Kommen die Einsteins von morgen wieder aus Deutschland?



  • Nein. Aber wenn in Zukunft jemand ein schiefes Gebäude sieht, kann er messerscharf
    schließen : der Architekt hat ursprünglich in Deutschland die Schule besucht.



  • Optimizer schrieb:

    Ich frage mich, was du mit "auf der Höhe des Wissens der Zeit sein" meinst. Einstein hat sicher nicht alles gewusst, was die Menschheit damals wusste. Das muss er auch gar nicht, er muss nur in seinem Fachgebiet einiges wissen. Man kann auch Physik beliebig in kleine Fachgebiete unterteilen, so dass man für dieses Fachgebiet nur noch so viel Wissen braucht, wie man sich in einem Menschenleben aneignen kann. Und dann ist es sehr wohl möglich, dort was neues zu entdecken, auch heutzutage.

    Die Leistung von Einstein besteht weniger darin, auf einem Spezialgebiet etwas neues entdeckt zu haben, sondern darin, damals unzusammenhängende Teilgebiete der Physik miteinander verbunden zu haben. Die Relativitätstheorie ist in der Reibungszone zwischen Elektrodynamik und Mechanik angesiedelt, die Lichtquantenhypothese zwischen Elektrodynamik und Thermodynamik, die Erklärung der Brownschen Bewegung (stammt auch von ihm) verbindet Thermodynamik und Mechanik. Die Vorleistungen waren erbracht, nur waren die damaligen Physik-Koryphäen wohl alle zu eingefahren, um über ihren Tellerrand zu blicken, da bedurfte es erst eines kleinen Patentangestellten ...



  • Optimizer schrieb:

    Ich frage mich, was du mit "auf der Höhe des Wissens der Zeit sein" meinst. Einstein hat sicher nicht alles gewusst, was die Menschheit damals wusste.

    Naja, natürlich war das physikalische Wissen seiner Zeit gemeint.

    Optimizer schrieb:

    Man kann auch Physik beliebig in kleine Fachgebiete unterteilen, so dass man für dieses Fachgebiet nur noch so viel Wissen braucht, wie man sich in einem Menschenleben aneignen kann. Und dann ist es sehr wohl möglich, dort was neues zu entdecken, auch heutzutage.

    Ja, das habe ich auch nicht bestritten. Man kann sicherlich noch neue Dinge entdecken und es werden auch andauernd neue Dinge entdeckt. Aber Einstein steht zumindest für mich für etwas anderes. Er steht für eine Revolution des wissenschaftlichen Weltbilds. Das ist weitaus mehr als "Etwas neues Entdecken". Wenn jetzt zum Beispiel in ein paar Jahren das Higgs-Teilchen am LHC entdeckt wird, dann ist das bei weitem nicht mit den Erkenntnissen vergleichbar, die Einstein seinerzeit gebracht hat.

    Optimizer schrieb:

    Einstein hat auch nicht alles über Physik gewusst. Er hat das Modell der Quantenphysik bis zum Ende abgelehnt, obwohl es heute weitgehend verwendet wird, um mikroskopische Erscheinungen bei nicht-relativistischen Geschwindigkeiten zu beschreiben. Trotzdem hat er er wohl in einem anderen Teilgebiet der Physik, nämlich der relativistischen Physik, für Fortschritt gesorgt.

    Er hat dieses Modell abgelehnt, das gebe ich zu. Aber er hat sich damit auseinandergesetzt. Er hat bezüglich dieser Theorie beispielsweise einen intensiven Dialog mit Niels Bohr geführt. Er hat sich eben mit den Theorien der Physik, die zu seiner Zeit entwickelt wurden, auseinandergesetzt bzw. er hat sich vor allem damit auseinandersetzen können. Heutzutage geht das nicht mehr: Bevor du dich ernsthaft mit den neuen Theorie eines fremden Teilgebiets der Physik oder auch einer anderen Disziplin auseinandersetzen kannst, benötigst du eine enorme Einarbeitungszeit. Deshalb hat heute keiner mehr einen solchen Einblick in die gesamte Physik, dass er weiß, welche Entwicklungen es da insgesamt gibt.

    Und Einstein hat im Übrigen trotz dem, dass er "nur" einen Nobelpreis gekriegt hat, noch weitere Bereiche gehabt, in dem ihm ein Nobelpreis zugestanden hätte. Insgesamt hätten ihm wohl 3 Nobelpreise zugestanden. Den Nobelpreis, den er tatsächlich gekriegt hat, hat er ja nichtmal für die Relativitätstheorie gekriegt, sondern für seine Arbeiten zum Fotoeffekt bzw. zur Lichtquantenhypothese.



