Wie kann Schule wirklich besser werden?
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Im Unterricht existieren durchschnittlich 20 % Schüleräußerungen, 68 % Lehreräußerungen und 12 % Schweigen und Durcheinander. Manche meinen, dass es die Schule fertig bringt, aus Kindern, die interessiert, neugierig und durstig nach Wissen in die Schule kommen, innerhalb von wenigen Jahren apathische und desinteressierte Schüler zu machen. Am Anfang kommen die Schüler, weil sie wollen, zum Schluss nur, weil sie kommen müssen. Viele sehen das so, dass Belehrung und Bereden von Wirklichkeit an Stelle echter Erfahrung und eines aktiven und lernmotivierenden Umgangs mit der Wirklichkeit steht.
Wie ist eure Erfahrung und wie kann das besser werden?
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Sehr schwer. Einiges liegt am Lehrer und gleichermaßen an den Schülern. In meiner schulischen Laufbahn sind mir nur 2 Lehrer begegnet die es didaktisch "drauf" hatten. Einer ist mein Physiklehrer gewesen etwas kleines um das zu verdeutlichen.
Bei uns gab es mehrere Physikkurse einer bei unserer Mathelehrerin und einer bei unserem Physiklehrer, stofflich haben wir das gleiche gelernt, lustigerweise haben wir bei unserem Physiklehrer recht viel "freie Zeit" gehabt und nicht halbsoviel gerechnet wie in dem Kurs unserer Mathelehrerin. Der Witz an der Sache ist, in Klausuren die die gleichen waren hat unser Kurs oft besser bzw. gleichgut abgeschnitten mit viel weniger Aufwand, da wir dazu animiert wurden im Unterricht zu denken, man war in der Lage Sachverhalte aus irgendetwas herzuleiten. *schmunzl* Dazu muss man noch sagen der Vater unseres Physiklehrers ist Prof. für Didaktik der Physik ;).Ich will damit sagen, eine fundierte didaktische Ausbildung eines Lehrers ist ein Muss, dementsprechend auch eine passende Einteilung des Stoffs und der Vermittlung des Selbigen, wobei die Fähigkeit nicht jeder mitbringt.
Die andere Seite sind die Schüler, wenn ich noch einmal kurz von meinen Erfahrungen ausgehen darf. Ich hatte Russisch als zusätzlich Fremdsprache in der Abiturstufe es gab nur einen Russischkurs der also wie so oft aus allen möglichen Leuten zusammengewürfelt war. Nun schwand das Interesse der Schüler an Russisch zusehends und irgendwann verlor die Lehrerin die "Macht" über die Klasse und dann waren eigentlich alle lernunwillig. Im Nachinhein, schade wars.
Allgemein ist doch eher sehr großes Desinteresse an der Schule bei der Mehrheit der Schüler zu bemerken was man dagegen tun kann, weiß ich leider nicht.

tt
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Desinteressierte Mitschüler können viel runterreißen.
Das schlechte Image eines Strebers trägt da viel zu bei - wenn alle Chaos machen und einer lernt, ist der auch noch Ziel von Hänseleien. Darauf hat keiner Bock und deswegen passt keiner mehr auf, weils auch noch als cool gilt, den Unterricht möglichst locker hinter sich zu bringen.Ich fürchte, dass die Lehrer es schaffen, die Neugierde zu ersticken.
Solange man noch im Fragealter ist, sind Erklärungen zu kompliziert und man wird mit "das ist eben so" abgespeist - ist man älter und würde die Erklärungen verstehen, hat man das Hinterfragen verlernt.
...dass man auch als Kind die Erklärungen nach und nach verstehen würde, daran denkt wohl niemand.
Wir hatten mal einen total genialen Feuerwehrlehrer in Chemie. Vorher dümpelte die ganze Klasse im Schnitt unter 3 rum.
Der Kerl hat es tatsächlich geschafft uns zum Mitmachen und Melden zu animieren.
Wie? Das müsste man ihn selbst fragen, keine Ahnung.
Aber er holte sehr oft Schüler an die Tafel, lies uns da aber nie alleine - wenn es nix wurde, hat er geholfen, das war echt klasse.
Hinterher waren alle mindestens um eine Note höher.Ich glaube viel liegt daran, dass es immer noch nach dem alten Witz geht:
Wenn alles schläft und einer spricht, dann nennt man dieses Unterricht.Gruppenarbeit oder mal selbst was erarbeiten, das ist so wahnsinnig selten.
Projektwochen könnte man viel öfter machen, denn da lernt man mal das Lernen an sich.Es wäre vielleicht was, wenn man Gruppen bildet (immer andere, damit Cliquenbildung verhindert wird - oder auch einzeln, je nach Menge des Stoffes) und die Schüler ein Teilthema erarbeiten und dann den anderen beibringen.
Der Lehrer betreut dann nur und ist dafür zuständig, dass alles erwähnt wurde.
Sowas könnte man z.B. zum Ende eines Schuljahres machen, wenn eine Basis da ist und sich das Thema teilen lässt.
Oder, wenn es immer nur Kleinigkeiten sind, als Einzelhausaufgabe (jeder kriegt die mal) und dann am Beginn der nächsten Stunde vortragen.So lernt man gleich, sich Neues zu erarbeiten und verliert nach und nach die Angst vor anderen zu reden.

