Stoibers Vorwürfe: Nur Stimmenfang?



  • Es stimmt,Status- und Abstiegsängste sind ein höherer Faktor im Bezug auf Rechtsextremismus als die reine Arbeitslosigkeit,auch wenn beide eng zusammenhängen.
    Aber auch diese Ängste sind keine Grundvoraussetzung für rechte oder eher extreme Ideologisierung,sondern immer noch nur ein Faktor,wenn auch dieser zur Wahl einer "Alternative" führen kann.
    Schuld an diesen Abstiegsängsten ist aber ganz sicher nicht nur die Bundesregierung,man mag sich sogar darüber streiten ob sie den Löwenanteil hat,und nicht etwa doch eine so blockierungsfreudige Opposition,die doch so gerne in parteipolitische Streitereien verfällt.



  • Korbinian schrieb:

    scrub schrieb:

    stoiber und seine volksgenossen verharmlosen den rechtsextremismus doch selbst, indem sie deren parolen teilweise nachgrölen. der kann mal seine dumme klappe halten.

    kannst du das näher erleutern? ich verstehe deinen schluss nicht. prarolen halten alle. auch die spd. das ist nunmal so. werbung sind auch parolen. wenn ich will, dass gewisse information prägnant und einprägend rüberkommt, so muss ich das kurz und bündig kapseln. siehe auch bildzeitung. allerdings von nachgröhlen zu reden, finde ich gewagt. nenn mal beispiele.

    ok, ausdruck war übertrieben, aber prinzipiell bin ich dieser meinung. wer permanent gegen ausländer pauschalisiert und von durchraßten gesellschaften redet und multi-kulti nicht als gleichwertiges modell akzeptieren kann, ist für mich mindestens genauso deppert wie diese möchtegern-neonazis.
    ich kann mich auch nicht erinnern, daß die spd der kohlschen regierung vorgworfen hat, mit ihrer arbeitsplatzzerstörenden politik verschaffe sie den rechtsextremen zulauf.

    Korbinian schrieb:

    wenn einer trotzdem fascho ist, dann muss man verhindern, dass faschos gewählt werden. nennt sich selbstschutz der demokratie.

    das hat ja ein gewisser minister in verantwortung für seine dienstaussicht zusammen mit dem verfassungsgericht erfolgreich verhindert. leider.

    ich meine, die stellen sich in alle öffentlichkeit mit dem spruch auf den lippen "selbstverständlich sind wir verfassungsfeindlich!" was gibts jetzt da noch großartig zu deuten und zu entscheiden? ich verstehe die entscheidung im ersten verbotsverfahren einfach nicht, sie ist imo unlogisch und damit falsch.

    Union-Fan schrieb:

    Die SPD ist 98 mit dem Wahlversprechen der Halbierung der Arbeitslosigkeit unter Beibehaltung der damaligen Sozialgesetzgebung an die Macht gekommen. Leider wurde bis heute der Wähler in diese Hinsicht stark enttäuscht. Wenn nun die Atheisten im Osten keine Heimat innerhalb der christlichen Union finden, sowie, aus welchen Gründen auch immer, nicht auf die linksextremistische PDS zurückgreifen möchten, so sind sie gezwungen, eine andere Partei, die sich als bisher unbeschriebenes Blatt in Hinblick auf die obigen Wahlversprechen darstellen kann, zu wählen

    der sehr angenehme unterschied zwischen pds und npd ist, daß die anhänger der einen partei mit schlägertrupps ausländer jagen und funktionäre öffentlich sagen, daß sie selbstverständlich verfassungsfeindlich sind, während beides für die andere partei nicht zutrifft.
    außerdem war das wahlversprechen anno 98 die reduzierung der arbeitslosenzahl auf 3,5mio, nicht die halbierung, das hat der ehrenwortgeber kohl damals versprochen.

    Union-Fan schrieb:

    Darüber hinaus ist es statistisch erwiesen, dass mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auch ein Anstieg der Stimmen für extremistische Parteien erfolgt.

    was allerdings nicht der arbeitslosigkeit anzulasten ist, sondern der dummheit einiger mitbürger. was kommt als nächste begründung, rechtextrem zu wählen? hauptsache wer anders hat die schuld, jaja.

    Union-Fan schrieb:

    Mitgefühl mit den Schwachen ist schon immer eine christliche Tugend gewesen.

    genau, mitgefühl zeigt man durch öffentliches diffamieren, so stell ich mir das christentum vor. wer aus der reihe tanzt, wird abgekanzelt...