  • Einstein sollte in diesem Thread wahrscheinlich für "Genie" stehen.



  • genie schrieb:

    Einstein sollte in diesem Thread wahrscheinlich für "Genie" stehen.

    Ok... "Genies". Gehen wir mal von Genies im akademischen Sinne aus. Da sollte man sich vielleicht erstmal darüber klar werden, warum die "Spitzenleute" momentan eher weniger in Deutschland zu finden sind. (Das axiomatisiere ich hier einfach mal, wenn man sich die Nobelpreise der neueren Zeit anguckt, dann ist Deutschland da einfach nicht entsprechend vertreten.) Was hat das für Gründe? IMHO sind dafür 2 Dinge verantwortlich, wobei man sicherlich über beide streiten kann und vielleicht sind die auch nicht ganz richtig so.

    1. Durch den 2. Weltkrieg bzw. das ganze 3. Reich hat ein Großteil der damalige intellektuellen Elite Deutschland verlassen. Die sind auch nicht zurückgekommen. Das heißt, das sich nach dem 2. Weltkrieg erstmal eine Art 2. oder gar 3. Garde an den Universitäten usw. festgesetzt hat. Da ist es schwer, wieder ganz an die Spitze zu kommen. Es fehlt(e) der entsprechende wissenschaftliche Dialog und ohne Kontakt zu den Spitzenleuten ist es eben einfach schwer zu diesen aufzuschließen. Ich weiß nicht, inwiefern das immer noch so ist, aber ich bin mir sicher, dass das ein Grund der vergangenen Jahrzehnte war, der eben nicht zu "Genies" in Deutschland geführt hat.

    2. Der wissenschaftliche Standort in Deutschland ist einfach nicht mit denen in einigen anderen Ländern vergleichbar. Welche Anreize haben die Spitzenleute denn, hier in Deutschland eine akademische Laufbahn einzuschlagen? Da wird miserabel bezahlt und man wird sogar noch schief angeguckt, wenn ein anderer mitkriegt, dass man Professor oder etwas ähnliches ist. Da brauch man sich ja nur das Wahlduell vom Sonntag angucken. Da redete Schröder andauernd von "diesem Professor aus Heidelberg". Warum hat er das gemacht? Weil er eben genau weiß, dass so ein Stand in einem großen Teil der Bevölkerung mit bestimmten negativen Vorurteilen belegt ist. So jemand gilt als weltfremd und man sagt, "er lebt im Elfenbeinturm". Welche Anreize haben die Spitzenleute dann, in Deutschland zu bleiben, wenn man sich hier für seine Leistungen schon fast schämen muss?

    ...naja, nur so 2 Gedanken, die vielleicht in die Nähe der Gründe kommen, warum man die wissenschaftliche Elite nicht unbedingt in Deutschland suchen sollte.



  • Gregor@Home schrieb:

    Da redete Schröder andauernd von "diesem Professor aus Heidelberg". Warum hat er das gemacht? Weil er eben genau weiß, dass so ein Stand in einem großen Teil der Bevölkerung mit bestimmten negativen Vorurteilen belegt ist. So jemand gilt als weltfremd und man sagt, "er lebt im Elfenbeinturm". Welche Anreize haben die Spitzenleute dann, in Deutschland zu bleiben, wenn man sich hier für seine Leistungen schon fast schämen muss?

    die professoren, die ich kenne, interessiert derartiges geschwafel wahrscheinlich überhaupt nicht. wenn jeder gleich einschnappt, können wir ja gleich einpacken. 🙄



  • scrub schrieb:

    die professoren, die ich kenne, interessiert derartiges geschwafel wahrscheinlich überhaupt nicht. wenn jeder gleich einschnappt, können wir ja gleich einpacken. 🙄

    Naja, gut. Deswegen sind sie ja wahrscheinlich auch hier in Deutschland geblieben und haben nicht wie viele andere nach dem Studium oder dem Doktor das Land verlassen, um die wissenschaftliche Karriere woanders fortzuführen. Dieser Umstand ist AFAIK nicht zu leugnen: Man hört doch immer wieder, dass die wissenschaftliche Elite eher ins Ausland abwandert und eher nicht aus dem Ausland nach Deutschland kommt. Und das liegt natürlich am Standort Deutschland, wobei der genaue Grund sicherlich für jeden unterschiedlich ist. Natürlich gibt es da Leute, denen das Ansehen in der Gesellschaft wichtig ist und anderen ist es vielleicht weniger wichtig.