Etwas selbst erreichen, das wird in der Schule sehr vernachlässigt, im Studium oder Beruf soll man es dann plötzlich können.

Was auch nett wäre, wäre ein Benotungssystem für Lehrer. Oder dass man nur für ein Fach den Lehrer wechseln könnte.
Beste Beispiele:
Bio 9. und 10. Klasse: Die Tante war soooo langweilig, ich hab es erst noch ehrlich versucht, dem Unterricht zu folgen - keine Chance. Trotz aller Bemühungen links rein, rechts raus. Keine Arbeit besser als 4-. Ich wurde eigentlich nur versetzt, weil ich alle Stunden anwesend war und nicht gestört habe.
Dann kam für ein paar Wochen eine Referendarin, bei der habe ich plötzlich, trotzdem mir 1,5 Jahre fehlten wieder was verstanden und sogar eine 3 bekommen.Oder Englisch: Ich hatte immer ne 2, ohne was zu tun. Dann kam die 11. und ich sauste auf 5.
Dank Sperrklausel (zuwenig Wörter im Aufsatz) gabs dann auch noch ne 5 in einer Arbeit. Beschwerden halfen nix und es gab Nachhilfe. Die wollten mich gleich wieder nach Hause schicken, weil ich so gut war.
Naja, ich bin mit 4- rausgekommen, weil ich ja die Schule verlassen habe und ein gutes Zeugnis gebrauchen konnte.
Die Englischlehrerinnen auf der Berufsschule (TAFI) wussten mit mir nix anzufangen, ich konnte alles schon.
Ich durfte zum Schluß sogar im Unterricht Star Wars lesen - auf Englisch allerdings.
Ein Gegenbeispiel (aber nur teilweise) war mein Physik und Mathelehrer:
Der unterrichtete fächerübergreifend, also mal in Mathe ne Formel aus Physik ausrechnen oder weils grade nötig war in Physik ne neue Technik aus Mathe lernen.
Leider waren wir wohl so verweichlicht von anderen Lehrern, dass bei ihm die Noten generell schlechter ausfielen.
Cool war nur dann im Bewerbungsgespräch: "Eine 2 in Informatik... hmm, dieunddie Schule... bei wem hatten Sie?"
"Herr Sowieso."
"Ahja, dann ist die so gut wie eine 1, okay."