  • scrub schrieb:

    ...durchraßten gesellschaften redet und multi-kulti nicht als gleichwertiges modell akzeptieren kann, ist für mich mindestens genauso deppert wie diese möchtegern-neonazis.

    ich muss zugeben, dass ich es ganz normal finde, wenn man zuwanderung in grenzen hält. wobei ich zuwanderung aus uns nahen und uns aehnlichen kulturkreisen weniger skeptisch gegenüber bin, als uns total fremden (z.b. türkei, iran, ...). ich möchte z.b. nicht, dass wir in zukunft einige muslimische feiertage haben. ich finde das passt nicht in unsere gesellschaft. in der türkei wird es in den nächsten 200 jahren vermutlich nicht mal die _idee_ geben, einen christlichen feiertag einzuführen. gerade im integrations und toleranzbereich gehört finde ich ein beiderseitiges entgegenkommen dazu. wir machen muslimische feiertage, sie machen christliche etc. aber nicht wir-machen-alles-und-die-anderen-passen-sich-null-an.

    scrub schrieb:

    ich meine, die stellen sich in alle öffentlichkeit mit dem spruch auf den lippen "selbstverständlich sind wir verfassungsfeindlich!" was gibts jetzt da noch großartig zu deuten und zu entscheiden? ich verstehe die entscheidung im ersten verbotsverfahren einfach nicht, sie ist imo unlogisch und damit falsch.

    lies dir die nachrichten nochmal durch. das verfahren ist gescheitert, weil einige aussagen von v-männern kamen (die zaehlen nicht vor gericht, da sie ja genau aus dem grund eingeschläust wurden). es ist eben so schwierig belastendes material von nicht-v-männern zu bekommen. und so wie in anderen ländern, dass man eine partei einfach so verbieten kann ist es in deutschland gottseidank nicht.



  • Warum setzt man sich eigentlich nicht endlich inhaltlich mit der NPD auseinander?
    Man muss sich doch nur mal das Parteiprogramm auf deren Web-Site durchlesen!
    Dort wird doch deutlich, dass erstens die NPD verfassungsfeindlich gesinnt ist und zweitens dass die NPD keine Alternativen und konkrete Konzepte anzubieten hat. Bei jedem politischen Thema was auf der Website auftaucht wird einfach ein blödsinniger Zusammenhang mit den ach so schlimmen Ausländern hergestellt!
    Und wenn man dann noch so etwas lesen muss wie "Grenzen von 1938 wieder herstellen" muss doch endgültig klar werden um was für eine Partei es sich handelt!

    Also warum nicht endlich eine inhaltliche Auseinandersetzung? Das würde das Problem NPD schnell erledigen!



  • das problem ist, dass alles genau so formuliert ist, dass es rechtlich nicht angreifbar ist. genau das ist das problem


  • Mod

    Beide Parteienlager haben versagt und werden die Probleme nicht lösen, da sie weder Mut noch Rezepte haben. Die CDU/CSU wird nach einem evtl Wahlgewinn auch nicht mehr bringen - zunächst machen sie 50% der Gesetze von SPD/Grüne rückgängig, danach fangen sie auch wieder an die Steuerschrauben für die Masse anzudrehen.

    Daran sollte man bei halbwegs ehrlicher Betrachtung der Situation nicht zweifeln.

    Und genau darin liegt das Problem: die NPD hat Mut und ein Rezept. Es ist an dieser Stelle erst einmal völlig egal, ob das Rezept richtig oder falsch ist, ob gut oder schlecht. Die NPD bietet scheinbar zwei Dinge:

    - den Mut, ihre Ideen gegenüber Lobbys, inneren und äußeren Widerständen durchzusetzen
    - ein Rezept, wie es Deutschland besser gehen wird (Abkapselung, Ausländer raus, blabla)

    Damit bietet sie etwas, das die Leute verzweifelt suchen.

    Ich halte nichts davon zu sagen, daß Arbeitslosigkeit den Rechtsextremismus fördert, das glaube ich nämlich nicht. Ich glaube eher, daß Zweifel und Hoffnungslosigkeit der Nährboden für die Suche nach einer Führung und Richtungsvorgabe sind. Ist diese Führung durch eine rechtsextreme Partei gegeben, so ist es eine Kehrtwende nach rechts - aber es könnte auch woanders herkommen.

    Bin nach wie vor überzeugt, würde Schröder eine Fernsehansprache ankündigen, in allen Sendern, und dann sagen "Liebe Bürgerinnen und Bürger, unser Staat steht bald am Ende, wenn wir so weiter machen. Die nächsten 4 Jahre werden bitter und hart, und jedem wird es für eine Zeit eher schlechter gehen. Aber mit den Maßnahmen die kommen, werden wir .... " und dann halt mal eine ZIELRICHTUNG, in KLAREN Worten. Am nächsten Tag hätte die SPD maximale Umfragewerte. Aber dazu fehlt ihm... ah... der Mut. Dem Stotter-Stoiber übrigens auch, der will die SPD ja jetzt links überholen.



