Weltjugendtag - Euer Fazit
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Marc++us schrieb:
Sehr interessanter Gedanke.
Aber an sich kein sehr sinniger, denn er setzt die Existenz von höheren Wesen voraus. Sämtliche religiösen Werte sind aber genauso menschengemacht wie alle anderen.
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Wie ich solche Sektentreffen doch hasse, total nervig und überall sah man was darüber, laut nem Kumpel sollte es in Bayern ja total schlimm gewesen sein und da kam alle fünf Minuten was darüber im Radio.

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SideWinder schrieb:
Aber das ist einer der Dinge, die mehr als oft in der Kirche vorgekommen sind.
Mal überlegen, in Deutschland sind in den letzen 1000 Jahren mehr als nur einmal Kriege vorgekommen, kingruedi ist Deutscher, ich stell mich lieber mal zu den anderen rüber

Die Deutschen sind keine Gruppe der man sich anschließt und die man wieder verlassen kann. Wäre es eine Diskussion über "Wer ist besser: Ein Nazi oder ein Katholik?" könntest du vielleicht so argumentieren... Wären die Nazis nicht vernichtet worden und würden jetzt in einem "untermenschen"-freien Deutschland leben und ein bisschen Judentoleranz zeigen, a la "Ihr dürft weiterexistieren aber wir glauben trotzdem, dass wir die Herrenrasse sind bla bla", würdest du die Nazis doch auch nicht für tolle Menschen halten oder?