Und die Pausen waren immer das beste, einmal hat er sogar das Funktionsprinzip von Ionenkanonen und Laserschwertern erklärt.Hätte man die Lehrer bewerten können, wäre der in Grund und Boden gestimmt worden - weil man bei ihm mit Auswendiglernen nicht weit kam.
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Abstimmungen sind Nichts, da kann es passieren, dass vermeintlich unliebsame Lehrer rausgemobbt werden, weil die Schüler einfach zu dämlich sind. Man muß Anreize (Zwänge) schaffen, die die Leute motivieren.
1. Die Lehrer brauchen mehr soziale Kompetenz: Hausbesuche, Strafarbeiten, Verteilung von Kopfnoten (Betragen, Ordnung, Fleiß, Mitarbeit), die bei Bewerbungen eine Rolle spielen.
2. Die Schüler müssen mehr integriert (AGs, Gruppennachmittage) und zur Eigenverantwortung erzogen werden.
3. Schuluniform, das gilt auch und gerade für alle Kanacken.
Das System hat schon mal prächtig funktioniert, nannte sich Bildungssystem in der DDR. Hat zu einem hohen Bildungsstand und selbsständigen Menschen geführt, die es sogar unter dem Druck eines starren und eigentlich unstürzbaren Regimes (1 Mio Waffenträger, jeder 7. Parteimitglied) geschafft haben die Welt zu verändern. Weil die große Masse befähigt war selbsstätig zu Denken und Entscheidungen zu treffen.
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Erhard Henkes schrieb:
Manche meinen, dass es die Schule fertig bringt, aus Kindern, die interessiert, neugierig und durstig nach Wissen in die Schule kommen, innerhalb von wenigen Jahren apathische und desinteressierte Schüler zu machen. Am Anfang kommen die Schüler, weil sie wollen, zum Schluss nur, weil sie kommen müssen.
genau das ist meine eigene erfahrung...
allerdings würde ich den letzten satz relativieren wollen, denn was eltern mit ironischen bemerkungen alles anrichten können, ist denen selbst nicht klar. die ganze umwelt transportiert doch unterbewußt die botschaft "oh, schule, das _muß_ man, der "normale" schüler ist faul -> kind denkt "oh nein, ich _muß_, und ich muß normal sein, also faul).F98 schrieb:
1. Die Lehrer brauchen mehr soziale Kompetenz: Hausbesuche, Strafarbeiten, Verteilung von Kopfnoten (Betragen, Ordnung, Fleiß, Mitarbeit), die bei Bewerbungen eine Rolle spielen.
welcher schüler läßt sich von böhösen zahlen beeindrucken? hat mich meine note in "betragen" oder "ordnung" jemals gestört? oder jemanden anders seine? nein!
F98 schrieb:
2. Die Schüler müssen mehr integriert (AGs, Gruppennachmittage) und zur Eigenverantwortung erzogen werden.
jaja, die üblichen "coolengangs" geben den ton an, unauffällige leute werden wieder an den rand gedrängt... thats typsich for "gruppenarbeit/AG"
F98 schrieb:
3. Schuluniform, das gilt auch und gerade für alle Kanacken.
spätestens an dieser stelle hast du deine ... mir fällt trotz sprachgewandtheit kein wort ein, vielleicht "einfache geistige strickung" offenbart- herzlichen glückwunsch, das schaffen nicht alle so schnell und gut!
F98 schrieb:
Das System hat schon mal prächtig funktioniert, nannte sich Bildungssystem in der DDR. Hat zu einem hohen Bildungsstand und selbsständigen Menschen geführt, die es sogar unter dem Druck eines starren und eigentlich unstürzbaren Regimes (1 Mio Waffenträger, jeder 7. Parteimitglied) geschafft haben die Welt zu verändern. Weil die große Masse befähigt war selbsstätig zu Denken und Entscheidungen zu treffen.
jo, hier war früher auch alles besser.
und weil du es ja vergessen hast, möchte ich noch die arbeitslosigkeit erwähnen, die ja bekanntlich 0% betrug. tjaja, war schon toll damals.
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F98 schrieb:
Abstimmungen sind Nichts, da kann es passieren, dass vermeintlich unliebsame Lehrer rausgemobbt werden, weil die Schüler einfach zu dämlich sind. Man muß Anreize (Zwänge) schaffen, die die Leute motivieren.
1. Die Lehrer brauchen mehr soziale Kompetenz: Hausbesuche, Strafarbeiten, Verteilung von Kopfnoten (Betragen, Ordnung, Fleiß, Mitarbeit), die bei Bewerbungen eine Rolle spielen.
2. Die Schüler müssen mehr integriert (AGs, Gruppennachmittage) und zur Eigenverantwortung erzogen werden.
3. Schuluniform, das gilt auch und gerade für alle Kanacken.
Das System hat schon mal prächtig funktioniert, nannte sich Bildungssystem in der DDR. Hat zu einem hohen Bildungsstand und selbsständigen Menschen geführt, die es sogar unter dem Druck eines starren und eigentlich unstürzbaren Regimes (1 Mio Waffenträger, jeder 7. Parteimitglied) geschafft haben die Welt zu verändern. Weil die große Masse befähigt war selbsstätig zu Denken und Entscheidungen zu treffen.
Das meinst du doch ironisch, oder?

