gibts einfach kein wirklich vergleichbares Pendant ohne Studium. Zum Beispiel Lehrer.
Ich bin der Meinung, dass sich fuer ueber 50% der Studenten das Studium finanziell lohnt. Sie bekommen bis zum Tod (also incl Rente) sicherlich mehr als wenn sie einen Ausbildungsberuf (und die wenig bezahlte Ausbildung geht ja auch 2-3 Jahre, also "nur" rund 2.5 Jahre weniger als ein gut durchgezogenes Studium) gewaehlt haetten.
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Marc++us schrieb:
Daniel E. schrieb:
Warum bekommt der Arzt dann hinterher eine höhere Rente als die Krankenschwester?
Weil sein Brutto-Einkommen höher ist. Das hat aber nur bedingt mit dem Studium zu tun, ein Facharbeiter, der Schicht arbeitet, hat sehr leicht ein höheres Brutto als ein Ingenieur mit 35 Stundenwoche ohne bezahlte Überstunden, und wird daher für diese Zeit eine höhere Rente bekommen.
Das finanzielle Saldo (Bildungsrendite ist das passende Angeberwort dazu) ist in Deutschland positiv, wenigstens für die meisten Studienfächer, also lohnt sich ein Studium auch finanziell.
Link: http://www.che.de/downloads/AP26.pdf
Dazu sollte man noch sagen, daß in Deutschland die Vorteile durch Studium geringer sind, als in vielen anderen Ländern: http://zeus.zeit.de/text/2002/45/200245_b-oecd-studie_xml
Deine 95% dürften also kaum haltbar sein.
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btw: Wenn man 500 EUR pro Semester als Gebuehren rechnet, dann sind das bei 10 Semestern (und mehr Semester Regelstudienzeit hat kein Diplom das ich kenne und seit der Bachelorose sinkt das ja noch weiter) nur 5000 EUR und das sollte man als Akademiker locker rausholen.
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pli schrieb:
btw: Wenn man 500 EUR pro Semester als Gebuehren rechnet, dann sind das bei 10 Semestern (und mehr Semester Regelstudienzeit hat kein Diplom das ich kenne und seit der Bachelorose sinkt das ja noch weiter) nur 5000 EUR und das sollte man als Akademiker locker rausholen.

Danke!!!!
Vor allem da man nur zur Rückzahlung verpflichtet wird, wenn man auch gut verdient. (so war zumindest mal die Planung)