  • Just kidding... 🤡

    50% alle Menschen in Industriestaaten geben Albert Einstein als Ihr Idol an!!
    Nach 100 Jahren zeigt das Lexikon immer noch unter Intelligenz sein Bild.
    Wurde sein IQ nie ge-toppt?
    Oder gab es danach keine erfolgreichen Wissenschaftler mehr?

    1. Einstein hatte zu Lebzeiten bereits eine Popularität erreicht, wie sie ein Wissenschaftler im 21 Jhd. nie mehr erreichen kann. Jeder kennt Dieter Bohlen, aber wer weiß heute schon, als nicht Physiker, wer von Klitzing war, ohne zu goooglen? Ist der 'Quantisierte Hall Effekt' weniger bedeutend als die 'Allgemeine Relativitätstheorie'? Hat Einie ein besonders aggressives Eigenmarketing betrieben? Wohl eher im Gegenteil. Es war die Zeit und den neuen Stellenwert der Wissenschaft zu Beginn des 20.Jh. Man suchte eine Ikone und fand Ihn.

    2. Die Arbeiten Einsteins erfassten ein interdisziplinäres und intutives Vorgehen, wie es heute in wissenschaftlichen Kreisen mehr geächtet wird. Da auch physikalischen Forschung oft nur noch mit extremen Mittelaufwendungen betrieben werden können. Ohne anerkannte Reputation keine Mittel und ohne Konformität keine Reputation. Nix im Patentamt ein bisschen malen! 😃

    Georg Bernhard Shaw schrieb:

    "Der vernünftige Mensch passt sich an seine Umwelt an. Der unvernünftige Mensch erwartet, dass die Umwelt sich Ihm anpasst. Deshalb wird jeder Fortschritt in der Welt nur von dem unvernünftigen Menschen ausgehen!"

    1. Wenn die Amis einen genialen aber meist wahnsinnigen oder böshaften Wissenschaftler im Film darstellen, ist der meistens Deutscher. 😃

    "I: Verdammt die Russen haben einen Menschen im Weltall. Wie haben die nur das geschafft?
    M: Ihre kriegsgefangen deutschen Wissenschaftler haben Ihnen geholfen!
    F: Keine Angst Mr. Präsident, unsere Deutschen sind besser als deren Deutschen!"
    (aus "Der Stoff aus dem die Helden sind")



  • Ich weiss nicht, wo die anderen Einsteins von morgen herkommen, aber ich bin aus Dt.

    Bye, TGGC



  • TGGC schrieb:

    Ich weiss nicht, wo die anderen Einsteins von morgen herkommen, aber ich bin aus Dt.

    Bye, TGGC

    Verdammt, TGGC, Du bist so verhersehbar, ich hätte deinen Post gar nicht mehr lesen müssen! 👎 😃



  • howdy kumpels,
    ich glaueb die einsteins von morgen kommen aus usa

    mfg,
    coolio



  • ursel schrieb:

    TGGC schrieb:

    ...

    Verdammt, TGGC, Du bist so verhersehbar, ich hätte deinen Post gar nicht mehr lesen müssen! 👎 😃

    Geht mir genauso. Wahrscheinlich fast allen hier ebenso. 😃



  • Weil wir wissen das _er_ es ist.



  • coolio schrieb:

    howdy kumpels,
    ich glaueb die einsteins von morgen kommen aus usa

    mfg,
    coolio

    Das wäre - wenn ich mir New Orleans so ansehe - Evolution aus dem Nichts.



  • Bitsy schrieb:

    Das wäre - wenn ich mir New Orleans so ansehe - Evolution aus dem Nichts.

    nee. "intelligent design" 🤡



  • Bitsy schrieb:

    Das wäre - wenn ich mir New Orleans so ansehe - Evolution aus dem Nichts.

    Wo lebst du? In der Realität offensichtlich nicht.

    Nobelpreis-Statistik nach Ländern:
    http://aaawww.fh-pforzheim.de/intoff/iopub/NOBEL03/land.html

    Nobelpreis-Statistik nach Institutionen:
    http://aaawww.fh-pforzheim.de/intoff/iopub/NOBEL03/inst.html

    Natürlich ist die USA genau das Land, an das man da als erstes denkt.