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scrub schrieb:
F98 schrieb:
Das System hat schon mal prächtig funktioniert, nannte sich Bildungssystem in der DDR. Hat zu einem hohen Bildungsstand und selbsständigen Menschen geführt, die es sogar unter dem Druck eines starren und eigentlich unstürzbaren Regimes (1 Mio Waffenträger, jeder 7. Parteimitglied) geschafft haben die Welt zu verändern. Weil die große Masse befähigt war selbsstätig zu Denken und Entscheidungen zu treffen.
jo, hier war früher auch alles besser.
und weil du es ja vergessen hast, möchte ich noch die arbeitslosigkeit erwähnen, die ja bekanntlich 0% betrug. tjaja, war schon toll damals.Ich denke, im DDR-Schulsystem kann man mal gucken, was es da für Ansätze gab, denn die können nicht so schlecht gewesen sein.
Ich kenne zwar nicht viele, die dort zu der Zeit in der Schule waren - aber einen auf dessen Meinung ich da schon vertraue.
Der sagt auch, dass da einiges anders und besser war. Auch einer seiner damaligen Lehrer beklagte sich kurz nach der Wende, dass die Lehrpläne so gräßlich wären. Teilweise kamen Sachen erst Jahre später als vorher dran.
Zum Ansätze suchen sollte das durchaus geeignet sein.

Und Schuluniformen begrüße ich auch. Ich finde diesen Markenwahn, der zu meiner Zeit aufkam und immer schlimmer wurde, schrecklich.

Wäre das nicht so schlimm, dann wäre es mir egal - so bin ich definitiv dafür.1. Die Lehrer brauchen mehr soziale Kompetenz: Hausbesuche, Strafarbeiten, Verteilung von Kopfnoten (Betragen, Ordnung, Fleiß, Mitarbeit), die bei Bewerbungen eine Rolle spielen.
welcher schüler läßt sich von böhösen zahlen beeindrucken? hat mich meine note in "betragen" oder "ordnung" jemals gestört? oder jemanden anders seine? nein!
Solange den Schülern das nicht abgewöhnt wird, lassen die sich beeindrucken. Du schreibst doch kurz vorher selber, dass es von blöden Sprüchen kommt.

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estartu schrieb:
Zum Ansätze suchen sollte das durchaus geeignet sein.
klingt für mich schon wesentlich anders als "das DDR- bildungssystem hat funktioniert, das sollten wir wieder einführen".
scrub schrieb:
Und Schuluniformen begrüße ich auch. Ich finde diesen Markenwahn, der zu meiner Zeit aufkam und immer schlimmer wurde, schrecklich.

Wäre das nicht so schlimm, dann wäre es mir egal - so bin ich definitiv dafür.man kann auch generelle bedingungen vorgeben, bspw. ober- und unterkörper müssen vollständig bedeckt sein, es darf keine marke sichtbar sein usw.
selbst wenn, später verlagert sich die markenidiotie eben auf den rest des tages. und in der schule wird dann über die loser getratscht, die gestern abend mit billigklamotten in der stadt unterwegs waren.
wärs nicht viel besser, wir würden unsere kinder von vornherein von diesem irrsinn fernhalten? aber nein, eltern wollen ja, daß ihr kind "freunde hat" und "dazugehört"- da wird das natürlich nicht funktionieren.estartu schrieb:
Solange den Schülern das nicht abgewöhnt wird, lassen die sich beeindrucken. Du schreibst doch kurz vorher selber, dass es von blöden Sprüchen kommt.