  • Meine eingangs gestellte Frage hat sich nciht so sehr auf den Vorwurf zur NPD bezogen, sondern eher darauf, dass die Union ja auch die Reform mit durchgebracht hat.

    Zu den Vorwürfen wegen der NPD sehe ich das jedenfalls ähnlich wie Stoiber:
    Zukunftsängste bringen imho den extremen Parteien Stimmen, da die Menschen von den Volksparteien enttäuscht wurden (weder Kohl noch Schröder haben es geschafft, ihr Wahlversprechen einzuhalten). Außerdem finde ich diesen Kleinkrieg zwischen der Regierung und der Union inzwischen ziemlich lächerlich.



  • Marc++us schrieb:

    Und genau darin liegt das Problem: die NPD hat Mut und ein Rezept. Es ist an dieser Stelle erst einmal völlig egal, ob das Rezept richtig oder falsch ist, ob gut oder schlecht. Die NPD bietet scheinbar zwei Dinge:

    - den Mut, ihre Ideen gegenüber Lobbys, inneren und äußeren Widerständen durchzusetzen
    - ein Rezept, wie es Deutschland besser gehen wird (Abkapselung, Ausländer raus, blabla)

    Ist es wirklich schon ein Rezept die Bundesrepublik abzukapseln und Ausländer rauszuschmeißen? Ich denke nicht, das klingt eher wie Parolen wie "Mit der 35-Stundenwoche gehts uns gut" und als Antwort, "Nein wir müssen 48-Stunden und 7 Tage die Woche arbeiten" Das ist noch kein Rezept, man muss es auch weiter konkretisieren können und das tut die NPD AFAIK nicht!

    Allerdings lässt sich auch drüber streiten, ob die anderen Parteien ein vollständigeres Rezept haben... 🙄



  • Das Problem ist IMHO, dass die Konzepte der einzelnen Parteien zu einem großen Teil undurchsichtig und unverständlich für einen Großteil der Bevölkerung sind.
    Die NPD ist hier anders: Ein paar Schlagworte hier, ein paar vermeintliche "Aufklärungen" dort und jeder Depp ist begeistert.



  • Zukunftsängste bringen imho den extremen Parteien Stimmen, da die Menschen von den Volksparteien enttäuscht wurden (weder Kohl noch Schröder haben es geschafft, ihr Wahlversprechen einzuhalten).

    Ja, aber das sollte dem Stoiber eigentlich klar sein. Er selbst "zwingt" die Leute genauso, NPD zu wählen, denn von ihm kommt eigentlich auch nix als billige Polemik. Was Sinnvolles hab ich von ihm selten gehört.



  • Eigentlich war die Aussage von Stoiber ein Schuss ins Knie, gibt er doch damit zu, dass die CDU nicht in der Lage ist, eine Alternative zu der Regierung anzubieten. Die Leute wählöen NPD, weil sie ihr mehr zutrauen als der CDU -> Fehler der CDU, nicht der Regierung.



  • Die Sichtweise gefällt mir. 👍



  • Die Leute wählöen NPD, weil sie ihr mehr zutrauen als der CDU -> Fehler der CDU, nicht der Regierung.

    Ne, Fehler der CDU/CSU und der Regierung (SPD/Grüne).



  • Loggy schrieb:

    Die Leute wählöen NPD, weil sie ihr mehr zutrauen als der CDU -> Fehler der CDU, nicht der Regierung.

    Ne, Fehler der CDU/CSU und der Regierung (SPD/Grüne).

    Ok, so kann man das mit Sicherheit stehen lassen, aber nach Stoibers Aussage klingt das natürlich völlig anders....



  • keiner der aktuell bekannten politiker wird ernsthaft was
    fuer unser land tun. jeder tut nur etwas in hinblick auf sich
    selbst. das ist z.b. auch etwas was man in den einzelnen
    bundeslaendern und kommunen zu sehen ist. jeder macht nur etwas
    fuer die dauer seiner amtszeit.
    da werden munter kredite aufgenommen etc.

    meiner meinung nach sollten politiker leistungsbezogen bezahlt
    werden: gehts dem land schlecht gibts weniger gehalt.

    ungaublich auch die "nebeneinkuenfte". als normaler arbeiter
    kann und darf man es teilweise nicht. ein politiker, der die
    verantwortung fuer so viele menschen hat darf munter dazuverdienen.
    wer politiker ist, ist politiker und nicht noch berater oder
    was auch immer.