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Marc++us schrieb:
Ich finde die Argumentation von Habermas - sicherlich ja kein Kirchenmann - interessant:
Er sagte ungefähr, daß von Menschen geschaffene Werte eine Gesellschaft nie so fest binden könne wie Werte, die von einem höheren Wesen kommen. Denn der Alltag führt ständig dem Menschen seine eigene Fehlbarkeit und Unzulänglichkeit vor Augen, diese Fehlbarkeit überträgt sich natürlich darin, daß auch von den Menschen selbstgemachte Regelkataloge diesen Zweifel in sich tragen. Ein Regelkatalog, von einem höheren Wesen kommend, kann diese Zweifel aber überleben und wird leichter als höherwertig und verbindlich akzeptiert.
Sehr interessanter Gedanke.
Was ich noch viel interessanter finde: angenommen die Grundannahme dieses Gedankengangs sei nicht so zweifelhaft - welche Implikationen hat/hätte das denn deiner Meinung nach? Ist diese gottgegebene, heilige Moral besser, oder praktischer, "höherwertiger", als ein Regelkatalog auf anderweitiger Basis?
Dieser 'Regelkatalog' wird ja immer noch von Menschen interpretiert, schlimmstenfalls (?) dessen Einhaltung forciert.
Sollte diese 'Freiheit von Zweifeln', diese 'Verbindlichkeit' über Logik und gesundem Menschenverstand stehen?
Ist der Gegenpol zu deiner extremen 68er-Darstellung, die auf ewig gültigen, in Stein gemeißelten, unbiegsamen, unflexiblen, 'heiligen' Gesetze dieses höheren Wesens wirklich erstrebenswerter?
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Bashar schrieb:
Marc++us schrieb:
Sehr interessanter Gedanke.
Aber an sich kein sehr sinniger, denn er setzt die Existenz von höheren Wesen voraus. Sämtliche religiösen Werte sind aber genauso menschengemacht wie alle anderen.
Jein, wörtlich setzt er die Existenz natürlich voraus. Aber der Idee nach, das was Marc++us wohl auch meint, eben nicht. Die Wirksamkeit beruht darauf, dass die Menschen glauben, die Regeln kämen von einem höherem Wesen. Ob das tatsächlich der Wahrheit entspricht oder nicht spielt für den Gedanken keine Rolle, solange die Menschen nicht wissen, dass die Regeln von einem wie sie fehlbaren Menschen gemacht sind.
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Hallo
Ob das tatsächlich der Wahrheit entspricht oder nicht spielt für den Gedanken keine Rolle, solange die Menschen nicht wissen, dass die Regeln von einem wie sie fehlbaren Menschen gemacht sind.
Oder um es kurz auszudrücken : Opium fürs Volk.
bis bald
akari
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Marc++us liest Telepolis
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akari schrieb:
Oder um es kurz auszudrücken : Opium fürs Volk.
"Opium fürs Volk" meint doch eher, dass die Menschen durch die Religionen mit hübschen und verlockenden Versprechungen geblendet werden, dadurch die Unzulänglichkeiten der realen Existenz verdrängt und die Menschen gewisserweise gefügig werden.
Die Sache mit den Werten eines höheren Wesens ist dabei aber nicht so negativ in der Konsequenz. Dabei geht es nur um die Durchsetzungs- bzw Überzeugungs- und vor allem Überlebensfähigkeit der zu vermittelnden Werte. Nicht um die Inhalte dieser.
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SideWinder schrieb:
Weils doch soviel Spaß macht: [...]
Also gibst du mir in der Kernthese recht?
Hab jetzt keine Lust und Zeit über die Nebensächlichkeiten zu reden.
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sarfuan schrieb:
Jein, wörtlich setzt er die Existenz natürlich voraus. Aber der Idee nach, das was Marc++us wohl auch meint, eben nicht. Die Wirksamkeit beruht darauf, dass die Menschen glauben, die Regeln kämen von einem höherem Wesen. Ob das tatsächlich der Wahrheit entspricht oder nicht spielt für den Gedanken keine Rolle, solange die Menschen nicht wissen, dass die Regeln von einem wie sie fehlbaren Menschen gemacht sind.
Also vertritt er eine Kastengesellschaft, wissende Elite und gläubiges Volk?
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Am Anfang unter Umständen. Sofern die Religionsgründer nicht wirklich überzeugt sind, irgendwelche Visionen gehabt zu haben und deswegen die "wahre Wahrheit" zu verkünden, so wandelt sich dennoch auch eine "wissende Elite" sicherlich nach ein paar Jährchen (im schlimmsten Fall Generationen) in eine "gläubige Elite".
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Bashar schrieb:
sarfuan schrieb:
Jein, wörtlich setzt er die Existenz natürlich voraus. Aber der Idee nach, das was Marc++us wohl auch meint, eben nicht. Die Wirksamkeit beruht darauf, dass die Menschen glauben, die Regeln kämen von einem höherem Wesen. Ob das tatsächlich der Wahrheit entspricht oder nicht spielt für den Gedanken keine Rolle, solange die Menschen nicht wissen, dass die Regeln von einem wie sie fehlbaren Menschen gemacht sind.
Also vertritt er eine Kastengesellschaft, wissende Elite und gläubiges Volk?
Warum nicht? Solange Elite und Volk happy sind?
Mal abgesehen davon, der Gedanke ist der Allgemeinheit ja gar nicht so fremd. Studierte schauen auf Bild-Zeitungsleser herab (siehe Forum). Innerhalb der Akademiker die Ingenieure auf die BWLer (siehe Forum). Atheisten mit Physikwissen halten sich den Gläubigen für überlegen (siehe Forum). Es sind immer Kasten am Werk, eine Elite, die die Führung für sich beansprucht.
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Marc++us schrieb:
Warum nicht? Solange Elite und Volk happy sind?
Weil es undemokratisch ist zum Beispiel. Was weiß ich, ich glaube unsere Grundansichten divergieren in dem Punkt ganz gewaltig.
Mal abgesehen davon, der Gedanke ist der Allgemeinheit ja gar nicht so fremd. Studierte schauen auf Bild-Zeitungsleser herab (siehe Forum).[...]
Das ist was anderes. Im Forum äußert sich sicher niemand abfällig über Bildleser, der die Absicht hat, von seinem "Elite"-Status zu profitieren; hinter dem Ärger über die Bild-Leser steckt doch auch immer der Wunsch, sie wären intelligenter, würde sich zumindest nicht von der Bild manipulieren lassen usw.
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Bashar schrieb:
hinter dem Ärger über die Bild-Leser steckt doch auch immer der Wunsch, sie wären intelligenter, würde sich zumindest nicht von der Bild manipulieren lassen usw.
Ich denke, daß Du hier die Leute zu positiv einschätzt. Unsere Meinungen differieren auch in Bezug auf das allgemeine Menschenbild.
Basierend auf meiner Alltagserfahrung lese ich hier lediglich ein "die sind doof, gut daß ich es nicht bin" heraus.
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Marc++us schrieb:
"die sind doof, gut daß ich es nicht bin"
Das ist immer noch was anderes als "gut, dass die doof sind".
Warum sollte man sich öffentlich über einen Zustand ärgern, den man gut findet?