ich habe im moment keinen anlaß zur annahme, daß sich dies ändern wird.
falls doch, begrüße ich es außerordentlich. ich halte es aber einfach für unwahrscheinlich- warum sollten sich eltern auf einmal intelligenter verhalten, das paßt schließlich nicht in unsere derzeitige gesellschaft.
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Erhard Henkes schrieb:
Manche meinen, dass es die Schule fertig bringt, aus Kindern, die interessiert, neugierig und durstig nach Wissen in die Schule kommen, innerhalb von wenigen Jahren apathische und desinteressierte Schüler zu machen. Am Anfang kommen die Schüler, weil sie wollen, zum Schluss nur, weil sie kommen müssen.
Ja, das mit der Desinteresse kann ich so unterschreiben. Zum Glück wurde das in der Uni wieder anders.
Erhard Henkes schrieb:
Wie ist eure Erfahrung und wie kann das besser werden?
Man sollte Deutsch ab dem Zeitpunkt, wo es nicht mehr primär um den Erwerb der Muttersprache geht, abwählen dürfen. Man sollte in der Sexta nicht gezwungen werden dürfen Blockflöte zu spielen wenn man das Instrument für absolut dämlich hält usw. Mir kam es während der Schulzeit oft so vor, als ob die nicht genug Stoff haben um einen 13 Jahre den Vormittag über zu beschäftigen und sich deswegen irgendwelchen Quatsch zum auffüllen ausdenken.
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scrub schrieb:
welcher schüler läßt sich von böhösen zahlen beeindrucken? hat mich meine note in "betragen" oder "ordnung" jemals gestört? oder jemanden anders seine? nein!
Als Chef würde mich das schon interessieren, ob ich eine Lusche bekomme oder jemand der Ornung hält und sich benehmen kann.
scrub schrieb:
jaja, die üblichen "coolengangs" geben den ton an, unauffällige leute werden wieder an den rand gedrängt... thats typsich for "gruppenarbeit/AG"
Entweder fehlt Dir die Erfahrung in der Richtung, oder Du hast mich falsch verstanden.
Es geht mir nicht um sich verfeindende Gangster-Geddo-Ruler-Gangs und abdrängen, sondern um Integration, ein gesundes System funktioniert nur im Zusammenspiel von allem, nicht durch Trennung von Elite und dem Rest.scrub schrieb:
spätestens an dieser stelle hast du deine ... mir fällt trotz sprachgewandtheit kein wort ein, vielleicht "einfache geistige strickung" offenbart- herzlichen glückwunsch, das schaffen nicht alle so schnell und gut!
Eher umgekehrt. Stell dich mal in Benztown oder Berlin auf den Hauptbahnhof, geh mal in die Schulen usw. Guckt Dir einfach mal nüchtern (nicht im Sinne von besoffen) die Menschen an ... Was fällt Dir auf?
scrub schrieb:
jo, hier war früher auch alles besser.
und weil du es ja vergessen hast, möchte ich noch die arbeitslosigkeit erwähnen, die ja bekanntlich 0% betrug. tjaja, war schon toll damals.Ach hör auf. Du hast nicht ansatzweise begriffen, was ich damit schreiben wollte.
Nein. Ist mein voller Ernst.
@all
Wenn früher im Ort ein Schüler meiner POS (Polytechnischen Oberschule) was geklaut, kaputtgemacht, andere schikaniert usw. hat der sich vom Klassenlehrer eine verbale Abreibung abholen dürfen, die sich gewaschen hatte. Bei Wiederholung Fahnenappell mit öffentl. Schmähung, Strafdienst usw.
Das hat Wirkung gezeigt und KEINEM geschadet.
Stellt euch dass mal heute vor ...
"Lieber Schüler, wir bitten sie höflichst doch mal wieder z. Schule zu kommen. MfG die Schulleitung."
PS: Ich bin heute tierisch in Form.
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scrub schrieb:
ich habe im moment keinen anlaß zur annahme, daß sich dies ändern wird.
falls doch, begrüße ich es außerordentlich. ich halte es aber einfach für unwahrscheinlich- warum sollten sich eltern auf einmal intelligenter verhalten, das paßt schließlich nicht in unsere derzeitige gesellschaft.Tja, egal wen man hört, früher war es besser.

Nur Lösungen fallen keinem ein.Wie alt bist du etwa? Ich bin in dem Alter, dass ich "Eltern" sein könnte - habe aber keine Ahnung, wie ich die Tips von dir durchsetzen sollte. Ich glaube, dass ist alles plötzlich ganz anders, wenn man ein Kind hat - da sieht man die Welt aus einer anderen Perspektive.
Wenn man selbst betroffen ist, machen solche tollen Tips wie man sie immer liest nie Sinn.

Ich kenne das ja noch recht gut aus der anderen Perspektive: "Lass die reden..." "Die sind nur neidisch..." "Was dich nicht umbringt macht dich stark."
Solche Sprüche sind im Nachhinein richtig - helfen akut aber überhaupt nicht.Und für akut brauchen wir Lösungen, denn das Bildungssystem ist scheisse, die Schüler scheinen mit jedem neuen Jahr mehr einen an der Waffel zu haben (heute möchte ich nicht mehr zur Schule müssen) und die Eltern und Lehrer werden wohl auch von Tag zu Tag unfähiger.
Wenn es nicht nur die Schulen sind, wo willst du ansetzen?