    ich selbst habe kein vertrauen in die politiker. ich gehe auch nicht
    waehlen. die uebliche hetze: "wer nicht waehlt zerstoert unser
    land" kann ich auch nicht mehr hoeren. jemand der in einer
    demokratie solch ein kommentar abgibt ist nicht als politiker
    ernstzunehmen. getreu dem motto: alle parteien sind schlecht
    fuer das land und die menschen aber du musst eine partei waehlen.
    irgendwas stimmt da nicht. auch nichtwaehlen ist eine form
    der meinungsaeusserung; keinesfalls der art "ich hab keinen bock
    mir ist alles scheissegal".

    die tendenz in krisenzeiten extremistische parteien zu waehlen
    ist keine loesung. waehlt keine partei. kommt dann von einer partei
    dann eine aussage "waehlt irgendwas, aber nicht waehlen zerstoert
    die demokratie", wisst ihr, dass es richtig war diese partei
    nicht zu waehlen.
    eine partei die am wohle des volkes und an dessen freiheit
    interessiert ist, wird niemals das volk unter druck setzen!

    zum thema npd-verbot:
    in einer demokratischen gesellschaft, in der das volk eintscheidet,
    von wem es regiert wird, kann es keine parteienverbote geben...
    verbote von parteien sind ein zeichen von unterdrueckung.

    im augenblick halte ich keine partei fuer faehig unser land zu regieren.
    da hat niemand ahnung von den aengsten und noeten der bevoelkerung.
    es geht nur um macht, geld und ansehen.



  • keiner der aktuell bekannten politiker wird ernsthaft was
    fuer unser land tun. jeder tut nur etwas in hinblick auf sich
    selbst. das ist z.b. auch etwas was man in den einzelnen
    bundeslaendern und kommunen zu sehen ist. jeder macht nur etwas
    fuer die dauer seiner amtszeit.
    da werden munter kredite aufgenommen etc.

    Eigentlich ist es nicht so, dass jeder etwas für die Dauer seiner Amtszeit tut, sondern jeder tut alles, um seine Amtszeit zu verlängern.
    Da wird das Unfinazierbare mit Hilfe von Krediten finanzierbar gemacht, um Pluspunkte bei der Wählergemeinde zu erlangen. Regiert wird im Moment nach dem Motto "Nach mir die Sintflut".
    Ich frage mich nur, ob die Politiker nicht wirklich wissen, was Sache ist oder ob die an extremsten Realitätsverlust leider oder ob es denen einfach Scheissegal ist, wie es in 20-30 Jahren in Deutschland aussieht.



  • entelechie schrieb:

    jeder macht nur etwas fuer die dauer seiner amtszeit.

    Die Regierenden machen etwas um in die Geschichtsbücher einzugehen.


  • Mod

    Kredithai schrieb:

    Ich frage mich nur, ob die Politiker nicht wirklich wissen, was Sache ist oder ob die an extremsten Realitätsverlust leider oder ob es denen einfach Scheissegal ist, wie es in 20-30 Jahren in Deutschland aussieht.

    Wahrscheinlich 50:50 - es gibt sicherlich die Verblendeten, die überzeugt an ihr Tun glauben, so wie Honnecker bis zum Schluß (und darüber hinaus) ja auch noch. Das sind meines Erachtens die Gefährlichen.

    Und dann die anderen, die können rechnen - jetzt Ende 40, noch 10 Jahre Politik, dann die ganze Kohle nehmen und irgendwo in einem warmen Land ein Haus bauen und den Lebensabend verbummeln. Da kratzt es Dich doch wenig, wie es Deutschland geht.



  • So nach dem Motto:
    "Hm, hm, was werd ich denn mal? Ach, ich weiß! Politiker! Gibt viel Geld!"
    Und dann moggelt man sich durch mit Beraterverträgen und billiger Polemik und Strom umsonst und was weiß ich und hat dann die Kohle um in das warme Land zu ziehen, wenn die Leute einen nicht mehr haben wollen... Nein, wenn man selber keine Lust mehr hat, meine ich.


  • Mod

    Schau Dir doch einige Karrieren von Berufspolitikern an - als Jugendlicher im Ortsverband, an der Uni im Asta, dann als Anwalt bei einigen Verbänden oder öffentlichen Organisationen tätig, immer weiter in der Partei, dann Kreistag, Landtag, Bundestag, dann ein Amt in der Fraktion.

    Wenn man nur im Mittelfeld der Politik schwimmen will und nicht gerade ganz nach oben will, ist diese Karriere durchaus planbar.


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