    Es wäre interessant, in welchen Gebieten Deutschland in den letzten Jahren Nobelpreise geholt hat. Ich hätte gar nicht gedacht, dass Deutschland da so gut ist. Immerhin auf Platz 3 in den letzten 15 Jahren, wenn auch um einen Faktor >10 unter der Spitze.



  • Hmmm also wenn ich mir die Zahlen da so anschaue, komm ich auf folgende Top 10 über die Jahre 1901 - 2002:

    Platz | Land          | Einwohner/Nobelpreis
    ------+---------------+---------------------
      1   | Schweiz       | 338'677.27
      2   | Sweden        | 499'244.44
      3   | Dänemark      | 676'675.00
      4   | Great Britain | 762'920.25
      5   | USA           | 1'122'711.11
      6   | Deutschland   | 1'351'222.95
      7   | Österreich    | 1'362'466.67
      8   | Norwegen      | 1'524'866.67
      9   | Niederlande   | 1'813'133.33
     10   | Frankreich    | 2'158'007.14
    

    Zugegeben. Der Fairste Vergleich wäre Akademiker / Nobelpreis. Aber die Zahlen hatte ich leider nicht grade zur Hand. Und letztens hat ja jeder Bürger durch seine Steuern zum Beispiel zumindest einen Beitrag an die Forschung geleistet... von dem her...

    Alleine mit der Anzahl der Nobelpreise zu protzen ist etwa so intelligent wie die alleinige Leistungsangabe eines Motors um selbiges mit seinem Auto zu tun.

    Und bei den Preisen bei den USA näme es mich mal wunder wieviele Preise da auf Arbeit von z.B. deutschen Wissenschaftlern die nach dem Krieg nach USA (de-/ex-)portiert wurden gründen...


  • Mod

    Und bei den Preisen bei den USA näme es mich mal wunder wieviele Preise da auf Arbeit von z.B. deutschen Wissenschaftlern die nach dem Krieg nach USA (de-/ex-)portiert wurden gründen...

    Alle, ich habe noch von keinem Indianer mit Nobelpreis gehört 🙄

    MfG SideWinder



  • Gregor@Home schrieb:

    Es wäre interessant, in welchen Gebieten Deutschland in den letzten Jahren Nobelpreise geholt hat. Ich hätte gar nicht gedacht, dass Deutschland da so gut ist. Immerhin auf Platz 3 in den letzten 15 Jahren, wenn auch um einen Faktor >10 unter der Spitze.

    Ich hab mal auf nobelpreis.org den Zeitraum von 1980-2004 recherchiert.

    Chemie:
    1988 Johann Deisenhofer, Robert Huber, Hartmut Michel (Deutschland)

    Literatur:
    1999 Günter Grass (Deutschland)

    Medizin:
    1984 Georges Köhler (Deutschland)
    1991 Erwin Neher, Bert Sakmann (Deutschland)
    1995 Christiane Nüsslein-Volhard (Deutschland)

    Physik:
    1985 Klaus von Klitzing (Deutschland)
    1986 Gerd Karl Binnig, Ernst Ruska (Deutschland)
    1987 Johannes Georg Bednorz (Deutschland)
    1989 Hans Georg Dehmelt, Wolfgang Paul (Deutschland)
    1998 Horst Ludwig Störmer (Deutschland)
    2000 Herbert Kroemer (Deutschland)
    2001 Wolfgang Ketterle (Deutschland)

    Wirtschaft:
    1994 Reinhard Selten (Deutschland)



  • junix schrieb:

    Hmmm also wenn ich mir die Zahlen da so anschaue, komm ich auf folgende Top 10 über die Jahre 1901 - 2002

    1. Diese Top 10 ist leider völlig uninteressant für die heutige Zeit, da sie den Zeitraum vor dem 2. Weltkrieg mit einbezieht. Wie ich schon gesagt habe, sind durch diesen viele Intellektuelle aus Deutschland und wahrscheinlich auch aus anderen europäischen Staaten geflüchtet. Einstein selbst gehört ja auch dazu. Wenn man die anderen Zahlen betrachtet, dann hat die USA momentan doch eine enorme Dominanz in diesem Bereich.

    2. Du mußt auch die Bevölkerungsentwicklung beachten, wenn du Zahlen über so einen großen Zeitraum miteinander vergleichst. Die USA haben in diesem Zeitraum AFAIK im Vergleich zu anderen Staaten ein höheres prozentuales Bevölkerungswachstum gehabt.


Anmelden zum Antworten