[Provoziermodus an]Oder doch wieder eine volle Kontrolle des Lebens wie in der DDR, wo alles organisiert war und man gar nicht auf dumme Gedanken kommen konnte?[/aus]
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EDIT: quatsch
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Das stimmt nicht, trotz des übergeordneten Systems hatte jeder seine Freiheiten.
Meingott, wo kann man nur ansetzten und die Menschen aufklären, dass die DDR nicht nur aus Grau, Staatssicherheit, SED usw. bestand. Sondern, dass die Menschen auch gelebt haben, nur eben auf einem niedrigeren Standard-Level als in der BRD.
Auch gab es in der DDR: Asoziale, Rechte, Punks usw. nur eben verschwindend gering.
Die ach so tolle gelobte Freiheit des Menschen - ist sie wirklich so toll? 80% der Bevölkerung kommen damit doch überhaupt nicht klar, im kleinen wie im großen. Diese Freiheit bringt dem Einzelnen nur was, wenn er befähigt ist was damit anzufangen, Eingeninitiative zu zeigen. Das kann man nur in der Jugend lernen, indem man auch mal die Grenzen und gewisse Bahnen vorgezeigt bekommt. Und das ist z.Z. bei uns nicht der Fall.
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estartu schrieb:
Und für akut brauchen wir Lösungen, denn das Bildungssystem ist scheisse, die Schüler scheinen mit jedem neuen Jahr mehr einen an der Waffel zu haben
Ist doch ein guter Härtetest! Wer es trotz des grottigen Bildungssystems schafft nicht vollständig zu verblöden hat die besten Qualifikationen um einen Job im Ausland zu bekommen.</sarkasmus>
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F98 schrieb:
Das stimmt nicht, trotz des übergeordneten Systems hatte jeder seine Freiheiten.
Jaja, früher war alles besser!

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Erhard Henkes schrieb:
Im Unterricht existieren durchschnittlich 20 % Schüleräußerungen, 68 % Lehreräußerungen und 12 % Schweigen und Durcheinander.
Ist das jetzt eigentlich gut oder schlecht?
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Walli schrieb:
Man sollte Deutsch ab dem Zeitpunkt, wo es nicht mehr primär um den Erwerb der Muttersprache geht, abwählen dürfen.
Genau, sonst läuft man Gefahr mit Literatur und anderen kulturellen Dingen in Berührung zu geraten.

sollte man Mathe dann auch abwählen können, nachdem es nicht mehr primär um das erlernen von Rechenfertigkeiten geht? Sagen wir bis Brüche und Prozentrechnen. Wurzeln könnte man sich ja schon streiten.
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F98 schrieb:
Das stimmt nicht, trotz des übergeordneten Systems hatte jeder seine Freiheiten.
Meingott, wo kann man nur ansetzten und die Menschen aufklären, dass die DDR nicht nur aus Grau, Staatssicherheit, SED usw. bestand. Sondern, dass die Menschen auch gelebt haben, nur eben auf einem niedrigeren Standard-Level als in der BRD.
Auch gab es in der DDR: Asoziale, Rechte, Punks usw. nur eben verschwindend gering.
Hey, es stand extra dran, dass ich provozieren wollte - allerdings die Leute, die die DDR so schrecklich finden und nicht dich.

Ich bin zu jung und sowieso Wessi, das einzige, was ich aus der DDR wirklich kenne ist das Sandmännchen und der Trabbi.

Aber mein Bekanntenkreis hat sich doch um einige Leute erweitert und deren Erzählungen sind für mich wahnsinnig interessant.
Vieles war anders als man es sonst so erzählt bekommt und so einiges hätte ich gerne gehabt.
Zum Beispiel das reichhaltige Nachmittagsangebot. Okay, ich hab nur erzählt bekommen, was es im Pionierpark so gab (und noch teils heute gibt) aber im Kleinen soll es das überall gegeben haben.
Sorry, aber wo in Wessilanden haben Kinder eine eigene Eisenbahn? Eine grosse, mit der man mitfahren kann?
Oder Werkstätten um sich handwerklich auszutoben? Die Schulen schließen ab und zu Hause hat man sowas eigentlich nie, vor allem nicht mit Gruppe und Betreuung drumherum.
Ich habe sowas nie kennengelernt - sonst wäre ich dort gewesen... bei meinem Bastelwahn.
Meine Schilderung ist jetzt extrem lückenhaft, aber vielleicht seht ihr grob, was ich meine.
Wenn man was hat, wo man hingehen kann, auf einen aufgepasst wird und man "forschen" kann, dann hängt man nicht am Bahnhof ab und pöbelt rum - sondern macht was produktives und gibt dann damit an, wer die schönsten Sachen gebaut hat. Wenn SOWAS plötzlich zum Statusobjekt werden würde, dann würde sich einiges drehen.
Klar gibt es auch negative Beispiele, aber wenn nicht wäre das schon komisch.

Um auf deine Frage zurück zu kommen, wie man den Menschen beibringt, dass DDR nicht nur böse war...
...je nach Aufnahmebereitschaft werden sie dir irgendwann oder nie zuhören.
Für mich ist das Geschichtsunterricht lebendig, da bin ich so scharf drauf wie auf die Geschichten meiner Mutter aus dem Krieg - total spannend.
Aber andere, die haben da mehr Probleme mit, sich das mal einfach nur anzuhören.
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Erhard Henkes schrieb:
Wie ist eure Erfahrung und wie kann das besser werden?
IMHO sollte man das Bewertungssystem transparenter und faktenorientierter machen. Warum kann ein Lehrer nicht am Anfang des Halbjahres etwas sagen wie "Es wird x Übungszettel geben und Ihr braucht davon y Punkte für die Note z im mündlichen, zusätzlich gibt es 2 Klausuren,...". In der Uni geht das doch auch. Stattdessen ist es oft so, dass der die guten Noten kriegt, der am lautesten schreit, egal wie trivial oder dumm es ist, was derjenige sagt.
Ok, diese Meinung beruht natürlich auf meiner persönlichen Schullaufbahn: Ich habe mündlich immer deutlich schlechter als schriftlich abgeschnitten und in "der einzigen" mündlichen Prüfung am Schluss war ich auch deutlich besser als die Einschätzung davor war. Aus meiner Sicht ist soetwas schon deprimierend. Andere Leute werden da aber wohl die genau gegenteilige Meinung haben in der Art "Der ist von seiner Perönlichkeit halt nicht für ne bessere Note geeignet". Das ist ja auch ein Spiegelbild der Gesellschaft: Da kommen auch die nach oben, die am lautesten schreien, egal wie blöd das ist.
Von "mehr Schülebeteiligung" im Unterricht halte ich entsprechend gar nichts. IMHO ist die fast gar nicht nötig: "Was soll man sich das dumme Geschwafel von den anderen anhören müssen?". Stattdessen sollte man lieber mal die Anforderungen ein gutes Stück nach oben setzen, schließlich wächst man mit seinen Aufgaben. In der Schule musste ich mich nie wirklich auf eine Prüfung vorbereiten, in der Uni lerne ich hingegen ohne Probleme schonmal 100 Stunden für eine einzige Prüfung. Dann kann man doch auch von nem Schüler erwarten, dass er Anforderungen packt, die vielleicht 10 Stunden Vorbereitung erfordern.

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In der Schule werden sicher viele Fehler gemacht. Aber man darf auch nicht vergessen, dass die Eltern auch eine gewisse Last tragen müssen.
Die Klassen müssten definitiv kleiner sein. Mittlerweile ist es ja normal, dass die 5. Klasse über 30 Schüler hat. Das aufteilen in unterschiedliche Lerngruppen wäre sinnvoll. So kommt es oft vor, dass die Kurse für die einen Schüler zu langsam und für die anderen Schüler zu schnell sind.
Regelmäßige Vergleichsprüfungen (nicht nur schriftlich, auch mündlich): Zur Zeit hat der einzelne Lehrer noch zu viel Einfluss auf die Leistung der Schüler. Mit Vergleichsprüfungen kann man schlechte Lehrer leichter filtern.
Stärkere Vermittlung von Lern- und Arbeitsstrategien. Das kommt einfach viel zu kurz oder wird viel zu schlecht erklärt.
Ein weiterer wichtiger Punkt besonders für die jungen Stufen, dass die Schule einen stärkeren Erziehungsauftrag erhält. Ein enormes Problem ist einfach Disziplinlosigkeit. Das kommt oft durch Fehler im Elternhaus. Teilweise ist es zum Beispiel nicht möglich (Alleinerziehendes Elternteil), dass die Eltern genug Zeit für das Kind aufbringen und so ein wichtiger Prägungsteil fehlt.
Die Länder, die so erfolgreich beim Pisatest waren, haben alle den sozialen Part der Familie in die Schule integriert. In Deutschland ist das nicht so, daher ist es in Deutschland so wichtig, aus welchem Elternhaus man stammt.